SRF
Immobilien: gesucht und knapp
SRF berichtet über die Entwicklung und Probleme der Immobilienanlagen von Pensionskassen.
More22 Prozent der Anlagen von Schweizer Pensionskassen fielen 2023 auf Immobilien. Das zeigen Zahlen des Bundes. Seitdem geht es weiter aufwärts, sagt Romano Gruber, Immobilienexperte beim Beratungsunternehmen PPC Metrics.
Die Immobilieninvestitionen hatten sich bereits in der Vergangenheit kontinuierlich erhöht: 2004 waren es noch 14 Prozent aller Anlagen gewesen. Pensionskassen spüren den Anlagenotstand zunehmend. Zinsprodukte wie Obligationen werfen im Tiefzinsumfeld kaum noch Rendite ab, und einen grossen Anteil in Aktien anzulegen, ist zu riskant.
Von den 22 Prozent, die zuletzt in Immobilien steckten, entfielen 19 Prozent auf Schweizer Immobilien. «Man investiert in das, was man kennt», sagt Romano Gruber. «Man kann die Immobilien besichtigen, im Ausland ist das etwas schwieriger.»
Zudem seien Fremdwährungen ein Hindernis, denn «die Renten müssen schliesslich in Schweizer Franken bezahlt werden». Die Hälfte der Schweizer Pensionskassen investiert im Bereich Immobilien ausschliesslich in der Schweiz.
«Ein höheres Rentenalter ist nicht nötig»
Doris Bianchi, neue Direktorin im BSV, hat SRF ein grosses Interview gegeben. U.a. meinte sie:
Der Bundesrat hat gestern erklärt, dass er das Rentenalter bei 65 Jahren belassen will. Warum nicht erhöhen, wo wir doch immer länger leben?
Ein höheres Rentenalter ist aus finanziellen Gründen zurzeit nicht nötig. Die AHV profitiert von einem starken Arbeitsmarkt mit tiefen Arbeitslosenzahlen. Zudem haben wir bereits mit der AHV 21 eine grosse Flexibilisierung eingeführt. Es soll zur Normalität werden, freiwillig auch über das Referenzalter hinaus zu arbeiten. Ein höheres Rentenalter wäre da ein falscher Schritt.
Der Bundesrat will Frühpensionierungen weniger attraktiv machen. Er schlägt vor, dass man das ersparte Geld aus der zweiten und dritten Säule frühestens mit 63 Jahren beziehen kann, analog zur AHV. Was haben Sie gegen Frühpensionierungen?
Man muss die verschiedenen Säulen als gemeinsame Vorsorge denken. Darum ergibt eine Anpassung Sinn. Wir sehen in unseren Statistiken, dass sich vor allem Personen frühpensionieren lassen, die über sehr viel Kapital in der Pensionskasse verfügen. Es geht also auch um Gerechtigkeit, dass nicht Leute privilegiert werden, die sowieso schon sehr gute Löhne haben. Es gibt immer auch Möglichkeiten für Teilpensionierungen, wenn der Arbeitgeber mitmacht.
Sie haben mal beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund gearbeitet. Wie viel Gewerkschafterin steckt noch in Ihnen?
Ich bin sehr verbunden mit der Idee der Sozialpartnerschaft. Sie ist ein Motor der sozialen Sicherheit in der Schweiz. Auch bei den Sozialversicherungen geht es meistens darum, eine austarierte Kompromisslösung zu finden. Den Ausgleich von verschiedenen Interessen zu finden, ist ein Erfolgsrezept der Schweiz.
Mehr Sicherheit durch Grösse?
SRF befasst sich in einem Beitrag des Ostschweizer Regionaljournals mit dem Anschluss der Ostschweizer Aufsicht (incl. TI) mit jener von Zürich. Der befragte Thurgauer Politiker begründet den Anschluss mit den gestiegenen Anforderungen an die Aufsicht und auch damit, die Zürcher Aufsicht sei schweizweit führend.
Fakten zur Altersvorsorge
SRF hat eine Liste mit Daten zur Altersvorsorge zusammengestellt. Sie dürften nicht allgemein bekannt oder präsent sein. Die für eine informierte Leserschaft interessantesten sind hier aufgelistet:
- Fast ein Drittel der Schweizerinnen und Schweizer sind Rentnerinnen und Rentner. 2,6 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner beziehen eine AHV-Rente. (AHV-Statistik 2024 des Bundesamtes für Sozialversicherungen)
- Jedes Jahr werden über 50 Milliarden Franken an AHV-Renten ausbezahlt. Vor 30 Jahren war es noch etwa halb so viel. (AHV-Statistik 2024 des Bundesamtes für Sozialversicherung)
- Heute kommen auf eine Bezügerin oder einen Bezüger grob drei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Im Jahr 2000 waren es noch vier. 2050 werden es laut einem Bericht der NZZ nur zwei sein – auf Vollzeitstellen gerechnet gar nur 1,4.
