Motion Schwander: AHV-Rentner von der Bundessteuer befreien
Der Ständerat hat die Motion mit 35 gegen 5 Stimmen verworfen. Die Beratung fand im Rahmen der a.o. Session statt.
Ständerat lehnt Steuererhöhung bei der Altersvorsorge ab
Einer Mitteilung des Arbeitgeberverbands ist zu entnehmen, dass der Ständerat im Rahmen der Beratung des Entlastungspakets 27 die Höherbesteuerung von Kapitalbezügen in der 2. und für die Säule 3a abgelehnt hat. Der Verband hält fest:
Der Schweizerische Arbeitgeberverband begrüsst die Streichung der geplanten höheren Besteuerung von Kapitalbezügen aus der 2. und 3. Säule. Diese Massnahme hätte das Vertrauen in das bewährte Dreisäulensystem und die langfristige Altersvorsorge untergraben und den Anreiz für eigenverantwortliches Sparen und freiwillige Einzahlungen massiv reduziert.
Dieser Schritt ist darüber richtig, da der Bund ein Ausgaben- und kein Einnahmeproblem hat. Anstatt die Steuerlast für individuelle Vorsorgesparer zu erhöhen, sollte die Stabilisierung des Bundeshaushaltes primär über die Reduktion der Ausgaben erfolgen.
Immobilien: gesucht und knapp
SRF berichtet über die Entwicklung und Probleme der Immobilienanlagen von Pensionskassen.
More22 Prozent der Anlagen von Schweizer Pensionskassen fielen 2023 auf Immobilien. Das zeigen Zahlen des Bundes. Seitdem geht es weiter aufwärts, sagt Romano Gruber, Immobilienexperte beim Beratungsunternehmen PPC Metrics.
Die Immobilieninvestitionen hatten sich bereits in der Vergangenheit kontinuierlich erhöht: 2004 waren es noch 14 Prozent aller Anlagen gewesen. Pensionskassen spüren den Anlagenotstand zunehmend. Zinsprodukte wie Obligationen werfen im Tiefzinsumfeld kaum noch Rendite ab, und einen grossen Anteil in Aktien anzulegen, ist zu riskant.
Von den 22 Prozent, die zuletzt in Immobilien steckten, entfielen 19 Prozent auf Schweizer Immobilien. «Man investiert in das, was man kennt», sagt Romano Gruber. «Man kann die Immobilien besichtigen, im Ausland ist das etwas schwieriger.»
Zudem seien Fremdwährungen ein Hindernis, denn «die Renten müssen schliesslich in Schweizer Franken bezahlt werden». Die Hälfte der Schweizer Pensionskassen investiert im Bereich Immobilien ausschliesslich in der Schweiz.
OAK-Weisung «Empfehlungen an die Aufsichtsbehörden»
Die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) hat die Mitteilungen M – 01/2025 «Empfehlungen an die Aufsichtsbehörden nach Art. 61 BVG für die Beurteilung der finanziellen Risiken der beaufsichtigten Vorsorgeeinrichtungen» publiziert. Diese Mitteilungen ergänzen die Weisungen W – 01/2025 der OAK BV «Mindestanforderungen an die Aufsichtstätigkeit der Aufsichtsbehörden nach Art. 61 BVG».
Die OAK BV empfiehlt den Aufsichtsbehörden, ein Instrument zu verwenden, das eine systematische Beurteilung der finanziellen Risiken ihrer beaufsichtigten Vorsorgeeinrichtungen ermöglicht. Für die Gesamtbeurteilung einer Vorsorgeeinrichtung durch die Aufsichtsbehörden sind Kennzahlen zur Risikobeurteilung ein wichtiges unterstützendes Mittel.
Entsprechend enthalten die Mitteilungen einen Vorschlag für ein Kennzahlenset, das den Aufsichtsbehörden zur Beurteilung verschiedener finanzieller Risiken dient.
IFZ-Studie 2025 zu den SGE: die Last der Regulierung
Die alljährlich erscheinende IFZ Studie bestätigt, dass sich die Konsolidierung unter den Anbietern beruflicher Vorsorge fortgesetzt hat. Den Trend fasst der Initiator der Studie, Prof. Dr. Florian Schreiber, so zusammen: «Weg von firmeneigenen Lösungen – hin zu kollektiven Modellen». Auf der UBS-Website wird dazu weiter ausgeführt:
Hinter dem Konzentrationsprozess in der Branche verbergen sich drei strukturelle Entwicklungen:
- Erstens nimmt die Zahl der Vorsorgeeinrichtungen insgesamt ab. Ende 2024 waren noch 1285 Vorsorgeeinrichtungen aktiv – ein Rückgang um mehr als ein Drittel im Vergleich zu 2012 und um mehr als 90 Prozent gegenüber der Inkraftsetzung des BVG im Jahr 1985.
