Baumeister warnen vor Baubremse
Angesichts von Warnungen von SNB und Finma vor “Baublase” gibt der Schweiz. Baumeisterverband Gegensteuer. Er schreibt in einer Mitteilung:
Der SBV stellt fest, dass die Ungleichgewichte im Wohnungsbau bereits abgebaut werden. So dürfte 2019 die Zahl neu erstellter Wohnungen sinken. In diesem Segment ist die Anzahl der Baubewilligungen gesunken und der Auftragsbestand ist nicht weiter gestiegen. Dementsprechend ist der Umsatz im ersten Quartal 2019 im Wohnungsbau leicht geschrumpft. Investoren scheinen ebenfalls vorsichtiger geworden zu sein, da die Rendite auf Mehrfamilienhäuser per Ende 2018 bei 3.5% zum Stehen gekommen ist.
Die Mieten für frei auf dem Markt verfügbare Wohnungen liegen noch immer über jenem Mietniveau, das langjährige alteingesessene Mieter zahlen. Die neuen Mietwohnungen in den Stadtzentren und Agglomerationen werden helfen, diese Schere weiter zu schliessen und die Mieten werden zunehmend erschwinglicher. Dies ist umso wichtiger, weil ein Ausweichen auf Eigentumswohnungen immer schwieriger wird. In den letzten Jahren sind die Preise für Eigentumswohnungen stark gestiegen und ihre Leerquote ist mit 1.0% weiterhin tief.
Die Zinsen dürften frühstens 2020 ansteigen. Die Schweizerische Nationalbank ist über den Wechselkurs an die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank gebunden. Letztere hat angekündigt, die Zinsen nicht vor 2020 anzuheben. Als Konsequenz der tiefen Zinsen hat das Hypothekarvolumen in der Schweiz 1-Billion-Franken-Grenze überschritten. Die Aufsichtsbehörden überlegen daher, die Kreditvergabe durch die Banken per 1.1.2020 zu bremsen. Hierzu soll die Selbstregulierung der Branche oder die Eigenmittelverordnung verschärft werden, wovon in erster Linie Wohnrenditeliegenschaften betroffen wären.
Die entsprechende Vernehmlassung zur Änderung der Eigenmittelverordnung läuft bis zum 12. Juli. Besondere Aufmerksamkeit benötigen zwar Neuwohnungen in ländlichen Regionen. In Stadtzentren und Agglomerationen hingegen besteht weiterhin Bedarf an neuen Wohnungen. Die Regulierungsanpassung sollte diesem Bau möglichst nicht im Wege stehen.
Häuslebauer
Wegen der Negativzinsen investieren Pensionskassen immer stärker in den Immobilienmarkt, schreibt die Handelszeitung. Mittlerweile haben sie fast einen Viertel ihrer Gelder in Liegenschaften angelegt. Die Immobilienquote stieg bis Ende 2018 auf rekordhohe 23,7 Prozent – diese geht aus einer neuen Analyse der Credit Suisse hervor. Im 2003 hatte der Anteil lediglich gut 10 Prozent betragen, wie die Grafik des Datenanbieters Statista zeigt.
Die Pensionskassen kaufen in erster Linie Schweizer Objekte, der inländische Anteil beträgt 92 Prozent. Doch laut der CS interessieren sich die Institute vermehrt auch für Liegenschaften im Ausland. Aufgrund der sinkenden Renditen und der Risiken durch die vielen leerstehenden Wohnungen in der Schweiz «dürfte ein stärkeres Auslandsengagement für viele Pensionskassen ein Thema bleiben», heisst es im «Immobilienmonitor» der CS.
