Hansueli Schöchli kommentiert die Studie der UBS zur Finanzierungssituation der AHV.
In vielen Fällen macht die versteckte Subvention etwa die Hälfte der AHV-Rente aus. Kein Wunder, ist die AHV «populär». All dies will im Schweizer Politikzirkus kaum einer hören und schon gar nicht selber sagen. Irritierenderweise stören ab und zu ein paar Ökonomen den Bundesberner Gottesdienst. Zu diesen zählen Bernd Raffelhüschen vom Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg im Breisgau und eine Ökonomengruppe der UBS. Diese Spielverderber haben am Donnerstag ihre neusten Rechnungen zur Generationenbilanz der AHV vorgelegt.
Der erste Kernbefund: Die AHV hat nach geltendem Recht ungedeckte Checks für über 900 Milliarden Franken ausgestellt. Das heisst, die Rentenversprechen übersteigen die künftigen Einnahmen der AHV um diesen Betrag. Künftige Deckungslücken sind in dieser Rechnung mit einem realen Zinssatz von 2,1 Prozent auf den heutigen Barwert heruntergebrochen; eine Deckungslücke von 100 Franken in zwölf Monaten entspräche somit in dieser Rechnung einem Barwert von etwa 98 Franken.
Das Ergebnis der Rechnungen heisst: Für eine nachhaltige AHV müssen Reformen das Verhältnis zwischen künftigen Einnahmen und Ausgaben um über 900 Milliarden Franken verbessern. Der Betrag entspricht der gesamten Wertschöpfung in der Schweizer Volkswirtschaft innert etwa 15 Monaten. Solche Reformen wären happig, aber machbar. Dafür braucht es zum Beispiel eine schrittweise Erhöhung des ordentlichen Rentenalters auf schätzungsweise 68 oder eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um 3 bis 4 Prozentpunkte auf 11 bis 12 Prozent.
Die UBS macht das, was der Bundesrat verweigert: Eine Langfrist-Analyse der finanziellen Verfassung der AHV vorzulegen. Dass die Bank zudem für ihre Untersuchungen ein Deutsches Institut beizieht (Freiburg i.Br.) spricht ebenfalls Bände. Jetzt wurde eine neue Studie unter dem Titel “Die Zukunft der AHV” vorgestellt, und sie enthält keine erquickliche Lektüre. Die 1. Säule steht vor riesigen Problemen. Auch die voraussichtlich im Herbst zur Abstimmung gelangende Reform kann lediglich eine gewisse Linderung verschaffen, aber sie nicht lösen. Die kumulierte Finanzierungslücke sinkt damit lediglich von 900 Mrd. auf ca. 650 Mrd. Alle Reformen, auch die AHV 21 belasten primär die jüngere Generation. Wie lange sie das mit sich machen lässt?
In der Mitteilung der UBS heisst es dazu:
Die Anzahl Personen mit Alter ab 65 Jahren wird in der Schweiz bis 2040 um etwa 51 Prozent ansteigen, die Anzahl der Personen im Erwerbsalter dagegen wird gemäss dem mittleren Szenario der Bevölkerungsprognose des Bundesamts für Statistik (BFS) im gleichen Zeitraum praktisch stagnieren. Das untergräbt den Mechanismus des Umlageverfahrens der 1. Säule. Die AHV-Rentenversprechen übersteigen laut aktueller Gesetzgebung die künftigen Einnahmen um circa 126 Prozent des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) oder etwa 900 Milliarden Franken (in Preisen von 2019).
Berücksichtigt man das Vermögen des AHV-Ausgleichsfonds, das mit fast 50 Milliarden Franken auf den ersten Blick enorm erscheint, aber angesichts der Verpflichtungen schnell aufgebraucht sein wird, sprechen wir immer noch von einer Nachhaltigkeitslücke von etwa 120 Prozent des BIP. Wer diese Kosten tragen soll, ist eine Frage der gesellschaftlichen Perspektive in Bezug auf die Altersvorsorge.