- Zweitens verschieben sich die Marktanteile von kleinen Pensionskassen hin zu Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen (SGEs). Ende des Jahres 2023 standen 232 Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen (SGEs) noch 1088 übrigen Pensionskassen gegenüber (2022: 233 vs. 1120).
- Drittens werden viele der verbliebenen Marktteilnehmer grösser. Sie verwalten die Vorsorgegelder von immer mehr Versicherten. Kümmerten sich im Jahr 2008 noch drei Viertel der Vorsorgeinstitutionen um weniger als 500 aktive Versicherte, waren es Ende 2023 nur noch 54,6 Prozent. Gleichzeitig wuchs der Anteil von Einrichtungen mit mehr als 10 000 aktiven Versicherten von 2,5 auf 6,4 Prozent. Eine durchschnittliche SGE umfasst 15 134 aktiv Versicherte.
More«Während sich der Markt weiter konsolidiert, verschwinden zahlreiche kleinere, firmeneigene Pensionskassen», beobachtet Florian Schreiber. «Sie können den steigenden Anforderungen an Effizienz, Regulierung und Risikomanagement kaum noch gerecht werden und schliessen sich einer Sammeleinrichtung an, die Skaleneffekte nutzt und professionelle Strukturen bietet.»
Die Bedeutung der Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen ist dadurch in den vergangenen Jahren immer grösser geworden. «Sie haben sich zu tragenden Pfeilern der beruflichen Vorsorge in der Schweiz entwickelt», urteilt Florian Schreiber.
ESG-Studie 2025
Picard Angst hat ihre ESG-Studie 2025 für institutionelle Anleger publiziert und hält dazu fest:
Für die vorliegende Studie wurden reale institutionelle Portfolios im Umfang von rund 150 Mrd. Schweizer Franken detailliert untersucht. Dieses Anlagevolumen setzt sich aus den Anlageallokationen von 71 Pensionskassen, Sammelstiftungen und Versicherungen aus der Deutschund Westschweiz zusammen.
Die Portfolios wurden anhand von fünf etablierten Klimaindikatoren bewertet. ESG- und insbesondere Environment Ratings wurden dabei bewusst nicht berücksichtigt, weil sie aktuell nicht Bestandteil der Reporting Empfehlungen sind und methodisch schwer vergleichbar sind.
Grundlage für die Analyse bilden die Daten von MSCI ESG Research. Es wurden sämtliche Anlagekategorien berücksichtigt, für welche eine solide Datengrundlage mit hoher Abdeckung verfügbar ist. Dazu gehören die Aktien, die Unternehmensund Staatsanleihen sowie die Wandelanleihen.
Alternative Anlagen, Derivate, Immobilien und Rohstoffe wurden hingegen nicht bewertet. Ziel war es, breit abgestützte Erkenntnisse zum Klimaprofil in der institutionellen Vermögensverwaltung in der Schweiz zu gewinnen und relevante Entwicklungen und Handlungsoptionen aufzuzeigen.
Abschliessend wird festgestellt:
MoreLinke Pläne und bürgerliches Versagen
In der Gewerbezeitung hält Kollege Werner C. Hug den bürgerlichen Politikern eine Kapuzinerpredigt. Sie haben nicht begriffen, was sich hinter der von der Linken geforderten Überwindung des Kapitalismus verbirgt. Im Parteiprogramm der SP nebulös formuliert, wird inhaltlich konsequent die Abschaffung von Kapital- und Marktwirtschaft gefordert. Das betrifft in besonderem Masse auch die Sozialversicherung und die 2. Säule. Hug schreibt:
MoreDie Jusos prägen seit Beginn des neuen Jahrhunderts die Politik der SP. Die bürgerliche Mehrheit hat jedoch die Strategie der Linken bis heute noch nicht begriffen. Im Gegenteil: Bewusst oder unbewusst unterstützt sie den Ausbau der staatlichen Tätigkeiten.
