Beschäftigungsbarometer Q2 2020
Im 2. Quartal 2020 ist in Folge der Covid-19-Krise die Gesamtbeschäftigung (Anzahl Stellen) im Vergleich zum Vorjahresquartal um 0,6% gefallen (–1,1% zum Vorquartal). In Vollzeitäquivalenten sank die Beschäftigung im selben Zeitraum um 0,2%. In der gesamten Wirtschaft wurden 22’500 offene Stellen weniger gezählt als im entsprechenden Vorjahresquartal (–26,9%) und auch der Indikator der Beschäftigungsaussichten ging nach unten (–3,4%). Dies geht aus den neuen Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) hervor.
Mehr Wahlfreiheit für Versicherte
In der FuW spricht sich Thomas Hengartner für eine Erweiterung der Wahlfreiheit für Anlagestrategien aus, die heute noch den Destinatären in 1e-Kassen vorbehalten ist. Er schreibt:
Wesentlich breitere Schichten könnten vom Wahlsystem profitieren, wenn Bundesrat und Parlament die Lohngrenze auf bspw. die rund 85’000 Fr. senkten, ab wo das Regime des BVG-Obligatoriums zu Mindestzins und Umwandlungssatz nicht mehr gilt. Absehbar ist nämlich, dass wegen des Nationalbank-Negativzinses die Anlageergebnisse der Standardpensionskassen erodieren und deshalb die individuellen Altersguthaben weniger Zins als bislang erhalten. Die Kaufkraft des Zwangsgesparten der zweiten Vorsorgesäule könnte gar schrumpfen, falls die Grundinflation zusammen mit teureren Wohnkosten und Krankenversicherungsprämien gesamthaft den künftig vermutlich schrumpfenden Nominalzins der Vorsorgeguthaben übersteigt.
Die Europarente kommt
Vor einem Jahr haben Europaparlament und Europäischer Rat die Europarente beschlossen. Nun hat die europäische Versicherungsaufsicht EIOPA den Gesetzesentwurf zur Umsetzung des sogenannten Pan-European Personal Pension Product (Pepp) vorgelegt. Verabschieden Rat und Parlament den Entwurf, wird Ende 2021 ein europäischer Binnenmarkt für Altersvorsorge entstehen und Pepp per Verordnung in allen EU-Ländern eingeführt. Das Produkt steht dann allen EU-Bürgern als Zusatzoption zu den jeweiligen betrieblichen und staatlichen Altersvorsorgesystemen zur Verfügung und richtet sich an Angestellte und Arbeitslose ebenso wie an Selbständige und Studenten. Versicherungsgesellschaften und -vermittler, Banken, Vermögensverwalter, Wertpapierfirmen und betrieblichen Pensionsfonds können die Rente anbieten.
Kampf um Sanierung
Die Previs Vorsorgeeinrichtung möchte die Krienser Brunnmatt-Überbauung mit 94 Wohnungen sanieren. Den Mietern wurde im Februar 2020 auf Juni gekündigt. Die Empörung war gross. Die Previs gewährte eine Mieterstreckung bis Oktober. Das reichte nicht. Die Mieter wehrten sich erneut. Die Luzerner Zeitung schreibt zum weiteren Fortgang:
Ein bereits gegründetes Mieterkomitee gab sich nicht damit zufrieden und forderte schriftlich, die Sanierung zu verschieben oder zu sistieren. Unterstützung erhielt es vom Mieterverband. Zudem kündigten über 40 Mieter an, sich an die Schlichtungsbehörde zuwenden – es hat genützt. Bereits Mitte März kommunizierte Previs den Mietern eine neue Mieterstreckung – und was für eine: Jene im Haus Brunmattstrasse 20/20A können bis 30. Juni 2022 bleiben (statt 31.Oktober 2020) und jene im Haus 18/18B sogar bis 31. März 2023 (statt 31. Juli 2021).
Dies bestätigt Stefan Ernst, Leiter Kommunikation.«Aufgrund der schwierigen Situation, verursacht durch die Coronakrise, hat Previs Vorsorge die Fristen für die Sanierungsetappen verlängert. »Dadurch hätten sämtliche Kündigungsanfechtungen bei-gelegt werden können,«und die Stimmungslage hat sich entsprechend normalisiert. »An den geplanten Sanierungsplänen halte Previs hingegen fest.
