pw. Im August hat Werner Vontobel auf der Website “Oekonomenstimme” einen Beitrag unter dem Titel “Die fatalen Denkfehler der Pensionskassen-Lobby” publiziert. Daraufhin übernahm die Oekonomenstimme einen Kommentar im Newsletter des Vorsorgeforums, der sich kritisch mit den Aussagen Vontobels auseinandersetzte.

Jetzt meldet sich erneut Vontobel zu Wort unter dem Titel: “Aufblähen und Umverteilen – so “rentieren” Pensionskassen” mit dem Lead: “Wie kann ein Pensionskassen-System einerseits Volksvermögen vernichten und andererseits für ihre Versicherten hohe Renditen erwirtschaften? Die Antwort hat etwas mit Asset-Inflation und Umverteilung zu tun”.

Wir sind also von den Denkfehlern zur Vernichtung von Volksvermögen gelangt. Wir haben zwar schon einiges Kritisches zur 2.Säule gehört, dass aber gleich Volksvermögen damit vernichtet werde, stellt jedoch einen Höhepunkt dar. Allerdings liegen hier gleich mehrfache Denkfehler vor.

Aufgrund makroökonomischer Daten kommt Vontobel zum Schluss dass das gesamte Auslandsengagement der Schweiz seit 2000 eine negative Rendite von 1,5 Prozent abgeworfen habe. Die Zahl überträgt er unverändert auf die 2.Säule. Ohne weitere Begründung. Das ist nicht haltbar und unglaubwürdig.

Wir verzichten auf eine Darstellung der weiteren Daten, zumal wir offen gestanden seinen Ausführungen nicht immer zu folgen vermögen. Aufschlussreich wird es dann bei den Schlussfolgerungen. Vontobel schreibt mit Bezug auf den Pictet-Pensionskassenindex, der gemäss seiner Darstellung seit 2000 eine durchschnittliche jährliche Rendite von 3,3 Prozent aufweist:

Natürlich kann man im Nachhinein nicht exakt nachverfolgen, wo die Pensionskassen ihr Geld angelegt haben, und womit sich ihre Rendite erklärt. Doch von den Grössenordnungen her ist die These plausibel, wonach die Inflation der Asset-Preise im Inland den Pensionskassen erlaubt hat, eine Negativrendite von 1,5% in einen Zuwachs von 3,3% zu verwandeln.

Die -1,5 haben ihren Ursprung in der angeblich negativen Performance des gesamten Auslandsengagements der Schweiz, das sich für die Fremdwährungsanlagen der Pensionskassen nicht bestätigen lässt. Welchen konkreten Zusammenhang damit die 3,3 Prozent von Pictet haben sollen, ist unklar. Die beiden Grössen sind nicht vergleichbar. Die These damit alles andere als “plausibel”. Die Begründung der positiven Rendite allein als “inflationäre Aufblähung” jedenfalls alles andere überzeugend, nachdem die Schweiz in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein erhebliches wirtschaftliches Wachstum verzeichnet hat. So muss, nur als Beispiel, der gesamte Wohnungsbau der Pensionskassen übergangen werden.

Der Rest der Ausführungen Vontobels ist sozialistische Kritik an der kapitalgedeckten 2.Säule. Er wirft dem System vor, es habe “auch die Umverteilung von der Arbeit zum Kapital und von den Mietern zu den Immobilienbesitzern vorangetrieben”. Für diesen Schluss muss man ausblenden, dass es allein die Arbeitnehmer sind, welche Anspruch auf das Vorsorgevermögen haben. Und folglich ausgerechnet die Pensionskassen den Arbeitnehmern einen wachsenden Anteil am Kapitaleinkommen sichern. Soviel zur Umverteilung.

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