Das beginnt bei der Geburt mit erweiterten Vater- und Mutterschaftsferien, mit der Finanzierung von Kitas durch den Bund, der Forderung nach Durchmischung in den Schulen, der Indoktrinierung der Gymnasien über ihre Lehrer, die teilweise sogar bis in die Universitäten reicht, mit Mindestlöhnen, mit einem Leistungsausbau im Gesundheitswesen, usf.
Die Sozialversicherungen werden über Umverteilungen ausgebaut, Eigenverantwortung wird zum Fremdwort. Finanziert werden alle diese staatlichen Leistungen von den «Reichen», die ja sowieso von zu tiefen Steuern profitieren.
Schon heute verlangt die SP – gemäss Parteiprogramm – dass AHV und Pensionskassen, aber auch die Notenbank ihre Gelder nur «sozial-ökologisch» anlegen sollen. Dabei haben alle drei genannten Institutionen in erster Linie die Aufgabe, ihr anvertrautes Kapital sicher und renditeorientiert zu investieren.
Technische Grundlagen BVG2025: Steigende Lebenserwartung und Invalidierung
Die neuen technischen Grundlagen BVG2025 der beiden Herausgeber – Libera und Aon – wurden veröffentlicht. Sie zeigen eine weiterhin steigende Lebenserwartung für beide Geschlechter, vor allem aber eine markant höhere Wahrscheinlichkeit invalid zu werden, wovon vor allem Personen unter 40 Jahren betroffen sind.
MoreFür die technischen Grundlagen BVG 2025 haben insgesamt 14 grosse autonome Pensionskassen ihre Daten der Jahre 2020 bis 2024 zur Verfügung gestellt. Die Datenbasis, die rund 1.5 Millionen aktive Versicherte und 0.9 Millionen Rentenbezüger umfasst, zeigt, dass die in der Schweizer beruflichen Vorsorge versicherten Personen weiterhin ein immer höheres Alter erreichen – und damit auch immer länger Vorsorgeleistungen beziehen.
So ist die beobachtete Lebenserwartung der 65-jährigen Männer und Witwer innerhalb von fünf Jahren um etwa 0.4 Jahre auf 20.8 Jahre angestiegen. Bei den gleichaltrigen Frauen hat sich die Lebenserwartung um etwa 0.3 Jahre auf 22.5 Jahre erhöht.
Bei den Witwen hingegen wurde eine deutlich stärkere Zunahme der Lebenserwartung um gut 0.5 Jahre auf 22.6 Jahre beobachtet.
«Zwei-Klassen-Vorsorge» bei der UBS
Gemäss eines Berichts von Inside Paradeplatz erhalten die in der UBS-PK versicherten Angestellten der UBS eine Verzinsung von 7,5%, jene bei der CS-Kasse von 5%. Dazu schreibt Lukas Hässig:
MoreEs klingt für die meisten Versicherten wie eine Meldung aus dem Schlaraffenland. „Die PK UBS verzinst Ende 2025 die Altersguthaben mit 7,5%“, so der Titel einer internen Mitteilung. Der Satz gelte „für Versicherte der Pensionskasse der UBS (PK UBS)“, steht darunter – in fett gesetzter Schrift.
Damit ja keiner der übernommenen Credit Suisse auf den Gedanken kommt, dass er ebenfalls Anrecht auf die eindrückliche 7,5 Prozent Verzinsung aufs eigene Altersguthaben habe. Bei der CS-PK sind es nämlich deutlich weniger. 5 Prozent. (…)
Bis 2020 war von solch eindrücklichen Werte nichts zu sehen. Zwischen 2015 und 2020 betrug die jährliche Verzinsung der Altersguthaben zwischen 1,25 Prozent (2015) und 3,5 Prozent (2019).
Die CS-Versicherten sehen sich auch beim Umwandlungssatz im Hintertreffen. Per 2027 passt sich die PK der untergegangenen Grossbank dem Modell von „Siegerin“ UBS an.
«Vollversicherung unter Druck»
Das Medienportal «BusinessClass» hat ein Interview mit Felix Brandenberger, Mitglied der Asga-Geschäftsleitung, geführt. Dabei ging es um die Situation der Vollversicherung (eine Konkurrenz zum Asga-Modell), Fragen zum Wechsel der PK, der Transparenz oder zur Rolle der Broker. Zur Situation der Vollversicherung meint Brandenberger:
«Die Vollversicherung in der beruflichen Vorsorge kommt zunehmend unter Druck. Hohe Kosten, Anlagenotstand, begrenzte Renditen und steigende Lebenserwartung machen sie für die Anbieter von Vollversicherungslösungen und die Unternehmen immer unattraktiver. Trotzdem bereichert die Vollversicherung die verschiedenen Vorsorgemodelle und bietet den Unternehmen, für welche die Werterhaltungsgarantie auf den Sparguthaben der Versicherten ein wichtiges Anliegen ist, eine sinnvolle und notwendige Ergänzung.