Allerdings nutzen längst nicht alle die Mieterstreckung aus, wie sich jetzt schon zeigt: Im Haus 20/20A sind bereits 25 der 42 Mieter ausgezogen. Und selbst im Haus 18/18B, wo der Auszug erst in zweieinhalb Jahren nötig ist, sind 20 der 42 Mieter weg. Die leerstehenden Wohnungen dieser Sanierungsetappe werden in Kürze wieder zur Miete angeboten; laut Emst «in etwa zum gleichen Mietzins». Eür die bevorstehenden Leerstände prüfe man «verschiedene Szenarien”.
Webcast zur Swisscanto PK-Studie
Aufgrund der aktuellen Corona-Situation hat Swisscanto die Präsentation ihrer Pensionskassen-Studie 2020 als Webcast durchgeführt. Die Aufzeichnung ist jetzt frei zugänglich. Die Ergebnisse präsentieren Heini Dändliker und Iwan Deplazes, an der Round Table-Diskussion (ab Minute 37) nehmen teil: Sarah Bünter, Präsidentin Junge CVP; Christine Egerszegi, aNationalrätin und Präsidentin der BVG-Kommission; Anja Hochberg, Swisscanto-Invest; Jean Pirrotta, Genfer BVG-Aufsicht; Kate Kristovic, Libera.
Neue Website
Der Pensionskassenverband hat seine neue Website aufgeschaltet. In einem E-Mail an die Mitglieder heisst es dazu:
Wir haben unsere Website mit einem neuen Anstrich versehen, um Ihnen schneller und besser Informationen bieten zu können. Neben den Veränderungen in Optik und Technik, haben wir alle Inhalte neu aufbereitet. So befinden sich z.B. aktuelle Stellungnahmen neu auf der Homepage an vorderster Stelle. Zudem wird die Website auch durch Erklärungsvideos aufgelockert.
Die neue Website ist gegliedert in Home, Verband, Dienstleistungen, Mitgliedschaft, Wissen und Newsroom, mit Shop und geschlossenem Mitgliederbereich. Die bisherige Seite „mit-uns-fuer-uns“ wurde in die neue ASIP Website integriert.
D: Allianz-“Sammeleinrichtung” schliesst Pressekasse
Die Süddeutsche Zeitung schreibt über die Schliessung der Pressepensionskasse, die der Allianz-Pensionskasse angeschlossen ist. Die Allianz-PK versichert nicht die eigenen Angestellten, sondern ist ähnlich dem schweizerischen Sammelstiftungsmodell für externe Firmen offen. Als Grund wird die Zinsentwicklung angegeben. Für die bisherigen Versicherten (rund 20’000) ändert sich vorläufig nichts, neue werden aber nicht mehr aufgenommen. Der Vorgang ist auch aus Schweizer Sicht aufschlussreich. Die Süddeutsche schreibt dazu:
Die Allianz Pensionskasse ist mit 816’000 Beitragszahlern eine der größten offenen Pensionskassen in Deutschland. Aktuell beziehen 32 000 Rentner dort eine Betriebsrente. Sie erhalten zusammen 36,5 Millionen Euro im Jahr. Das heißt, die Zusatzrente liegt im Schnitt knapp unter 100 Euro im Monat.
Die Allianz Pensionskasse erzielte 2019 Beitragseinnahmen von 630 Millionen Euro. Davon stammten rund 4 Millionen Euro aus der Presse-Pensionskasse. Wie schlecht die Pensionskasse dasteht, zeigen die Verzinsungen für neue Verträge. Wer heute bei der APK einen Vertrag abschließt, kann mit einer Gesamtverzinsung von 0,9 Prozent bis 1,2 Prozent auf den Sparanteil rechnen. Die Allianz Lebensversicherung gibt dagegen eine Gesamtverzinsung bis zu 3,7 Prozent an.
Der Hintergrund: Die Allianz Leben hat ältere Anlagebestände, die höhere Zinsen abwerfen oder stärker im Wert gestiegen sind. Viel wichtiger aber ist, dass ein Lebensversicherer auch Geschäfte mit Risiko-Policen und der Berufsunfähigkeit macht, die lukrativer sind. Die Pensionskasse dagegen hat nur ein einziges Angebot: die private Betriebsrente. Das bedeutet auch, dass die Pensionskasse vergleichsweise viel Kapital braucht. Das dürfte der Allianz nicht passen, deshalb will sie Neugeschäft künftig auf den Lebensversicherer verschieben.
