IFZ Longevity-Studie 2026 der Hochschule Luzern: Reicht das Geld für 25 Jahre Ruhestand?
Die Restlebenserwartung bei Pensionierung ist seit Einführung der AHV markant gestiegen: bei 65-jährigen Frauen von rund 14 Jahren (1948) auf heute rund 23 Jahre, bei Männern von rund 12 auf über 20 Jahre. Laut Studienautorin Prof. Dr. Anina Hille vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) erreicht die Hälfte der heute 65-jährigen Frauen das 90. und rund die Hälfte der Männer das 87. Lebensjahr.
Wer nur bis zur durchschnittlichen Lebenserwartung plant, unterschätzt somit das Risiko eines sehr langen Ruhestands. Die Studie illustriert dies anhand von drei Modellpersonen mit tiefem, mittlerem und hohem Alterseinkommen, wobei die finanzielle Lücke als kumulierte Differenz zwischen laufenden Renten aus AHV und Pensionskasse und den Ausgaben berechnet wird. Nicht berücksichtigt sind Vermögen, Erbschaften, 3. Säule sowie Kapitalbezüge und Kapitalerträge aus der 2. Säule, weshalb die Berechnungen ausdrücklich nicht als individuelle Prognosen gelten.
Beim mittleren Einkommen wächst die Lücke um rund ein Viertel, wenn die Lebensdauer von 85 auf 90 Jahre steigt, und bei einer Lebensdauer bis 100 Jahre liegt sie rund 80 Prozent höher. Hille folgert, dass finanzielle Resilienz über das gesamte Erwerbsleben aufgebaut werden muss und ein frühzeitiger Vermögensaufbau den wichtigsten Schutz gegen das Langlebigkeitsrisiko bildet. Zwar hat auch die Zahl der gesunden Lebensjahre ab 65 zugenommen, doch bleibt eine Phase mit möglichem Pflege- und Unterstützungsbedarf für die Finanzplanung relevant. Entscheidend sind deshalb nicht nur die Lebensdauer, sondern auch die Gesundheits-, Pflege- und Wohnkosten im Alter.
Darüber hinaus betrachtet die Studie Longevity als wirtschaftlichen Strukturtrend, der zusätzliche Nachfrage nach Gesundheits-, Pflege-, Wohn-, Technologie- und Finanzlösungen schafft. Als Investmentthema steht Longevity allerdings noch am Anfang, da eine anerkannte Definition oder standardisierte Taxonomie bislang fehlt. Die Studie wurde mit Unterstützung der Fondsgesellschaft Vanguard realisiert.
Miguel Weber hat für seine MAS Thesis Corporate Finance 2026 die Anlageergebnisse von PKs überprüft: Konnten Schweizer Pensionskassen im Zeitraum 2000 bis 2025 nach Kosten systematisch Mehrwert gegenüber passiven Referenzportfolios generieren?
Sein Fazit: Unsere Pensionskassen vernichten Wert – im Vergleich zu einer einfachen Alternative.
Weber, selber Vorsorgekommissionsmitglied einer PK, ging davon aus, dass die Schweizer Pensionskassen die besten Vermögensverwalter des Landes beschäftigten. Und ihre Leistung daher klar besser sein sollten als passive Alternativen. Seine Untersuchung hat aber gezeigt: Jedes einzelne passive Portfolio lag vorn – und in keinem einzigen von 193 Zehn-Jahres-Fenstern schlugen die Profis alle Alternativen.
Screenshot von der homepage TrueFinanceScreenshot von der homepage TrueFinance
Seine Konklusion: Schweizer Pensionskassen konnten im Zeitraum 2000 bis 2025 nach Kosten keinen systematischen Mehrwert gegenüber den konstruierten passiven Referenzportfolios nachweisen. Sie erzielten zwar gegenüber aktienlastigen Portfolios eine stabilere Entwicklung, erreichten Generieren Schweizer Pensionskassen Mehrwert gegenüber passiven Alternativen? 87 aber weder auf absoluter Renditebasis noch über die gesamte Bandbreite risikoadjustierter Kennzahlen eine systematische Überlegenheit.
Auf seiner Homepage werden die Ergebnisse kurz und knackig interpretiert: Alle neun passiven Portfolios lagen vorn. Der Stabilitäts-Mythos wird entlarvt. Und auch bei den rollierenden Renditen haben die PKs eine Zwei auf dem Rücken.
Webers Handlungsempfehlungen:
Auf passive Anlagen setzen, Kosten und Stabilität im Auge behalten.
