PKs und Vorsorgevermögen: “Neuer Angriff aufs Eigentum”
Alexandre Schmidt, ehemaliger Präsident der Pensionskasse der Stadt Bern, kommentiert in der NZZ Tendenzen, den Pensionskassen gleichzeitig bestimmte Anlagen aufzuzwingen zu wollen und andere zu verbieten, wie aktuell mit der GSoA-Initiative, mit welcher “Anlageverbote für Pensionskassen” durchgesetzt werden sollen. Einen Ausweg sieht er in der freien PK-Wahl, wobei der Zusammenhang mit dem staatlichen Eingriff in das Asset Management der Vorsorgeeinrichtungen nebulös bleibt und es doch verwundert, wenn ausgerechnet ein früherer Präsident einer öffentlichen Kasse darin Heil und Zukunft der 2. Säule sieht. Schmidt schreibt:
Die Enteignung des Privateigentums ist eine Konstante moderner Gesellschaften. Nun gerät mit dem Vorsorgevermögen ein neuer Bereich des privaten Eigentums ins Visier der Politik. Anlageverbote sollen das neue Mittel der Wahl des staatlichen Zugriffs sein. Für jeden Versicherten einer Pensionskasse drohen höhere Verwaltungskosten bei tieferer Rendite.
Nun arbeiten vielenorts Organisationen an einem Dammbruch. Der direkteste Angriff geschieht durch die soeben lancierte Volksinitiative der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) mittels der «Anlageverbote» für Pensionskassen. Konkret sollen Investitionen von Pensionskassen in Unternehmen der Kriegsmaterialproduktion unterbunden werden.
Auffangeinrichtung: Stabile Verhältnisse
Die Auffangeinrichtung schreibt in ihrem Geschäftsbericht 2016:
Alle Geschäftsbereiche haben dank einer umsichtigen Kapitalanlage eine Rendite erreicht, die zur finanziellen Stabilität der Auffangeinrichtung beiträgt. In Zeiten negativer Zinsen ist dies nicht selbstverständlich. Besonders nicht für die Auffangeinrichtung, die sich aufgrund ihrer eingeschränkten Risikofähigkeit an einen hohen Anteil festverzinslicher Anlagen halten muss.
Bei den Freizügigkeitskonten setzte sich 2016 das starke Wachstum weiter fort. Die Zahl der aktiven Konten überstieg erstmals die Millionengrenze und das Vermögen die 10-Milliarden-Marke. Dadurch entstanden operative Herausforderungen, die nur mit einem erhöhten Mitarbeiterbestand zu bewerkstelligen waren.
Der Stiftungsrat beschloss aufgrund der tiefen Zinsen, den technischen Zins im Geschäftsbereich BVG von 2.5% auf 2.0% herunterzusetzen. Deswegen sank der Deckungsgrad um 1.8% auf 112%. In den Geschäftsbereichen FZK und ALV stieg der Deckungsgrad an.
Das Nein der Arbeitgeber zur AV2020
Die Arbeitgeber legen in einem Positionspapier ihre Argumente gegen die Altersvorsorge 2020 dar. Darin beleuchten sie den Hintergrund und die Eckwerte der Reform und nehmen eine Gesamtbeurteilung vor. Ihr Fazit: “Die unsolidarische Scheinreform schiebt die strukturellen Probleme der AHV nicht nur auf die lange Bank, sondern vergrössert sie. Damit steigt der Druck zu einer rascheren Erhöhung des Rentenalters und zu noch mehr Zusatzfinanzierung”. Weiter heisst es in ihrer Mitteilung:
Besonders stossend ist, dass all jene Neurentner in den Genuss der 70 Franken kommen, die weder darauf angewiesen noch von der Senkung des Mindestumwandlungssatzes betroffen sind. Demgegenüber haben ausgerechnet die finanziell schwächsten Neurentner mit Ergänzungsleistungen Ende Monat noch weniger Geld im Portemonnaie. Gegenwärtige Rentner sehen nichts vom Rentenausbau, müssen die Reform aber durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer mitfinanzieren. Das entspricht einer unsolidarischen und sozial unverträglichen Zwei-Klassen-AHV.
