SGB incommunicado – und die 2. Säule?
Die NZZ beschäftigt sich mit der reichlich absurd anmutenden Gesprächsverweigerung des SGB-Präsidenten bez. flankierende Massnahmen (hat er sich in Sachen Unberechenbarkeit beim US-Präsidenten inspirieren lassen?) und den allfälligen Folgen für die geforderte Zusammenarbeit bei der Revision des BVG und hat dafür mit Arbeitgeber-Präsident Valentin Vogt gesprochen.
Die technischen Gespräche über die flankierenden Massnahmen haben trotz der Absage der Gewerkschaften wie geplant begonnen. Von den Sozialpartnern ist mit dem Arbeitgeber- und Gewerbeverband aber nur die eine Seite beteiligt. Das macht gemäss Vogt dennoch Sinn. «Wir haben gemeinsam auch ein gutes Gespür, was in der Schweiz mehrheitsfähig wäre und was nicht.» Er hofft, dass die Gewerkschaften ihren Entscheid nochmals überdenken und an den Verhandlungstisch zurückkehren. Dies bleibt jedoch unwahrscheinlich. Ohne Gesichtsverlust kann der SGB nicht mehr zurückkrebsen. Schon im Juni hat Präsident Paul Rechsteiner gegenüber der NZZ angekündigt, das Referendum gegen Konzessionen bei den Flankierenden zu ergreifen.
Die Eklat vom Mittwoch ist für ein anderes schwieriges Unterfangen kein gutes Zeichen. Die Sozialpartner sollen nach dem Scheitern der Rentenreform zusammen eine Lösung für die zweite Säule finden. Ungeachtet der geplatzten Gespräche über die Flankierenden gibt sich Vogt zuversichtlich. Er verweist auf die Revision des Unfallversicherungsgesetzes, bei der sich die Arbeitnehmer und Arbeitgeber verständigten. Die Materie sei ungleich komplexer gewesen als die berufliche Vorsorge, sagt er. «Bis jetzt reden wir miteinander, die Gewerkschaften verweigern das Gespräch nicht.» Ziel bleibe, bis im Frühling 2019 einen Vorschlag zur zweiten Säule zu präsentieren.
Von den Perioden- zu den Generationentafeln
Michael Ferber schreibt in der NZZ über den Wechsel der Pensionskassen von den traditionellen Perioden- zu den neuen Generationentafeln.
Immer mehr Pensionskassen setzen aber auf die sogenannten Generationentafeln, die eine Annahme über die zukünftige Lebenserwartung einberechnet haben. Dabei wird das für eine erwartete Zunahme nötige Vorsorgekapital direkt zurückgestellt. Laut dem Bericht der OAK BV ist der Anteil der Verpflichtungen der Schweizer Pensionskassen, die mit Generationentafeln bilanziert werden, im vergangenen Jahr um weitere 7 Prozentpunkte auf 43% gestiegen. Damit entspreche der Anteil der Verpflichtungen, die mit Generationentafeln bilanziert würden, fast dem Anteil der Verpflichtungen, die noch mit Periodentafeln bilanziert würden, heisst es in dem Bericht.
Für Lukas Riesen, Partner bei der Beratungsgesellschaft PPCmetrics, sind Periodentafeln ein Auslaufmodell. Er sieht zwei Grundprobleme. Bei ihrer Anwendung basierten die erwarteten Renten nicht auf einem «best estimate». Renten-Cashflows würden mit Periodentafeln zu tief eingeschätzt. Die erwartete Zunahme der Langlebigkeit dürfe nicht vernachlässigt werden. Zudem würden bei der Anwendung von Periodentafeln Rückstellungen für die Zunahme der Langlebigkeit bis zum Bilanzstichtag gemacht, nicht jedoch für die gesamte Dauer dieser bereits versprochenen Leistungen.
Periodentafeln beruhen ausschliesslich auf historischen Sterblichkeitswerten. Riesen zitiert aus der Diskussionsrunde eines Ende Juni abgehaltenen Anlasses zu diesem Thema: «Bei Periodentafeln nimmt eine Pensionskasse quasi einen Regenschirm mit, weil es gestern geregnet hat. Bei Generationentafeln nimmt sie einen solchen mit, weil die Wetterprognose schlecht ist.»
Anteile der Nutzung von Perioden- und Generationentafeln gemäss Swisscanto-Studie 2018
“Eine inszenierte Streikdrohung”
Thomas Dähler befasst sich in der Basler Zeitung mit dem Theater um die vom basellandschaftlichen VPOD mit viel Lärm ins Szene gesetzte Streikdrohung weil bei der PK-Sanierung nicht alle seiner Wünsche umgesetzt wurden. Der Streik wurde abgeblasen, weil bei der Urabstimmung die nötigen Quoren nicht erreicht wurden. Das schien aber von Anfang an unwahrscheinlich.
