KPMG hat eine Broschüre zu Fragen der Altersvorsorge publiziert. Als PDF herunterzuladen, aber leider auf dem Bildschirm schlecht zu lesen. Eine Printfassung ist ebenfalls erhältlich. Angesprochen werden grundlegende Themen wie Funktionsweise der drei Säulen und der Pensionskassen, die ungenügende Finanzierung, die Dringlichkeit von Reformen, nachhaltige Anlagen und fortschreitende Digitalisierung. Die Autoren beklagen zurecht den schleppende Fortgang der dringlichen Reformen zulasten der jüngeren Generation und fordern mehr Transparenz und Aufklärungsarbeit zu den dramatischen Aussichten der AHV oder der verbreiteten Unterfinanzierung der PK-Renten.
Studie
Klima-Allianz verteilt Noten
Die NZZaS publiziert die Ergebnisse einer Bewertung des Anlageverhaltens von Schweizer Pensionskassen durch die Klima-Allianz. Die NZZ am Sonntag schreibt dazu:
Das Fazit der Untersuchung: 56% des analysierten Vorsorgekapitals werden laut Klima-Allianz von Einrichtungen verwaltet, die Klimarisiken im Anlageprozess nicht berücksichtigen. Ihre Ampel steht auf Rot. Bei 37% des Kapitals leuchtet die Ampel orange: Diese Pensionskassen beginnen, ihre Anlagepolitik in Einklang mit dem Klimaschutz zu bringen, und schliessen zum Beispiel Kohlefirmen aus.
Ein grünes Licht gibt es für 7% der Gelder. Diese Pensionskassen passen ihre Investitionsstrategien den Zielen des Pariser Klimaabkommens an. Dieses will die Klimaerwärmung auf deutlich unter 2 Grad begrenzen.
Mercer Global Pension Index
Der Mercer CFA Institute Global Pension Index wurde in diesem Jahr zum zwölften Mal veröffentlicht. Wie bei anderen internationalen Vergleichen der Vorsorgesysteme verliert auch hier die Schweiz an Boden. Dazu wird ausgeführt:
Die Schweiz ist um einen Rang auf Platz 12 abgerutscht, obwohl sich der Gesamtindexwert von 66.7 auf 67 verbessert hat. Zurückzuführen ist dies auf die Aufnahme zweier weiterer Länder in diesem Jahr, von denen Israel nun vor der Schweiz rangiert. Mit 40.8 Punkten markiert Thailand das Schlusslicht des Index.
In den einzelnen Unterkategorien erhalten die Niederlande die höchste Punktzahl im Bereich Angemessenheit (81.5; verglichen mit 59.5 für die Schweiz), Dänemark im Bereich Nachhaltigkeit (82.6; verglichen mit 64.2 für die Schweiz) sowie Finnland im Bereich Integrität (93.5; verglichen mit 83.1 für die Schweiz). Die niedrigsten Punktzahlen erhielten Mexiko für Angemessenheit (36.5), Italien für Nachhaltigkeit (18.8) und die Philippinen für Integrität (34.8).
«Die Schweiz hat ein gutes Rentensystem, dass auf bewährte öffentliche und berufliche Säulen setzt. Gleichzeitig sind Einzelpersonen angehalten, eine aktive Rolle bei der Gestaltung ihrer späteren Renteneinkommen zu übernehmen», kommentiert Ivan Guidotti, Investment Manager bei XO Investments und Committee Chair bei CFA Society Switzerland. «Aber auch für die relativ wohlhabende Schweiz und ihre stabile Volkswirtschaft zeigt der Index Massnahmen auf, die getroffen werden müssen, um sicherzustellen, dass unser Rentensystem nachhaltig leistungsfähig bleibt. Dazu gehören z. B. die schrittweise Erhöhung des gesetzlichen Rentenalters.»
Leichter Anstieg des Wohnungsleerstands
Die UBS orientiert über Entwicklungen auf dem Schweizer Immobilienmarkt. Dazu wird zusammenfassend geschrieben:
• Die Leerstandsquote für Wohnungen ist 2020 gegenüber dem Vorjahr im Nachkommastellenbereich gestiegen und verharrt damit auf dem letztjährigen Wert von 1,7 Prozent. Auf dem Mietwohnungsmarkt beträgt die Leerstandsquote aktuell rund 2,8 Prozent.
• Den stärksten Anstieg verzeichneten die Kantone Tessin, Wallis und Waadt. Eine rückläufige Leerstandsquote wurde hingegen in der Ostschweiz ausgewiesen.
• Es zeichnet sich eine Verlangsamung der Bautätigkeit ab. Dennoch dürften die Leerstände auch nächstes Jahr weiter leicht zunehmen.
