Swisscanto Real Estate: Kapitalerhöhung
Der Swisscanto Real Estate Fund Swiss Commercial plant im November 2017 die Ausgabe von neuen Fondsanteilen im Umfang von rund 74 Millionen Franken . Die Kapitalerhöhung wird durchgeführt, um zusätzliche Mittel zur Finanzierung der anstehenden Investitionen zu gewinnen und um Fremdkapital zurückzuzahlen. Das neue Kapital ist damit unmittelbar ertragswirksam. Die Kapitalerhöhung wird unter Wahrung der Bezugsrechte der bestehenden Anteilsinhaber erfolgen. Die Konditionen der geplanten Kapitalerhöhung werden Ende Oktober 2017 bekannt gegeben.
Die ursprünglich im Mai 2017 geplante Kapitalerhöhung wurde aufgrund von Unklarheiten mit dem bedeutenden Mieter Stadler Rail verschoben. Nachdem eine Anschlusslösung erzielt worden ist, wird die Kapitalerhöhung im November 2017 durchgeführt.
Neue Vorlage sicher, aber bis wann?
In der NZZaS werden diverse Szenarien für die Neuauflage der Rentenreform vor dem Hintergrund der Partei-Interessen durchgespielt.
Es ist höchst unwahrscheinlich, dass die SP im Wahljahr 2019 eine neue Vorlage mit einem höheren Rentenalter für Frauen und tieferen Umwandlungssätzen unterstützen würde. Im Gegenteil: Um die eigenen Reihen zu schliessen, dürfte sie jede solche Vorlage vehement bekämpfen.
Folglich müssen die Bürgerlichen, wollen sie bis zu den Wahlen ins Ziel kommen, nun selbst sehr rasch eine im Volk mehrheitsfähige Vorlage zimmern, wohl unter Einbezug der CVP. Doch bestehen in diesem Lager noch grössere Differenzen.
So möchten SVP, FDP und Arbeitgeberpräsident Vogt die beiden ersten Säulen der Altersvorsorge, AHV und Pensionskassen, separat und nacheinander reformieren: Zuerst die AHV, wo grössere Dringlichkeit bestehe, mit der Erhöhung des Frauenrentenalters und einer «moderaten Zusatzfinanzierung aus der Mehrwertsteuer», wie Vogt sagt. Ständerätin Keller-Sutter schlägt zudem eine soziale Abfederung für Personen mit tiefen Renten vor, die das ganze Leben gearbeitet haben; davon würden vorab Frauen profitieren. Das unterstützt auch Vogt, sofern die Einsparungen, die die Erhöhung des Frauenrentenalters bringt, «nicht gleich wieder weggefressen werden».
CVP-Präsident Pfister strebt derweil «eine getrennte, aber gleichzeitige Reform der ersten und der zweiten Säule an». Zudem dürfte er weiterhin auf eine grosszügigere Kompensation der Erhöhung des Rentenalters und der Absenkung des Umwandlungssatzes drängen. Dies getreu seiner Strategie, die CVP als bürgerliche Kraft mit sozialem Gespür zu positionieren – gerade im Hinblick auf die Wahlen 2019.
Wie schnell sich diese Positionen annähern lassen, ist ungewiss. Jedenfalls erwägt man in bürgerlichen Kreisen jetzt schon, das Geschäft nun zwar möglichst gut einzufädeln – den Volksentscheid aber auf die Zeit nach den Wahlen 2019 zu vertagen.
“Der Sozialstaat als Brandbeschleuniger”
Der Begriff “Brandbeschleuniger” hatte in der Debatte um die AV2020 Hochkonjunktur. Offenbar hat er sich nun auch darüber hinaus festgesetzt. Jedenfalls verwendet ihn Thomas Fuster in einer Kurzmeldung der NZZ zu den Auswirkungen gutausbauter Sozialwerke auf Ressentiments gegenüber Immigranten, ermittelt durch das Fraser-Institut.
Die Analyse von 27 OECD-Staaten zwischen 1990 und 2014 zeigt, dass der Aufstieg ausländerfeindlicher Parteien nicht erklärt werden kann mit dem Zuwachs der Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Vielmehr hatten diese Parteien primär dort Auftrieb, wo die soziale Absicherung und der Wohlfahrtsstaat stark ausgebaut sind.
