“Die CVP am Rockzipfel der SP”
René Zeller kommentiert in der Weltwoche die Sozialpolitik der CVP:
Mit ihrem Support für die Rentenreform bewegt sich die CVP auf dünnem Eis. Sie hat sich vor den Karren von Gewerkschaften und SP spannen lassen. Die Linke hat kein Problem, den Sozialstaat mit ungedeckten Checks zu belasten. Diese unverantwortliche Politik wird mit infamer Desinformation vernebelt. Gewerkschaftspräsident Paul Rechsteiner hat sich unlängst zur Aussage verstiegen: «Die AHV ist in Gefahr, FDP, Economiesuisse & Co. wollen sie aushungern.» Das ist eine dummdreiste Behauptung, lupenreiner Linkspopulismus. Bürgerliche Sozialpolitik trachtet danach, die finanzielle Zukunft der AHV zu sichern. Das ist verantwortungsbewusst.
Interessanterweise stützt die CVP die verantwortungslose Sozialpolitik der Linken. Mit ihrem fulminanten Engagement pro Rentenreform am Rockzipfel von SP und Gewerkschaften macht die Mittepartei deutlich, dass sie nach links rückt. Gerhard Pfister, der vor seiner Wahl ins Parteipräsidium unbestrittener CVP-Rechtsausleger war, lässt es geschehen. Sein Ruf eines liberalen Überzeugungstäters verblasst. Er mutiert zum parteitaktischen Opportunisten.
Streitpunkt: Ausgleich bei Frühpensionierung
Christof Forster geht in der NZZ auf die Frage des in der Altersvorsorge 2020 vorgesehenen Leistungsausgleichs durch Zuschüsse des Sifo im Falle von Frühpensionierung aus. Forster schreibt:
Ein heisses Eisen hat das Parlament bei der Debatte über die Rentenreform nicht explizit behandelt. Es geht um Folgendes: Wer ein Jahr nach Inkrafttreten der Reform 45- bis 64-jährig ist, erhält zur Abfederung der Rentenverluste einen Zuschuss aus dem Sicherheitsfonds. Jetzt stellt sich die Frage: Erhalten auch Frühpensionierte diese Kompensation? Der Bundesrat will den offenen Punkt in der Vernehmlassung zu den Rentenreform-Verordnungen klären und dann entscheiden.
Für die Linke und die Gewerkschaften ist die Sache klar. Ziel der Debatte sei es gewesen, Rentenverluste zu verhindern, sagt SP-Ständerat und Gewerkschaftsbundpräsident Paul Rechsteiner. Darüber seien sich alle einig gewesen. Dies müsse auch für jene gelten, die sich vorzeitig pensionieren liessen. Die Zuschüsse seien in der Debatte nie explizit für die Frühpensionierten ausgeschlossen worden, sagt auch SP-Nationalrätin Silvia Schenker.
Für die Gegner der Rentenreform ist der Fall auch eindeutig. SVP-Nationalrat Sebastian Frehner verweist auf die Botschaft des Bundesrats zum Geschäft. Dort sei klar festgehalten, dass bei einer Frühpensionierung kein Anspruch auf einen Rentenausgleich bestehe.
Gleich argumentieren in dieser Frage CVP-Vertreter. Im Parlament hatten die Christlichdemokraten noch gemeinsam mit der Linken für ihre Variante der Rentenreform gekämpft, die schliesslich obsiegte. Mit der Reform wolle der Bundesrat Anreize schaffen, damit die Leute länger arbeiteten, sagt CVP-Nationalrätin Ruth Humbel. In diese Richtung argumentierte auch Sozialminister Alain Berset am Dienstag beim Abstimmungsauftakt des Bundesrats. Er sagte vor den Medien zu einer Frage über eine Erhöhung des Rentenalters, Ziel sei ein höheres reales Rentenalter. Dazu werde mit der Altersvorsorge 2020 der Rentenbezug flexibilisiert.
Frauen beziehen fast 24 Jahre lang Rente
Die neuste Statistik des Bundes zur Bevölkerungsentwicklung 2016 liefert dazu frische Zahlen. Sie zeigt, dass die Lebenserwartung weiter gestiegen ist. Sie liegt nunmehr bei 85 Jahren für Frauen und 81 Jahren für Männer. Das sind neue Rekordwerte. Damit ist klar, dass der leichte Rückgang der Lebenserwartung 2015, der primär auf die Grippewelle und den Hitzesommer dieses Jahres zurückzuführen war, keine Trendwende eingeläutet hat, schreibt Fabian Schäfer in der Berner Zeitung. (…)
Die Frauen werden immer noch älter als die Männer, was zumindest nicht gegen die Angleichung ihres Rentenalters spricht. Allerdings hat sich dieser Vorsprung in den letzten Jahren deutlich verkleinert. 65-jährige Frauen leben heute im Durchschnitt noch 22,6 Jahre. Rechnet man ihr (zurzeit noch) tieferes Rentenalter ein, beziehen sie somit 23,6 Jahre lang – ein Viertel ihres ganzen Lebens – Rente. Das sind satte 10 Jahre mehr als bei der Einführung der AHV 1948.