Sinkende Renten
“Der neue Pensionierungs-Barometer des VZ zeigt klar: Künftige Pensionierte bekommen viel weniger Geld als heutige. Viele Schweizerinnen und Schweizer unterschätzen, wie gross ihre Einkommenslücke sein wird. Haben sie den Ernst der Lage noch nicht erkannt?”, fragt das VZ und schreibt zu seiner Erhebung:
Der VZ-Barometer zeigt unmissverständlich, wie stark die Renten tatsächlich gesunken sind. So konnte ein 55-Jähriger mit einem Lohn von 120’000 Franken 2002 eine Rente aus AHV und Pensionskasse von 74’920 Franken erwarten. Heute sind es nur noch 60’040 Franken (Grafik). Die erwartete Rente ist also um 20 Prozent geschrumpft. Das entspricht einer Einbusse von knapp 1200 Franken pro Monat.
Swiss Asset Management Study 2020
Das Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern und die Asset Management Association Switzerland haben die dritte Ausgabe der Swiss Asset Management Study erstellt, die einen umfassenden Überblick über das Asset Management in der Schweiz bietet.
Die Marktgrösse der in der Schweiz von Banken, Fondsleitungen, Effektenhändlern und von der FINMA beaufsichtigten Asset Managern verwalteten Vermögen belief sich Ende 2019 auf CHF 2’519 Milliarden, was einem Wachstum von 16,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Die Netto-Neugeldzuflüsse im Jahr 2019 werden auf fast CHF 100 Milliarden geschätzt. Die in der Schweiz verwalteten Vermögen sind mehr als dreimal so gross wie das Schweizer BIP und machen rund 250 Prozent der in Schweizer Pensionskassen gehaltenen Vermögen aus. Die in der Schweiz ansässigen Asset Manager sind rentabel und kosteneffizient.
Analyse der Geschäftsberichte von PKs 2020
Die durchschnittliche Verzinsung der Sparkapitalien der Aktivversicherten hat sich im vergangenen Jahr deutlich auf 2.53% erhöht, was unter anderem an stark positiven Anlagerenditen im 2019 und verbesserten Deckungsgraden liegt. Dieser Mittelwert liegt nicht nur klar über den Vorjahreswerten, sondern ist auch der höchste Wert der letzten zehn Jahre (10-Jahresdurchschnitt: 1.97%).
Mehr als drei Viertel aller Vorsorgeeinrichtungen gewährten eine Verzinsung, welche über der BVG-Mindestverzinsung von 1% lag.Der technische Zinssatz sank im Jahr 2019 um -0.23%-Punkte, liegt aber mit 1.76% weiterhin deutlich über dem risikolosen Zins. Dabei bleibt die Spannbreite zwischen dem höchsten (3.50%) und dem tiefsten (-0.36%) Wert sehr gross.
Erstmals wendeten mehr Pensionskassen (rund 60%) die Generationentafel anstelle der Periodentafel an, welche die Zunahme der Lebenserwartung genauer berücksichtigt und somit als konservativere Sterbetafel gilt.
zRating-Studie 2020 zur Corporate Governance
Sunrise erreicht mit 89 Punkten erneut die beste Corporate Governance- Bewertung in der diesjährigen zRating-Studie von Inrate. In der Gesamtrangliste folgen Lonza und Swisscom mit je 81 Punkten. Auch dieses Jahr gibt es Verbesserungen, die sich in unserem Rating niederschlagen (z. B. Bossard, Poenina, Basilea, Orell Füssli, Siegfried, oder Vifor Pharma). Auf den Schlussrängen 165 bis 172 stehen u.a. Lindt&Sprüngli (43), Schindler (43), Gavazzi (41), Swatch Group (41). Das neue Aktienrecht wird die Minderheitsrechte zusätzlich stärken. In der Praxis wurde den Aktionären wegen Corona hingegen nicht viel Gehör geschenkt, schreibt Inrate in einer Medienmitteilung.
“Frühpensionierung – Der Weg wird steiniger”
Credit Suisse hat eine umfangreiche Studie zum Thema “Frühpensionierung” publiziert. Sie enthält eine Fülle an statistischem Datenmaterial über Stand und Entwicklung des Pensionierungsverhaltens und die Gründe für unterschiedliche Pensionierungsalter nach Bildung, Branche, Einkommen etc. Die Schlussfolgerung der Autoren: die Frühpensionierung vor dem ordentlichen Rentenalter rückt für die Mehrheit der Erwerbstätigen zunehmend in weite Ferne, weil die Ersatzquote aus erster und zweiter Säule stetig sinkt. Die Bank gibt aber auch Tipps, wie durch gezieltes Sparverhalten die Möglichkeit einer frühen Erwerbsaufgabe erhöht werden kann. In der Studie heisst es:
Ein Generationenvergleich zeigt, dass die Frühpensionierung in Zukunft noch weiter in die Ferne rücken dürfte. Denn die Rentensituation verschlechtert sich ohne Gegenmassnahmen in Zukunft markant. Kaufkraftbereinigt sinken die Renten bei den mittleren Einkommen real von CHF 57’091 bei einer ordentlichen Pensionierung im Jahr 2010 auf rund CHF 48’457 bei einer solchen im Jahr 2025 – ein Minus von 15%. Die Szenarien mit Frühpensionierung zeigen, dass ein frühzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben für künftige Generationen bereits deutlich weniger realistisch erscheint.