Fazit: PK’s fahren in der Regel nicht so hohe Aktienquoten, selbst der Branchenprimus Profond liegt nur knapp über 50%. Wieviele PK’s bereits auf passive Anlageinstrumente setzen, geht nicht aus der Arbeit hervor. Ausserdem wurden die anderen Anlageklassen wie Immobilien, Alternative Investments und Private Equity nicht berücksichtigt, ebenso wenig wie ein (vermuteter) Cash-Anteil von 1 – 5%. Die Ergebnisse dürften gleichwohl zu anregenden Diskussionen führen und hoffentlich auch weiterführende Studien initieren, die zB detailliertere Benchmark-Konstruktion berücksichtigen.
Replik von Michel Bossong, Vorstandsmitglied des Vorsorgeforums, AM Switzerland:
Vernichten Pensionskassen Wert? Ein Vergleich mit der falschen Messlatte
Im Rückspiegel gewinnt die Aktienquote – ein Vergleich, der über die Qualität der Vermögensverwaltung von Pensionskassen nichts aussagt: Ein kürzlich verbreiteter Beitrag behauptet, Schweizer Pensionskassen hätten seit 2000 gegenüber einfachen passiven Portfolios «Wert vernichtet». Grundlage ist eine MAS-Arbeit, die die aggregierte Pensionskassenrendite mit neun Mischungen aus globalen Aktien und CHF-Obligationen vergleicht. Die Frage ist berechtigt, die Ergebnisse erlauben jedoch nicht die Schlussfolgerung, die ihnen zugeschrieben wird.
Verglichen wird Strategie, nicht Umsetzung. Wer prüfen will, ob aktives Management Mehrwert schafft, muss die tatsächliche Asset Allocation der Pensionskassen als Vergleichsmassstab heranziehen. Das geschieht in der Arbeit nicht. Die Pensionskassen halten rund ein Viertel ihres Vermögens in Immobilien, dazu alternative Anlagen, Hypotheken und Liquidität. Die Vergleichsportfolios enthalten nichts davon. Dass ein Portfolio mit 70% Aktien in einem Vierteljahrhundert steigender Aktienkurse und sinkender Zinsen mehr rentiert hat, ist eine Aussage über die Aktienquote, nicht über die Qualität der Vermögensverwaltung.
Auch das defensivste Vergleichsportfolio ist keine gleichwertige Benchmark. Die Aktienkomponente im passiven Vergleichsportfolio ist der MSCI ACWI mit rund 3% Schweizer und über 60% US-Aktien. Schweizer Pensionskassen halten rund 40% der Aktienallokation in Schweizer Aktien. Zudem wird das Währungsrisiko der Aktien in der Studie zu 70% abgesichert, während die meisten Pensionskassen bei Realwerten auf eine Absicherung verzichten. Diese Absicherungsquote ist eine strategische Annahme, die sich nicht zwingend aus der Fremdwährungslimite nach Art. 55 BVV 2 ergibt. Diese bezieht sich auf das Gesamtvermögen. Länderallokation und Währungsabsicherung sind wesentliche Strategieentscheide. Der Vergleich misst also auch hier Unterschiede in der Strategie.
Die Arbeit selbst findet keinen signifikanten Unterschied. Über die Gesamtperiode ist keine Renditedifferenz auf dem 5%-Niveau signifikant. Das widerlegt die beobachteten Renditeunterschiede nicht, erlaubt aber keinen statistisch gesicherten Nachweis systematischer Unterperformance. Der Vorwurf der «Wertvernichtung» geht deutlich über die Schlussfolgerungen der Arbeit hinaus.
Richtig bleibt: Kosten zählen, und ein einfaches, transparentes Referenzportfolio ist für Stiftungsräte eine sinnvolle Messlatte. Viele Kassen arbeiten bereits so. Ein fairer Vergleich muss aber die tatsächliche Anlagestrategie abbilden, inklusive Immobilien, Heimmarktanteil und Währungspolitik. Erst dann lässt sich sagen, ob die Umsetzung Mehrwert schafft. Diese Frage beantwortet die Arbeit nicht.
Der September trübte mit einer durchschnittlichen Minusperformance von -0,3% die Anlageperfomance der Schweizer Pensionskassen nur gelinde. Wie der aktuelle Swisscanto PK Monitor per 30.9.2026 zeigt, liegt die Jahresperformance fürs 2026 immer noch bei durchschnittlich 4,6 Prozent. Zwei Ausschnitte:
«Unter den betrachteten Anlagekategorien erzielte Private Equity im September die beste Performance. Ebenfalls deutlich positiv entwickelten sich Infrastruktur und Aktien Ausland, während Schweizer Aktien wieder an Wert verloren haben. Bei den Obligationen entwickelten sich Papiere in Schweizer Franken wie auch in Fremdwährungen in Folge der Zinserhöhungen negativ.»
