ESG: “Kernschmelze”
Lange sah es so aus, als setze sich ESG als ethischer Goldstandard in der Vermögensanlage durch. In den USA ist der Hype um die drei Buchstaben nun aber vorbei. Und die Schweiz geht bei der ESG-Regulierung wieder einmal den falschen Weg, wie Adriano Lucatelli in seinem Gastbeitrag auf finews.ch feststellt. Er schreibt:
Mit ESG-Kriterien den Faktor des guten Wirtschaftens in der Finanzwelt mess- und vergleichbar zu machen, ist eigentlich eine gute Idee. In Europa gibt es dementsprechend kaum ein Finanzinstitut, das sich heute nicht die drei Buchstaben auf die Fahnen schreibt. Doch in den USA erlebt diese Strömung derzeit eine Art Kernschmelze.
Nachdem die grossen Asset Manager noch vor drei Jahren die Firmen, in die sie investierten, zu mehr ESG ermahnten – und ihnen andernfalls mit finanziellen Konsequenzen drohten – ist der Begriff jenseits des Atlantiks mittlerweile zum Unwort geworden. Das «Wall Street Journal» bezeichnete ihn kürzlich gar als «Latest Dirty Word in Corporate America».
Wie ist das passiert? Zwar können sich die meisten Leute im Abstrakten darauf einigen, dass Firmen ökologisch und sozial verantwortlich sowie gut strukturiert sein sollten. Was dies aber im Konkreten heisst, ist Gegenstand ideologischer Auseinandersetzungen.
“Die Initiative hat etwas Süffiges”
Elmar Ledergerber, ehemaliger Zürcher SP-Stadtpräsident, kämpft gegen die AHV-Initiative des SGB. Der Tages-Anzeiger hat ihn interviewt. Auszüge:
Anders als Ihre Partei sind Sie gegen eine 13. AHV-Rente. Weshalb?
Die Initiative kommt so schön sozial daher. Aber eigentlich ist sie ziemlich unsozial und ungerecht. Sie ist in meinen Augen auch frauenfeindlich und bürdet einmal mehr den jungen Generationen neue Lasten zugunsten der bereits privilegierten Senioren-Schweiz auf.
Was ist unsozial, wenn man Rentnern, die oft knapp bei Kasse sind, etwas mehr Geld auszahlt?
Dass Rentner automatisch arm seien und ihre Rechnungen nicht bezahlen könnten, ist eine Rhetorik aus den 50er- und 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Tatsache ist: Das Alter stellt heute – selbstverständlich mit Ausnahmen – kaum mehr ein Armutsrisiko für grössere Bevölkerungsgruppen dar. Das Risiko liegt heute viel mehr bei anderen Gruppen: den Alleinerziehenden, den Geschiedenen, die zwei Haushalte finanzieren müssen, bei über 50-Jährigen, die keinen Job mehr finden, und so fort.
“Die Mär von den armen Rentnern”
Albert Steck widerlegt in der NZZ die Mär von den armen Rentnern, mit denen die Initianten einer 13. AHV-Rente ihre Forderung begründen. Die Fakten sprechen dagegen: Die Senioren sind am reichsten – und sie besitzen häufiger Immobilien.
Müssen selbst Leute aus der Mittelschicht befürchten, dass ihre Rente nicht mehr reicht, wie dies der Gewerkschafter Maillard behauptet? Zwar bedeute die Pensionierung effektiv eine Zäsur im Leben, sagt der Lausanner Ökonomieprofessor Marius Brülhart. Die Aussage allerdings, wonach der Ruhestand beim Normalbürger zu einem finanziellen Abstieg führe, sei falsch: «Gemäss Statistik steht die Mehrheit der Rentner finanziell gut da. Sie sind zudem seltener von Armut betroffen als jüngere Altersgruppen.»
Brülhart verweist auf die Erhebung des Bundes über die Einkommen und die Lebensbedingungen, basierend auf der Befragung von 18 000 Personen. Gemäss dieser beurteilen nur gerade 3 Prozent der Rentner ihre finanzielle Zufriedenheit als «gering». Dafür sagen 56 Prozent, dass sie mit ihrer materiellen Situation «sehr zufrieden» seien. Bei den Erwerbstätigen dagegen kommen viel weniger zu einem so positiven Befund, der Anteil liegt bei lediglich 35 Prozent. (…)
Das Bemerkenswerte ist nun: Die Rentnerinnen und Rentner sind trotz Ruhestand nicht gezwungen, ihre Reserven anzuzapfen. Es findet also kein Vermögensverzehr statt, wie man dies eigentlich annehmen würde. Im Gegenteil wachsen die Ersparnisse weiter an, nicht zuletzt dank der Rente aus der Pensionskasse. Bei Alleinstehenden erreichen sie mit 90 Jahren durchschnittlich 210 000 Franken – eine Zunahme von 80 000 Franken. Paare schaffen es bis 90 sogar auf 420 000 Franken.
