Im 2. Quartal 2020 ist in Folge der Covid-19-Krise die Gesamtbeschäftigung (Anzahl Stellen) im Vergleich zum Vorjahresquartal um 0,6% gefallen (–1,1% zum Vorquartal). In Vollzeitäquivalenten sank die Beschäftigung im selben Zeitraum um 0,2%. In der gesamten Wirtschaft wurden 22’500 offene Stellen weniger gezählt als im entsprechenden Vorjahresquartal (–26,9%) und auch der Indikator der Beschäftigungsaussichten ging nach unten (–3,4%). Dies geht aus den neuen Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) hervor.
Volkswirtschaft
Sinkende Beschäftigung
Die Zahl der Erwerbstätigen in der Schweiz ist zwischen dem 2. Quartal 2019 und dem 2. Quartal 2020 um 1,6% gesunken (–82 000). Darüber hinaus ist bei der tatsächlichen wöchentlichen Arbeitszeit pro Erwerbstätige ein Rückgang um 9,5% zu verzeichnen. Im gleichen Zeitraum stieg die Erwerbslosenquote gemäss Definition des Internationalen Arbeitsamtes (ILO) von 4,2% auf 4,6% in der Schweiz und von 6,6% auf 6,9% in der EU. Dies geht aus der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) hervor.
Corona, Altersvorsorge, die Jungen und die Alten
Michael Ferber und Anna-Barbara Luft haben mit vier Vorsorgefachleuten ein langes und höchst gehaltvolles Gespräch über Fragen der Altersvorsorge geführt. Beteiligt waren: Veronika Weisser (UBS), Marco Bagutti (Auffangeinrichtung), Thomas Schönbächler (BVK) und Stefan Beiner (Publica). Auszug:
Ist die Lage der Schweiz nach der Corona-Krise tatsächlich noch so gut?
Weisser: Zu Beginn der Corona-Krise lag die Verschuldung bei etwa 40% des BIP. In der AHV beträgt die Verschuldung aber ungefähr 136% und die impliziten Schulden im Gesundheitssystem belaufen sich auf rund 200%. Diese impliziten Schulden werden mit der Zeit explizit und dieser Prozess beschleunigt sich derzeit. Das ist eine spannende gesellschaftliche Frage, denn die Systeme, in denen die hohen impliziten Schulden vorhanden sind, sind einfach nicht nachhaltig aufgestellt.
Nachhaltig würde bedeuten, dass diese Systeme mit den aktuellen Regeln auf Dauer bestehen, also die erforderlichen Leistungen erbringen können. Probleme gibt es zwischen den Generationen genau dann, wenn diese Nachhaltigkeit nicht gegeben ist. Das sehen wir im Ressourcenverbrauch genauso wie beim Lebensstandard. Der Lebensstandard, den wir haben, zehrt mehr, als nachhaltig möglich ist. Mit unserer Bevölkerungsstruktur, den aktuellen Beitrags- und Steuersätzen, kommen wir langfristig finanziell nicht durch. Das gilt für die Gesundheitsvorsorge, für die erste Säule und auch für die zweite Säule.
Wir können uns unseren Lebensstandard also gar nicht leisten?
Weisser: Auf Dauer nicht, und zwar weder auf der Ressourcenseite noch auf der finanziellen Seite. Wenn die Verschuldung schneller steigt, dann ist das immer ein Punkt, an dem wir riskieren, dass gesellschaftliche Konflikte ausgelöst werden. Schulden sind nicht nur eine Zahl. Irgendwann schlägt die Verschuldung zurück, jemand muss das über einen tieferen Lebensstandard in der Zukunft bezahlen.
Löhne und Preise
2019 stiegen die Nominallöhne gegenüber dem Vorjahr durchschnittlich um 0,9% (2018: +0,5%; 2017: +0,4%; 2016: +0,7%). Damit wurde der seit 2010 beobachtete Trend einer moderaten Entwicklung von höchstens +1,0% pro Jahr (nominal) 2019 erneut bestätigt.
Die Entscheide in Bezug auf die Lohnerhöhung 2019 wurden in der Regel im Herbst 2018 und damit in einer Periode gefällt, in der die Teuerung für 2019 auf +0,5% geschätzt wurde. Diese belief sich schliesslich auf +0,4%. Aufgrund der Anpassung der Nominallöhne an die Teuerung nahm die Kaufkraft der Löhne damit zum ersten Mal seit zwei Jahren zu.
Bei den wichtigsten Gesamtarbeitsverträgen (GAV), denen fast eine halbe Million Arbeitnehmende angeschlossen sind, wurde für 2019 kollektivvertraglich eine Effektivlohnerhöhung (Nominallöhne) von 0,5% vereinbart.