«Ausblick: Im aktuellen Umfeld sprechen robustes Wachstum, solide Gewinnperspektiven im Technologiesektor und ein moderates Investoren-Sentiment weiter für Aktienanlagen. Die Markterwartung hinsichtlich geldpolitischer Straffung gilt als übertrieben. Als Absicherungselemente sind Staatsanleihen in australischen Dollar und Silber attraktiv.»
Der Deckungsgrad liegt bei den meisten Kassen bei 120 Prozent oder mehr.
Luise Dumbly erinnert in der AWP (Nr. 17 vom 30. September2026) daran, dass die Schweiz im Mercer CFA Institute Global Pension Index 2025Rang 11 von 52 belegt, beim Leistungsniveau aber nur im Mittelfeld liegt. Weniger beachtet wurde, was Mercer selbst als Hindernis für eine bessere Platzierung nennt: mangelnde Transparenz und zu wenig aktive Massnahmen zur Professionalisierung der Leitungsgremien.
Damit ist Dumblys Kernthema, die Besetzung und Bildung der Stiftungsräte, auch im internationalen Benchmark angekommen. Die von ihr angeführte Schweizer Studie stammt von Carolina Salva und Tim Kroencke und wurde im September breiter bekannt. Befragt wurden 28 Berater und Asset Manager. Sie nennen die Risikotoleranz der Stiftungsräte, Zielrenditen und risikolose Zinsen als wichtigste Treiber der Asset Allocation, erwartete Renditen und Volatilitäten hingegen kaum. Die Risikopräferenzen der Versicherten spielen gemäss der Befragung praktisch keine Rolle.
Vorsicht ist dennoch angebracht: Die Studie gibt die Aussensicht der Berater wieder und misst nicht die Präferenzen der Stiftungsräte selbst. Gerade deshalb ist Dumblys Ruf nach einer systematischen Erforschung der Entscheidungsprozesse im Gremium berechtigt.
Laut Swisscanto-Studie 2026 ziehen mehr als zwei Drittel der Stiftungsräte für Strategie und Anlageauswahl Investment Consultants bei. Offen bleibt damit, wessen Risikotoleranz sich in der Anlagestrategie tatsächlich niederschlägt: die des Gremiums oder die seiner Berater. Das Gesetz verpflichtet das oberste Organ in Art. 51a Abs. 2 lit. i BVG, die Erst- und Weiterbildung sicherzustellen, lässt Umfang und Rhythmus aber offen.
Irland mit verbindlichen Schulungsfristen und die Niederlande mit einer Eignungsprüfung durch die Zentralbank zeigen, dass mehr Verbindlichkeit möglich ist. Für das Schweizer Milizsystem wäre eine behördliche Fit-and-proper-Prüfung ein Fremdkörper.
Eine Pflicht, die absolvierte Weiterbildung im Jahresbericht offenzulegen, wäre hingegen ein niederschwelliger Schritt. Besonders gefordert sind die Sammelstiftungen, deren Stiftungsräte immer mehr und immer heterogenere Anschlüsse vertreten. Erste Anbieter wie Nest setzen bei ihren Wahlen auf explizite Anforderungsprofile, was in Richtung kompetenzbasierter Besetzung weist. Zugleich wird die Rekrutierung schwieriger, und die Frage, ob sich genügend qualifizierte Personen für das Amt finden lassen, wird inzwischen offen gestellt.
Dabei ist zu bedenken, dass auch eine übertrieben vorsichtige Strategie eine Sorgfaltspflichtverletzung sein kann, wie die AMAS/WTW-Studie 2025 festhielt. Ob es besser ginge, lässt sich deshalb nur mit Daten zu Bildungsstand, Weiterbildungsumfang und Entscheidungswegen beantworten, und diese fehlen in der Schweiz bis heute.
Seit Anfang Jahr gibt es mit Evaluno eine neue unabhängige Schweizer Vergleichsplattform für Vorsorge und Finanzen. Pensionskassen kann man nicht vergleichen, aber ETF Sparpläne, Neobanken, Fonds von 3a und Freizügigkeitsleistungen. Finanzblogs loben Evaluno als eines der besten und umfassendsten Vergleichstools für die Säule 3a in der Schweiz wegen der transparenten Darstellung von versteckten Gebühren (wie Depotgebühren und Fondskosten). Vor allem Privatpersonen dürfte auffallen, dass hier über 351 Fonds von 41 Anbietern gelistet sind und nach eigenen Kriterien gelistet und verglichen werden können, kategorisiert nach 3a, FZL und 1e.
Fazit: Die neutrale Plattform Evaluno schafft Transparenz und sorgt für mehr Wettbewerb. Finanziert über GutscheinCodes und Deals, die aber auch wieder den Konsumenten zu Gute kommen.