Hinter den impliziten Schulden stecken zu hohe Leistungsversprechen, denn die derzeitige Gesetzgebung sagt jedem heute lebenden Altersjahrgang im restlichen Lebensverlauf mehr Leistungen aus der 1. Säule zu, als sie ihm im Gegenzug an Zahlungsverpflichtungen auferlegt. Seit 2014 übersteigen die laufenden Ausgaben der AHV die laufenden Einnahmen. Das Jahr 2020 und wenige weitere Folgejahre werden wieder ein positives Umlageergebnis ausweisen, vor allem durch das Inkrafttreten der Steuerreform und AHV-Finanzierung (STAF), die zusätzliche Beiträge in die Kassen einzahlen, allerdings nur für eine kurze Zeitspanne. Somit sind Reformen unerlässlich.
Hansueli Schöchli stellt in der NZZ eine neue, an der Universität erstellte und vom BSV verbreitete Studie über “Die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung im Erwerbs- und im Rentenalter” vor. Sie zeigt, dass die Mehrheit der Rentner finanziell gut gesichert ist. Das ist in Zeiten umstrittener Reformen der Vorsorgewerke brisant. Schöchli schreibt:
Kein spezielles Finanzrisiko ist das Alter. Rentner haben mangels Erwerbstätigkeit fast naturgemäss im Mittel tiefere Einkommen als Erwerbstätige, doch die Differenzen sind bemerkenswert gering und wären bei Berücksichtigung von Kostenunterschieden wohl noch geringer. Der Anteil der Haushalte mit sehr geringen Mitteln ist bei Erwerbstätigen (9 Prozent) und Rentnern (8 Prozent) etwa gleich hoch. In der nächsten Stufe (geringe Mittel) ist der Rentneranteil etwas höher. Insgesamt hatten über drei Viertel aller Rentnerhaushalte hohe Mittel oder lagen im Mittelfeld.
Gemessen an den gesamten Nettovermögen standen die Rentner im Mittel deutlich besser da als die Erwerbstätigen. In allen Altersgruppen ab 65 hatte die Hälfte aller Haushalte ein Nettovermögen von mehr als 240 000 Franken, und ein Viertel lag über 600 000 Franken. Ein Teil des Anstiegs von der Altersgruppe 60–64 zur Altersgruppe 65–69 dürfte laut der Studie durch Kapitalbezüge aus der beruflichen Vorsorge erklärbar sein. Viele Rentner scheinen nicht von ihrem Vermögen leben zu müssen. Die Zahlen lassen mutmassen, dass im Mittel die Nettovermögen zwischen 65 und 90 kaum abnehmen (vgl. Grafik).
Rund ein Achtel aller Altersrentner in der Schweiz bezieht offiziell Ergänzungsleistungen. Die Mehrheit der Rentnerhaushalte scheint dagegen finanziell gut gebettet zu sein. Was vor 14 Jahren galt, gilt daher noch immer: Die in der AHV und der beruflichen Vorsorge weiterhin vorherrschende Tendenz zur versteckten Umverteilung von Jung zu Alt lässt sich nicht «sozial» begründen. Entscheidend sind hier vielmehr die Gesetze der politischen Mechanik: Die Älteren haben ein hohes Stimmgewicht an der Urne, der Mensch schiebt gerne Lasten auf spätere Generationen ab, einmal etablierte Privilegien sind kaum mehr wegzubringen, und für die Jungen ist das System der Altersvorsorge noch weit weg vom Lebensfokus und zudem schwierig durchschaubar.
PPCmetrics hat ihr Researchpaper zu den Anlagestrategien 2021 publiziert. Im Management Summary wird festgehalten:
Investoren mit einer höheren Allokation zu Sachwerten (Aktien und Immobilien) profitierten am meisten von den Marktverhältnissen. Die aufgezeigten Strategien erreichten Renditen zwischen +2.4% (15% Aktienquote) und +12.7% (50% Aktienquote). Der rasche Anstieg der Inflationserwartungen und der damit verbundene erwartete Anstieg des Zinsniveaus führte dazu, dass das Eingehen von höheren Zinsrisiken (Anleihen mit langer Laufzeit) nicht mit einer Mehrrendite entschädigt wurde.