Prevas / Gewos neu in der Assepro-Gruppe
Prevas & Gewos sind neu Mitglied der Assepro-Gruppe. Im Rahmen der Gruppenintegration übernimmt René Steffen, eidg. dipl. Pensionsversicherungsexperte, die operative Leitung der PREVAS AG. Lydia Ackermann führt weiterhin die GEWOS AG, während Viktor Ackermann auf Gruppen-Ebene gesamtheitlich den Bereich «Altersvorsorge» weiterentwickelt; er verbleibt weiterhin im Verwaltungsrat der PREVAS AG.
Sinkende Beschäftigung
Die Zahl der Erwerbstätigen in der Schweiz ist zwischen dem 2. Quartal 2019 und dem 2. Quartal 2020 um 1,6% gesunken (–82 000). Darüber hinaus ist bei der tatsächlichen wöchentlichen Arbeitszeit pro Erwerbstätige ein Rückgang um 9,5% zu verzeichnen. Im gleichen Zeitraum stieg die Erwerbslosenquote gemäss Definition des Internationalen Arbeitsamtes (ILO) von 4,2% auf 4,6% in der Schweiz und von 6,6% auf 6,9% in der EU. Dies geht aus der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) hervor.
BGer: Schadenersatzklage der First Swiss abgewiesen
Das Bundesgericht hat eine Schadensersatzklage der BVG-Sammelstiftung First Swiss Pension Fund gegen die Eidgenossenschaft abgewiesen. Die Aufsicht des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) ist laut Gericht seinen Verpflichtungen als Aufsichtsorgan nachgekommen. Wegen betrügerischer Machenschaften von Stiftungsräten flossen rund 30 Mio. Franken aus der Sammelstiftung First Swiss Pension Fund.
Zwei Personen wurden zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Sie haften solidarisch für die verschwundenen Gelder. Ebenso weitere Pensionskassenantwortliche, die Revisionsstelle und der damalige BVG-Experte der Stiftung. Die Stiftung wird derzeit liquidiert.
Vom Bund verlangte sie rund 24 Mio. Franken Schadenersatz, weil ihr aufgrund der unzureichenden Kontrolle durch die Aufsichtsbehörde ein Schaden entstanden sei. Die Lausanner Richter führen in ihren Erwägungen aus, die Aufsichtsstelle sei ihren gesetzlich vorgegebenen Pflichten nachgekommen. Es hätten keine Hinweise für Unregelmässigkeiten bestanden, denen sie hätte nachgehen müssen. Das Bundesgericht weist in seinem Urteil mehrmals auf die Kontrollpyramide hin. (Urteil 2C_46/2020 vom 2. Juli 2020).
Ausgleich der UWS-Senkung, ungenutztes Renditepotential
Wie liesse sich die geplante Senkung des Mindestumwandlungs-Satzes von 6,8 auf 6 Prozent kompensieren? Swisscanto hat mit den Daten ihrer PK-Studie eine Reihe von Kennzahlen errechnet und mit dem Sozialpartner-Kompromiss verglichen. Möglich wäre dies mit einer Erhöhung des Rentenalters um 2 Jahre, einer Senkung des Koordinationsabzugs auf 7349 Franken, einer Erhöhung der Sparbeiträge um 13,3 Prozent, einer Verstärkung der Selbstvorsorge um 475 Franken jährlich oder einer Erhöhung der Kapitalerträge um 0,6 Prozentpunkte. Wobei die letztgenannte Möglichkeit bei der Swisscanto am meisten Sympathien geniesst.
Voraussetzung dazu ist allerdings, dass überhaupt ein ungenutztes Renditepotential vorliegt. Swisscanto stellt sich auf den Standpunkt, dass dies in der Tat der Fall ist. Dies nicht zuletzt aufgrund des performancemässig sehr gut verlaufenen 2019.
Die in 4 Gruppen aufgeteilte obige Grafik zeigt ganz rechts den Anteil der Studienteilnehmer, die mittlerweile einen Anteil von Soll-WS-Reserven von 75 % oder mehr aufgebaut haben.
Grau bzw. hellgrau lässt sich ablesen, dass sich aufgrund des ausgezeichneten Anlagejahres der Anteil der PKs mit einer Reserve von über 75 % von 27 auf 63 Prozent nahezu verdoppelt hat und damit den Kassen ein grösseres Sicherheitspolster bietet. Mit nur 29 Prozent im Top Bereich geäuffneten Reserven hinken die öffentlichen Arbeitgeber hier noch etwas hintennach.