Mit Steuergeldern, die in die Sparkasse der Staatsangestellten umverteilt werden, lässt sich das Problem sinken- der Renten aber nicht lösen. Wer dafür sorgen möchte, dass die Renten nicht weiter sinken, müsste dazu Hand bieten, das Sparvolumen insgesamt zu erhöhen – etwa über höhere Mehrwertsteuerprozente der Konsumenten oder, was längst fällig wäre, über ein längeres Arbeitsleben. Die Gewerkschaften leisten sich einen Bärendienst, wenn sie sich kategorisch gegen ein höheres Rentenalter stellen.
Arbeitgeber: Lösungsvorschlag zur Rentenreform
Martin Kaiser, Geschäftsleitungsmitglied des Arbeitgeberverbands, äussert sich zum geplanten Link der SV17 mit verstärkter AHV-Finanzierung. Er stösst sich insbesondere an der damit verbundenen Erhöhung der Lohnbeiträge. Am Deal selber lässt sich nach seiner Einschätzung nichts mehr ändern.
Soll aus der Zweckverbindung zwischen SV17 und AHV ein mehrheitsfähiger Kompromiss werden, dürfen Lohnbeiträge nicht Teil des Deals sein. Als alternative Massnahme, um den Wegfall von Lohnbeiträgen zu ersetzen, liesse sich der Bundesanteil noch etwas stärker erhöhen als vom Ständerat vorgesehen. Zusammen mit dem sogenannten Demografieprozent, das ebenfalls der AHV zugeführt würde, bewegt sich diese Massnahme innerhalb des Bundeshaushalts und kann im weitesten Sinne finanzpolitisch nachvollzogen werden. Vor allem aber ist sie solidarischer als die Lösung mit Lohnbeiträgen.
BL: VPOD muss Streik wegen PK abblasen
SRF orientiert über den vom VPOD angedrohten Streik der Baselbieter Staatsangestellten wegen der aus VPOD-Sicht ungenügenden Berücksichtigung seiner Forderungen bez. Senkung des Umwandlungssatzes.
Monatelang hatten der VPOD, der Verband der Angestellten im öffentlichen Dienst, und der Lehrerverband (LVB) versucht, die drohenden Kürzungen bei den Renten abzuwenden. Doch der Landrat hatte im Juni beschlossen, den Umwandlungssatz in der Pensionskasse zu senken.
Dagegen wollten sich die Kantonsangestellten mit einem Streik wehren. Vor allem Lehrer und Personal im Gesundheitswesen hätten gestreikt. Nachdem in den letzten Wochen alle Mitglieder der Verbände in einer Urabstimmung befragt wurden zeigt sich: Die Streikbereitschaft war hoch, aber nicht hoch genug. Die nötigen Quoren wurden nicht erreicht. Im Lehrerverband hätten 80 Prozent aller Mitglieder – und nicht nur der Abstimmenden, und im VPOD 60 Prozent aller Mitglieder den Streik befürworten müssen.
«Am Ende war vielleicht doch vielen nicht klar, was sie im Streikfall genau erwarten würde», vermutet Michael Weiss, Geschäftsführer des LVB. Und Samira Marti, Präsidentin der VPOD-Region Basel, fügt hinzu: «Die Identifikation mit dem Job in den Schulen, Kindergärten oder Spitälern ist halt eben doch sehr hoch.»
Die bürgerliche Landrats-Mehrheit war den Kantons angestellten während der Behandlung des Geschäfts entgegengekommen. Der Umwandlungssatz sollte von derzeit 5,8 Prozent auf 5,4 Prozent sinken. Und nicht, wie ursprünglich geplant, auf 5 Prozent. Die Linke hatte ein zusätzliches Entgegenkommen gefordert.
Aon Europen Investment Management Survey
Aon veröffentlicht die Ergebnisse ihres ersten European Investment Management Surveys.
Die Umfrage, welche die Meinungen von Teilnehmern in ganz Europa widerspiegelt, liefert faszinierende Erkenntnisse darüber, wie Pensionskassen investieren.
Wichtige Ergebnisse:
• Die Komplexität und die Anzahl der Investitionsmöglichkeiten haben zugenommen, was Unternehmen und Stiftungsräte vor grössere Herausforderungen stellt
• Anlageerträge, Finanzierung und Regulierung/Governance gehören zu den grössten Sorgen für Verantwortliche von Vorsorgeeinrichtungen
• Es existiert eine grosse Bereitschaft zur Delegation, die durch mangelnde Zeit, zunehmend komplexe Investitionsentscheidungen und das Bedürfnis nach robuster Governance verstärkt wird
• Lösungsansätze und Meinungen zur Delegation sowie ihre Handhabung sind von Land zu Land unterschiedlich.