Aufgrund strenger regulatorischer Vorgaben, eines angespannten Zinsmarktes und des Kostendrucks der Unternehmen ist wohl davon auszugehen, dass das Vollversicherungsmodell auch in den nächsten Jahren unter Druck bleiben wird. Die Asga gibt praxisnahe Auskunft und beantwortet die wichtigsten Fragen, um Unternehmen und Versicherte bei der Orientierung in diesem komplexen Umfeld zu unterstützen.»
UBS erbt Blackrock-Mandat
Blackrock ist für den niederländischen Pensionsfonds PME nicht mehr grün genug und vergibt einen Teil des Aktien-Mandats von 5,9 Mrd. Dollar an die UBS. Finews schreibt dazu:
Die UBS kann sich über ein neues Vermögensverwaltungsmandat freuen. Die niederländische Pensionskasse PME, die Arbeitnehmer in der Metall- und Technologiebranche versichert, hat die jahrelange Zusammenarbeit mit dem US-Vermögensverwalter Blackrock beendet, wie es in einer Medienmitteilung vom Dienstag heisst.
Im Rahmen der Verwaltung des ESG-Indexportfolios habe man Blackrock als externen Vermögensverwalter neu bewertet. Man sei zu der Einschätzung gelangt, dass der Vermögensverwalter bei Themen wie dem Klimarisiko nicht mehr im besten Interesse von PME handelt. «Nach dieser Überprüfung haben wir beschlossen, unsere Beziehung zu Blackrock zu beenden», heisst es weiter.
Blackrock habe viele Jahre lang «qualitativ hochwertige Dienstleistungen» erbracht, darunter die Verwaltung von Geldmarktfonds. Man betrachte es aber nicht mehr als ein Unternehmen, das «unsere Vision optimal umsetzen» könne, erklärte der Pensionsfonds. Künftig soll das Aktienportfolio von zwei statt drei Vermögensverwaltern verwaltet werden.
Berliner Zahnärztekasse verliert Hälfte des Vermögens
Der Pensionsfonds der Berliner Zahnärzte muss voraussichtlich die Hälfte seines Anlagevermögens abschreiben. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Korruption. Das Handelsblatt schreibt:
Die Ermittlungen folgen auf Berichte mehrerer Medien, wonach der Pensionsfonds aufgrund von Fehlinvestitionen die Hälfte seines Vermögens in Höhe von 2,2 Milliarden Euro verloren habe. Die Zahlen seien vorläufig, eine endgültige Bewertung werde Anfang nächsten Jahres erwartet, berichtete der öffentlich-rechtliche Sender RBB unter Berufung auf den Leiter des Pensionsfonds VZB.
„Wir rechnen derzeit mit einem Verlust von rund der Hälfte unseres Anlagevermögens – etwa 1,1 Milliarden Euro zum 31. Dezember 2024“, erklärte ein Vertreter der VZB per E-Mail. (…)
Mehr als 10’000 Zahnärzte in Berlin und dem umliegenden Bundesland Brandenburg sind Pflichtmitglieder der VZB und müssen monatlich bis zu 1500 Euro in die Kasse einzahlen, aus der sie nach ihrer Pensionierung ihre Renten beziehen sollen. Die VZB hat im April ihr Investmentteam ausgewechselt, und die neuen Mitarbeiter haben die Verluste aufgedeckt, über die zuerst der RBB berichtet hat.
«Demografie ist stärker als Fleiss»
Zur Sicherung unseres Wohlstands ist ein höheres Rentenalter notwendig, schreibt Patrick Chuard-Keller, Chefökonom des Arbeitgeberverbands in einem Beitrag auf der Website des Verbands. Dazu untersucht er die Alters- und Erwerbsjahre und vergleicht die Zahlen mit anderen europäischen Ländern. Seine Schlussfolgerung: Die Schweizer arbeiten nicht viel mehr als Bewohner anderer Länder, allerdings bei einem deutlich höheren Lebensstandard.