Mietrecht blockiert den Markt
Avenir Suisse hat ein Interview des Immobilienunternehmens Crowdhouse mit Marco Salvi zum Wohnungsmarkt in der Schweiz publiziert. Salvi räumt mit einigen vorschnellen Urteilen und Schlussfolgerungen auf. Auszüge:
Crowdhouse: Sie haben im August 2023 eine Studie mit dem Titel «Mieten und Mythen» veröffentlicht. Die Publikation hat hohe Wellen geschlagen. Hat Sie diese Beachtung überrascht?
Marco Salvi: Das Thema war sehr aktuell – auch in Hinblick auf die Nationalratswahlen im Oktober. Die Publikation erfolgte inmitten einer Phase, in welcher der Wohnungspolitik medial sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Nicht jede meiner Publikationen erhält gleich viel Beachtung. Umso besser, dass wir damit den Nerv der Zeit getroffen zu haben scheinen und eine entsprechende Resonanz erzielen konnten.
Eines der gängigen Schlagworte in diesen Narrativen ist jenes der Wohnungsnot. Sie plädieren dafür, dass man den Begriff differenziert betrachten sollte.
Es geht um die Frage, ob wir in der Schweiz aktuell eine nationale Wohnungsnot haben. Und diese Frage muss man eindeutig mit «Nein» beantworten. Beispielsweise lag die Leerwohungsquote schon mal deutlich tiefer. Aktuell entspricht sie in etwa dem Wert, bei dem die Neumieten im Gleichgewicht sind, also im Landesdurchschnitt keine reale Verteuerung erfahren. Regional sieht es anders aus. Ich wohne in Zürich – natürlich unterscheidet sich dieser lokale Wohnungsmarkt vom schweizweiten Durchschnitt.
“Unsozialer Pfusch”
In einem Beitrag von Walter Langenegger auf der Website der SP soll gezeigt werden, weshalb die BVG-Reform “unsozialer Pfusch” ist. Die Verbesserungen insbesondere für Frauen werden schlicht abgestritten und die Nachteile für Sonderfälle betont.
Podcast Broker #6
Im Podcast äussert sich Josef Zopp, CEO bei Weibel Hess & Partner AG über die Herausforderung bei der Wahl von Pensionskassen. Gesprochen wird auch über das Thema freie PK-Wahl, die Bedeutung der Verzinsung, den Umwandlungssatz und die Servicequalität.
Noch ein Argumente für (oder gegen) die “13.”
Weshalb das verbilligte SBB GA-Abo 1. Klasse für Senioren auch ein Argumente für die 13. AHV-Rente ist (oder vielleicht auch nicht), beschreibt Christina Neuhaus in der NZZ.
UBS PK-Index 2023
- Die Pensionskassen im UBS-Sample erzielten im Dezember eine durchschnittliche Performance von 1,38% nach Abzug von Gebühren. Damit betrug die Rendite 4,92% für das Jahr 2023. Seit Publikation unseres Barometers im Jahr 2006 beträgt die annualisierte Rendite 2,96%.
- Im vergangenen Monat war die Bandbreite der Performance aller Pensionskassen 2,95 Prozentpunkte. Das beste (2,85%) wie auch das schlechteste (–0,10) Ergebnis erzielte eine grosse Pensionskasse mit verwalteten Vermögen über CHF 1 Mrd. Die geringste Performancespanne (2,32%) wiesen die mittelgrossen Pensionskassen mit verwalteten Vermögen zwischen CHF 300 Mio. und 1 Mrd. auf.
- Die Sharpe Ratio (der letzten 36 Monate) war mit durchschnittlich 0,15 geringer als im Vormonat (0,18). Für die grossen Pensionskassen betrug der Wert 0,20, für mittelgrosse 0,21 und für die kleinen 0,08.
Sinkende Diskontierungssätze belasten Bilanz
Im 4. Quartal 2023 ging der WTW-Pension Index um 5,7% zurück. Trotz der höchsten Anlagerenditen eines Quartals seit dem 2. Quartal 2021 führten die sinkenden Anleihezinsen zu einer wesentlichen Zunahme der Pensionsrückstellungen. Per Ende 2023 gingen die Nettoverbindlichkeiten auf einen ähnlichen Stand wie vor zwei Jahren zurück.