Ktipp: Es ist genug Geld in den Kassen
Der Ktipp meint einmal mehr, die Pensionskassen hätten mehr als genug Geld, die Rentenkürzungen seien unnötig und nichts weiter als ein “Raubzug auf die Renten”. Kritik darf insbesondere der ASIP für seinen Vorschlag für die BVG-Revision mit einer Senkung des Umwandlungssatzes auf 5,8 Prozent einstecken. Warum die Senkung ganz überflüssig sei, wird mit folgender Überlegung begründet:
Was die Branche verschweigt: Es braucht keine Reform mit Rentenkürzung und höheren Beiträgen. Den Pensionskassen geht es nämlich heute sehr gut. Das zeigt auch die jüngste Meldung des Bundesamtes für Statistik: Kürzlich teilte es mit, dass die Pensionskassen im Jahr 2017 ihre Wertschwankungsreserven um 47,6 Prozent auf 84,8 Milliarden Franken fast verdoppeln konnten. Die freien Mittel stiegen gar um 67,7 Prozent auf 7,5 Milliarden Franken. Die Reserven der Pensionskassen sind also so hoch wie noch nie.
Die Zahlen der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge und der Finanzmarktaufsicht Finma belegen zudem, dass sich das angesparte Kapital in der 2. Säule Ende 2017 auf 1100 Milliarden Franken belief (saldo 9/2018). Davon sind aber lediglich 966 Milliarden Franken für die Erwerbstätigen und die Rentner bestimmt. 134 Milliarden des Kapitals gehören den Pensionskassen und Lebensversicherungen.
Das ist natürlich unhaltbar und fügt sich ein in eine lange Reihe absonderlicher Artikel von Saldo und Ktipp zur Sozialversicherung. Man würde sich wünschen, dass die Redaktoren in so vielgelesenen Zeitschriften ein Minimum an Sachverstand mitbrächten, wenn sie sich an so gewichtige Themen wagen.
Parl. Initiative Weibel zu flexiblen Renten vom NR abgelehnt
(sda) Mit 138 zu 37 Stimmen bei 4 Enthaltungen folgte die grosse Kammer am Dienstag [11.6.19] ihrer Sozialkommission und lehnte eine parlamentarische Initiative von Thomas Weibel (GLP/ZH) ab. Diese ist damit vom Tisch.
Nach Meinung der Mehrheit würde es für die Versicherten eine grosse Unsicherheit bedeuten, wenn laufende Renten gekürzt werden dürften. Zudem arbeiteten die Sozialpartner derzeit an der nächsten grösseren Reform der beruflichen Vorsorge. Dieser Arbeit sei nicht mit einem derart grundsätzlichen Anliegen vorzugreifen, sagte Barbara Gysi (SP/SG).
Weibel argumentierte vergeblich, die Flexibilisierung der Renten in beide Richtungen würde das Kapitaldeckungsverfahren stärken und die Gerechtigkeit erhöhen. Die Umverteilung von jüngeren Versicherten zu Rentnern sei unfair. Der Handlungsbedarf sei klar ausgewiesen.
SNB: Zinssenkung?
Finews schreibt über die Aussichten der Negativzinspolitik der Nationalbank:
Mittlerweile scheint klar, dass der Markt nicht mehr mit einer Zinserhöhung rechnen darf, sondern sich sogar auf eine weitere Senkung gefasst machen sollte. Die einflussreichen Ökonomen der US-Bank Morgan Stanley beispielsweise erwarten, dass die SNB am Donnerstag zwar keine Zinssenkung bekanntgeben wird, dass sie jedoch dafür bereitsteht: «Es ist zunehmend wahrscheinlich, dass der nächste Zinsschritt der SNB nach unten gerichtet sein wird.» (Bericht auf Englisch).
Höchstwahrscheinlich wird die SNB aber erst dann aktiv werden, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) eine Zinssenkung vornimmt. Eine Lockerung der Geldpolitik beim wichtigsten Handelspartner der Schweiz hat das Potenzial, den Aufwärtsdruck auf den Franken weiter zu erhöhen und damit auch das Szenario einer deflationären Entwicklung wieder in den Vordergrund rücken würde. Da die SNB aber die Preisstabilität als wichtigstes Ziel der Geldpolitik verfolgt, würde sie wohl mit einer weiteren Senkung auf die EZB reagieren. (…)
Unter dem Strich sieht es im Moment danach aus, als würden sich Hausbesitzer auf eine noch längere Phase von Billigsthypotheken freuen können, während Banken und Pensionskassen händeringend nach Investitionen suchen, die noch eine gewisse Rendite versprechen.
