SRF: Pierre Triponez in der Samstagsrundschau
Pierre Triponez (72), Präsident der OAK, äussert sich im Interview mit der Samstagsrundschau zur aktuellen Finanzierungssituation der Vorsorgeeinrichtungen angesichts unbefriedigender Ertragsaussichten.
«Grosse Säule 3a» oder Vorsorgeeinrichtung
Bei der Altersvorsorge haben Selbständige viele Freiheiten. Wer sollte sich für eine «grosse Säule 3a», wer für einen Anschluss an eine Pensionskasse entscheiden?
Prof. Bernholz: “Die Nationalbank könnte es besser machen”
Prof. Peter Bernholz, emeritierter Geld- und Währungstheoretiker an der Uni Basel unterzieht die Politik der Nationalbank in einem Gastkommentar der NZZ einer kritischen Prüfung. Zwei Punkte stehen im Zentrum: Die spontane Aufgabe des garantierten Mindestkurses des Euro und die Verwaltung der massiv gewachsenen Währungsreserven, in der Diktion von Bernholz “Volksvermögen”. Zur Kursfreigabe des Euro hält er fest:
Fragwürdig war meines Erachtens die völlige, abrupte Aufgabe der Bindung, die wegen des üblichen dramatischen Überschiessens von Wechselkursen eine bedenkliche Belastung für die reale Wirtschaft bedeutete und noch bedeutet.
Tatsächlich wäre eine sanftere Lösung des Problems ohne Glaubwürdigkeitsverlust für die SNB möglich gewesen. So hatte etwa Prof. Baltensperger fünf Tage vor dem Beschluss des Direktoriums in der «NZZ am Sonntag» vorgeschlagen, zu einem festen unteren Wechselkurs gegenüber einem Währungskorb überzugehen, der im Verhältnis 50:50 Dollars und Euro enthalten sollte. Dies wäre eine elegantere, für die reale Wirtschaft schonendere und die Glaubwürdigkeit der SNB bewahrende Lösung gewesen.
Zur Anlagepolitik meint er u.a.:
Wichtiger ist jedoch, dass die Sorgen des Direktoriums bezüglich der wachsenden Devisenreserven bei Einführung des von Prof. Baltensperger im Januar 2015 vorgeschlagenen Währungskorbs und einer entsprechenden Anlagepolitik unberechtigt gewesen wären. Dies lässt sich selbst nach den dramatischeren Aufwertungsverlusten sagen, die die SNB durch die Aufgabe der Untergrenze für den Euro herbeigeführt hat. Sie hätte dafür bloss den Vorschlägen für eine geänderte Anlagepolitik zugunsten von ausländischen Aktien folgen müssen. Denn mithilfe des Ende März vorgelegten Jahresberichts der SNB lässt sich meiner Meinung nach zeigen, dass der nun ausgewiesene Verlust der SNB in Höhe von fast 23,3 Mrd. Fr. fast ganz beseitigt worden wäre, hätte die SNB wie von mir vorgeschlagen den Anteil von ausländischen Aktien an den Devisenreserven auf 80 Prozent erhöht.
| Prof. Peter Bernholz wird an der Mitgliederversammlung des Vorsorgeforums am 18. Mai in Bern das Gastreferat halten. Für interessierte Leserinnen und Leser unseres Newsletters stehen noch einige Plätze zur Verfügung. Das Referat im Hotel Bellevue Bern dauert von 11 bis ca. 12 Uhr. Anmeldung per Mail. |
Studie zur Zusammenarbeit der IV mit den Arbeitgebern
Forschungsbericht 1/16 des BSV befasst sich mit der Zusammenarbeit der IV-Stellen mit den Arbeitgebern. Im Fazit wird festgehalten:
Die Ergebnisse zeigen, dass die Zusammenarbeit der IV-Stellen mit den Arbeitgebenden mehrheitlich zu deren Zufriedenheit ausgestaltet werden kann. Den IV-Stellen gelingt es offenbar gut, auf die Bedarfe von Arbeitgebenden einzugehen. Bislang ist die Zusammenarbeit auf den Bereich der fallabhängigen Zusammenarbeit fokussiert. Die fallunabhängige Zusammenarbeit ist dagegen meist noch eng auf die Bedarfe der fallabhängigen Zusammenarbeit hin ausgerichtet, als eigenständiges Handlungsfeld mit für Arbeitgebende attraktiven Angeboten im Gesundheitsbereich ist sie bislang erst in Ansätzen sichtbar.