CS PK-Index Q2 2018
- Der Indexstand der BVG-Mindestverzinsung (seit 1. Januar
2017 auf 1% p. a.) ist im Berichtsquartal um 0,38 Punkte
(resp. 0,25%) auf den Stand von 152,86 Punkten gestiegen,
ausgehend von 100 Punkten zu Beginn des Jahres 2000. Die
Rendite des Credit Suisse Schweizer Pensionskassen Index
liegt somit im zweiten Quartal 2018 +0,60% über der
BVG-Vorgabe. - Die annualisierte Rendite des Credit Suisse Schweizer
Pensionskassen Index (seit 1. Januar 2000) beträgt per
30. Juni 2018 2,96%. Dem steht eine annualisierte BVG-Mindestverzinsung
von 2,32% gegenüber. - Die höchste annualisierte Rendite (seit 1. Januar 2000) per
30. Juni 2018 weisen mit 3,16% erneut Pensionskassen mit
einem Anlagevermögen zwischen CHF 150 Mio. und CHF
500 Mio. aus.
So einfach ist das
pw. Janine Hosp, Inlandredaktorin beim Tagesanzeiger, zeigt auf, wie die nächste Rentenreform gelingen kann. Natürlich ohne generelle Rentenaltererhöhung, weil diese gemäss GFS-Umfrage beim Stimmbürger nicht gut ankommt. Nicht erwähnt wird, dass die Arbeitslosigkeit der 60jährigen unterdurchschnittlich hoch ist. Und wundern darf man sich über die suggestive Frageformulierung der GFS, welche die Befragten sanft in die gewünschte Richtung trieb. Der Rest sind fromme Wünsche, welche wir den hochsommerlichen Temperaturen anlasten.
Damit Rentnerinnen und Rentner auch in Zukunft in Würde
leben können, müssen sie in der Regel von ihrer Rente aus
AHV und Pensionskasse leben können. Wie die anstehende
Reform der AHV angegangen werden soll, damit sie in der
Bevölkerung eine Mehrheit findet, darauf gibt eine
repräsentative Umfrage von FS Bern einen klaren Hinweis:
nicht über ein allgemeines höheres Rentenalter.Solange es für über 50-Jährige schwierig ist, Arbeit zu finden, ist eine
Diskussion darüber müssig, fand eine Mehrheit. Lieber zahlt
sie eine höhere Mehrwertsteuer und erhöht das Rentenalter
für Frauen auf 65 Jahre.Wenn eine Vorlage zur Altersvorsorge beim Stimmvolk eine
Chance haben soll, muss sie politisch breit abgestützt sein.
Deshalb dürfen Parteien und Verbände nicht mehr wie bei der
Altersvorsorge 2020 ihre Eigeninteressen in den Vordergrund
stellen und damit einen Absturz riskieren.Sie müssen zusammen eine Lösung erarbeiten, die alle mittragen können.
Das ist letztlich auch zu ihrem Vorteil – nicht nur die
Wählerinnen und Wähler der anderen Parteien werden einmal
alt.
Ruhestand am Sonnenstrand
Sonne, Meer und Strand locken nicht wenige Schweizer nach der Pensionierung ins Ausland. Auch der in vielen Ländern günstigere Lebensunterhalt und die höhere Kaufkraft können ein Argument fürs Auswandern sein. Kommt hinzu, dass viele Schweizer Wurzeln in anderen Ländern oder einen ausländischen Partner haben. Dies kann bei der Planung der «dritten Lebensphase» ebenfalls eine Rolle spielen. Beim Auswandern im Ruhestand gibt es aber einige Fallstricke, die Interessenten berücksichtigen sollten, schreibt Michael Ferber in der NZZ.
Russen protestieren gegen höheres Rentenalter
(AP) — Tens of thousands of demonstrators have rallied throughout Russia to protest plans to substantially hike the age at which Russian men and women can receive their state retirement pensions.
A crowd estimated at more than 10,000 attended a protest in Moscow that was called by the Communist Party. A similarly large crowd gathered in Yekaterinburg to protest and demonstrations also were reported Saturday in large cities including Rostov-on-Don and Volgograd. No arrests were immediately reported.
Russia’s lower house of parliament, the Duma, has given its first-reading approval to a measure that would gradually raise the pension ages from 60 to 65 for men and from 55 to 63 for women.
Protesters have called for a national referendum to be held on the issue before the parliament considers further readings of the bill after it resumes in September.