Das Eingehen von Kreditrisiken wurde im Anlagejahr 2021 unterschiedlich entschädigt. So fiel insbesondere im Be-reich von EUR denominierten Anleihen und Anleihen von Schuldnern mit tiefer Bonität (d.h. Rating Baa) die Zusatzrendite relativ hoch aus, während sich Anlagen in GBP denominierten Anleihen und Anleihen von Schuldnern mit hoher Bonität (d.h. Rating Aaa und Aa) nicht auszahlten. Aufgrund der mehrheitlichen Aufwertung der internationalen Leitwährungen gegenüber dem Schweizer Franken, hatte eine Währungsabsicherung einen negativen Einfluss auf die erzielte Rendite.
Avenir Suisse. Der Indikator «Beschäftigte im öffentlichen Sektor» zeigt den jeweiligen Anteil privatwirtschaftlicher und öffentlicher Stellen. Dieser Anteil spiegelt dabei, wie die Kantone die Aufgabenteilung zwischen Staat und Privaten auslegen und wie effizient der Staat seine Rolle erfüllt. Ein vergleichsweiser hoher Anteil öffentlicher Beschäftigten führt dabei tendenziell zu einer stärkeren Verdrängung von privatwirtschaftlichem Handeln. Im Kanton Zürich kann hierbei eine deutliche Tendenz hin zu einer wachsenden Zahl an Staatsangestellten festgestellt werden. Im Jahr 2014, als der besagte Indikator das erste Mal im Avenir-Suisse-Freiheitsindex erfasst wurde, fand sich der Kanton Zürich noch weit vor dem Schweizer Mittel auf Rang 9. Heute kommt er klar darunter zu liegen (Rang 15).
Swisscanto hat in einer Studie die Renditen kleiner PKs untersucht und ins Verhältnis zu ihren risikotragenden Deckungsgraden (RTDG) gesetzt. Überraschenderweise weisen die kleinen durchschnittlich höhere RTDG auf als die grossen, gleichzeitig gehen sie geringere Anlagerisiken ein. Gemäss Swisscanto verweist dies auf einen ungenutzten Spielraum in den Anlagen und der Performanceerzielung. Die Zahlen beruhen auf den Ergebnissen der Swisscanto Pensionskassen-Studie 2021. Swisscanto schreibt:
Dass kleine Kassen ein geringeres Risiko in Kauf nehmen, zeigt sich in den Anlagestrategien, die grossmehrheitlich für die Renditeschwankungen in den Portfolios der Pensionskassen verantwortlich sind. Bei der Betrachtung der Unterschiede zwischen den Anlagestrategien von grossen und kleinen Kassen im Zeitraum 2008 bis 2020 fällt auf: Die Anlagestrategien der grösseren Kassen sind globaler diversifiziert. Je kleiner die Kasse, desto
höher ist der durchschnittliche prozentuale Anteil an Inlandanlagen wie Obligationen in CHF und Aktien Inland;
kleiner ist der Anteil des strategischen Fremdwährungs- Engagements;
höher ist der strategische Anteil von vergleichsweise defensiven Aktien Inland gegenüber Aktien Ausland.
Ergebnisse der Studie / 2. Säule im internat. Vergleich
BAK Economics hat im Auftrag des ASIP die volkswirtschaftliche Bedeutung der Pensionskassen untersucht. Die Studie ist ein Update des 2018 erschienenen volkswirtschaftlichen Portraits der Pensionskassen.