Ausländerfeindliche Stimmung wird demnach durch «Wohlfahrtsstaats-Chauvinismus» angetrieben. So werden Zuwanderer in Ländern mit besonders hohen Sozialausgaben und Arbeitslosengeldern nicht zuletzt als Trittbrettfahrer empfunden, die den Sozialstaat schröpfen und den Wohlstand der Einheimischen gefährden.
Stimmt diese Diagnose, führt eine Aufblähung des Sozialstaates nicht zu mehr gesellschaftlichem Frieden, sondern zu mehr Ressentiments gegenüber Ausländern. Ähnliches diagnostizierte vor vielen Jahren schon Milton Friedman. Der bekannte Ökonom betonte stets, man könne freie Zuwanderung haben oder einen Wohlfahrtsstaat – aber nicht beides.
Rentenalter im internationalen Vergleich, Schweiz hintendrein
Helmut Stalder vergleicht Rentenalter-Reglungen in europäischen Ländern. Deutlich wird: das Tabu um Rentenalter 67 ist eine schweizerische Spezialität. Stalder schreibt:
Ein Blick über die Grenze zeigt, dass die meisten europäischen Staaten fähig waren, solche Tabus zu überwinden. Im letzten Jahrzehnt haben sie mit zum Teil umfangreichen Anpassungen auf die Alterung der Gesellschaft reagiert, viel früher, konsequenter und nachhaltiger als die Schweiz. Die Trends in Europa sind eindeutig, wie die aktualisierten Zahlen der europäischen Informationsbasis Missoc (Mutual Information System on Social Protection) deutlich machen.
Das ungleiche Pensionsalter von Frauen und Männern ist europaweit überwunden. Kein Staat hält auf Dauer an einem tieferen Frauenrentenalter fest. Die meisten Staaten haben das Rentenalter der Frauen angeglichen, insbesondere Schwergewichte wie Deutschland und Frankreich (siehe Tabelle). Wo dies noch nicht der Fall ist, wie etwa in Italien, Österreich, Polen oder Grossbritannien, ist die schrittweise Anhebung des Frauenrentenalters auf das Niveau der Männer im Gang, wobei sich nur das Tempo unterscheidet.
Der zweite eindeutige Trend in Europa ist die generelle Erhöhung des Renteneintrittsalters. Fast alle Staaten heben das Rentenalter über eine längere Zeitspanne schrittweise an, um die Arbeitszeit zu verlängern und den Eintritt ins Rentenalter hinauszuschieben. Sie sind dabei von unterschiedlichen Niveaus gestartet und gehen unterschiedlich schnell voran. Aber übers Ganze gesehen hat sich Rentenalter 67 als Zielgrösse herausgebildet. Bereits 2021 werden Irland, Italien und die Niederlande dort angelangt sein, bis 2022 folgen Dänemark und Frankreich.
BLPK: “Ein steiler Abstieg ruft nach Sicherungen”
Werner Enz kommentiert in der NZZ die Pläne der basellandschaftlichen Pensionskasse und die darauf folgenden Reaktionen zur Senkung des technischen Zinses auf 1,75%.
Es braucht noch Aufklärung, wie skurrile Positionsbezüge der Grünen-Unabhängigen des Landkantons vermuten lassen. Die Partei läuft Sturm gegen das Senken des technischen Zinses von 3,0% auf 1,75%, wie ihn die Kassenverantwortlichen mit Gültigkeit auf Anfang 2018 beschlossen haben. Wenn der Zins so stark gekürzt werde, würden die Rentenzahlungen nur noch bis zum 84. Lebensjahr ausreichen; aus diesem Grund sei man auch gegen das Kürzen des Umwandlungssatzes von 5,8% auf 5,0%.
Wenn es doch so einfach wäre – de facto ist eben ein technischer Zins von 3,0% mit Blick auf die zu erwartenden Anlagerenditen viel zu hoch angesetzt. Und ein Absenken des Umwandlungssatzes auf 5,0% ist die logische Folge davon, dass jetzt der technische Zins gesenkt wird. Die beiden BVG-Parameter sind siamesische Zwillinge.