- In der Schweiz liegt die durchschnittliche AHV-Rente bei etwa 1900 Franken.
- 1,8 Millionen Menschen zahlen jedes Jahr in die 3. Säule ein (Wert von 2020, gemäss sozialesicherheit.ch). Das sind gerade die Hälfte der Arbeitnehmenden. Doch die Zahl der Einzahlenden nimmt stetig zu – im Jahr 2000 waren es nur halb so viele.
- Die AHV gibt es seit 1948. Pensionskassen existieren schon seit dem 19. Jahrhundert, sind aber erst seit 1986 für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer obligatorisch, sofern sie die Mindestbeitrittsschwelle erreichen.
«Kein Negativzins, sondern Gebühr»
SRF berichtet auf ihrer Website zu den von UBS und ZKB den Pensionskassen aufgebrummten Negativzinsen – welche die UBS als Gebühr bezeichnet:
MoreDas Schreiben der UBS hat es in sich: Die Grossbank hat Ende Juni ihren institutionellen Kunden – also vor allem Pensionskassen und Versicherungen – schriftlich mitgeteilt, dass sie sich gezwungen sehe, Transaktionskonten ab Mitte Juli neu mit minus 0.2 Prozent zu verzinsen. Dies, weil die Schweizerische Nationalbank den Leitzins auf null Prozent gesenkt habe.
Wer als Pensionskasse bei der UBS flüssige Mittel parkiert, zahlt seit Mitte Juli wieder Negativzinsen – auf eine Million Franken Cash also 2000 Franken.
Die UBS bestätigt den Sachverhalt auf Anfrage, betont aber, dass es sich bei den minus 0.2 Prozent nicht um Negativzinsen handle, sondern um eine Gebühr, die anfalle, weil die UBS das parkierte Geld jederzeit als Liquidität bereithalten müsse. Diese Zusatzkosten reiche man weiter, schreibt die UBS. (…)
Egal wie das Kind genannt werde, die Folgen seien für Pensionskassen immer dieselben, sagt der Direktor des Pensionskassenverbandes Asip, Lukas Müller-Brunner, stellvertretend für seine verärgerten Verbandsmitglieder, die ihm die Türen einrennen: «Im Kern hat das nichts anderes zur Folge als dass das Halten von Liquidität zu Kosten führt, selbst wenn die Schweizerische Nationalbank noch keine Negativzinsen beschlossen hat.»
Aktien, Risiken – und wer sie trägt
Im Echo der Zeit vom 26.7.25 berichtet Susanne Schmugge über die Risiken, die Pensionskassen für die Erzielung höherer Renditen eingehen müssen. Ausgangspunkt der Sendung ist die Feststellung (Behauptung?), es würden angesichts der tiefen Zinsen jetzt wieder Stimmen laut, die von den Kassen das Eingehen höherer Risiken etwa durch einen höheren Aktienanteil fordern. Solche Stimmen sind uns allerdings in letzter Zeit nicht zu Ohren gekommen, aber egal.
Stefan Skaanes von PPCmetrics expliziert den nicht sonderlich komplizierten Zusammenhang von Risiko und Rendite und wer die Risiken trägt. Und er wagt die provokative Feststellung: Wenn bei Sanierungen auch die Rentner beitragen müssten, würde das die Risikofähigkeit der Kassen erhöhen – zum Nutzen aller. Davon hält Gabriela Medici vom SGB wenig überraschend nichts. Sie plädiert, auch das keine Überraschung, für das solidarische Tragen von Risiken, ergo durch Umverteilung.
Rüstungsaktien und PKs
In 10 vor 10 behandelt SRF die Investitionen von Pensionskassen in Rüstungsaktien. 90 Prozent der Kassen hätten solche Anlagen, wird ausgeführt, und Laurent Schlaefli von Profond betont, Rüstungsaktien gehörten zum Anlageuniversum der Kasse, ob Krieg oder Frieden herrsche. Stefan Skaanes von PPCmetrics präzisiert, dass solche Papiere zwar weit verbreitet wären, die Kassen aber nicht in Firmen investierten, welche Streumunition oder Antipersonenminen herstellten.