Bloomberg: America’s Pension Bomb:
We’ve been hearing it for years: America’s public pensions are a ticking time bomb. Well, at long last, the state of Illinois is about to expose just how big this blowup could be. As of the 2015 fiscal year, Illinois had promised its employees $199 billion in retirement benefits. Right now, it’s $119.1 billion short. That gap lies at the center of a years-in-the-making fiscal mess that’s threatening to drop the state’s credit rating to junk-bond status. But Illinois is hardly alone. Connecticut and New Jersey—states that, to most of the world, seem like oases of prosperity—are under growing financial strain, too.
We’ve ranked the states by the size of their funding gap. The lower the funding ratio, the more money the state has to come up with to meet its pension obligations.
Finews: “Ethik als Performancekiller?”
Nachhaltige und ethische Anlagen sind schwer im Trend. Selbst was die Performance anbelangt, behaupten zumindest die Verfechter solcher Investments. Falsch!, sagt der norwegische Staatsfonds.
Finews hält zum Thema fest: Ethische Anlagen erfreuen sich offenbar einer grossen Beliebtheit. Solche Anlagen sprächen nicht nur die jüngere Generation an, sagte Nicole Reinhard, Private-Banking-Chefin bei der Schwyzer Kantonalbank (SZKB) unlängst im Interview mit finews.ch. «Wir beobachten in allen Altersgruppen Kunden, speziell auch institutionelle Kunden, denen Ethik beim Geldanlegen wichtig ist.»
Mittlerweile ist es auch so, dass verschiedene Studien zum Schluss kommen, ethisches Investieren koste langfristig keine Performance. Mit anderen Worten: Wenn Anleger «mit gutem Gewissen» investieren, müssen sie – im Vergleich zu anderen Investitionen – keine Rendite-Einbussen in Kauf nehmen.
Frauendachverbände für AV2020
“Die Frauen zahlen einen hohen Preis für die Reform der Altersvorsorge. Trotz der Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre überwiegen für die grossen Frauendachverbände die Vorteile” schreibt FM1.
Alliance F, der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband, der Schweizerische Katholische Frauenbund und die Evangelischen Frauen Schweiz werben für ein Ja in der Abstimmung vom 24. September.
Es gebe Elemente, die die Organisationen nicht begrüssten, sagte die Grüne Nationalrätin Maya Graf (BL) als Co-Präsidentin von alliance F. Neben dem höheren Frauenrentenalter erwähnte sie die Tatsache, dass der Koordinationsabzug nicht abgeschafft wird. Trotzdem setzten sich die Frauendachverbände aktiv für die Reform ein, da diese für Frauen nachweislich Vorteile mit sich bringe.
Rolf Dörig neuer Präsident des SVV
Urs Berger hat an der GV des Versicherungsverbands nach sechs Jahren an der Verbandsspitze sein Amt als Präsident des SVV abgegeben. Zum neuen Präsidenten haben die Delegierten Rolf Dörig gewählt. Er ist seit 2009 Präsident des Verwaltungsrates der Swiss Life Holding. Zuvor war er Delegierter des Verwaltungsrates und Präsident der Konzernleitung von Swiss Life.
Als Nachfolger von Ivo Furrer, ehemaliger CEO der Swiss Life Schweiz, haben die Delegierten Markus Leibundgut, CEO Swiss Life Schweiz, in den Vorstand gewählt.
Lucius Dürr ist nach 15 Jahren als Direktor des SVV auf Ende letzten Jahres zurückgetreten. Thomas Helbling hat seither die Nachfolge als Direktor übernommen.
CERN seeks external expert for investment committee
The CHF4bn (€3.7bn) CERN Pension Fund is advertising for a new investment committee member.
The defined benefit scheme’s investment process is overseen by its internal team with the assistance of the committee, which includes internal staff and external experts.
It is currently chaired by Alessandro Raimondo, with the pension fund’s CEO Matthew Eyton-Jones and CERN’s director for finance and human resources Martin Steinacher as members.
The external experts are Jayne Atkinson, CIO of Unilever’s UK pension fund, and Pierre Sauvagnat, senior vice president at Banque Cantonale de Genève.