Nachdem die Reallöhne während zwei aufeinanderfolgenden Jahren rückläufig waren (2017: –0,1%; 2018: –0,4%), nahm die Kaufkraft der Löhne 2019 wieder zu. Die relativ tiefe Inflationsrate (+0,4%) führte zusammen mit der Nominallohnerhöhung (+0,9%) in der Gesamtwirtschaft zu einem Reallohnanstieg von 0,5%. Durchschnittlich nahmen die Reallöhne im Industriesektor um 0,5% und im Dienstleistungssektor um 0,6% zu.
Die Reallohnentwicklung bewegte sich 2019 zwischen –1,1% und +1,3%. Diese grosse Bandbreite unterstreicht die Vielfalt der Lohndynamik in den einzelnen Wirtschaftszweigen.
Rolf Dörig: Es wird viel Geld fehlen
In einem Interview mit der Aargauer Zeitung äussert sich Swiss Life-Präsident Rolf Dörig zu den Folgen der Corona-Krise, zum Rentenalter, dem Umwandlungssatz, Mieterlassen und mehr. Auszüge.
Mit einer Begrenzung der Hilfe ist es nicht getan?
Der Staat wird mit einer zusätzlichen Verschuldung von bis zu 100 Milliarden Franken aus dieser Krise kommen. Diese Schulden müssen wieder abgebaut werden. Das geht nicht ohne die Schuldenbremse. Und es braucht eine Verzichtsplanung. Wir müssen – wie nach einem Gewitter – die Schäden besichtigen und uns dann fragen: Worauf müssen wir in Zukunft verzichten, damit nicht spätere Generationen die Zeche zahlen?
Heisst das, dass vor der Krise aufgegleiste Vorhaben – etwa der Vaterschaftsurlaub – gestoppt werden sollten?
Sicher. Angesichts des Schuldenberges sollte die Sicherung der sozialen Errungenschaften im Zentrum stehen und kein weiterer Ausbau. So ist nicht nur der Vaterschaftsurlaub, sondern insbesondere auch die vom Bundesrat vorgeschlagene Überbrückungsrente nicht opportun. Wir müssen – ganz generell– wieder bescheidener werden. Auch das lehrt uns diese Krise.
Auch die Altersvorsorge ist von den Turbulenzen betroffen. Swiss Life ist einer der grössten Akteure in der zweiten Säule. Wie beurteilen Sie deren finanzielle Lage?
Sie hat sich nochmals verschärft. Die Altersvorsorge leidet unter der demografischen Alterung, die Schere zwischen den Aktiven und den stark zunehmenden Rentnern öffnet sich immer mehr. Auch die Lebenserwartung steigt weiter. Pensionskassen kämpfen zudem mit fallenden Anlageerträgen und tiefen Zinsen. Zusätzlich wird nun die Rezession und die steigende Zahl der Arbeitslosen dazu führen, dass die Prämienbeiträge sinken. Das wird die AHV besonders hart treffen, aber auch in der zweiten Säule wird insgesamt noch viel mehr Geld fehlen als bisher schon.
Darum wollen Sie alte Forderungen durchbringen: Tieferer Umwandlungssatz, höheres Rentenalter?
Gerade wegen der Krise ist die Reform der Altersvorsorge noch wichtiger und dringlicher geworden. Es ist breit anerkannt, dass für Frauen und Männer dasselbe Rentenalter von 65 gelten soll– diesen Schritt muss man nun endlich vollziehen. Bald werden wir zudem nicht mehr um eine generelle Erhöhung des Rentenalters herumkommen.
Neue Arbeitsformen und ihre Konsequenzen für die Vorsorge
Eine Studie des Instituts für Versicherungswirtschaft der Universität St.Gallen im Auftrag der PensExpert analysiert die Konsequenzen der Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft für das Vorsorgesystem in der Schweiz und skizziert möglichen Anpassungsbedarf für die Gestaltung der öffentlichen und privaten Vorsorge.
Schwerpunkt ist der Themenbereich der Altersvorsorge, es werden aber auch darüberhinausgehende Vorsorgethemen wie etwa die Entwicklung der Gesundheitskosten angesprochen. Die Resultate der Studie werden dabei mit den Ergebnissen von Expertenbefragungen sowie mit einer repräsentativen Befragung unter der Schweizer Bevölkerung untermauert.