Neben den Leistungen zugunsten der Versicherten wurden hierbei auch positive Übertragungseffekte betrachtet, die sich aus der Anlagetätigkeit der Pensionskassen ergeben. Zudem legt die Studie dar, welchen Effekt die Corona-Krise auf die berufliche Vorsorge hatte und welche Konsequenzen sie künftig noch haben könnte. Darüber hinaus werden die grössten künftigen Herausforderungen der beruflichen Vorsorge sowie die aktuellen Reformbemühungen dargestellt. Auf der ASIP-Homepage sind die Studie, einige der wichtigsten Resultate und ein Video einsehbar.
Thomas Hengartner schreibt zur Studie “Stopping the Race to the Bottom” von Mercer:
Pensionskassen würden zu sehr auf Aktien und auf Investments am Heimmarkt setzen, kritisiert der Berater Mercer in einer neuen Studie. Deswegen sei das Portfolio unnötig volatil und die Renditeausbeute unvollständig. Optimal für die Einrichtungen der beruflichen Vorsorge wäre, in wesentlich grösserem Umfang die Alternativanlagen zu nutzen – mit bis 20% des Gesamtvermögens. So würden ergänzende, diversifizierende Renditebringer erschlossen. Diese seien zwar eingeschränkt handelbar oder gar illiquid, doch Pensionskassen würden ja sehr langfristig investieren.
Der Mercer-Optimalaufteilung hat «Finanz und Wirtschaft» die Vermögensallokation einiger wettbewerblicher Pensionskassen gegenübergestellt. Asga Pensionskasse, Axa Stiftung berufliche Vorsorge und Profond Vorsorgeeinrichtung gehören zu den rund 100 grossen Anbietern der beruflichen Vorsorge für kleinere und mittlere Unternehmen. Um diese Kundschaft, die wegen der sich wandelnden Wirtschaftsstruktur zahlreicher wird, buhlen die Vorsorge-Sammelstiftungen.
Die Autoren einer Studie der Hochschule Luzern schreiben zum starken Wachstum der Fonds mit sog. nachhaltigen Anlagen:
Nachhaltige Investments sind weiter im Aufschwung: Das Angebot nachhaltiger Schweizer Publikumsfonds wächst im Vergleich zum Vorjahr von 777 auf 1’289 Fonds (+66 Prozent). Die darin verwalteten Vermögen steigen von 316 auf 775 Milliarden Franken (+145 Prozent) (Abbildung). Welche Fonds als «nachhaltig» bezeichnet werden sollen, ist allerdings eine kontroverse Debatte.
Seit März 2021 gibt die EU hierzu Standardisierungsvorgaben. Die Studie zeigt nun, dass der EU-Regulierungsansatz noch wenig griffig ist und sehr viel Interpretationsspielraum lässt. «Nur solche Fonds sollten als nachhaltig gelten, bei denen Nachhaltigkeitsaspekte wesentlich für die Fondsstrategie sind», folgert Manfred Stüttgen, Co-Autor der Studie und Dozent an der Hochschule Luzern. «Kommunizieren Fondsanbieter transparent und verbindlich ihr Nachhaltigkeitsversprechen, so deutet dies auf eine höhere Nachhaltigkeitsgüte der Anlage hin», ergänzt Co-Studienautor Brian Mattmann.
pw. Michael Ferber kommentiert in der NZZ die Ergebnisse der Benchmark-Studie von Willis Towers Watson, welche eine Stabilisierung der Umwandlungssätze feststellt. Allerdings liegt der Studie ein kleines Sample von bloss 24 Kassen der 30 SLI-Unternehmen zugrunde und ist damit nur sehr beschränkt repräsentativ. Weiter registriert WTW eine Anstieg des Anteils der Kassen mit 1e-Plänen. Ob das allerdings unter den gegebenen Umständen als Fortschritt zu werten ist, bleibt fraglich.