Auf der anderen Seite sind Fragezeichen hinter das Vorgehen der Kassenverantwortlichen zu setzen. Sie beliessen den technischen Zins viel zu lange bei 4,0%, senkten ihn dann zackig auf 3,0% (2015) und im Branchenvergleich sehr tiefe 1,75% (2018). Das ruft nach Kompensationsmassnahmen. Ein Deckungsgrad von konsolidiert 103,0% per Ende 2016 zeigt an, dass ohne Kapitalzuschüsse harte Sanierungen warten; sechs Vorsorgewerke wiesen schon so eine Unterdeckung auf. Letztlich geht es darum, dass der Kanton als Arbeitgeber für Lehrer, Polizisten, Beamte und viele Teilzeitbeschäftigte seinen Beitrag wird leisten müssen.
“PKs rasen mit Karacho in Immo-Hammer”
Lukas Hässig von Inside Paradeplatz sieht arge Zeiten für die Pensionskassen mit ihren massiven Immobilien-Investitionen zukommen. Hässig schreibt:
Die Pensionskassen in der Schweiz stehen vor riesigen Umwälzungen. Die Rentendebatte wird mehr und mehr auf sie überschwappen. Nun zeigt sich, wie die PKs sich im Immobilien-Boom vergaloppiert haben. Sie setzten in den letzten Jahren voll auf Real Estate. Und voll zur falschen Zeit. Das Land steht vor einer Abkühlung ihres heissesten Marktes. Und ihre 2. Säule steckt bis zum Hals drin.
Drei Beispiele zeigen auf, was passiert ist. Zunächst die Pensionskasse der Migros, des Retail-Riesen und grössten Arbeitgebers der Schweiz. Im Bericht 2016 findet sich ein Anstieg des Immo-Anteils auf über 31 Prozent. Fast ein Drittel des ganzen PK-Vermögens ist in Bricks and Stones investiert. Gemäss Migros-PK ist das super. Man habe mit den Liegenschaften eine Rendite von 7 Prozent erwirtschaftet.
Wirklich? Die effektive Cash-Rendite lag bei knapp 4 Prozent. Die stolzen 7 Prozent kamen nur zustande, indem die Migros-PK die Immobilien höher bewertete.Einmal mehr. So wie fast immer in den letzten Jahren dieses einzigartigen Häuser-Anstiegs im kleinen Alpenland. Die stolz ausgewiesenen Zahlen, die alle nach oben zeigen, haben kein Fundament. Sie basieren auf Luft und Hoffnung.
Das geht aus einem einzigen, schwer wiegenden Fakt hervor. Der Veränderung beim Leerstand in den Rendite-Liegenschaften und den Mietverlusten. Da musste die Migros-PK im Kleingedruckten weniger Erfreuliches ausweisen. Einen Anstieg um 16 Prozent. Das Vorsorgewerk des grössten Retailers der Schweiz steht mit dieser Scherenbewegung – hier steigende Assetbewertungen beim „Betongold“, da steigende Leerstände und Mietverluste – nicht alleine da.
Die Swisscanto, eine grosse Fondsgesellschaft, die inzwischen der Zürcher Kantonalbank gehört, macht ebenfalls eine solche Entwicklung durch.
«Ohne linke Neinsager hätten wir gewonnen»
SBG-Präsident Paul Rechsteiner erklärt die Niederlage bei der AV2020-Abstimmung in einem Interview der Unia-Zeitung “work”. Auszüge:
Nur gerade drei Prozent haben am 24. September gefehlt, und die Altersreform 2020 wäre durchgekommen. Haben Sie sich darüber geärgert?
Ärger hat vor allem die perfide Kampagne von FDP und SVP verursacht. Diese hat gezielt die Generationen gegeneinander aufgehetzt. Die Rentnerinnen und Rentner wurden mit dem Slogan «Rentner bestrafen» ausgerechnet von jenen Parteien ins Nein getrieben, die bessere Renten immer abgelehnt haben. Damit ist die Chance verpasst, die Altersvorsorge sozial zu reformieren und auf Jahre hinaus zu sichern. Es ist sehr unsicher, ob eine Chance für bessere Renten in nächster Zeit wieder kommt.
Sie nennen die Gegnerkampagne perfid. Und die Ja-Kampagne: War sie ungenügend?
Die Mittel der Gewerkschaften waren im Vergleich zu jenen von SVP und FDP, Economiesuisse und Arbeitgeberund Gewerbeverband beschränkt.
Ohne linkes Nein in der Westschweiz wäre die Altersreform durchgekommen, sagen Politologen. Hat Ihnen das eigene Lager einen Strich durch die Rechnung gemacht?