Broker in Bewegung
Das Thema Broker (und ihre Entschädigung) hat in letzter Zeit in der 2. Säule grosse Wellen geworfen. Aber viel bekannt ist über die Branche nicht. Die Schweizer Versicherung hat in Ausgabe 6/19 etwas Licht ins Dunkel gebracht, nachdem hier mit Fusionen und Übernahmen einiges in Bewegung geraten ist. Chefredaktor Werner Rüedi schreibt dazu im Editorial:
Die Bedeutung der Broker hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Genau 17’050 Versicherungsvermittler sind inzwischen im Register der Finanzmarktaufsichtsbehörde Finma eingetragen (Stand Mai 2019). Davon sind 2050 juristische und 15’000 natürliche Personen. 9375 sind gebundene Vermittler, stehen also als Agenten oder Vertreter in den Diensten einer Versicherungsgesellschaft. 7675 sind ungebunden, also klassische Versicherungsbroker.
Die wachsende Bedeutung hat zugleich aber auch dazu geführt, dass der Markt der Versicherungsvermittler äusserst kompetitiv geworden ist. Inzwischen herrscht ein eigentlicher Verdrängungswettbewerb mit Zusammenschlüssen und Übernahmen, wie wir in unserer Titelgeschichte aufzeigen. Auch haben viele Broker ihr Angebot stark ausgebaut und sich von reinen Versicherungsvermittlem hin zu Allround-Anbietem in den Bereichen von Risiko- und Vorsorgeberatung weiterentwickelt.
Doch wer spielt in der ersten Liga mit? Das zu eruieren, ist nicht so einfach, denn weil es sich vorwiegend um nichtkotierte Privat unternehmen oder Tochtergesellschaften internationaler Anbieter handelt, hält sich der Auskunftswille in engen Grenzen. Wir haben es versucht und präsentieren Ihnen die Liste der 25 grössten Brokeruntemehmen der Schweiz. Das Ranking basiert grundsätzlich auf einer Umfrage bei den Brokern selbst. Dort, wo wir keine Auskunft erhielten, haben wir mit Branchenbeobachtern primär von Erstversicherem gesprochen und dann Schätzungen vorgenommen.
Die Rangliste selber haben wir aufgrund der (geschätzten) Umsatz zahlen erstellt. Selbstverständlich ist uns bewusst, dass es auch andere Kriterien gäbe. Der Umsatz ist in dieser verschwiegenen Branche aber im Gegensatz zum Prämienvolumen einfacher schätzbar. Was auch mir absolut klar ist: Umsatz sagt nur bedingt etwas über Qualität und Kundenzufriedenheit aus. Aber er ist ein starker Hinweis auf möglichen Markterfolg.
WHP Pensionskassen-Vergleich 2019
Weibel Hess hat die Resultate ihres 14. Pensionskassen-Vergleichs publiziert, der eine Übersicht über das Angebot der wichtigsten Anbieter auf dem Markt der Sammel- und Gemeinschaftsstiftungen gibt. Weibel Hess schreibt dazu:
Der 14. umfassende Pensionskassenvergleich zeigt wiederum erhebliche Differenzen auf. Die Unterschiede beschränken sich nicht nur auf die Kosten, sondern zeigen sich bei allen von uns untersuchten Bereichen.