Der Rückgang der Diskontierungssätze um 55 Basispunkte führte zu einem Anstieg der Rückstellungen um 8,7%. Die Anlagerendite von 3,8%, die höchste Rendite eines Quartals seit dem 2. Quartal 2021, dämpfte diese Auswirkungen nur leicht. Der WTW-Pension Index ging im 4. Quartal um 5,7% zurück. Der Deckungsgrad (d. h. das Verhältnis von Pensionsvermögen zu Pensionsrückstellungen) lag gemäss WTW-Pension Index per 31. Dezember 2023 bei 119,9%, gegenüber 125,6% per 30. September 2023.
Fünf neu diplomierte PK-Experten
Vier der fünf erfolgreichen Absolventen (mit Diplom in den Händen von links): Ramsi Richani, Dennis Clément, Salomé Morand und Thimothée Maurer (nicht im Bild: Andreas Haller), umrahmt von den Vertretern der Prüfungskommissionen (Christoph Ryter und Roland Schmid), Trägerverbänden (Sabine Betz und Ursula May) sowie dem Geschäftsführer Holger Walz.
(vps.epas) Im September 2023 konnte zum dritten Mal die höhere Fachprüfung für Pensionsversicherungsexpertinnen und Pensionsversicherungsexperten nach überarbeitetem Prüfungsreglement abgelegt werden. Zudem wurde aufgrund der ablaufenden Übergangsfrist zum letzten Mal die Fachprüfung nach altem Prüfungsreglement angeboten.
An einer würdigen Veranstaltung im Dezember 2023 konnte den fünf erfolgreichen Diplomanden das Diplom als Pensionsversicherungsexperte (alte Bezeichnung) bzw. das Diplom als Experte / Expertin für berufliche Vorsorge (neue Bezeichnung) überreicht werden.
CS PK-Index 2023-12
(CS) Im Berichtsmonat Dezember steigt der Pensionskassen Index um 3,20 Punkte bzw. 1,64%; seine Veränderung seit Jahresanfang beträgt damit 5,44%. Per 31. Dezember 2023 steht der Index bei 198,88 Punkten, ausgehend von 100 Punkten zu Beginn des Jahres 2000.
Der Hauptanteil an der deutlich positiven Entwicklung im Dezember ist den Aktien (+0,77%) zuzuschreiben, wobei auf Aktien Ausland ein positiver Beitrag von 0,43% und auf Aktien Schweiz von 0,34% fällt. Zusätzlich wird das Monatsergebnis durch grosse Beiträge der Obligationen CHF (+0,46%) und Immobilien (+0,31%) massgebend erhöht. Leicht positive Beiträge gab es von der Liquidität (inklusive Devisentermingeschäfte zur Währungsabsicherung) mit 0,09%, den Obligationen FW mit 0,02% und den Wandelanleihen mit 0,01% zu verzeichnen. Alternative Anlagen belasten das Resultat als einzige Anlageklasse (-0,04%).
“Mehr Konsolidierung – mehr Regulierung?”
Der laufende Rückgang der Anzahl Vorsorgeeinrichtungen ist bedauernswerte Tatsache. Die gegenläufig zunehmende Regulierung ist daran nicht unschuldig. Profitieren können die Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen (SGE), die bereits eine dominierende Rolle in der beruflichen Vorsorge einnehmen – was gleichzeitig Ursache der zunehmenden Regulierungsdichte sein soll. Susanne Kapfinger schreibt in AWP Soziale Sicherheit über eine das Thema aufgreifende Umfrage des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ):
Einer der Gründe, warum die Regulierung zunimmt, sind die stark wachsenden SGE. Das Problem ist also hausgemacht – salopp ausgedrückt. Darin sind sich die Fachleute einig: SGE haben eine Grösse erreicht, die eine strengere Aufsicht rechtfertigt. So auch das Fazit der Podiumsdiskussion Wachstummarkt berufliche Vorsorge «Stiungssterben und Bürokratie» am Herbstanlass des Pensionskassendienstleisters Assurinvest.