Sowohl die befragten Experten als auch die Bevölkerung wünschen sich keinen radikalen Systemwechsel in der Vorsorge, wohl aber mehr Flexibilität, Transparenz und Gestaltungsmöglichkeiten. Dazu zahlt etwa die Einführung eines digitalen Vorsorgeportal, das Versicherten einen Gesamtüberblick über alle Vorsorgeleistungen bietet, und darüber hinaus auch den aktiven Eingriff in Vorsorgeentscheidungen ermöglicht.
Hohe Zustimmung unter beiden Gruppen erfahrt auch die verstärkte Nutzung von Wertkonten. Die Idee, Zeit ähnlich wie Geld] zu sparen, anzulegen und zu einem späteren Zeitpunkt in Anspruch zu nehmen stellt eine mögliche Antwort zur Flexibilisierung der Lebensarbeitszeit dar. Die Resultate zeigen zudem den Wunsch, die Basis des Vorsorgesystems zu verbeitern, indem die gesamte Bevölkerung einbezogen wird (insbesondere auch Selbstständige und Geringverdiener im Rahmen neuer Erwerbsformen).
“Pensionskassen unter Druck”
Die UBS hat auf ihrer Website ein Gespräch mit Patrick Müller, Head Institutional Clients, Vorsorgespezialistin Jackie Bauer und UBS-Chefökonom Daniel Kalt aufgeschaltet. Auszüge:
Was belastet die Pensionskassen momentan am meisten?
Patrick O. Müller: Eindeutig die sinkenden Deckungsgrade. Im Schnitt liegen diese nun wieder auf dem Niveau von Ende 2018. Die negative Performance könnte dazu führen, dass manche Kassen in Unterdeckung geraten. Sammelstiftungen müssen sich überlegen, wie sie damit umgehen, wenn kleinere Anschlüsse in Liquiditätsprobleme geraten.
Jackie Bauer: Hinzu kommt, dass die viele Pensionskassen für das letzte Jahr relativ hohe Zinsen gewährt haben. Das ist neben den Renditeeinbussen eine zusätzliche Belastung für die Deckungsgrade.
Rechnen Sie in diesem Jahr also mit tieferen Zinsen?
Jackie Bauer: Ja. Die Pensionskassen werden alles daransetzen, um die Deckungsgrade soweit wie möglich zu stabilisieren, ohne ausserordentliche Massnahmen ergreifen zu müssen. Deshalb sollten wir für dieses Jahr nur mit der Mindestverzinsung rechnen.
Welche Pensionskassen trifft die Krise besonders hart?
Jackie Bauer: Vor allem bei den öffentlich-rechtlichen Kassen werden wir vermehrt Unterdeckungsfälle sehen, da die Deckungsgrade hier bereits relativ tief waren. Bei den privatrechtlichen Kassen hingegen lagen sie vor der Krise im Schnitt bei über 110 Prozent. Die meisten von ihnen dürften sich über 100 Prozent halten können, wenn auch nur knapp.
Ueli Maurer und die Milliarden
Bundesrat Maurer hat der NZZ ein bemerkenswertes Interview gegeben. Er steht dem einschneidenden Regime gegen das Virus skeptisch gegenüber. Er plädiert für eine rasche, unkomplizierte Öffnung der Restaurants. Und er skizziert, wie schwierig es wird, die Corona-Schulden wieder loszuwerden. Auszüge:
Herr Maurer, Sie sind als Finanzminister in der Corona-Krise so etwas wie der Retter der Nation – gefällt Ihnen diese Rolle?
Nein, ganz und gar nicht. Mein Auftrag wäre ja eigentlich, auf das Geld aufzupassen. Aber das ist zurzeit ziemlich schwierig. Wir werden dieses Jahr voraussichtlich ein Defizit von 30 bis 50 Milliarden Franken machen, je nachdem, wie sich die Arbeitslosigkeit und die Kurzarbeit entwickeln. Schon das allein ist dramatisch. Hinzu kommen die verbürgten Überbrückungskredite für Firmen von maximal 40 Milliarden Franken. Angesichts dieser Summen ist es mir als Finanzminister nicht mehr wohl in meiner Haut.
Gehen Sie davon aus, dass der Bund für die Bürgschaften noch mehr Geld bereitstellen muss?
Dies ist in jeder Hinsicht die entscheidende Frage: Wie lange wird diese Phase noch dauern, in der wir die Wirtschaft so stark zurückbinden? Jede Rückkehr zur Normalität – natürlich immer unter Einhaltung der gesundheitlichen Vorgaben – ist extrem wichtig. Jeder Tag, den wir warten, kostet uns Millionen. Wir müssen uns im Bundesrat sehr genau überlegen, wie wir hier die Prioritäten in den nächsten Wochen setzen.