Im Jahr 2018 konnten hauptsächlich die teilautonomen Gemeinschafts- und Sammelstiftung Marktanteile gewinnen. Die stetig steigende Lebenserwartung und die anhaltende Tiefzinsphase an den Finanzmärkten führen dazu, dass die Vollversicherer spürbar zurückhaltend sind in der Zeichnung neuer Garantie-Verträge. Sie versuchen mit neuen Produkten auch im Markt der teilautonomen Sammelstiftungen zu wachsen. Der Ausstieg von AXA aus der Vollversicherung bestätigt diesen Trend. Heute ist unklar, wie lange die verbleibenden fünf Vollversicherer ihr heutiges Angebot konkurrenzfähig halten können.
Die Pensionskassen versuchen mit dem Wachstum von Skaleneffekten zu profitieren. Umso höher die Anzahl versicherter Personen, desto tiefer sollten die durchschnittlichen Verwaltungskosten pro Kopf ausfallen. Unsere Analyse zeigt jedoch: Dies gelingt nur wenigen Pensionskassen.
Ist ein Betrieb mit der eigenen Pensionskassenlösung zufrieden, ist er trotzdem gut beraten, die Verträge periodisch zu überprüfen. Die Risiko- und Verwaltungskosten sind für Neuanschlüsse in den letzten Jahren massiv gesunken. Bestehende Kunden können von diesen Prämiensenkungen jedoch oft nicht profitiert.
In einer Liste werden die “Sieger” in 10 Kategorien aufgelistet. Einen Award als “beste Sammelstiftung der Schweiz” wird von der Sonntags-Zeitung vergeben. Den Award für die beste Anlagerendite über zehn Jahre unter den teilautonomen Gemeinschafts- und Sammelstiftungen durfte die Profond-Vorsorgeeinrichtung entgegennehmen, welche Ascaro und die Nest Sammelstiftung auf die Ränge zwei und drei verwies. Profond erzielte von 2009 bis 2018 eine Rendite von 5,72 Prozent. Bei den Vollversicherungen belegte die Bâloise den ersten Platz mit einer durchschnittlichen Rendite über zehn Jahre von 3,15 Prozent, dicht gefolgt von der Allianz Suisse (3,14) und Helvetia (3,02). Der Award für die beste Servicequalität ging dieses Jahr an die Axa. Platz zwei und drei belegten die Asga und die PKG.
Profond: Realwerte und Digitalisierung
Auf 10×10 gibt die Geschäftsleitung der Profond Auskunft über ihre Geschäfts- und Anlagestrategie. Auszüge aus dem Interview.
Starre gesetzliche Bandbreiten.
AH: Will eine Pensionskasse eine Obergrenze überschreiten, kann sie das. Sie muss es jedoch schriftlich begründen. Von den Pensionskassen mit über einer Milliarde Vermögen schöpft aktuell nur Profond die gesetzlichen Bandbreiten bei den Realwerten aus.
Wie sieht die durchschnittliche Aufteilung der Anlageklassen bei Pensionskassen aus?
AH: Für das Jahr 2018 war die Aufteilung gemäss Zahlen von Swisscanto wie folgt: rund 28 Prozent Aktien, 40 Prozent Anleihen, 18 Prozent Immobilen. Der Rest entfiel hauptsächlich auf Bargeldbestände und alternative Anlagen. Bei Profond legen wir ungefähr 50 Prozent in Aktien, 30 Prozent in Immobilien und 10 bis 15 Prozent in Obligationen sowie liquiden Mitteln an.
Woher rühren die Unterschiede zu anderen Pensionskassen?
AH: Viele Pensionskassen investieren einen grossen Teil ihrer Anlagen in Nominalwerte wie Obligationen. Als Gründe dafür werden ALM-Studien, Risikobereitschaft oder Risikofähigkeit genannt.
Haben Sie manchmal schlaflose Nächte?
AH: Nein. Weil Pensionskassengelder über eine Frist von etwa 60 Jahren angelegt werden – 40 Jahre Erwerbstätigkeit und rund 20 Jahre Rentenbezug –, lassen sich kurzfristige Schwankungen an den Märkten gut ausgleichen. Sie werden langfristig durch Wertsteigerungen übertroffen.