Wachstum erzeugt Vorteile Doch Wachstum ist kein Selbstzweck. SGE müssen sich im Wettbewerb attraktiv positionieren können. Das bedingt Skaleneffekte und Synergien – und diese werden erst durch Grösse möglich, also durch Wachstum. Die kritische Grösse für Synergien und Skaleneffekte liegt bei rund 10 Milliarden Franken Anlagevermögen. Diese Schwelle erreichen gemäss Pensionskassenstatistik nur 24 von 1389 Vorsorgeeinrichtungen. Für die meisten mittel- grossen SGE hat Wachstum laut IFZ-Umfrage deshalb eine mittlere bis hohe Bedeutung. Der Konkurrenzdruck könnte SGE in Versuchung führen, Kompromisse bei verschiedenen Leistungen einzugehen. Damit Wachstum nicht zulasten der finanziellen Stabilität erfolgt, ist Regulierung nötig.
Seco: Normalisierter Arbeitsmarkt
Das Seco schreibt zur aktuellen Arbeitsmarktlage:
Die positive Arbeitsmarktentwicklung des Vorjahres setzte sich zu Beginn des Jahres noch fort, bevor ab März 2023 eine allmähliche Normalisierung eintrat. Die saisonkorrigierte Arbeitslosenquote erhöhte sich im Jahresverlauf moderat von 1,9% (Januar 2023) auf 2,2% (Dezember 2023). Die Arbeitslosenquote im Jahr 2023 betrug insgesamt 2,0%, was dem tiefsten Wert seit 2001 entspricht. Der Umfang der ausbezahlten Kurzarbeitsentschädigung (KAE) entwickelte sich gegenüber dem Vorjahr weiter deutlich zurück. Solch niedrige Werte wurden zuletzt vor Beginn der Covid-19-Krise erzielt.
SGB startet Kampagne für 13. AHV-Rente
pw. Der Gewerkschaftsbund hat mit den bereits bekannten Argumenten seine Kampagne für eine 13. AHV-Rente gestartet. Die aktuelle und bereits wieder stark abgeschwächte Inflation kommt ihm entgegen und wird gerne als Begründung aufgegriffen. Und es fehlt nicht der Hinweis, dass “mehr als 9 von 10 Versicherten mehr aus der AHV erhalten, als sie eingezahlt haben”, was ausblendet, dass die AHV aus zahlreichen zusätzlichen Quellen finanziert wird, nicht zuletzt aus steuerlich erhobenen Bundesmitteln (20 Prozent) sowie aus Mehrwertsteuer, Spielbanken, Tabaksteuer etc. (7 Prozent), wobei auch die 90 Prozent beteiligt sind. Ausgeblendet wird natürlich auch, dass die derzeit einigermassen stabile Finanzierungssituation der AHV primär auf die knapp angenommene AHV-Revision mit der Erhöhung des Frauen-Rentenalters zurückzuführen ist; eine Revision, die vom SGB vehement bekämpft wurde.
“Die Verlogenheit in der Altersvorsorge”
“Die Schweiz ist einmal mehr mit einer Abstimmungskampagne zur Altersvorsorge voller Irreführungen konfrontiert. Höchste Zeit für etwas Klartext.” Hansueli Schöchli will ihn in der NZZ liefern. Er schreibt in der NZZ zur Kampagne des SGB für eine 13. AHV-Rente:
Der Hauptzweck der vorliegenden Gewerkschaftsinitiative ist die Maximierung der versteckten Umverteilung von oben nach unten und von Jung zu Alt. Seit es die AHV gibt, fordert die Linke den Ausbau der Leistungen. Eine praktisch gleiche Volksinitiative – die eine Erhöhung aller AHV-Renten um 10 Prozent forderte – hatten die Gewerkschaften schon im vergangenen Jahrzehnt lanciert; jene Vorlage scheiterte 2016 an der Urne (59 Prozent Nein-Stimmen). Ein weiteres Beispiel: Im Jahr 2000 scheiterte eine linke Volksinitiative für das ordentliche Rentenalter 62; dies hätte faktisch ebenfalls einer massiven Rentenerhöhung entsprochen. (…)
Zum Grad der Umverteilung von oben nach unten gibt es im Prinzip kein «richtig» oder «falsch»; je nach politischer Couleur kann man hier guten Glaubens unterschiedliche Wertungen vertreten. Aus einer technischen Sicht sollte aber die politisch gewünschte Umverteilung von Reich zu Arm direkt und transparent sein – vor allem via offizielle Steuerprogression, Ergänzungsleistungen und Sozialhilfe. Doch weil eine transparente Erhöhung dieser Umverteilung nicht unbedingt populär ist – gerade weil sie transparent ist –, wählt die Linke lieber den unehrlichen Weg der versteckten Umverteilung via Altersvorsorge. Etiketten wie «Kompensation für Kaufkrafteinbussen», «Besserstellung der Frauen» oder «faire Renten» sind dabei nur vorgeheuchelte Rechtfertigungen. (…)