So viel steht fest: Die Wirtschaftsverbände und die Rechtsparteien hätten ohne das linke Nein gegen das Frauenrentenalter 65 und ohne die Massenversände des «K-Tipps» nicht gewonnen.
Die bürgerliche Ja-Kampagne kam eher kraftlos daher.
Die Mittel der CVP waren ebenfalls limitiert. Wichtig war aber etwas anderes. Die Städte haben der Vorlage zugestimmt, das Land war dagegen. Entscheidend war, dass der befürwortende Bauernverband der SVP-Propaganda auf dem Land nichts Wirksames entgegengesetzt hat. Dabei hätten gerade die Bauern wie keine andere Berufsgruppe vom Rentenzuschlag bei der AHV profitiert.
Pläne für Volkspension-Initiative werden konkret
Daniel Stern berichtet in der WOZ über die bei linken Organisationen bestehenden Absichten zur Lancierung einer Initiative in Richtung Volkspension. Dabei stehen diverse Modelle zur Diskussion. Stern schreibt:
Eine weitaus grössere Knacknuss als die AHV ist das Pensionskassensystem der Schweiz. «Es braucht eine gewerkschaftliche Antwort auf die Krise der zweiten Säule», sagt Doris Bianchi (SGB). Der Abstimmungskampf habe gezeigt, dass in der Bevölkerung «viel Missmut» darüber herrsche. Die Pensionskassen haben Mühe, die erforderlichen Renditen zu erzielen, das System ist teuer und unsicher. Verschiedene linke Gruppierungen, die die Rentenreform bekämpft hatten, überlegen sich deshalb, eine Initiative für eine Volkspension zu lancieren. Am weitesten fortgeschritten ist dabei die Partei der Arbeit (PdA), die bereits einen konkreten Entwurf für eine Initiative ausgearbeitet hat und auf Anfang November interessierte Gruppierungen und Einzelpersonen zu einem Treffen einlädt, um das weitere Vorgehen zu besprechen. «Wir haben uns bei der Initiative am Modell des Denknetzes orientiert», sagt Thomas Peter von der PdA.
Linkes oder rechtes Nein?
Regine Sauter (FDP) kommentiert auf Generationenallianz die Haltung der Stimmbürger zur AV2020 gemäss ihrer politischen Einstellung. (In der Grafik oben geht es von links=1 bis rechts=10). Sie schreibt:
Das Bild der klaren bürgerlichen Ablehnung bestätigt sich bei einem Blick auf den politischen Atlas: Politisch eher links stehende Kantone stimmten der Vorlage in der Tendenz zu, während bürgerlich geprägte Kantone die Reform ablehnten. Damit wird klar, in welche Richtung eine echte Reform gehen muss. Die Mammutvorlage war den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern offensichtlich nicht geheuer, zu überladen und verschränkt war das Riesenpaket. Nötig ist deshalb eine Aufteilung in mehrere, verdaubare Teilvorlagen, die in ihrem Aufbau klar und nachvollziehbar sind.
Säule 3a mit grösserer Bedeutung?
FDP-Nationalrat Bruno Pezzatti denkt über einen neuen Vorstoss zur Erhöhung dieser Maximalbeträge nach. «Das wäre vor allem für die Mittelstandsfamilien, die heute im Bereich der Steuern sehr viel leisten, indirekt auch zugunsten der unteren Einkommensklassen. Diese Mittelstandsfamilien kann man mit der Massnahme gezielt unterstützen.»
Laut Zahlen der Eidgenössischen Steuerverwaltung hatten 2014 allerdings nur knapp über 30 Prozent eine Säule 3a. Und nicht einmal 13 Prozent der Steuerpflichtigen zogen den maximalen Beitrag ab. Insgesamt sagen laut Vergleichsdienst Comparis 55 Prozent der Schweizer, dass sie sich Einzahlungen in die 3. Säule schlicht und einfach nicht leisten können.
In den anderen bürgerlichen Parteien hat die 3. Säule auch nach dem Scheitern der Altersvorsorge 2020 keine Priorität: «Es ist sicher kein Gegenkonzept zum Scheitern der Vorlage vom Sonntag. Es wäre ein neues Modell zur Steueroptimierung für Bessersituierte», sagt etwa CVP-Nationalrätin Ruth Humbel.