Kurseinbrüche an den Aktienmärkten von 20 bis 30 Prozent fürchten Sie also nicht?
AH: Ein solcher Einbruch würde die Anleger treffen, das ist klar. Wie die Geschichte aber zeigt, haben sich Märkte nach Einbrüchen immer wieder erholt. (…)
Alle reden davon, digital zu werden. Was konkret bedeutet es bei einer Pensionskasse?
MI: In erster Linie geht es um Optimierung des internen Betriebs. Prozesse müssen end-to-end digitalisiert werden. Im Vergleich zu anderen Branchen hat die Vorsorgebranche noch ein grosses Potenzial im Bereich der Digitalisierung. Wenn ein Versicherter beispielsweise von Pensionskasse A zu Pensionskasse B wechselt, wird heute noch alles manuell und auf Papier abgewickelt.
Dabei wären die digitalen Instrumente vorhanden.
MI: Ein Hauptproblem ist, dass es keine Standardisierung gibt. Die eine Pensionskasse erfasst ihre Daten in einem Excel, eine andere wiederum in einem Word-Dokument. Das führt zu einem grossen Koordinierungsaufwand. Eine Standardisierung im Markt würde unheimlich viel vereinfachen.
Wie kann Digitalisierung dabei helfen, für den Kunden Mehrwert zu schaffen?
MI: Wir sprechen hier von verschiedenen Zielgruppen. Den Versicherten stellen wir auf Portalen eine detaillierte Sicht über die Vorsorgesituation in der beruflichen Vorsorge zur Verfügung. Weiter werden sie mit verschiedenen Berechnungsmöglichkeiten einfach die Auswirkungen einer vorzeitigen Pensionierung, eines Vorbezuges oder eines Einkaufs in die Pensionskasse berechnen können und diese Prozesse auch gleich digital durchführen können. Als Hauptzielgruppe sehen wir jedoch die Unternehmen, die als Kunden viel mehr Berührungspunkte zur Pensionskasse haben.
Welche digitalen Optimierungsmöglichkeiten gibt es?
MI: Zum Beispiel müssen digitale Schnittstellen zum Lohnbuchhaltungssystem einer Firma geschaffen werden. Auf diese Weise würde ein effizienter Informationsaustausch mit der Pensionskasse und optimalerweise auch mit der Ausgleichskasse geschaffen.
Die Bundesräte und ihre Renten
Ein ehemaliges Regierungsmitglied bezieht nach seinem Rücktritt eine lebenslange Rente von 225’000 Franken pro Jahr. Diese Regelung sei veraltet, meint ein CVP-Ständerat. Sein Vorstoss für eine Auslegeordnung scheitert nur knapp, schreibt Christof Forster in der NZZ.
Gegenwärtig erhalten siebzehn Altbundesräte ein volles oder gekürztes Ruhegehalt. Von den lebenden neunzehn ehemaligen Magistraten erhalten also zwei aufgrund der Deckelung keine Rente. Wer wie viel bezieht, weist die Bundeskanzlei aus Datenschutzgründen nicht aus. Im vergangenen Jahr hat der Bund für Ruhegehälter total 4,45 Millionen Franken aufgewendet. Darin enthalten sind auch Bezüge von vier Altbundeskanzlern und zwei Witwenrenten.
Die hohen Renten führen dazu, dass die Bundesräte lohnmässig bessergestellt sind, als es auf den ersten Blick erscheint. Salärberater Urs Klingler hat bereits vor einigen Jahren den theoretischen Wert der Rentenversprechen ausgerechnet. Er hat einen statistisch zu erwartenden Zusatzlohn von 500 000 Franken pro Jahr ermittelt. Der Berechnung liegen drei Durchschnittsgrössen zugrunde: Amtsdauer (9 Jahre), Alter beim Rücktritt (61 Jahre) und Lebenserwartung nach dem Rücktritt (20 Jahre). Die Altersrenten können zum Lohn hinzugerechnet werden, da sie vollständig vom Bund finanziert sind. Damit käme ein Bundesrat zusammen mit seinem regulären Einkommen also auf rund 950 000 Franken pro Jahr. Zählt man Spesen und weitere Nebenleistungen dazu, sind es rund eine Million Franken. Hinzu kommen Renten aus früheren Tätigkeiten. Die solcherart angesparten Gelder unterliegen keinen Beschränkungen.