Am härtesten trifft es die Jungen: Sie schultern zusätzlich zum Mehrwertsteueraufschlag höhere Lohnabzüge und müssen für den ungedeckten Check des Ausbaus geradestehen. Der unterfinanzierte AHV-Ausbau für Arm und Reich wirkt wie ein Brandbeschleuniger, der die strukturellen Probleme zusätzlich verschärft. Bereits im Jahr 2030 übersteigen die Kosten des Ausbaus (1,4 Mrd. Franken) sogar die Entlastung, welche die Erhöhung des Frauenrentenalters (1,2 Mrd. Franken) der AHV bringt. Damit wird auch das Opfer, das die Frauen für eine nachhaltige Sicherung der AHV erbringen, mit dem AHV-Ausbau postwendend zunichtegemacht.
BLPK: Rentenkürzungen in Aussicht
Die Basler Zeitung schreibt über die geplanten Massnahmen zur Sanierung der basellandschaftlichen Pensionskasse.
Der Kanton BL und die Staatsangestellten sollen gemeinsam die Folgen der Senkung des technischen Zinssatzes und des Umwandlungssatzes durch die Basellandschaftliche Pensionskasse auffangen und dadurch Rentenkürzungen so weit wie möglich verhindern. Die jährlichen Mehrkosten für den Kanton belaufen sich auf netto 2,9 Millionen Franken, diejenigen der Arbeitnehmenden auf 2,2 Millionen Franken.
Durch den Verzicht des Kantons auf weitere finanzielle Abfederungsmassnahmen verbleibt jedoch ein Loch von 142,7 Millionen Franken, das Rentenkürzungen unvermeidlich macht. Mit diesen Massnahmen glaubt Finanzdirektor Anton Lauber die Flucht der Staatsangestellten in die Frühpension vermeiden zu können, «weil es schlicht irrational ist, unter diesen Umständen frühzeitig zu gehen», wie Lauber an der gestrigen Medienorientierung erklärte. Der Regierungsrat sei überzeugt, die Attraktivität des Kantons als Arbeitgeber so erhalten zu können.
Nestlé-PK reorganisiert Asset Management
pw. In der Gerüchteküche wurde schon seit geraumer Zeit kolportiert, dass bei Nestlé einiges im Tun sei. Auf Anfragen reagierte man in Vevey allerdings traditionell zurückhaltend bis kryptisch. Jetzt hat Lukas Hässig auf Inside Paradeplatz die Story, samt vielen Details. Wir sehen uns bestätigt, dass keine Quelle ergiebiger ist als entlassene Mitarbeiter. Hässig schreibt:
Nestlé bestätigt, dass die 14 hauseigenen Assetmanager nicht länger gebraucht würden. Laut einem Nestlé-Sprecher am Hauptsitz in Vevey lautet das Ziel, „Risiken “zu kontrollieren, „Führung“ zu „stärken“, „beste Standards“ der Industrie zu übernehmen. Und: „Kosten zu reduzieren“.
Die 14 betroffenen Nestlé-Assetmanager landen offenbar per sofort auf der Strasse. Keine Verwendung mehr sie. Die Krise im Finanzgeschäft erfasst Firmen, die prima vista nichts mit Banking zu tun haben. Profitieren wenigstens die „echten“ Schweizer Banken von den PK-Milliarden von Nestlé?
Mitnichten. Das Rennen um das lukrative Mandat machte keine der bekannten inländischen Adressen. Weder UBS, CS, Pictet noch Lombard Odier. Sondern Blackrock. Der US-Gigant.
Profond: Abrücken von Hochzinspolitik
Arthur Rutishauser berichtet in der Sonntags-Zeitung über längst fällige Anpassungen der Profond Sammelstiftung beim technischen Zins und damit auch beim Umwandlungssatz. Nachdem der Direktor der Zürcher Aufsicht, Roger Tischhauser, mehrfach und öffentlich seinen Willen bekräftigt hat, den Sammelstiftungen in ihrem Geschäftsgebaren strenger auf die Finger zu schauen, kommt der Schritt nicht ganz überraschend. Vorausgegangen sind personelle Veränderungen. SR-Präsident Olaf Meyer hat seinen Rücktritt angekündigt. Rutishauser schreibt:
Anfang April kam es bei der Sammelstiftung Profond zum Showdown. Der langjährige Stiftungsratspräsident Olaf Meyer warf den Bettel hin, seine designierte Nachfolgerin ist Mirjam Staub-Bisang. Offiziell vollzogen wird die Übergabe Ende Juni. Der Grund für Meyers Rücktritt ist ein Richtungsstreit im Stiftungsrat, bei dem er unterlag.