Oder SVP-Ständerat Alex Kuprecht meint: «Das würde diejenigen privilegieren, die ein sehr hohes Einkommen haben. Jene also, die die Möglichkeit haben, zusätzlich Sparbeiträge beiseite zu legen. Aber es wäre keine Möglichkeit für diejenigen, die ein tiefes Einkommen haben.»
Sozialpolitik rückt in den Mittelpunkt
Der “Blick” geht den personellen Verschiebungen in der Schweizer Sozialpolitik nach. Sie zeigen sich an der nochmals gewachsenen Bedeutung der Sozialkommission (SGK). Nico Menzato schreibt:
Nun nehmen womöglich zwei der lautesten Streithähne der AHV-Schlacht in der Kommission Einsitz: der unterlegene CVP-Chef Gerhard Pfister (54) und die grosse Siegerin, FDP-Chefin Petra Gössi (41). Die beiden waren die Hauptdarsteller im Abstimmungskampf und warfen sich gegenseitig auf allen Kanälen vor, kein verlässlicher Partner zu sein.
Der CVP-Fraktionsvorstand hat gestern die Neuauflage der Altersreform zur Chefsache erklärt: Präsident Pfister wird Sozialpolitiker und nimmt ab sofort in der SGK Einsitz, wie er BLICK sagt. Gesundheit und Soziales habe für die CVP grosse Priorität. «Ich möchte eine neue AHV-Reform aktiv mitgestalten.»
Weil die SP eine bürgerliche Vorlage wohl bekämpfen werde, «liegt es an uns, FDP und SVP einen sozialen Ausgleich abzuringen, damit das Rentenniveau nicht sinkt», so der Zuger weiter. Klar ist aber auch: Mit dem Einzug des rechten CVPlers Pfister wird ein Schulterschluss der bürgerlichen Parteien in der Altersvorsorge wahrscheinlicher.
Die CVP muss niemanden aus der Kommission werfen, um Platz für ihren Chef zu schaffen. Das derzeitige Mitglied, Maja Ingold (69, EVP), die zur CVP-Fraktion gehört, tritt als Nationalrätin ab. Ihr Nachfolger Nik Gugger (47, EVP) erbt Pfisters Sitz in der Aussenpolitischen Kommission.
Und die FDP? Wer krallt sich den frei gewordenen SGK-Sitz von Neo-Bundesrat Ignazio Cassis (56)? Die logische Wahl fiele auf Petra Gössi, das Gesicht der Nein-Kampagne.
Der Entscheid falle erst im Dezember, sagt diese. Die FDP befragt derzeit alle Nationalräte, «um die Sitzverteilung optimal zu gestalten». Aus politischen Überlegungen gebe es aber keinen Grund für einen Wechsel in die SGK, so Gössi weiter. «Unsere Politik in dieser Kommission wurde durch den Volksentscheid vom Sonntag gestützt.»
Rentenalter 67: unerwünscht und unvermeidlich
Die Tamedia-Nachbefragung zur Abstimmung AV2020 hat weitere Details über die Haltung des Stimmvolks zur Altersvorsorge ergeben. 20 Minuten bringt die Details.
Derzeit wäre eine Anhebung des Pensionsalters um zwei Jahre für den Mann und um drei Jahre für die Frau an der Urne chancenlos: Gut zwei von drei Stimmbürgern würden Nein stimmen. 31 Prozent befürworten das Rentenalter 67.
Eine Mehrheit stellt sich allerdings bereits auf ein höheres Rentenalter ein: 62 Prozent gehen davon aus, dass das Rentenalter 67 in den kommenden zehn Jahren eingeführt wird.
«Das Resultat zeigt, dass das Rentenalter nicht auf einen Schlag erhöht werden sollte», sagt Hans-Ulrich Bigler, FDP-Nationalrat und Direktor des Gewerbeverbandes. Dass eine Mehrheit mit einem höheren Rentenalter rechne, bestätige, dass ein Umdenken stattgefunden habe: «Hätte man vor ein paar Jahren gesagt, dass wir bis 67 arbeiten müssen, wäre man als Rentenklauer verunglimpft worden.» Heute wisse die Bevölkerung, dass es Opfer brauchen werde, um die Altersvorsorge zu stabilisieren.
Die SP-Nationalrätin Silvia Schenker glaubt, dass die Rhetorik der bürgerlichen Seite zu einer Resignation in der Bevölkerung führe. «Man glaubt, dass man das höhere Rentenalter irgendwie durchstieren wird.» Solange das Volk zustimmen müsse, werde es aber nicht so schnell kommen: «Die Wirtschaft sagt, dass wegen des Fachkräftemangels Ältere bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Das deckt sich aber nicht mit den Erfahrungen der Leute.»