Und wer kann unabhängig beraten? Fragen, die individuell geklärt werden müssen.
Immer mehr Schweizer entscheiden sich für den Kapitalbezug aus der Pensionskasse. 2024 bezogen bereits 45 % ausschliesslich Kapital, 36 % ausschliesslich eine Rente und 19 % eine Kombination aus beidem. Aktuelle Zahlen werden vermutlich noch höher ausfallen.
Die Gründe sind nachvollziehbar: mehr Flexibilität, eigene Anlagemöglichkeiten und bessere Vererbbarkeit. Doch genau hier lauern Risiken – insbesondere dann, wenn Beratung und Verkauf von Finanzprodukten zusammenfallen.
«Wenn ein Finanzunternehmen Beratungsgespräche mit Kunden führt und gleichzeitig eine Vermögensverwaltung betreibt, ist die Schwelle zum Interessenkonflikt rasch erreicht», sagt Lukas Müller-Brunner Direktor des Schweizerischer Pensionskassenverband ASIP, dazu. Um die Pensionskassen in der Beratung der angehenden Pensionäre zu unterstützen, hat der ASIP das Tool «Rentenkompass» lanciert:
Entscheidend sind deshalb nicht Renditeversprechen oder Steuerargumente, sondern die ganz persönliche Lebenssituation: Wie hoch ist der Grundbedarf? Wie lange reicht das Vermögen? Welche Risiken kann ich tragen? Und was passiert bei einem Börsencrash oder einem sehr langen Leben?
Mein Fazit: «Die Rente finanziert das lange Leben, das Kapital finanziert die Freiheit. Wer bei der Pensionsplanung Interessenkonflikte vermeiden will, wählt eine absolut unabhängige Beratung, bei der keine Finanzprodukte vermittelt werden. Denn Pensionsplanung ist keine Produktberatung. Sie ist Lebensplanung mit finanziellen Konsequenzen.»
Die UBS-Pensionskassen-Performance zeigte für Juni 2026 eine durchschnittliche Nettorendite von 1,11 % bei über 300 untersuchten Pensionskassen. Damit lag die Rendite seit Jahresbeginn bereits bei 4,35 %; kleine Pensionskassen schnitten mit 1,17 % im Juni etwas besser ab als grosse Kassen mit 1,02 %. Besonders gut entwickelten sich im Juni Schweizer Aktien. Die Zahlen bestätigten damit das insgesamt positive Anlageumfeld für Schweizer Vorsorgeeinrichtungen im ersten Halbjahr 2026.
Albert Steck (NZZ) sieht in seinem Kommentar vom 3.6.2026 die Vorsorgegelder in Gefahr, wenn die KI-Blase platzen sollte. Experten von Prevanto replizierten am 13.7.2026, dass der Homebias das Risiko relativiere und die Gefahr durch die aktuellen Börsengänge wie SpaceX überschaubar bleibe.
Fazit: Die gute Performance stärkt die finanziellen Spielräume der Pensionskassen – und damit potenziell auch Verzinsungen, Rentenverbesserungen und Reserven.
Der Schweizer digitale Vermögensverwalter True Wealth überschritt im Juni die Marke von 3 Milliarden Franken verwaltetem Kundenvermögen. Besonders relevant für die Vorsorge ist das starke Wachstum im Bereich Säule 3a, wo das Unternehmen ETF-basierte Anlagelösungen mit sehr tiefen Kosten anbietet. Der Meilenstein zeigt, dass digitale und passive Anlageformen auch im Schweizer Vorsorgemarkt zunehmend etabliert sind. True Wealth meldete, dass die Marke per Mai 2026 erreicht wurde.
Fazit: Der Wettbewerb zwischen traditionellen Banken, Versicherern und digitalen Vorsorgeplattformen verschärft sich – insbesondere bei der Säule 3a.
Die Volkswirtschaft vom 9.3.2026 hat ein Interview mit Donato Scognamiglio von Iazi AG zur Wohnungsknappheit geführt. Bauland ist knapp, Verfahren dauern lange, Einsprachen nehmen zu, sagt Scognamiglio. Verdichtung werde so teurer und konfliktreicher. Auszüge:
Selbst der steigende Leitzins der SNB zwischen 2022 und 2024 änderte wenig daran. Warum? Ohne die Leitzinserhöhung wären die Immobilienpreise wohl noch stärker gestiegen. Wir standen damals kurz vor einer Korrektur. Doch wer nicht verkaufen muss, kann abwarten. Zudem haben viele eine Fixzinshypothek und spüren Zinserhöhungen kurzfristig nicht.