Mit Meyers Abgang wird sich die Ausrichtung ändern. Profond war jahrelang die bevorzugte Pensionskasse der Gewerkschaften. Namentlich der Verband des Personals öffentlicher Dienste plädierte in Zürich für einen Wechsel der Staatsbetriebe weg von der kantonalen Kasse (BVK) hin zu Profond. Denn diese gewährt einen Umwandlungssatz von 6,9 Prozent, während die BVK nur noch 4,8 Prozent auszahlt. Das heisst, wer ein Altersguthaben von 500’000 Franken hat, erhält bei der BVK monatlich 2000 Franken, bei Profond dagegen 2830 Franken. (…) Bei Profond liegt der technische Zinssatz bei 3,5 Prozent, bei der Konkurrenz meist bei 2 Prozent. (…)
PPCmetrics: Nachhaltige Anlagen
EL-Reform: “Rentner unter Generalverdacht”
Jérôme Cosandey von Avenir Suisse hat einen Kommentar zur geplanten Einschränkung des Kapitalbezugs in der 2. Säule als Teil der EL-Reform verfasst. Er schreibt unter dem Titel “Aspirinverbot”:
Zehn Ausgleichskassen hatten 3000 Anträge auf Ergänzungsleistungen zu analysieren. Die detaillierten Ergebnisse sind zwar interessant – 33 Prozent der Antragsteller hatten ihr Guthaben der 2. Säule (BVG) tatsächlich als Kapital bezogen – aber wenig stichhaltig. Wer die Analyse auf die EL-Antragssteller beschränkt, hat nur die Notfallstation der Altersvorsorge im Fokus. Ein objektiver Vergleich mit der Gesamtbevölkerung unter Einbeziehung der Rentner, die ihr Kapital bezogen, aber keine EL beantragt haben, fehlt.
Wie Rentnerkassen ihre Risiken managen
Rentenverpflichtungen werden zunehmend als Hypothek betrachtet. Doch Rentnerkassen sind nicht a priori schlecht aufgestellt oder gar unfähig, ihre Risiken zu managen, schreiben Rita Arnold und Marco Jost (PPCmetrics) in einem Beitrag der Schweizer Personalvorsorge. Dies wird mit drei konkreten Praxisbeispielen von (ehemaligen) firmeneigenen Vorsorgeeinrichtungen aus dem PPC-Kundenportfolio illustriert.
The Biggest Apple-Amazon-Google Bulls Are the Funds That Once Hated Risk
Pension funds show the biggest increase in their combined stake in the quintet, which comprises Facebook Inc., Apple Inc., Amazon.com Inc., Netflix Inc. and Google parent Alphabet Inc., according to data compiled by Bloomberg. The group raised its share of holdings by about a fifth of a percentage point this year, while hedge funds sold.
Owning these five stocks could make the difference between beating a benchmark or trailing it in 2017, after the shares returned four times the S&P 500 Index. The foray into the high-flying names reflects the urge by pension funds to boost returns at a time when fixed-income yields are stuck near record lows and underfunded plans are growing.
Referenzzinssatz gesenkt, Folgen für Mieter und Vermieter
Andrea Martel geht in der NZZ auf die Konsequenzen der Senkung des Referenzzinses um ein Viertelprozent auf 1,5% ein. Nun hat jeder Mieter Anspruch darauf, dass seine Miete sinkt. Wie müssen Mieter dabei vorgehen? Und wie verhalten sich Vermieter korrekt?
EL: Ständerat will Kapitalbezug beschränken
Die NZZ berichtet über die Beratung des Ständerats (Erstrat) zur EL-Revision. Viel zu reden gibt dabei die Beschränkung des Kapitalbezugs in der 2. Säule. Dieser wird zumindest teilweise für den Anstieg der EL-Leistungen verantwortlich gemacht.
Intuitiv scheint die Sache klar, schreibt Christof Forster: Wer sich bei der Pensionierung sein Altersguthaben auszahlen lässt und damit auf eine Rente verzichtet, läuft eher Gefahr, später auf Ergänzungsleistungen angewiesen zu sein. In der Botschaft untermauert dies der Bundesrat mit Zahlen. Jede dritte Person, die Ergänzungsleistungen zur AHV erhält, hat Kapital der zweiten Säule bezogen.