FAR verschärft Frühpensionierungsbedingung
SRF berichtet über die Verschärfung der Bedingungen für Frühpensionierungen bei der Stiftung FAR, dem Vorsorgewerk des Schweizer Bauhauptgewerbes. SRF schreibt dazu auf ihrer Website:
FAR ist eine Art Mischung zwischen der AHV und einer Pensionskasse. Das heisst, die Renten von heute werden mit den Beiträgen von heute finanziert – wie bei der AHV. Dabei übernehmen die Baumeister 6 Prozent der gesamten Beiträge. Die Bauarbeiter 2.25 Prozent über ihren Lohn.
Geht nun ein Bauarbeiter mit 60 in Frühpension, dann wird zusätzlich als Sicherheit das ganze Geld für seine Rente bis 65 auf die Seite gelegt. Und zwar aus dem Kapital, das die Stiftung seit 2003 aufgebaut hat. 2024 betrug das Kapital der Stiftung gemäss Geschäftsbericht knapp 820 Millionen Franken.
Doch FAR ist seit Jahren in finanzieller Schieflage. Der Grund: Frühpensionierungen nehmen zu – Stichwort Babyboomer – und die Beiträge stagnieren bzw. sind rückläufig.
Die bisherigen Massnahmen des Stiftungsrates, der paritätisch mit Gewerkschaftern und Baumeistern besetzt ist, haben zu wenig bewirkt. Ende 2024 hat das oberste Gremium von FAR eine harte Massnahme verfügt: Per 1. Juli 2025 steigt die Beitragsdauer für eine volle Rente von 15 auf 20 Jahre an.
Das heisst, neu muss ein Bauarbeiter vor seiner Frühpension 20 Jahre lang ununterbrochen auf dem Bau gearbeitet haben.
Arena: Streit um AHV und Rentenalter
Die Arena vom 23.5.25 war der vom Bundesrat vorgeschlagenen AHV-Reform 2030 gewidmet. Besonders zu diskutieren gab der Verzicht des Bundesrats auf eine Erhöhung des Rentenalters. Auf der Website SRF heisst es dazu:
Weil sie dem Mittelstand schade, kann SVP-Nationalrat Michael Graber dieser Reform nicht viel abgewinnen. Eine Erhöhung der Lohnabzüge würde Arbeitgeber und -nehmer belasten. Zusätzlich treffe eine höhere Mehrwertsteuer die Konsumenten, so der Walliser. Kurz: Dieses «Reförmli» schade dem Mittelstand.
«Die AHV ist ein Profitgeschäft für den Mittelstand», kontert SP-Ständerätin Flavia Wasserfallen. Schliesslich bezahlen diese Menschen weniger ein, als ihnen später ausbezahlt werde. Zudem wolle die Bevölkerung eine starke AHV – dies habe sie mit der Annahme der 13. AHV-Rente signalisiert, sagt die Bernerin.
Severin Moser, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, bezeichnet die AHV-Reform 2030 als «mutlos». Dass der Bundesrat eine Erhöhung des Rentenalters nicht prüfen möchte, sei enttäuschend, moniert Moser.
Soll das Rentenalter angehoben werden? «Auf keinen Fall», findet SGB-Chefökonom Daniel Lampart. Die Bevölkerung habe bei der Abstimmung über die jungfreisinnige Renteninitiative einer Erhöhung des Rentenalters eine klare Abfuhr erteilt, argumentiert Lampart. Knapp drei Viertel der Stimmbevölkerung haben sich im letzten Jahr gegen diese Initiative ausgesprochen.
Kursverluste: PKs bleiben gelassen
Stephan Skaanes von PPCmetrics kommentiert bei Radio SRF die Situation der Pensionskassen angesichts der von den USA angedrohten hohen Zölle und der dadurch ausgelösten Kursverluste. Er rechnet mit einem durchschnittlichen Deckungsgradrückgang von rund 5 Prozentpunkten, was angesichts der guten Finanzierungssituation kein Grund für Beunruhigung sei. Sorgen bereiten ihm hingegen die Aussichten auf mögliche neue Negativzinsen.
Renditen, Zinsen und … Trump
Im Kassenstrurz vom 8.4 hat sich SRF TV ausgiebig mit Fragen der unterschiedlichen Verzinsung der Altersguthaben bei schweizerischen Pensionskassen auseinandergesetzt und dazu viel Zahlenmaterial präsentiert. Sie reichen in der Stichprobe von 12% (Swiss Re) bis 1,5% (Publica). Nicht ganz so gross ist die Spanne bei den SGE, wo Profond mit 8% Spitzenreiter ist und Tellco pkPRO am Schluss steht mit 2,25%.
Die langfristigen Folgen für die Rentenleistung sind offenkundig, zumal die Reihenfolge der Fünfjahres-Durchschnitte mit den Jahresergebnissen für 2024 einige Übereinstimmungen aufweist. Marcel Siegrist, Wirtschaftsredaktor von SRF beantwortete Fragen zu den Folgen der horrenden US-Zölle, die nichts Gutes erwarten lassen betr. Renditen der PK-Anlagen.