Was ist der Hauptgrund, weshalb nicht mehr gebaut wird? Es gibt einen Grund, den wir nicht gerne hören: In vielen Städten stossen wir an die Grenzen der Verdichtung – politisch, gesellschaftlich und baulich. Bauland ist knapp, Verfahren dauern lange, Einsprachen nehmen zu. Verdichtung ist kein kostenloser Kapazitätsausbau, sondern wird teurer und konfliktreicher.
Das heutige Baugesetz ist nicht auf Verdichtung ausgelegt. Wie sehen Sie das? Viele Baugesetze bremsen die Verdichtung eher, als dass sie sie ermöglichen. Strenge Vorgaben zu Ausnützung, Abständen oder Höhen machen Aufstockungen unnötig kompliziert. Das führt oft zum Abriss statt zur Weiterentwicklung. Wenn wir Verdichtung wollen – auch aus ökologischen Gründen –, müssen wir sie rechtlich erleichtern und klare Spielräume schaffen.
Die Baubewilligungen sind 2025 stark gestiegen. Kommen nun mehr Wohnungen auf den Markt? Man muss genau hinschauen: Wenn ein Gebäude abgerissen und ersetzt wird, entsteht oft kaum zusätzlicher Wohnraum. Und welche Rolle spielen die Einsprachen? Es gibt drei Hebel: Angebot, Nachfrage und Umfeld. Einsprachen gehören zum Umfeld. In manchen Städten dauert es über ein Jahr, bis gebaut werden kann. Weniger Einsprachen würden helfen – lösen aber die strukturelle Knappheit nicht.
Worin liegt diese strukturelle Knappheit? Ein Beispiel: Ein Vorstoss im Zürcher Kantonsrat wollte prüfen lassen, wie Arbeits- und Wohnzonen besser gemischt werden könnten, um ungenutzte Flächen für Wohnraum zu aktivieren. Selbst ein Bericht war umstritten. Manche wollen kein weiteres Wachstum, andere mehr Staat. Solange wir uns nicht einmal über die Ausgangslage einig sind, wird es schwierig, tragfähige Lösungen zu finden.
Was wiegt für Sie am schwersten? Wir haben zu wenig preisgünstigen Wohnraum. Mehr Angebot ist schwierig, die Nachfrage zu steuern, ebenso. Wir wollen älteren Menschen nicht vorschreiben, ihr Haus zu verlassen. Und wir können weder Scheidungen noch Einpersonenhaushalte regulieren. Wer allein lebt, braucht trotzdem eine Küche – der Flächenverbrauch pro Kopf steigt.
Welche Rolle spielen institutionelle Investoren? Wohnrenditeliegenschaften im Wert von über 400 Milliarden Franken sind in der Schweiz im Besitz von Versicherungen und Pensionskassen. Diese Akteure werden oft dargestellt, als würden sie die Preise treiben. Sie investieren jedoch auch in Neubauten und Entwicklungsprojekte. Sie sind Teil der Lösung – nicht die Hauptursache der Knappheit.
Gemäss Mietrecht dürfen Bestandsmieten nur erhöht werden, wenn zum Beispiel der Referenzzinssatz steigt oder wertvermehrende Investitionen getätigt werden: Was, wenn man diese Regulierung abschafft? Die Frage ist, wem das nützen würde. Dafür muss man wissen, dass die Angebotsmieten, also die Mieten für neu inserierte Wohnungen, die Bestandsmieten deutlich übertreffen. Ohne Mietpreisregulierung wäre die neue Miete irgendwo zwischen Angebot und Bestand. Für 90 Prozent der Menschen, die nicht umziehen, wird die Miete sofort teurer. Für jene, die umziehen, etwas billiger. Politisch ist das schwierig durchsetzbar.
Man liest immer wieder von Leerkündigungen zum Zweck von Sanierungen. Wie stark darf die Miete erhöht werden? Die Regel ist einfach: Wenn ich für 200’000 Franken saniere, sind 120’000 Franken der Investition wertvermehrend. Immobilienbesitzer dürfen auf den 120’000 Franken rund 5 Prozent Rendite erwirtschaften, das heisst, sie dürfen die Miete um 6000 Franken pro Jahr erhöhen. Die Wohnung darf also um 500 Franken pro Monat teurer werden. Wenn die Liegenschaft jedoch älter als 30 Jahre ist, gilt die Orts- und Quartiersüblichkeit: Die Miete darf auf das Niveau angehoben werden, das für vergleichbare Objekte im Quartier üblich ist. Das ist aber schwierig nachzuweisen. Denn eine Wohnung mit Glaskeramikherd ist nicht vergleichbar mit einer ohne.