WTW. Endlich scheint es Licht am Horizont zu geben; Seit Jahren sind die prognostizierten Altersrenten aus der Pensionskasse nicht weiter sinkend, sondern haben sich stabilisiert. Ausserdem werden Individualisierungstrends immer stärker; während verschiedene Wahlsparpläne bereits Usus sind und von praktisch allen untersuchten Unternehmen angeboten werden, sind die sogenannten 1e-Pläne zwar noch eher selten, verbreiten sich aber stark. Dies hat einen positiven Einfluss auf die erwarteten Alterskapitalien bei Pensionierung. Die zeigt die neueste Benchmarking Studie von Willis Towers Watson, welche die Vorsorgepläne der im SLI zusammengefassten Unternehmen untersucht. 2021 sind 24 der 30 im Index zusammengefassten Unternehmen in der Untersuchung enthalten.
1e-Pläne sind Vorsorgepläne, bei welchen die Versicherten aus einem Angebot von Anlagestrategien selbst wählen und damit die Vermögensanlage mitbestimmen können. Die Anlageperformance wird den Versicherten dann direkt weitergegeben, über die Verzinsung entscheidet also nicht der Stiftungsrat. Das bietet enorme Chancen für höhere Verzinsungen, birgt allerdings auch das Risiko für Verluste. Denn allfällige negative Renditen haben die Versicherten selbst zu tragen, während es in klassischen Vorsorgeplänen keine negativen Verzinsungen geben darf.
Menschen ab 55 sind in der Schweiz trotz einer mehrheitlich passiven Personalpolitik von Unternehmen stärker in den Arbeitsmarkt integriert als noch vor zehn Jahren. Dennoch ist die Angst vor den Folgen eines Jobverlusts gegen Ende des Erwerbslebens weit verbreitet und beeinflusst die Diskussion um ein höheres Rentenalter, wie die neue Studie «Länger leben, länger Arbeit geben» von Swiss Life zeigt.
In der Studie heisst es u.a.
Viele Unternehmen unterschätzen wohl den bevorstehenden demografischen Wandel des Arbeitsmarkts. Zwar wird davor schon länger gewarnt, richtig spürbar dürfte dieser Prozess aber erst in den nächsten Jahren werden: 2030 wird es etwa 30 % mehr Pensionierungen geben als noch 2019 und 80 % mehr als zur Jahrtausendwende. Gleichzeitig fehlt der Nachwuchs. Das Arbeitsangebot wächst bereits heute fast nur noch dank den über 55-Jährigen und dürfte im nächsten Jahrzehnt weniger als halb so stark zunehmen wie in der letzten Dekade.
Die Wohnbevölkerung – ein grober Indikator für die Arbeitsnachfrage der Unternehmen – wird voraussichtlich schneller expandieren als das Arbeitsangebot. Entsprechend dürfte der Druck steigen, jegliches brach liegende Arbeitskräftepotenzial abzuschöpfen – also auch jenes der erwerbslosen, nicht erwerbstätigen oder unterbeschäftigten über 55-Jährigen. Ein bereits heute beobachtbares Indiz für diese These ist der Umstand, dass in den meisten OECD-Ländern die Arbeitsmarktbeteiligung der über 55-Jährigen mit der zunehmenden demografischen Alterung steigt.
Regina Anhorn, ZHAW School of Management and Law, Dozentin am Institut für Wealth & Asset Management, hat 30 grosse Vorsorgeinstitutionen mit einem Vermögen von über 500 Milliarden Schweizer Franken auf ihre öffentlich-zugängliche Berichterstattung zur Nachhaltigkeit analysiert.
Folgende Erkenntnisse lassen sich daraus ableiten:
Welches Gesamtengagement legen die Institutionen an den Tag? Die Nachhaltigkeitskonzepte der einzelnen Institutionen weichen punkto Detaillierungsgrad sehr stark voneinander ab. Allianzen/Kooperationen spielen eine zentrale Rolle, wobei Climate Action 100+ und Ethos klar im Vordergrund stehen.