Am Donnerstag {6.6.19] lehnte der Ständerat ein Postulat von Peter Hegglin (Zug, cvp.) ab, der einen Bericht über die Anpassung des bestehenden Systems an das heutige BVG verlangte. Der Vorstoss unterlag knapp, mit 18 zu 22 Stimmen bei 2 Enthaltungen.
Swisscanto: “Die 2. Säule wankt”

Entwicklung des durchschnittlichen technischen Zinses
Entwicklung durchschnittlicher Umwandlungssatz (Männer) seit 2010 und von den Umfrageteilnehmern erwarteter Wert für 2023.
Entwicklung des Leistungsziels für Altersrenten bei einem Lohn von 80’000 Franken.
Mit der dramatischen, in dieser Form wohl allzu dramatischen Formulierung leitet Swisscanto ihre Pressemitteilung zu den Ergebnissen ihrer PK-Studie 2019 ein, in welcher Wege und Möglichkeiten aufgezeigt werden sollen, wie die seit 2013 anhaltende und absehbar noch länger andauernde Senkung des Leistungsniveaus in der beruflichen Vorsorge beendet und die Rentenhöhe stabilisiert werden kann. In der Mitteilung wird festgehalten:
Der deutliche Rückgang des technischen Zinssatzes über die vergangenen zehn Jahre hat sich in tieferen Umwandlungssätzen niedergeschlagen. In den letzten zehn Jahren sanken die Umwandlungssätze um rund 1,0 Prozentpunkte auf durchschnittlich 5,7%. Wie die Studie zeigt, werden die Umwandlungssätze auch künftig weiter sinken. Bis ins Jahr 2023 wird ein durchschnittlicher Umwandlungssatz von 5,5% prognostiziert, und auch danach dürften die Umwandlungssätze weiter zurückgehen. Unter der Annahme, dass sich der technische Zinssatz tatsächlich bei rund 2% einpendelt, beliefe sich der aktuarisch korrekte Umwandlungssatz auf 4,9%.
Nimmt man diesen Wert als Berechnungsgrundlage für künftige Renten, tun sich gewaltige Leistungslücken in der Vorsorge der 2. Säule auf. Ein Arbeitnehmer, der heute in einen Vorsorgeplan einer Kasse eintritt, die keine Gegenmassnahmen ergriffen hat, muss in 40 Jahren mit einer Rente auskommen, die 27,9% tiefer liegt als in einem Vorsorgeplan, der vor zehn Jahren gültig war.
Um diesem Rückgang entgegenzuwirken, haben viele Vorsorgeeinrichtungen eigenständig erste Massnahmen ergriffen. Die Analyse einer Vergleichsgruppe zeigt, dass seit 2010 die Sparziele durch eine längere Beitragsdauer und grössere Sparbeiträge um durchschnittlich 17,6% erhöht wurden. Damit kann der Rückgang von 27,9% aber lediglich abgefedert werden. Auf das obige Beispiel angewendet, heisst das konkret: Es bleibt eine Leistungslücke von 15,2% im Vergleich mit einem Vorsorgeplan, der vor zehn Jahren gültig war.
Wie liesse sich diese verbleibende Leistungslücke schliessen? Nötig wäre beispielsweise eine weitere Erhöhung des Sparbeitrags um 17,9%, eine Verlängerung der Beitragsjahre um 7,2 Jahre oder die Senkung des Koordinationsabzugs um 6000 Franken oder eine gezielte Kombination von Massnahmen in diesen drei Bereichen. Ergänzend zu diesen Massnahmen muss zur Stabilisierung der Renten auch der Spielraum auf der Anlageseite besser ausgenutzt werden.