Die enormen Verluste der Berliner Zahnärztekasse haben über Deutschland hinaus für Aufsehen gesorgt. In Cash ist Reto Zanettin der Frage nachgegangen, ob Ähnliches auch in der Schweiz möglich wäre. Er kommt zum Schluss: Auch in der Schweiz können Pensionskassen insolvent werden, aber es ist sehr viel weniger wahrscheinlich und kaum in einem solchen Ausmass. Er schreibt:
Können solche Fälle wie dieser auch in der Schweiz passieren – beziehungsweise: Welche Sicherungsanker gibt es, die hohen Verlusten und Insolvenzen vorbeugen?
«Die Schweiz hat ein anderes und strenger reguliertes Vorsorgesystem als Deutschland. Deswegen sind Fehlentscheide aus Inkompetenz oder mit krimineller Absicht weniger wahrscheinlich, aber nicht vollständig ausgeschlossen», sagt Sozialversicherungsexpertin Beatrix Bock im Gespräch mit cash.ch.
Beispielsweise müsse in der Schweiz das Vorsorgevermögen der Versicherten in einer vom Arbeitgeber unabhängigen Stiftung oder öffentlich-rechtlichen Vorsorgeeinrichtungen stecken. «In Deutschland taucht das Vorsorgevermögen oft in der Bilanz des Arbeitgebers auf, was das Risiko einer Pleite erhöht. Denn geht das Unternehmen Konkurs, geht auch das Alterskapital verloren», so die Spezialistin. (…)
Laut den Schweizer Regeln legt der Stiftungsrat etwa die Ziele und der Grundsätze der Vermögensverwaltung sowie den Anlageprozess und dessen Überwachung fest. Nicht alle Mitglieder verfügen zwingend über spezifische Finanz- und Anlageexpertise.
Sie führen die Vermögensverwaltung aber auch nicht selbst durch. Die operativen Geschäfte werden entweder an ein internes Anlagegremien mit Fachkenntnissen oder an Externe, zum Beispiel einen Vermögensverwalter oder eine Bank, übergeben. Und diese müssen fachlich qualifiziert sein.
Aufgrund dieser rechtlichen Vorgaben sollten Fehlinvestitionen durch Entscheide fachfremder Personen «grundsätzlich ausgeschlossen sein», teilt Nina Lerch von der Oberaufsichtskommission der beruflichen Vorsorge mit. Möglich seien jedoch Fehlentscheide in der strategischen Steuerung oder wegen einer unzureichenden Aufsicht durch das oberste Organ, den Stiftungsrat also.
Das Gesetz untersagt eine allzu freihändige und einseitige Vermögensanlage, und was auf den ersten Blick seicht klingt, erweist sich in der Praxis immer wieder als anspruchsvolle Vorgabe: Das Vermögen soll sicher verwaltet, die Risiken angemessen verteilt werden. Die Anlagen sollen zudem einen dem Geld-, Kapital- und Immobilienmarkt entsprechenden Ertrag abwerfen; der absehbare Bedarf an flüssigen Mitteln muss gedeckt sein.
Der Irankrieg hat erste Spuren an den Börsen hinterlassen. Weitere dürften folgen. Asip-Direktor Lukas Müller-Brunner wird im Blick mit einer ersten Lageeinschätzung zitiert.
Der Iran-Krieg sorgt bei den Anlegern für Nervenflattern. Die globalen Aktienmärkte stehen angesichts der unsicheren Entwicklung unter Anspannung. So büsste beispielsweise der Schweizer Leitindex SMI am Dienstag über 3 Prozent ein, erholte sich aber am Mittwoch wieder etwas. Auch in Europa, den USA und Asien haben die Aktienmärkte deutlich verloren.
Das Auf und Ab an den Börsen trifft auch die Pensionskassen, die einen Teil ihrer Gelder in Aktien anlegen. Allfällige Börsenverluste schlagen sich entsprechend in der Bilanz nieder. Müssen wir nun um unsere Renten zittern?
«Unsere Pensionskassen sind allwettertauglich und kommen auch mit schwierigeren Börsenzeiten gut klar», sagt Lukas Müller-Brunner (43), Direktor des Pensionskassenverbands Asip. Für eine definitive Einschätzung sei die Zeitspanne noch zu kurz, doch selbst für eine grössere Krise seien die Pensionskassen grundsätzlich gewappnet.
«2024 und 2025 waren zwei sehr gute Anlagejahre, in welchen die Reserven sehr gut gefüllt werden konnten», erklärt Müller-Brunner. «Damit ist ein dickes Polster vorhanden, mit welchem sich Börsenturbulenzen gut auffangen lassen.» (…)
«Die Pensionskassen garantieren das Kapital gegenüber den Versicherten. Selbst wenn es also zu einem Börsencrash kommt, verliert man nicht Geld in seiner Pensionskasse, wenn genügend Reserven vorhanden sind», macht Müller-Brunner klar.