DG und Verzinsung nach Branchen
Auf Basis der Angaben der Swisscanto PK-Studie 2020 lässt sich untersuchen, wie sich die Strukturdaten bei den Vorsorgeeinrichtungen in den diversen Branchen unterscheiden. Ausgewertet für die obige Grafik wurden das verarbeitende Gewerbe, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Handel, Gesundheitswesen, Baugewerbe, sonstige DL, öffentliche Verwaltung sowie die Angaben der Sammeleinrichtungen mit den angeschlossenen KMU aus verschiedenen Bereichen.
Auffallend ist der tiefe Deckungsgrad bei der öffentlichen Hand (u.a. der Teilkapitalisierung geschuldet) sowie der Zusammenhang von DG und Verzinsung der Altersguthaben.
Klumpenrisiko Immobilien
Mit einer Detailauswertung wurde mit den Daten der aktuellen Swisscanto PK-Studie untersucht, wie sich ein hoher Immobilienanteil bei der Asset Allocation auswirkt. Dazu wurden die 10 Prozent der Kassen mit dem höchsten Anteil an Liegenschaften mit der Gesamtheit der Umfrageteilnehmer verglichen.
Es zeigt sich, dass diese 10 Prozent insgesamt weniger in Aktien (In- und Ausland) und deutlich weniger in Obligationen investiert sind. Weiter ist erkennbar, dass es sich im Durchschnitt um kleinere Kassen handelt. Ihre Performance über 5 Jahre liegt durchschnittlich um 0,3 Prozentpunkte höher. Swisscanto verweist allerdings auch auf das damit verbundene Klumpenrisiko.
Der Immobilienanteil liegt hier im Schnitt bei gut 43 Prozent, was weit über der Vorgabe der BVV2 mit 30 Prozent liegt und gleichzeitig erkennen lässt, dass zahlreiche Kassen noch deutlich darüber liegen.
Swisscanto PK-Studie 2020: Anlagen, Performance, Leistungen
Swisscanto hat die Pensionskassen-Studie 2020 publiziert. Sie enthält eine Fülle von Daten zu Kapitalanlagen, den technischen Parametern, Kosten und Leistungen. Aus Anlass des 20jährigen Bestehens gibt die Studie auch einen Überblick über die Entwicklung der wichtigsten Fragen und Themen seit der ersten Ausgabe. Die Studie deckt rund 80 Prozent des Vermögens und 70 Prozent der Versicherten in der 2. Säule ab. Die Mitteilung der Swisscanto zur Studie fasst einige der wichtigsten Erkenntnisse zusammen.
Die Swisscanto Pensionskassenstudie wurde in diesem Jahr zum 20. Mal durchgeführt. Die aktuellen Resultate der Jubiläumsausgabe zeigen, dass die Schweizer Vorsorgeeinrichtungen sicher aufgestellt sind. Sie haben auf den demografischen Wandel und das anhaltende Negativzinsumfeld reagiert und die Umwandlungssätze gesenkt. Die aktiv Versicherten und Neupensionierten dagegen müssen seit über zehn Jahren ein sinkendes Leistungsniveau in Kauf nehmen.
Damit steht das Vorsorgesystem der 2. Säule vor grossen, strukturellen Herausforderungen. Um langfristig das Leistungsziel zu erhalten, sind Reformen dringend und unumgänglich. Es braucht zusätzliche Beiträge, um das sinkende Leistungsniveau zu kompensieren. Der Weg führt über höhere Renditen an den Kapitalmärkten und weitere Massnahmen zur Erhöhung der individuellen Altersguthaben.
Im Jahr 2019 verzeichneten die Vorsorgeeinrichtungen ein hervorragendes Anlagejahr, die durchschnittliche Rendite lag bei 10,85%. Auffallend sind aber die enormen Performanceunterschiede. Die Spannbreite der erzielten Renditen reicht von 3,0% bis 19,3%. Diese grossen Renditeunterschiede dürften in den unterschiedlichen Anlagestrategien der Pensionskassen begründet liegen.
Die performancestärksten zehn Prozent der Pensionskassen haben in den letzten fünf Jahren eine jährliche Rendite von 5,4% erzielt. Der Unterschied gegenüber dem Durchschnitt aller Kassen (mit 4,0%) mit mehr als einem Prozent war erheblich. Betrachtet man die Anlagestrategie dieser Überflieger, stechen der hohe Aktienanteil und die tiefe Obligationenquote heraus.
Das ändert sich bei den EL ab 2021
Der Beobachter hat eine Auflistung aller relevanten Änderungen publiziert.