Für die Gegner ist die Beschneidung der Wahlfreiheit unverhältnismässig. Wegen einer Gruppe von schwarzen Schafen dürfe man nicht alle in den gleichen Topf werfen, sagte Thomas Hefti (Glarus, fdp.). Es wurden auch die Zahlen des Bundesrats angezweifelt. Diese sind laut Werner Luginbühl (Bern, bdp.) zu dürftig, um einen solch einschränkenden Entscheid zu fällen.
Trotz diesen Bedenken lehnte es der Rat mit 27 zu 14 Stimmen ab, beim geltenden Recht zu bleiben. Er folgte damit dem Bundesrat, der den Bezug von Alterskapital im obligatorischen Teil (Löhne bis 84 600 Franken) verbieten will. Was die künftigen Rentner darüber hinaus angespart haben, bleibt frei verwendbar. Anders als der Bundesrat verbietet die kleine Kammer den Vorbezug für die Finanzierung der Selbständigkeit nicht. Die Regierung erachtet das Risiko als gross, dass die Selbständigen die gesamte zweite Säule oder einen Teil davon verlieren. Der Ständerat will den Bezug jedoch begrenzen, und zwar auf jenen Betrag, auf den die Versicherten im 50. Altersjahr Anspruch gehabt hätten.
Chatbot zur AV2020
Der Pensionskassenverband hat in einer Medienmitteilung die Eröffnung eines Chatbot als “Dreh- und Angelpunkt” seiner Kampagne zur Altersvorsorge 2020 angekündigt. Unterschrieben ist die Mitteilung von Peter Metzinger, PR-Berater des ASIP, an welchen auch Fragen (E-Mail: peter@businesscampaigning.com) im Zusammenhang mit der Kampagne zu richten sind. In der Mitteilung heisst es:
Der Schweizerische Pensionskassenverband ASIP präsentiert den ersten Chatbot, der nicht nur dem Dialog mit der Öffentlichkeit dient. Getreu dem Mitmach- und Empowerment-Campaigning-Ansatz dient der Chatbot auch der Kommunikation mit den Mitgliedern und Unterstützern. Man kann ihm auf der Facebook-Seite von dringendereform.ch Fragen zur «Altersvorsorge 2020» stellen. Neben der Öffentlichkeit können auch Mitarbeitende und Unterstützer der Ja-Kampagne den Chatbot nutzen.
Weiss jemand zum Beispiel nicht, was man auf ein kritisches Argument antworten soll, kann man den Chatbot fragen. Er gibt dann eine fachlich korrekte Antwort, die man einfach kopieren kann. Weiss der Chatbot einmal nicht weiter, werden durch das Redaktionsteam laufend neue Antworten ins System gegeben. Der Chatbot wird dadurch zum Dreh- und Angelpunkt der Kampagne und permanent weiterentwickelt.
pw. Um auf den “Chatbot” zu gelangen, ist auf den “Message”-Schalter in der rechten Facebook-Spalte zu klicken. Es öffnet sich dann unten auf der Seite ein Feld, wo die Fragen eingegeben werden können. Bequemer geht die Eingabe, wenn die Option “Open in Messenger” gewählt wird. Die Antworten, die auf Stichworte reagieren, fallen aktuell vorhersehbar aus. Wie viel AI in diesem Bot steckt, wird man mit der Zeit sehen.
Facebook dringende Reform / Link Chatbot Messenger/ Chatbot (Wikipedia) / NZZ /
Insurance Europe Annual Report 2016/17
This year’s Annual Report sets out Insurance Europe’s positions on all the main insurance topics of the day. It also contains guest articles, including contributions from: European Commission vice-president Jyrki Katainen; Alberto Corinti of the Italian Institute for the Supervision of Insurance (IVASS); and Inga Beale, Lloyd’s of London CEO.
New in the online Report are links to additional content. These include a video explaining why EU policymakers must ensure that drivers control access to their in-vehicle data and one from the construction sector on problems with the EU services e-card proposal.
The Annual Report is available here.
Sozialversicherungs-Statistik 2017
Die «Schweizerische Sozialversicherungsstatistik» gibt einen umfassenden Überblick über die Entwicklung der einzelnen Sozialversicherungszweige und die Gesamtrechnung der Sozialversicherungen. Sie weist aktuelle Angaben sowie Zeitreihen über Einnahmen, Ausgaben und Kapital, die Zahl der Rentenbezüger, die Beitragssätze und Durchschnittsleistungen aus. Aktuelle Daten über die Sozialhilfe, 3. Säule, Demografie und Volkswirtschaft runden das Angebot ab.