Welche Rolle spielen Ausschlusskriterien im In- und Ausland? Bei Schweizer Unternehmen liegt der Fokus auf dem Dialog und kaum auf dem Ausschluss. Die Bandbreite der Ausschlüsse reicht von 22 bis zu 329 Unternehmungen. Das zentrale Thema ist Rüstung und nicht Treibhausgas/Kohle.
Wie werden ESG Kriterien integriert? Für die meisten analysierten Institutionen gehört die Integration von ESG Kriterien zu den treuhänderischen Sorgfaltspflichten, wird im Anlageprozess berücksichtigt, wurde ins Anlagereglement eingebaut und ist Bestandteil des Risikomanagements.
Welche Rolle spielen Stimmrechtsausübung und Engagement? Engagement/Dialog hat zunehmend Bedeutung erlangt. Dabei werden die Kräfte gebündelt, um bei den Unternehmungen mehr zu erreichen. 2021 haben gleich sechs (sehr) grosse PKs mit ihren Nachhaltigkeits- und Engagement-Reports wegweisende Transparenz geschaffen. Noch immer investieren aber manche Institutionen zwar vor allem im Ausland, stimmen aber nur in der Schweiz ab, wo dies ja ohnehin obligatorisch ist.
In der NZZ schreibt Michael Ferber zu einer Studie von Preqin: Angesichts der niedrigen Zinsen boomen Anlagealternativen zu Aktien und Bonds. Auch Schweizer Vorsorgeeinrichtungen versuchen, so die Rendite zu steigern – viele sind aber vorsichtig.
Das Gesamtvolumen der hierzulande verwalteten alternativen Anlagen sei 2020 bei rund 72 Mrd. € mehr oder weniger unverändert geblieben, hiess es in der Studie. Private Equity und Venture Capital war dabei mit knapp 26 Mrd. € darunter die grösste Anlageklasse, es folgten Hedge-Funds mit rund 20 Mrd. €, Infrastrukturanlagen mit 11 Mrd. € und Private Debt mit rund 7 Mrd. €. Private-Equity-Anlagen kamen indessen 2020 auf ein Wachstum von 12%, Infrastrukturinvestitionen sogar auf ein solches von 31%.
Die genannten Trends lassen sich auch bei den Schweizer Pensionskassen beobachten. «Es wird seit einiger Zeit viel Überzeugungsarbeit geleistet, um bei den Vorsorgeeinrichtungen Vorbehalte gegen alternative Anlagen abzubauen (. . .). Wie es scheint, mit bescheidenem Resultat», heisst es in der diesjährigen Pensionskassenstudie von Swisscanto Vorsorge, die im Markt stark beachtet wird. (…)
PPCmetrics schreibt zu den Ergebnissen ihrer jährlich durchgeführten Analyse der revidierten Geschäftsberichte von 305 Kassen mit einem Vermögen von 750 Mrd. Franken und rund 3,5 Mio. Versicherten:
Verzinsung: Trotz eines stark von Unsicherheit geprägten Jahres, welches insbesondere von der COVID-19-Pandemie dominiert wurde, haben mit rund 70% deutlich mehr als zwei Drittel der Vorsorgeeinrichtungen eine Verzinsung über der BVG-Mindestverzinsung von 1% gesprochen. Dabei betrug die durchschnittliche Verzinsung 1.86%, wobei privatrechtliche Vorsorgeeinrichtungen tendenziell höhere Verzinsungen gewährten als öffentlich-rechtliche Kassen.
Technischer Zins: Seit dem Jahr 2009 kann ein kontinuierlicher Trend hin zu sinkenden technischen Zinsen beobachtet werden. Dieser setzte sich auch im Jahr 2020 fort. Gegenüber dem Vorjahr ist der technische Zinssatz im letzten Jahr um durchschnittlich -0.14%-Punkte gesunken. Öffentlich-rechtliche Vorsorgeeinrichtungen weisen höhere durchschnittliche technische Zinsen aus als privatrechtliche. Die Spannweite der technischen Zinssätze verbleibt insgesamt gross.