«Werden Investitionen in Waffenhersteller salonfähig?»
Im Rahmen der ESG-Philosophie sind Waffenhersteller für institutionelle Anleger und insbesondere Pensionskassen verpönt. Jetzt soll aufgerüstet werden. Die entsprechenden Titel erleben kräftige Kursavancen. Dürfen da auch PKs mitmachen? Im Echo der Zeit hat SRF das Thema aufgenommen und u.a. auch ASIP-Direktor Müller-Brunner befragt. Auf der Website heisst es dazu:
Pensionskassen und Anlagefonds haben klare Vorgaben, wie sie ihr Geld investieren. Es sind gesetzliche Vorgaben und auch interne Richtlinien, die sich die Kassen selber geben. Auch wenn sich nun die geopolitische Lage dramatisch verändert, werden die Pensionskassen ihre Grundsätze nicht einfach plötzlich über Bord werfen, sagt Lukas Müller-Brunner, Geschäftsführer des Branchenverbandes Asip.
Es sei ein Missverständnis zu glauben, dass Pensionskassen im Tagesrhythmus neu über ihre Anlagen befinden würden. «Die Realität ist vielmehr: Man hat langfristige Anlagerichtlinien, die einer klaren Grundlage folgen, die man vorgängig festlegt.»
In den Anlagerichtlinien ist zum Beispiel vorgegeben, wie viel Geld die einzelnen Pensionskassen in Aktien investieren, wie viel in Anleihen und wie viel in Währungen. Es gibt auch Vorgaben in Bezug auf die Nachhaltigkeit, zum Beispiel Umwelt, soziale Standards und Grundsätze im Umgang mit Investitionen in die Rüstungsindustrie.
Es gibt zwar etliche Anlagefonds und Pensionskassen, die Investitionen in Waffen ausschliessen, und es ist möglich, dass sich die zuständigen Gremien bei diesen Kassen Gedanken über eine Lockerung der internen Regeln machen. Die Mehrheit der grossen Pensionskassen allerdings hat bereits bisher in Aktien von Rüstungsunternehmen investiert, da ändert sich nichts.
Arbeiten trotz Rente
SRF schreibt auf ihrer Website: Wer nach der Pensionierung weiterarbeitet, zahlt weiter Beiträge in die AHV [und in die Pensionskasse?]. Früher hatten solche Beiträge auf die Höhe der Rente keinen Einfluss. Das hat sich mit der letzten Gesetzesreform geändert: Heute werden diese Beiträge dem Rentenkonto gutgeschrieben und wirken sich auf die Rente aus.
Dazu muss die betroffene Person aber selbst aktiv werden und eine Neuberechnung der Rente verlangen. Expertinnen haben Fragen rundum «Arbeiten nach der Pensionierung» in einem Chat beantwortet. SRF-Rechtsexpertin Gabriela Baumgartner pickt ein paar wichtige daraus heraus.
BVG-Reform verliert Rückhalt
In der zweiten SRG-Umfrage lehnen 51 Prozent der Befragten die Reform der beruflichen Vorsorge ab. 42 Prozent sind dafür. Auf der SRF-Website heisst es dazu:
«Stand heute ist mit einem Nein zu rechnen», sagt die Politologin Martina Mousson von GFS Bern. «Der Eindruck, dass man durch diese Reform ‹beschissen› wird, dominiert die Meinungsbildung.»
In den letzten Wochen hat sich ein Klima der Verunsicherung eingestellt. Befeuert von den Medien, regten sich Zweifel an den kommunizierten Zahlen und den Auswirkungen der Reform.
«Diese Fehlprognose hat das Meinungsklima mitbestimmt», vermutet die Politologin. Zahlenwirrwarr gab es auch um die BVG-Reform selbst: Jüngst mussten die Gewerkschaften einräumen, dass sie mit falschen Zahlen gegen die Vorlage ankämpften.
Die Angst vor dem «Renten-Bschiss» überlagert die Argumente der Befürworterinnen und Befürworter. So etwa dasjenige, wonach die Reform Frauen mit Teilzeitjobs besserstellen würde.
Die Frauenfrage stand nach der Erhöhung des Rentenalters im Zentrum der BVG-Reform. «Nun sind Frauen und Männer fast gleichermassen dagegen», führt Mousson aus – in der ersten SRG-Umfrage zeigte sich noch ein grosser Unterschied. «Obwohl die Forderung breit geteilt wird, dass die Situation der Frauen verbessert werden soll.»