Unsere Enkel sind in Gefahr …
… aber weder wegen des Klimawandels noch der Zerstörung der Umwelt und schon gar nicht der Erschöpfung von Ressourcen, sondern durch die massive intergenerative Umverteilung im Gesundheitswesen und vor allem in der Alterssicherung, schreibt Prof. Silvio Borner in der BaZ, und fährt fort: In meiner Generation höre ich immer und immer wieder das Gleiche, wenn es um das Thema «Weltuntergang» geht: «Aber etwas müssen wir doch einfach machen, um unsere Enkel vor Atommüll, Hitzetod und Naturkatastrophen zu schützen».
Was wir moralisch überhöht, aber materiell unwirksam, wenn nicht gar kontraproduktiv, dann aber effektiv tun, sind entweder leere Versprechen unterschreiben wie die von Paris und der UNO-Agenda 2030 mit unverbindlichen und erst noch in sich widersprüchlichen Zielen. Oder wir riskieren wie mit der jüngst angenommenen Energiestrategie 2050 die technisch-wirtschaftliche Versorgungssicherheit beim Strom und nehmen dafür riesige volkswirtschaftliche Kosten als Wohlstandsverluste und ökologisch-zivilisatorische Verschlechterungen in Kauf. (…)
IPE: PKBS fund reveals details of alternatives strategy
The pension fund for the city of Basel (PKBS) has hired Goldman Sachs and the Institute for Financial Research (IFR) to run its first exposure to commodities. As per year-end 2016, the CHF12bn (€9.8bn) fund had made its first foray into alternative asset classes starting with a 3.5% commodities allocation, according to the Pensionskassen’s annual report..
The mandates are based on the Bloomberg Commodity index hedged to Swiss francs, but “deviations exceeding a pure passive index reconstruction are allowed”, the PKBS noted in its annual report.
Additionally, the pension fund board agreed for “a significant part” of the commodities exposure to be direct investments into physical gold, for which the Basel cantonal bank would serve as a custodian. The commodity exposure can be built up to 5% of the overall portfolio and formed part of a new alternatives segment in the PKBS’ portfolio decided on last year.
In total, the alternatives segment can grow to 11% of the portfolio, but at the end of last year only one more investment had been made in this segment.
In Q4, the fund made its first foray into senior secured loans via the collective investment foundation “Zürich Anlagestiftung”. Further investments up to a quota of 2% of the portfolio are planned. Another exposure that is currently being built is private equity, with PKBS aiming for a quota of 5% over the next few years. For the private equity strategy, PKBS has hired Basel-based BioMed Partners, a venture capital company focusing on the healthcare sector.
Overall the alternatives quota has not yet reached its benchmark performance given that the exposure is still limited. “Building investments in this segment takes more time,” the PKBS explained in its annual report. Nevertheless the alternatives exposure was one of the main contributors to the pension fund’s annual performance of 4% for 2016.
Alternatives contributed 6.9%, while foreign equities – which currently take up 18.3% of the portfolio – performed better at 10.5%. The only two asset classes with slight negative contributions were liquidity and Swiss equities.
NZZ: “Was Berset nicht zu sagen wagt”
Hansueli Schöchli kommentiert den Medien-Auftritt von Bundesrat Berset mit dem Fazit:
Die Last des Reformpakets tragen vor allem die Jungen und Ungeborenen. Die 50- bis 65-Jährigen profitieren dagegen grossenteils von der Vorlage. Was die Gegner verschweigen: Auch für die jetzigen Rentner ist die Reform neutral bis positiv. Leichte Mehrbelastungen via Erhöhung der Mehrwertsteuer wird es für sie früher oder später ohnehin geben, und jede Reform ohne grosse Mehrbelastung ist für die stark subventionierten Rentnergenerationen ein gutes Geschäft – nach dem Motto «es hätte viel schlimmer kommen können».
Gut die Hälfte der Urnengänger vom September dürfte über 50 Jahre alt sein. Deren finanzielle Interessen deuten auf ein Ja. Letztlich müssen aber viele Bürger im September und bei kommenden Reformen mit der Kernfrage ins Reine kommen: Will ich meine Privilegien bewahren bis ausbauen, oder denke ich an die nächsten Generationen?
Plan B
Sozialminister Alain Berset hat am Dienstag dargelegt, mit welchen Argumenten er die Abstimmung über die Rentenreform gewinnen will. In allen Lagern sei der Reformbedarf angesichts der schwierigen Lage auf den Finanzmärkten, der Demografie, der gesellschaftlichen Entwicklung und der gescheiterten Anläufe in den letzten 20 Jahren unbestritten. Die Vorlage bezeichnete er als «echten Kompromiss». Auch der Bundesrat habe Zugeständnisse machen müssen. So sei etwa die vorgeschlagene teilweise Entflechtung der AHV-Finanzen vom Bundeshaushalt im Parlament durchgefallen.