Bereits in früheren Krisen – von der Finanzkrise 2008 bis hin zur Corona-Pandemie oder zum Ukraine-Krieg – hätten sich die Vorsorgeeinrichtungen erstaunlich widerstandsfähig gezeigt. So müsse man Aktien in einer Krise nicht gleich abstossen, sondern könne die Börsenbaisse gewissermassen aussitzen.
«Eine solche Anlagestrategie mag auf den ersten Blick vielleicht etwas unspektakulär erscheinen», meint Müller-Brunner. «Doch sie sorgt dafür, dass die Renten aus der beruflichen Vorsorge auch in Krisenzeiten sicher sind.»
Die Renaissance Anlagestiftung, welche schwergewichtig in Schweizer KMU investiert, meldet die Übernahme der Kapitalmehrheit an der Asic Robotics in Burgdorf. Die 1997 begründete Renaissance ist an 14 KMU in den Branchen Energie, Infrastruktur, Uhren, MedTech, Industrieproduktion und Marketing beteiligt. 45 Pensionskassen haben Mittel bei der Renaissance angelegt. Die Berner Zeitung schreibt dazu:
Die Schweizer Anlagestiftung Renaissance übernimmt laut Medienmitteilung die Mehrheit der Aktien. Ihr Kapital stammt ausschliesslich von Pensionskassen. Sie ist seit 2013 Aktionärin von Asic.
Renaissance wolle Asic langfristig bei einem nachhaltigen Wachstum unterstützen und die starke lokale Verankerung ebenso fördern wie die industrielle DNA und die strategische Unabhängigkeit, heisst es. An den 230 Mitarbeitenden sowie den Standorten in Burgdorf und im süddeutschen Radolfzell werde festgehalten.
Renaissance übernimmt die Anteile von der deutschen KMU-Investorin Paragon, die 2018 bei Asic eingestiegen war. Der Transaktionspreis wird nicht bekannt gegeben. Daneben bleibt der Unternehmer Stefan Schelker Teilhaber. Ergänzend dazu wird die Eigentümerstruktur durch zusätzliche Investitionen aus dem Umfeld des Unternehmens gestärkt. (…)
Zur Gruppe gehören drei Tochtergesellschaften: Asic Robotics fertigt in Burgdorf mit rund 95 Mitarbeitenden Montage- und Testsysteme für die industrielle Fertigung. Ambis Solutions produziert seit 2021 an einem neu gebauten Standort in Burgdorf mit 55 Mitarbeitenden Zuführtechnik, Automationssysteme und Profiltechnik.
Pematech in Radolfzell automatisiert Prüf- und Montageprozesse für Leiterplatten, elektronische Baugruppen und Geräte. Der Umsatz der Gruppe beläuft sich auf rund 75 Millionen Franken.
Dr. Stephan Skaanes, CFA, Partner, Oliver Kunkel, Partner und Luca Tonizzo, CFA, Managing Director von PPCmetrics zeigen in einer Präsentation das Exposure von gängigen Aktien- und Anleihenindizes sowie eines durchschnittlichen Investors gegenüber den Ländern des Nahen Ostens.
— Seit Jahresbeginn bis am 27.02.2026 (abends)betrug die Rendite der Schweizer Pensionskassen im Durchschnitt schätzungsweise rund +2.3%. — Dies zeigt der täglich auf der Website von PPCmetrics aktualisierte «Pension Ticker». — Sowohl der technische (123.3%) als auch der ökonomische Deckungsgrad (119.9%) der Schweizer Pensionskassen lagen im Durchschnitt am 27.02.2026 weiterhin deutlich über 100% (Werte = Schätzungen). Den höchsten Nahost-Anteil weist die Anlagekategorie Anleihen Emerging Markets in Hartwährung (Hard Currency) mit 19.15% auf. — Auf dem globalen Anleihenmarkt sowie im CHF Anleihenmarkt ist der Nahost-Anteil hingegen gering. Die höchsten Nahost-Anteile bei den Aktien weisen die Anlagekategorien Aktien Emerging Markets (5.23%) und Aktien Frontier Markets auf (9.23%). — In globalen Aktienindizes ist der Anteil an Unternehmen aus dem Nahen Osten hingegen gering. — Mit dem obenstehenden Raster lässt sich approximativ herleiten,welches direkte Exposure ein Investor gegenüber dem Nahen Osten aufweist.