Sprich: Sie persönlich würden den Restaurants und Bars sofort erlauben, wieder den Betrieb aufzunehmen.
Vielleicht nicht gerade sofort, aber ich wäre froh, wenn wir rasch vorwärtsmachen könnten. Aus meiner Sicht braucht es hier keine grossen staatlichen Vorgaben, sondern wir können auf die Eigenverantwortung der Wirte zählen. Es ist in ihrem Interesse, dass bei ihnen die Hygiene- und Distanzregeln eingehalten werden. Sonst haben sie keine Gäste.
Ihre Skepsis ist nicht zu überhören. Ist der Bundesrat aus Ihrer Sicht mit den einschneidenden Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus zu weit gegangen?
Ich trage alle Entscheide mit, die der Bundesrat gefällt hat. Aber es stimmt, dass ich frühzeitig darauf hingewiesen habe, welch enorme wirtschaftlichen Schäden wir damit anrichten. Das ist auch meine Aufgabe als Finanzminister. Man darf nicht einfach die Augen vor den Kosten verschliessen. Aber angesichts der gesundheitlichen Risiken haben wir uns für dasselbe Vorgehen entschlossen wie viele andere Länder. Ich frage mich, ob das wirklich notwendig war. Gerade am Montag habe ich mit meiner schwedischen Amtskollegin telefoniert. Dort lebt man mehr oder weniger normal weiter. Das Bruttoinlandprodukt ist viel weniger stark eingebrochen. Ich bin gespannt, wie Schweden mit seiner liberalen Strategie aus dieser Krise herauskommen wird.
Medianlohn 6538 Franken
Im Jahr 2018 belief sich der Medianlohn einer Vollzeitstelle in der Schweizer Gesamtwirtschaft (privater und öffentlicher Sektor) auf 6538 Franken brutto pro Monat. Zwischen den Wirtschaftsbranchen und auch zwischen den Regionen bestehen noch immer grosse Lohnunterschiede. Das Gefälle zwischen dem oberen und dem unteren Ende der Lohnpyramide hat sich zwischen 2008 und 2018 kaum verändert. Rund ein Drittel der Arbeitnehmenden in der Schweiz hat Boni erhalten.
UBS: Webcast mit Daniel Kalt zur Corona-Krise
Das Virus hat nicht nur Hunderttausende Menschen angesteckt, sondern auch die Weltwirtschaft. Und angesichts von Lockdown und milliardenschwerer Nothilfen stellt sich die Frage, ob wegen Covid-19 nicht nur Menschen sterben, sondern auch Volkswirtschaften.
Was heisst das für Pensionskassen und andere institutionelle Anleger?
In seinem Webcast vom 31. März analysiert Daniel Kalt, UBS-Chefökonom Schweiz, die aktuelle Situation. Er erläutert mögliche Szenarien und deren potenzielle Auswirkungen – und wie sich institutionelle Anleger auf die ungewisse Zukunft einstellen können.
“Strukturprobleme belasten die Vorsorge mehr als Negativzinsen”
Rendite 10-jähriger Staatsanleihen, Quartalswerte nominal und real.
Dewet Moser, Stv, Mitglied des SNB Direktoriums, verteidigt in einem Beitrag der Schweizer Personalvorsorge (01-20) die Negativzinsen. Er schreibt:
Bei der nicht ganz einfachen Lage, in der sich viele Schweizer Pensionskassen gegenwärtig befinden, spielt das Tiefzinsumfeld ei ne Rolle, aber nicht die Hauptrolle. Die strukturellen Probleme im Vorsorgewesen, die durch den demografischen Wandel und politisch bedingte, kaum nachhaltige Rahmenbedingungen getrieben sind, wiegen schwerer.
Die Debatte um den Negativzins sollte deshalb nicht von den grundlegenden strukturellen Problemen im Vorsorgewesen ablenken, für die dringend eine politische Lösung gefunden werden muss. Gleichwohl ist sich die Nationalbank bewusst, dass tiefe Zinsen und auch der Negativzins für Pensionskassen eine zusätzliche Last darstellen.
Der Negativzins ist ein aussergewöhnliches Instrument und nicht die neue Normalität. Da er mit Nebenwirkungen verbunden ist, prüft die Nationalbank seine Kosten und Nutzen aus gesamtwirtschaftlicher Siehe stets gründlich.
Momentan ist der Negativzins genauso wie die lnterventionsbereitschaft notwendig, um in der Schweiz monetäre Bedingungen zu erreichen, die mit Preisstabilität vereinbar sind. Indem die Nationalbank ihr Mandat möglichst gut erfüllt, trägt sie zur Stabilität im Land bei, was allen zugutekommt, und damit auch den Pensionskassen.