30 Jahre VPS Verlag – die 2. Säule feiert
5 Journalisten diskutierten mit Hanspeter Konrad als Moderator die bevorstehende AV2020-Abstimmung. Der Ausgang war ihnen entweder gleichgültig (Barbara Ottawa von IPE) oder sie waren Feuer und Flamme für die Vorlage (Kaspar Hohler), oder sie war ihnen einfach zu komplex (Claude Chatelain, Blick). Dezidierte Gegner waren nicht geladen. Dafür wurde heftig über den “Kampagnen-Journalismus” der NZZ gewettert.
pw. 1986 wurde die Idee einer Zeitschrift für die 2. Säule geboren, bereits im Jahr darauf kam die erste Ausgabe der “Schweizer Personalvorsorge” auf den Markt. Initianten waren Hans Wirz, Direktor der IST Anlagestiftung, und Markus Kündig, Ständerat und Druckereibesitzer aus Zug.
Garant und Treiber des Erfolgs war insbesondere die gute Vernetzung von Wirz, der an die Zeitschrift ein lange Reihe von Fachleuten zu binden wusste, die entweder als Aktionäre, Fachgebietsverantwortliche oder Autoren oder gleich in allen drei Funktionen beim VPS aktiv wurden. Heute sind es an die hundert.
Erster Chefredaktor war ab 1989 der Schreibende, der allerdings als alleiniger Redaktor und mit einem 50 Prozent-Pensum als Chef nichts delegieren konnte, sondern eben alles allein zu erledigen hatte. Seine Karriere beim VPS fand 1995 ein abruptes Ende, nachdem der Herausgeber mit unzimperlichen Mitteln eine Neuausrichtung erzwang.
Unter Nachfolger Peter Schnider waren dann Turbulenzen mit der einflussreichen Gründerfamilie zu überstehen, wobei am gediegenen Jubiläumsanlass im Luzerner Schweizerhof über solche Misshelligkeiten beredt geschwiegen wurde.
Unter dem aktuellen Chefredaktor, Kaspar Hohler, jedenfalls steht die Zeitschrift so glänzend da, dass eigentlich nichts die Festlaune trüben konnte. Dass die AV2020-Abstimmung ganz gegen den Geschmack der VPS-Redaktion ausfallen würde, war zwar vorhersehbar, wurde aber erfolgreich ausgeblendet .
Parteien bringen sich für die Neuauflage in Stellung
In der NZZ werden Stimmen aus den bürgerlichen Parteien zur Neuauflage der Rentenreform zitiert.
«Wenn das Parlament nur knapp einer Lösung zustimmt, ist das für eine Abstimmung kritisch», sagt CVP-Chef Gerhard Pfister. Die Bedeutung, die er der Reform der Sozialwerke beimisst, lässt sich nicht zuletzt daran ablesen, dass er demnächst von der Aussenpolitischen Kommission in die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) wechselt, als Nachfolger der zurücktretenden EVP-Nationalrätin Maya Ingold.
An der Fraktionssitzung von Dienstag hat die CVP bereits auch die Eckwerte definiert, die sie für eine «konsensfähige» Reform als unabdingbar erachtet, nämlich den Erhalt des Rentenniveaus über beide Säulen, also AHV und Pensionskasse, eine gesicherte Finanzierung bis mindestens 2035, die Senkung des Umwandlungssatzes in der zweiten Säule sowie die Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre «mit sozialem Ausgleich». Die Position der FDP bringt derweil Joachim Eder (Zug, fdp.), der ab nächstem Jahr die ständerätliche SGK präsidieren wird, auf die Formel «Kein Ausbau, kein Abbau».
Die unheiligste Allianz: Junge Linke und Rechte
Zwei Jungparteien haben massgeblich im Abstimmungskampf mitgemischt: die Jungfreisinnigen und die Jungsolzialisten. Beide haben gewonnen; doch sie liegen in ihren Zielen meilenweit voneinander entfernt. Auf Seite der Jungsozis rebelliert Tamara Funicielle gegen die Mutterpartei. Bei den Freisinnigen lieferte Andri Silberschmidt entscheidende Punkte.