Vor diesem Hintergrund liefert die in der vorliegenden Studie entwickelte Kontakt- und Kooperationsformentypologie den IV-Stellen eine Grundlage, um ihre bisherige Praxis der Zusammenarbeit mit Arbeitgebenden zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Ausgehend von den Resultaten der Studie können folgende Empfehlungen gegeben werden:
Swisscanto-Monitor im Q1 2016
Die vermögensgewichteten Deckungsgrade der Vorsorgeeinrichtungen sanken leicht gegenüber dem Vorquartal. Bei den privatrechtlichen Kassen sank der errechnete Deckungsgrad im ersten Quartal um 1,6 Prozentpunkte auf 109,2%. Der vermögensgewichtete Deckungsgrad der öffentlich-rechtlichen Vorsorgeeinrichtungen mit Vollkapitalisierung ist im ersten Quartal jedoch leicht unter 100% gesunken. Bei den Kassen mit Teilkapitalisierung entwickelte sich die vermögensgewichtete Deckung von Januar bis März 2016 von 81,8% auf 80,6%.
Neue Szenarien zur Bevölkerungs-Entwicklung, Steigende Rentnerzahlen
In den nächsten 30 Jahren wird die Bevölkerung im Rentenalter in allen Kantonen stark wachsen. Sie dürfte in nahezu allen Kantonen über 50 Prozent zunehmen. In den Kantonen Schwyz, Freiburg, Thurgau, Obwalden und Aargau ist sogar mit einer Verdoppelung der Anzahl Personen ab 65 Jahren zu rechnen.
Hauptursache für das noch nie dagewesene Wachstum dieser Bevölkerungsgruppe in den genannten Kantonen ist die grosse Anzahl Personen mit ständigem Aufenthalt in der Schweiz, die in den nächsten Jahrzehnten das Rentenalter erreichen. Eine weitere Ursache ist die Zuwanderung aus anderen Kantonen oder aus dem Ausland von Personen, die sich mit ihrer Familie endgültig in diesen Kantonen niederlassen und dort alt werden.
Ausnahme bildet dabei der Kanton Basel-Stadt, in dem die Bevölkerung ab 65 Jahren nur um 35 Prozent wachsen wird. Dies ist zum einen auf den bereits heute sehr hohen Anteil älterer Menschen im Kanton zurückzuführen. Zum anderen spielen die regelmässigen und zahlreichen Abwanderungen in andere Kantone von Personen, die das Rentenalter noch nicht erreicht haben, eine grosse Rolle.
Negative rates a curse for savers as pension funds sound alarm in Sweden
The custodians of about US$180 billion in Swedish pensions are warning that savers in Scandinavia’s biggest economy may not yet have grasped how profound the effect of negative rates will be on their retirement buffers.
Eva Halvarsson, the chief executive officer of the US$37 billion AP2 fund, one of six that make up Sweden’s AP system, says the government may need to take some pro-active steps to prepare Swedes for the bad news. The guidance could be part of an evaluation slated to be delivered this month, she said.
«They have never commented on this issue in particular before, the interest rate situation, but I think they will do that now,» Ms Halvarsson said in an interview. The government needs to «prepare the market for the fact that we can probably not have as high expectations for the AP funds or other investors.»
AZ: “Staatsgarantie freut die Rentner”
In ihrem Bericht zur OAK-Untersuchung über die Finanzierungssituation der Vorsorgeeinrichtungen halten die AZ-Blätter fest:
Anhand der Angaben erstellen die Spezialisten der Kommission eine Art individuelles Risikoprofil, indem sie unter anderem analysieren, ob eine Kasse überhöhte Leistungen verspricht. Dabei fällt auf, dass Vorsorgewerke mit Staatsgarantie schlechter abschneiden: Zwei Drittel gehen «eher hohe» oder «hohe» Risiken ein. Bei Kassen, die ohne staatliches Sicherheitsnetz unterwegs sind, ist dieser Anteil halb so hoch. Vor allem gibt es hier mit 0,2 Prozent fast keine Kasse mit «hohem» Risiko.
Der Bericht zeigt auch, wie sich die unterschiedliche Risikobereitschaft konkret äussert: Pensionskassen mit Staatsgarantie wenden im Durchschnitt einen Umwandlungssatz von 6,12 Prozent an, während Neurentner in den anderen Kassen mit 5,83 Prozent zufrieden sein müssen.