— Berücksichtigt werden dabei gängige Anleihen- und AktienIndizes (Stand vor der Krise). — Das direkte Exposure des «PPCmetrics Pension Ticker»- Portfolios (durchschnittliche Schweizer Pensionskasse) gegenüber dem Nahen Osten wird auf rund 0.79% geschätzt.
Handlungsbedarf für Anleger — Während negativer Ereignisse an den Finanzmärkten kann ein engmaschigeres Monitoring der Performance, der Allokation und der finanziellen Situation bzw. der Risikofähigkeit des jeweiligen Investors sinnvoll sein. — Die langfristige Anlagestrategie, welche unter Berücksichtigung der Risikofähigkeit eines Anlegers festgelegt wurde, ist grundsätzlich auch während einer Krisenperiode für die Vermögensallokation massgebend. — Grundsätzlich ist das Rebalancing des Portfolios auch in solchen Situationen im Rahmen der Vorgaben des Anlagereglements durchzuführen. Bei einer erhöhten Marktvolatilität, hohen Unsicherheiten oder beschränkter Liquidität kann ein gestaffeltes Rebalancing diskutiert werden.
Kurzfristige Portfolioumschichtungen auf den betroffenen Märkten (Emerging Markets) können temporär mit Herausforderungen verbunden sein.
Wir empfehlen, folgende Massnahmen zu prüfen: Überwachung des Exposures des Portfolios gegenüber dem Nahen Osten.
Häufigere Überwachung von Performance, Allokation,finanzieller Lage (bzw. Risikofähigkeit) des Investors
Verfolgen der weiteren Ereignisse (z.B. Indexanpassungen, Finanzmarktsanktionen etc.).
Swiss pension funds are facing a narrowing range of global custody, consulting and asset management services as UBS strengthens its grip on the market following its 2023 takeover of Credit Suisse.
The provision of global custody services to pension funds is shrinking, according to an analysis by BAK consultancy conducted on behalf of the Swiss State Secretariat for Economic Affairs (SECO).
BAK surveyed pension funds as bank clients on fees, quality and availability across services, including passive and active asset management mandates, fund management, real estate and strategic consulting.
High fixed costs are the biggest barrier to new banks entering the market to offer global custody and passive asset management services. Around three-quarters of pension funds surveyed expect this to have a massive or severe impact, the study found.
Half of pension funds also report that the number of banks offering passive asset management mandates has declined since the collapse of Credit Suisse.
Switching global custody or fund management banks typically leads to higher costs for pension funds, while fee differences remain relatively moderate in passive asset management and Swiss real estate mandates.
Some pension funds also observe a deterioration in strategic consulting and in services related to interest rate hedging provided by banks, according to the study.
In asset management, the collapse of Credit Suisse has increased concentration in listed real estate funds at UBS, according to PPCmetrics chief executive officer Stephan Skaanes.
“Initially, there was less competition for passive products, but several new providers have since entered the market, and competition has returned. In particular, we see that the price level, especially for indexed products, remains very competitive in Switzerland,” he said.
Overall, the loss of a provider reduces choice for pension funds, but there are still enough professional providers – both Swiss and international – in global custody and fund administration to sustain competition, Skaanes added.
2025 war ein starkes Aktienjahr für Pensionskassen. Doch mit steigenden Kursen wächst das Rückschlagrisiko. Die UBS zeigt auf, warum die Rolle von Obligationen als Stabilitätsfaktor strategisch wichtig ist – auch bei tiefen Zinsen.
Das entscheidende Argument bezieht sich (…) auf das Gesamtportfolio. Massgebend für Pensionskassen ist nicht die isolierte Betrachtung einzelner Anlageklassen, sondern die Erreichung ihrer Zielrendite bei möglichst geringem Risiko – mit ihrer (gesamten) Anlagestrategie.
Dazu gehört fast immer ein substanzieller Anteil Obligationen, einschliesslich Staatsanleihen. Dass einzelne Anlageklassen eine tiefe Rendite (oder ein hohes Risiko) aufweisen können, ist zweitrangig. Diese Optimierung, das heisst die Bestimmung der Anlagestrategie, ist Teil des Asset-Liability-Managements (ALM).
Warum eine Einzelbetrachtung von Obligationen nicht ausreicht, wird beim Blick auf vergangene Aktienmarktkrisen ersichtlich. (…) Beispielsweise verloren in der Dotcom-Krise Aktien bis zu 56,4% (September 2000 bis März 2003), während globale Staatsanleihen im gleichen Zeitraum um 17,6% zulegten.
Dass Obligationen in gewissen Krisenmomenten auch an Wert einbüssen können, zeigt das Jahr 2022 mit einem Stagflationsszenario. Eine Konstellation, die in der Vergangenheit jedoch selten war.