Der letzte Wille
Im Todesfall kommt das bei der Pensionskasse angesparte Geld dem Ehepartner und den Kindern zugute. Ein Konkubinatspartner erbt hingegen nur, wenn der Verstorbene ihn bei der Kasse gemeldet hat.
Brav!
Die Stiftung Abendrot schreibt in einer Pressemitteilung:
Die Volksinitiative «Für ein Verbot der Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten» will, dass die Nationalbank sowie die Institutionen der staatlichen und beruflichen Vorsorge nicht mehr in Firmen investieren dürfen, die Kriegsmaterial produzieren. Die Initiative will verhindern, dass Pensionskassen auf Kosten von Kriegsopfern Profit schlagen.
Im Zuge der Initiative verkünden einige Pensionskassen mit stolzgeschwellter Brust, dass sie aus dem Waffengeschäft aussteigen. Sie schlagen damit einen Weg ein, den die Stiftung Abendrot bereits bei ihrer Gründung klar festgelegt hat. Geschäftsführerin Enza Bögli erklärt: «Es ist für uns seit über 30 Jahren eine absolute Selbstverständlichkeit, dass wir nicht in die Rüstungsindustrie investieren. Wir freuen uns, dass andere Pensionskassen jetzt nachziehen.»
pw. Jetzt sollte man nur noch genau wissen, was denn Kriegsmaterial eigentlich ist. Das berühmte Schweizer Miltärmesser? Im Übrigen hegen wir eine erhebliche Abneigung gegen gesetzlich verankerte Moral. Sollte die Initiative Erfolg haben, werden unweigerlich weitere folgen. Mit Kohle, Oel, Zucker, Fairtrade, Klimaschutz, etc. etc. öffnet sich da ein unendliches Feld, und es wird eifrig beackert werden. Mit Garantie. Und nicht zum Vorteil der Pensionskassen.
Abendrot / Kriegsmaterial-Initiative / Mitteilung Abendrot
Swiss Life REF plant Kapitalerhöhung um 500 Mio.
Der Swiss Life REF (CH) Swiss Properties prüft den Kauf eines Immobilienportfolios im Wert von rund 500 Mio. Franken aus dem Besitz der Swiss Life AG. Zur Finanzierung der Akquisition ist für Dezember 2018 eine Kapitalerhöhung geplant. Die Konditionen werden im Herbst bekanntgegeben.
Nein zur Mogelpackung – Ja zu einer nachhaltigen Reform
Jérôme Cosandey kritisiert in der Schweizer Personalvorsorge 7/18 die vom Ständerat beschlossene Kombination von Steuervorlage und AHV-Finanzierung und bezeichnet sie als Mogelpackung welche unvereinbar ist mit den Prinzipien unserer direkten Demokratie. Er tritt ein für eine echte Reform der Altersvorsorge, welche dynamisch auf die Erhaltung der Renten ausgerichtet ist.
Es gilt, unbestrittene und positiv geprägte Prinzipien zu betonen: In der AHV müssen die bestehenden Rentenleistungen erhalten bleiben. In Anbetracht der besseren gesundheitlichen Verfassung älterer Arbeitnehmer und ihrer stark wachsenden Beteiligung am Arbeitsmarkt ist die AHV-Finanzierung jedoch neu zu definieren.
In der 2. Säule kann die Solidarität zwischen den Generationen gestärkt werden, indem die Aktiven und die Rentner bei der Verzinsung der Altersguthaben gleich behandelt werden. Eine Anpassung des Umwandlungssatzes für Neurentner bedarf des Versprechens einer variablen Zusatzrente, gewissermassen eines 13. Monatslohns, mit dem sie später an einer positiven Entwicklung der Kapitalmärkte teilhaben.
Dies ist keine Schönrederei, sondern eine andere geistige Haltung, eine von Grund auf positive Art, die zukünftigen Herausforderungen unseres Vorsorgesystems anzugehen.
Leitfaden für die Vermögensanlage
Die ASIP-Kommission für Anlagefragen von Pensionskassen hat ihren Leitfaden für Vermögensanlagen (vgl. Fassungen vom Juni 2007 und vom November 2009) überarbeitet und aktualisiert. Er richtet sich im Sinne einer praxisorientierten Hilfestellung an alle Führungsorgane von VE. Es wird aufgezeigt, welche Gestaltungsmöglichkeiten die bestehenden Rechtsgrundlagen bieten und welche Massnahmen zur Umsetzung der gesetzlichen Bestimmungen getroffen werden müssen. Der Leitfaden kann beim ASIP bezogen werden. Für Mitglieder ist er kostenlos.