Berset sieht in der Abstimmung eine Herausforderung für die Gesellschaft und einen Test für die Demokratie, Kompromisse zu ermöglichen. Der Bundesrat habe seine Verantwortung wahrgenommen. Nun sei die Stimmbevölkerung an der Reihe. Es gebe kein Land, in dem das Volk über solche Fragen entscheide. Bei einem Nein müsse die nächste Vorlage bereits grössere Defizite beseitigen, weil sich die finanzielle Situation der Sozialversicherungen weiter verschlechtern dürfte. Ohne Reform gebe es in der AHV bis 2025 bereits kumulierte Defizite von 40 Milliarden Franken. «Die nächste Reform ist deshalb klar teurer», sagte Berset. Er geht davon aus, dass eine neue Vorlage mehr Zeit erfordert als zwei bis drei Jahre. Die Arbeiten für das vorliegende Paket seien vor sieben Jahren gestartet worden. Eine Rentenreform erfordere Zeit – und dies sei auch gut so.
Berset wirbt für AV2020
Bundesrat Berset hat vor den Medien die Vorlage zur Altersvorsorge 2020 vertreten und ihre Notwendigkeit als “unbestreitbar” bezeichnet. Die Umverteilung in der 2. Säule aufgrund des zu hohen Umwandlungssatzes beziffert er auf aktuell etwa 1,3 Mrd. Franken, was deutlich unter den Schätzungen von CS oder Swisscanto liegt.
AZ: “Was ändert sich mit der Altersreform? Wir beantworten die 10 wichtigsten Fragen”
Anna Wanner – mit Unterstützung diverser VZ-Experten – geht in der AZ auf 10 Fragen in Zusammenhang mit der AV2020 ein.
Arbeitgeber: “Bundesrätliche Zahlenakrobatik”
Martin Kaiser (Arbeitgeberverband) kommentiert die von Christof Forster in der NZZ aufgezeigten Lücken in der Kostenberechnung des BSV für die AV2020 bezüglich 2. Säule. Kaiser schreibt:
Wie die NZZ heute enthüllt, führte der Bundesrat das Parlament an der Nase herum, was die Kosten der so genannten «Reform Altersvorsorge 2020» anbelangt. Aus den ursprünglich rund 6 Milliarden Franken allein für die Kompensation der Übergangsgeneration für die Übergangsperiode von 20 Jahren drohen nun bereits 12 Milliarden zu werden. Das riecht nach einem veritablen Politskandal. (…)
Sträflicherweise ging vergessen, im Rahmen der Bundesratsvorlage zur Revision der Ergänzungsleistungen zu erwähnen, dass diese durch das Verbot des Kapitalbezugs der obligatorischen Leistungen der beruflichen Vorsorge zu einer massiven Verteuerung der Kompensation der Übergangsgeneration führt – um 200 Millionen Franken pro Jahr, wie nun das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) auf Anfrage der NZZ bekannt geben muss.
Doch dem nicht genug: Die Linke und die Gewerkschaften kämpften so verbissen für ihre eigenen Partikularinteressen, dass sie ihre eigentliche Klientel vollkommen vernachlässigten, nota bene die schwächsten künftigen Rentner – die ausschliesslich obligatorisch Versicherten im BVG. Das erklärt die panische Reaktion der Linken, als sie zu spät bemerkte, dass von der Zusatzkompensation ab Alter 45 nur profitiert, wer auch bis zum Rentenalter 65 arbeitet. Doch ihre vehementen Interventionen beim BSV fruchteten vorerst nicht: Wie die zuständige Vizedirektorin Colette Nova gegenüber der NZZ kürzlich erneut erklärte, wurde dies im Gesetz so vom Parlament verabschiedet.
Kaum überraschend fand jedoch der Bundesrat ein Schlupfloch: So biete der Gesetzestext einen gewissen Interpretationsspielraum, liess er im Rahmen der vor 10 Tagen in die Vernehmlassung verabschiedeten Ausführungsverordnungen verlauten. Entsprechend unterbreitete er gleich zwei Varianten. Die eine davon soll gesetzesergänzend das im Nachhinein festgestellte gewerkschaftliche Problem lösen: Auch wer zur Übergangsgeneration gehört und sich den vorzeitigen Ruhestand leistet, soll zusätzlich entschädigt werden. Kostenpunkt: weitere 100 Millionen Franken pro Jahr und ein Total von 2 Milliarden Franken für die Übergangsperiode von 20 Jahren. So steht es in den Erläuterungen zu den Verordnungsentwürfen geschrieben.