MoreDank der hohen Lebenserwartung sind Männer in der Schweiz lange in Pension. Im Schnitt rund 21 Jahre. In Deutschland sind es rund 19 Jahre, in Frankreich – dank tieferem Rentenalter – rund 23 Jahre.
Rechnet man nun aus, wie viele Jahre wir für ein Jahr in Rente arbeiten müssen, sieht die Bilanz so aus: In der Schweiz sind es rund 2,2 Arbeitsjahre pro Rentenjahr. Damit spielen wir in etwa in der gleichen Liga wie Deutschland und sind leicht vor Dänemark, Schweden oder den Niederlanden – noch vor den in diesen Ländern bereits beschlossenen Reformen.
In einer anderen Liga spielen nur Frankreich und Italien, wo wesentlich weniger Arbeitsjahre auf ein Rentenjahr kommen. Kein Zufall: Frankreich verfügt über ein Renten- und Sozialversicherungssystem am Anschlag – rein umlagefinanziert, bei alternder Bevölkerung und einem zu tiefen Rentenalter, was die Staatsverschuldung zusätzlich antreibt. Italien steht kaum besser da. Beide Länder sind warnende Beispiele dafür, was passiert, wenn Reformen zu spät oder zu zögerlich kommen. (…)
Die Realität bei der Stellensuche im Alter
Der Blick zeigt anhand eines konkreten Falles die Schwierigkeiten älterer Stellensuchender auf. Ein ernüchternder Bericht.
MoreDer Berner Franz Brunner (62) sucht seit über einem Jahr einen neuen Job. «Ich habe 150 Bewerbungen verschickt und nur Absagen bekommen», sagt er frustriert beim Treffen mit Blick. Dabei wäre er für vieles offen: Assistenz der Geschäftsleitung, kaufmännischer Spezialist oder Bankmanager. Auch punkto Arbeitsort ist er flexibel.
Brunner wohnt in Aarburg AG und würde fast ins gesamte Mittelland oder bis ins Berner Oberland pendeln. «Ich bin auch IT-affin», betont er. Die Hoffnung verliert er nicht. (…)
Sein Verdacht: «Man sieht meinen Jahrgang und prüft das Bewerbungsdossier gar nicht weiter.» Direkt würde ihm das natürlich kein Arbeitgeber bestätigen. Telefonische Rückfragen bei Jobvermittlungsbüros haben ihm die Altersdiskriminierung jedoch bestätigt. «Dort sagte man mir, dass man mein Dossier nicht an die Auftraggeber schicken könne. Die würden keine Leute in meinem Alter wollen», so Brunner.
Falsche Reformrezepte
In einem Interview mit dem Tages-Anzeiger äussert VZ-Experte Karl Flubacher Kritk an den Plänen des Bundesrats zur Altersvorsorge. Ein spricht von einem Sammelsurium, das selbst für Fachleute kaum mehr zu überblicken ist. Auszüge.
Herr Flubacher, der Bundesrat will Frühpensionierungen erst ab 63 ermöglichen. Hat Sie dieser Vorstoss überrascht?
Ja, durchaus. Zumal wir momentan in der Schweiz bereits ein Sammelsurium an Rezepten zur Sanierung der Altersvorsorge herumliegen sehen.
Ein Sammelsurium?
Genau. Es herrscht eine regelrechte Reformkonfusion. Bei der AHV läuft eine Revision, die das Rentenalter von Mann und Frau angleicht und Teilrenten einführt. Ab 2026 kommt die 13. AHV-Rente hinzu. Parallel wird diskutiert, ob Ehepaare höhere Renten erhalten sollen. Dann stehen noch Pensionskassenrevisionen im Raum, und ebenfalls besprochen wird eine Erhöhung der Besteuerung von Vorsorgegeldern. Selbst für Fachleute wird es anspruchsvoll, all das zu überblicken.
Aber was halten Sie konkret von den Plänen, den Vorbezug der zweiten und dritten Säule auf 63 zu verschieben.
Nicht viel. Ich sehe darin einen Eingriff in die Selbstbestimmung der Bürgerinnen und Bürger. In einem liberalen Land sollte doch jeder und jede möglichst frei entscheiden können, wie lange er oder sie arbeiten will. Frühpensionierung erst ab 63 ist der falsche Weg – auch weil Frühpensionierungen nicht immer freiwillig sind.