Das ergibt bei einem Alterskapital von 500’000 Franken eine Rentendifferenz von rund 1500 Franken im Jahr. Der Bericht hält fest, Pensionskassen mit Staatsgarantie gingen «in diesem Bereich viel grössere Risiken ein».
In 80 Prozent der Fälle orten die Autoren sogar «hohe» Risiken. Das liegt auch daran, dass viele öffentliche Kassen das Leistungsprimat anwenden. In diesem System sind künftige Renten fix in Prozent des Lohns definiert, was die Risiken für die Kasse markant erhöht, da sie weniger rasch auf sinkende Renditen reagieren kann.
Abstimmung zu AHV+ am 25. September
Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 11. Mai 2016 beschlossen, die folgenden Vorlagen am 25. September 2016 zur Abstimmung zu bringen:
- Volksinitiative vom 6. September 2012 «Für eine nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaft (Grüne Wirtschaft)» (BBl 2015 9555);
- Volksinitiative vom 17. Dezember 2013 «AHVplus: für eine starke AHV»
(BBl 2015 9551); - Bundesgesetz vom 25. September 2015 über den Nachrichtendienst (Nachrichtendienstgesetz, NDG) (BBl 2015 7211).
Vorsorgeforum Newsletter Nr. 312
Beim Versand des Newsletters Nr. 312 hat sich leider ein bisher nicht befriedigend geklärtes Problem ergeben, nachdem die Links auf die Meldungen resp. die Erweiterung “weiterlesen” über die URL snd51.ch geleitet wurden, welche gemäss siteadviser.ch gesperrt ist. Wir sind deswegen mit dem Provider für den Versand in Kontakt.
Den originalen Newsletter können Sie online erreichen unter
https://www.vorsorgeforum.ch/wp-content/uploads/2016/05/16-312.htm ,mit den unveränderten und problemlosen Links.
Wir bitten für den Vorfall um Entschuldigung.
D: Pensionskassen in Bedrängnis
Die Welt berichtet über die Situation der deutschen Pensionskassen.
Den Pensionsverpflichtungen von 364 Milliarden Euro stand im Dax Ende 2015 ein Pensionsvermögen in Höhe von 235 Milliarden Euro gegenüber. Damit waren im Dax rund 65 Prozent aller Verpflichtungen direkt mit Kapital gedeckt. Reicht das Kapitalpolster nicht mehr aus, müssen Unternehmen ihre Aktionäre um frisches Geld bitten. Das belastet die Unternehmen.
Kommt es dann sogar zur Insolvenz, springt der aus den Beiträgen von Mitgliedsunternehmen unterhaltene Pensionssicherungsverein (PSV) ein und übernimmt die Zahlung der Betriebsrenten. Eines der Unternehmen, für das der PSV bereits einspringen musste, ist der Strumpfhersteller Kunert. Für wankende Pensionskassen, die als Aktiengesellschaft organisiert sind, springt in der Regel Protektor ein. Eine von der Versicherungsbranche ins Leben gerufene und finanzierte Auffanggesellschaft, die bereits die Verträge der 2003 zusammengebrochenen Mannheimer Leben übernommen hat. Möglicherweise kann es aber in bestimmten Fällen auch zu Leistungskürzungen kommen.
Trotz der großen Schwierigkeiten der Pensionskassen will die Politik die Betriebsrente fördern und plant, einen neuen staatlichen Zuschuss für Geringverdiener einzuführen.
Und auch die Unternehmen selbst wollen nicht auf die betriebliche Altersvorsorge verzichten. Die Verantwortlichen sind sich zwar bewusst, dass in den kommenden Jahren möglicherweise noch höhere Kosten auf sie als Arbeitgeber zukommen. Doch sie wissen auch, dass für viele wichtige Angestellte eine betriebliche Altersvorsorge ein wichtiges Auswahlkriterium ist.
Bloomberg: A Tale of Two Americas
The U.S. retirement landscape is starting to look like a Charles Dickens novel.
Since voluntary savings plans led by 401(k)s have largely replaced traditional pensions, it’s probably no surprise that this is the best of times for many highly paid workers. Equally unsurprising is that this is the worst of times for almost everyone else, especially the 42 percent (PDF) of workers who don’t have access to a work-sponsored plan. The stunner is just how much the luckiest among us will outpace the unluckiest on retirement day: eleven times as much.
A new report from the Government Accountability Office describes this tale of two Americas. It calculates the effect that unequal pay and limited access to retirement plans will have on today’s workers decades from now. It also offers a few suggestions for how Americans might boost their retirement income.