Heute kann man noch keinen Zeitpunkt nennen, an dem der Negativzins nicht mehr nötig sein wird. Ganz unabhängig davon, ob die Rückkehr zu positiven Zinsen früher oder später kommt – auf politischer Ebene müssen die strukturellen Probleme im Vorsorgewesen angepackt werden.
En 2020, la mort de l’épargne
Après les frais bancaires, le rendement des avoirs de l’épargnant est négatif. Quant à son 2e pilier, principal avoir de la classe moyenne, il est rongé par la baisse continue du taux de conversion.
Negativzinsen als courant normal
Die SNB hat an einem Mediengespräch ihre Politik verteidigt. Den Banken und Pensionskassen unterstellte Nationalbankpräsident Jordan indirekt eine zu eng auf ihre eigenen Interessen ausgerichtete Analyse. «Wir sind überzeugt, dass der Nutzen (des Negativzins) klar überwiegt», sagte Jordan. Ausschlaggebend für seine Einschätzung sei, «dass wir eine Gesamtperspektive einnehmen und das Gesamtinteresse des Landes verfolgen». Der Gleichgewichtszins sei global gesunken, weil mehr gespart und verhältnismässig wenig investiert würde, was unter anderem mit der demografischen Entwicklung zusammenhänge. Um expansiv zu wirken, müsse der Leitzins unter den Gleichgewichtszins gesenkt werden. Der Negativzins von 0,75% wird unverändert fortgesetzt.
“SNB lässt Pensionskassen und Banken abblitzen”
finews berichtet über den Vortrag von SNB-Präsident Armin Jordan beim PK-Netz.
Die SNB nimmt rund 2 Milliarden Franken pro Jahr an Strafzinsen ein, die sie auf Giroguthaben erhebt. Die gebeutelte Industrie und ihr zugewandte Politiker haben verschiedentlich gefordert, dass dieses Geld in die Branche zurückfliessen sollte, um sie zu stärken.
Keine gute Idee, findet Jordan. «Jede Verknüpfung von Geldpolitik und Sozialpolitik birgt die Gefahr von Zielkonflikten mit dem eigentlichen Auftrag der SNB», so Jordan.
Offensichtlich sieht die Bank ihre Unabhängigkeit in Gefahr, sobald sie andere Ziele bedienen müsste, als diejenigen welche jetzt im Mandat vorgesehen sind. Gemäss SNB ist sie für die Geldpolitik, der Bund und Kantone aber für die Fiskal- und Sozialpolitik zuständig. Oder, wie Jordan abschliessend formulierte: «Die SNB ist nicht für die Sozialpolitik zuständig».
Gleichwohl ist sich die SNB durchaus bewusst, dass die Lage kritisch ist und bleibt. Sie sieht ihren Beitrag für eine solide Vorsorge aber darauf beschränkt, die Preisstabilität in der Schweiz aufrechtzuerhalten.
“Aufblähen und Umverteilen – so ‘rentieren’ Pensionskassen”
pw. Im August hat Werner Vontobel auf der Website “Oekonomenstimme” einen Beitrag unter dem Titel “Die fatalen Denkfehler der Pensionskassen-Lobby” publiziert. Daraufhin übernahm die Oekonomenstimme einen Kommentar im Newsletter des Vorsorgeforums, der sich kritisch mit den Aussagen Vontobels auseinandersetzte.
Jetzt meldet sich erneut Vontobel zu Wort unter dem Titel: “Aufblähen und Umverteilen – so «rentieren» Pensionskassen” mit dem Lead: “Wie kann ein Pensionskassen-System einerseits Volksvermögen vernichten und andererseits für ihre Versicherten hohe Renditen erwirtschaften? Die Antwort hat etwas mit Asset-Inflation und Umverteilung zu tun”.
Wir sind also von den Denkfehlern zur Vernichtung von Volksvermögen gelangt. Wir haben zwar schon einiges Kritisches zur 2.Säule gehört, dass aber gleich Volksvermögen damit vernichtet werde, stellt jedoch einen Höhepunkt dar. Allerdings liegen hier gleich mehrfache Denkfehler vor.
Aufgrund makroökonomischer Daten kommt Vontobel zum Schluss dass das gesamte Auslandsengagement der Schweiz seit 2000 eine negative Rendite von 1,5 Prozent abgeworfen habe. Die Zahl überträgt er unverändert auf die 2.Säule. Ohne weitere Begründung. Das ist nicht haltbar und unglaubwürdig.