Die selbe Wirkung hätte im übrigen eine Erhöhung der Performance um 0,7%.
Mitteilung Swisscanto / Studie /
Tages-Anzeiger / NZZ / AZ
Hypos: Schon wieder Rekord
Die NZZ berichtet über die Entwicklung auf dem Hypothekarmarkt.
Allein seit Jahresbeginn sind die Richtsätze im Mittel um gut 0,3 Prozentpunkte gesunken. Eine Hypothek von 1 Mio. Fr. ist damit um 3000 Fr. pro Jahr günstiger geworden. Die günstigsten Anbieter im zehnjährigen Bereich sind Anbieter von Online-Hypotheken. Homegate und Hypomat verlangen 0,85%. Nur unwesentlich teurer sind e-Hypo und die Pensionskasse der SBB mit 0,86%.
Wenn alle Parameter stimmen, ist es also möglich, Hypotheken nochmals spürbar günstiger abzuschliessen. Ab einem gewissen Kreditvolumen ist ein Versicherer derzeit bereit, zehnjährige Hypotheken für 0,64% zu vergeben, sagt Florian Schubiger von den Vermögenspartnern. Dann müssten aber Kriterien wie die Tragbarkeit und die Belehnung in einem äusserst konservativen Bereich liegen.
Etwas weniger Bewegung gibt es bei kürzeren Laufzeiten. Mit einem durchschnittlichen Richtsatz von 0,94% sind fünfjährige Hypotheken heute 11 Basispunkte günstiger als zu Jahresbeginn. Laut dem Hypothekarvergleich der Vermögenspartner bietet hier die Pensionskasse der SBB mit 0,53% die günstigsten Konditionen an.
NZZ / Vermögenspartner (Tagesaktuelle Hypothekarzinsen) / NZZaS
Taschenstatistik 2019
Die Taschenstatistik “Sozialversicherungen in der Schweiz” liefert aktuelle Angaben über die einzelnen Zweige und die Gesamtrechnung der Sozialversicherungen.
Gedruckte Gratisexemplare sind verfügbar ab Ende Juni 2019. Bestellung via Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL), Vertrieb, (Bestellnummer: 318.001.19D).
Die Taschenstatistik „Sozialversicherungen der Schweiz 2019“ liegt auch in französischer, italienischer und englischer Sprache vor.
Strahm kennt das wahre Problem
pw. Rudolf Strahm, ehemaliger Preisüberwacher, weiss um das wahre Problem der Pensionskassen. Er weiss es schon lange. Natürlich ist es nicht die Umverteilung von Jung zu Alt. Nein, es sind die “Sickerverluste”. Und Josef Bachmann, der einen vorsichtigen Vorschlag für eine Rentenflexibilisierung in einer Volksinitiative vorschlägt, ist Teil der Finanzmafia, die sich an der 2. Säule bereichert. Soll man auf die Details eingehen? Es ist einfach zu viel Humbug dabei. Wen es noch interessiert, hier ein Zitat:
Ausserhalb dieses vertraulichen Aushandlungsprozesses [Arbeitgeber / Gewerkschaften] lärmen Banker, Anlagemanager, Beratungsagenten und Vermögensverwalter mit fiktiven, interessenorientierten Rechenmodellen für Rentensenkungen. Sie alle reiten auf der Meinungswelle von der «Umverteilung von den Jungen zu den Alten». In der Realität sind es aber gerade nicht die jungen Versicherten, sondern die älteren Arbeitnehmer vor der Pensionierung, die mit ihrem viel höheren angesparten Vermögen die Zinsverluste tragen. Effektiv findet eine Umverteilung zwischen den 50- bis 64-jährigen Arbeitnehmern und den Rentnern statt, nicht zwischen jung und alt.