About 60 percent of all U.S. households have no savings in an individual retirement account (IRA) or in a 401(k)-style account,1 the report found.
NZZ zum Bericht der OAK
Michael Ferber kommentiert in der NZZ die Resultate der OAK-Erhebung. Er hält fest:
Die Anlageresultate im Jahr 2015 sind für die Schweizer Pensionskassen ein Schuss vor den Bug. Die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) geht davon aus, dass die zweite Säule des Altersvorsorgesystems derzeit eine der schwierigsten Phasen ihrer Geschichte durchlebt. Aufgrund der extrem niedrigen bzw. sogar negativen Zinsen und den gleichzeitig schwächelnden Aktienmärkten haben die Schweizer Vorsorgeeinrichtungen 2015 lediglich eine durchschnittliche Nettorendite von 0,8% auf ihre Vermögen erzielt. In der Folge haben sich auch die Deckungsgrade reduziert, wie Vertreter der Behörde an einem Medienanlass am Dienstag mitteilten. An der Erhebung haben 93% der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen mit einer Bilanzsumme von 864 Mrd. Fr. teilgenommen. Damit dürfte sie hierzulande die umfassendste und repräsentativste Umfrage sein. (…)
Nicht alle Vorsorgeeinrichtungen haben derweil aus Sicht der OAK BV genügend weitgehende Massnahmen getroffen, um auf diese Situation zu reagieren. Das grösste Risiko der Vorsorgeeinrichtungen stellten die zu hohen Zinsversprechen in den Umwandlungssätzen dar. Der Umwandlungssatz ist der Prozentsatz des in der Vorsorgeeinrichtung angesparten Vermögens, der dem Versicherten nach seiner Pensionierung pro Jahr ausbezahlt wird. Zwei Drittel der Pensionskassen haben in diesem Bereich laut der Behörde hohe bis sehr hohe Risiken. Die Zinsversprechen lägen im Durchschnitt bei 3,25% (Vorjahr: 3,43%). Schweizer Bundesobligationen rentierten hingegen Ende 2015 nur mit –0,1%, mittlerweile sind die Renditen noch weiter gefallen.
OAK: Finanzierungssituation 2015, Warnsignal für die Zukunft
Die Oberaufsichtskommission schreibt in ihrem Bericht zur finanziellen Lage der Vorsorgeeinrichtungen 2015:
2015 war finanziell betrachtet ein eher schwieriges Jahr für die Vorsorgeeinrichtungen: Die durchschnittliche Netto-Vermögensrendite betrug 0.8% (gegenüber 6.4% im Vorjahr). Der nach Vorsorgekapital gewichtete durchschnittliche Deckungsgrad mit einheitlichen Grundlagen der Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie betrug Ende 2015 105.1% (Vorjahr: 108.5%). Bei den Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie sank der Deckungsgrad mit einheitlichen Grundlagen von 77.8% auf 76.1%.
Per Ende 2015 wiesen damit 87% (Vorjahr: 89%) der privatrechtlichen und öffentlich-rechtlichen Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie einen Deckungsgrad von mindestens 100% aus. Der entsprechende Anteil bei den öffentlich-rechtlichen Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie betrug lediglich 14% (Vorjahr: 27%). Diejenigen öffentlich-rechtlichen Vorsorgeeinrichtungen mit Staatsgarantie im System der Teilkapitalisierung, die den vom Gesetz verlangten Zieldeckungsgrad von 80% noch nicht erreicht haben, werden ihre Planungsgrössen anpassen müssen.
Die SNB und ihr Aktien-Portefeuille
Eine unkonventionelle Geldpolitik hat unkonventionelle Herausforderungen zur Folge. Das spürt auch die Schweizerische Nationalbank (SNB). Seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 hat sich ihre Bilanzsumme rund versechsfacht. Bereits ist die Bilanz ähnlich gross wie die Wertschöpfung der Schweiz in einem Jahr. Verantwortlich für die Aufblähung sind die Devisenkäufe, mit denen die Erstarkung des Frankens zu parieren versucht wird. Die riesigen Devisenanlagen von derzeit 595 Mrd. Fr. müssen indes angelegt werden. Knapp 120 Mrd. Fr. davon – ein hoher Anteil für eine Zentralbank – fliessen in Aktien. Damit ist die SNB nicht nur ein gewichtiger Mitbesitzer diverser Unternehmen; sie hat bei diesen Firmen aufgrund ihrer Stimmrechte auch ein gewichtiges Wort mitzureden.