Das wahre Problem sind die Milliarden an Sickerverlusten, die vom Finanzsektor abgezweigt werden.
“Raubzug an der Jugend”
Die anhaltende und noch längst nicht bis in alle finanziellen Kapillaren analysierte Umverteilung zwischen Jung und Alt in der 2. Säule (und der 1.) gewinnt zusehends an Publizität. Ob sich die Politik noch länger darum scheren kann? Stefan Barmettler nahm sie in der Handelszeitung als Anlass für einen Kommentar. Barmettler:
Dabei ist klar: Das Drei-Säulen-Modell funktioniert nur, wenn die Altersvorsorge auf drei separaten, soliden und austarierten Säulen steht. Heute aber wackeln zwei der drei Säulen und drohen, sich gegenseitig zu destabilisieren.
Die Jungen machen sich zu Recht Sorgen um ihre Altersvorsorge. Was das Dilemma noch grösser macht: Die Schweiz ist auf bestem Weg, ein Volk von Transfer-Empfängern zu werden – eine arbeitende Minderheit zahlt, eine pensionierte Mehrheit kassiert.
Deckungsgrad und Aussagekraft
Michael Ferber befasst sich in der NZZ mit dem Deckungsgrad und was er aussagen soll und kann. Eine wichtige Rolle dabei spielt der technische Zinssatz. Ferber schreibt:
Vielbeachtete Anhaltspunkte für Stiftungsräte zum Ansetzen des technischen Zinses publiziert die Schweizerische Kammer der Pensionskassen-Experten (SKPE). Per Ende September 2018 hat sie den technischen Referenzzinssatz wie im Vorjahr bei 2% festgelegt.
Nicht wenige Kassen rechnen aber weiterhin mit höheren technischen Zinssätzen. Der Spielraum sei enorm, sagt Lukas Riesen. Laut PPCmetrics hat die Heterogenität der von den Schweizer Vorsorgeeinrichtungen verwendeten technischen Zinssätze in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Berücksichtigt man Extrembeispiele an beiden Enden, dann lag die Spanne der technischen Zinssätze bei Schweizer Pensionskassen per Ende 2017 zwischen –0,75% und 4%, wie die Beratungsgesellschaft mitteilt. Liegen zwei Pensionskassen so weit auseinander, lassen sich ihre technischen Deckungsgrade praktisch nicht vergleichen. Doch selbst wenn man die Extrembeispiele beiseitelässt, gibt es eine gewisse Spannbreite. Laut Riesen dürften zwei Drittel der Schweizer Pensionskassen mit technischen Zinssätzen von zwischen 1,5% und 2,75% rechnen. (…)
Als Alternative zum gesetzlichen Deckungsgrad hat PPC dazu den risikotragenden DG entwickelt. Ueli Mettler von c-alm ist skeptisch:
Ueli Mettler, Partner bei dem St. Galler Beratungsunternehmen c-alm, weist indessen auf Tücken beim ökonomischen und risikotragenden Deckungsgrad hin. Bei diesen Berechnungen gehe man quasi davon aus, dass die Pensionskasse von einem auf den anderen Tag liquidiert werden müsse – es handle sich um eine «Worst-Case-Perspektive». (…)
Sollten die Pensionskassen flächendeckend und undifferenziert dazu verpflichtet werden, ihre Rentenverpflichtungen mit Marktzinssätzen zu diskontieren, so bestehe die Gefahr einer Kaskade: Um ein Bewertungs- sprich Deckungsgradrisiko zu vermeiden, würden die Rentenverpflichtungen vergleichbar mit den privaten Lebensversicherern in ein Anleihen-Portfolio mit passender Fälligkeitsstruktur investiert. Es stelle sich sogar die Frage, warum dann die Rentenverpflichtungen nicht direkt den Lebensversicherern verkauft werden sollten, sagt Mettler. Für das Leistungsvolumen der zweiten Säule sei diese absehbare Wirkungskette fatal.