Complementa: PKs unglücklich mit BVG-Reformvorschlag
Der Tages-Anzeiger berichtet über die Ergebnisse der diesjährigen Complementa-Umfrage, welche als aktuelles Thema auch die laufende BVG-Reform erfasst.
Ein umstrittener Punkt im bundesrätlichen Gesetzesentwurf ist der Rentenzuschlag. Wer in den ersten 15 Jahren nach Einführung des neuen Gesetzes pensioniert wird, soll demnach monatlich eine zusätzliche Rente zwischen 100 und 200 Franken erhalten, die aus Arbeitnehmerbeiträgen finanziert wird. Mehr als zwei Drittel der befragten Pensionskassen finden, dass dieser Rentenzuschlag das bewährte 3-Säulen-Prinzip der Altersvorsorge infrage stelle, weil die Umlage von Angestellten hin zu Rentnern in die erste Säule der AHV gehöre. Nur 19 Prozent verneinen dies.
Eine klare Mehrheit der Pensionskassen möchte die berufliche Vorsorge entpolitisieren, fasst Thomas Breitenmoser von Complementa die Umfrageresultate zusammen. «Doch Bundesrat und Sozialpartner arbeiten zum Beispiel mit dem Rentenzuschlag auf eine zusätzliche Verpolitisierung hin.» Doch Versicherungsmathematik lasse sich nicht mit Politik beseitigen.
Die versicherungsmathematisch korrekten Lösungen, die viele Pensionskassen unterstützen, sind allerdings politisch unbequem. So halten 75 Prozent der befragten Vorsorgeeinrichtungen eine Erhöhung des Rentenalters für sinnvoll. Und fast 70 Prozent finden, der Umwandlungssatz zur Bestimmung der Rente sollte nicht mehr gesetzlich bestimmt, sondern an Kriterien wie Lebenserwartung oder aktuelle Kapitalverzinsung angepasst werden.
Complementa: Die 2. Säule nach Corona
Complementa hat die detaillierten Ergebnisse des Risiko Check-up 2020 präsentiert. In der Mitteilung wird dazu festgehalten:
Zu Beginn des Jahres sank der Deckungsgrad in einem Rekordtempo. Im März waren die Reserven im Durchschnitt vollumfänglich aufgebracht und dies, obwohl Pensionskassen im Jahr 2019 das Deckungsgradniveau durch die hohe Performance von 10.7% auf 108.1% steigern konnten. In den letzten Monaten hat sich die Situation der Pensionskassen wieder deutlich entspannt.
Per Ende August können Pensionskassen gar auf eine positive Rendite von 0.3% ausweisen. Aktuell liegt der Deckungsgrad im Vergleich zum Jahresbeginn leicht tiefer bei 106.8%. Um den Deckungsgrad konstant zu halten, müssten Pensionskassen bis Jahresende eine Rendite von 2.2% erwirtschaften.
Die Vorsorgekapitalien der Arbeitnehmer wurden im Jahr 2019 mit durchschnittlich 2.4% verzinst. Das war die höchste Verzinsung seit der Finanzkrise 2008.
Ob die Verzinsung im aktuellen Jahr erneut hoch ausfallen wird, hängt massgeblich von der Entwicklung der aktuell sehr volatilen Kapitalmärkte ab. Mit Sicherheit müssen sich Arbeitnehmer auf immer tiefere Umwandlungssätze einstellen. Aktuell liegt dieser im Schnitt bei nur noch 5.57%.
Wie auf diesen Trend langfristig reagiert werden soll, hat Complementa im Rahmen eines Sonderthemas erhoben. Grosse Zustimmung unter Pensionskassenverantwortlichen erhält die Idee, früher mit dem Sparprozess zu beginnen und diesen mittels Reduktion des Koordinationsabzuges zu verstärken.
Die Studie basiert auf einem Datenkorpus von 443 Pensionskassen mit Kapitalien von rund 725 Mia. Franken Für das Sonderthema wurden Verantwortliche von Vorsorgeeinrichtungen (z.B. Geschäftsführer oder Stiftungsratspräsidenten) befragt – es wurden ausgefüllte 163 Fragebogen zum Sonderthema retourniert.
Webcast zur Swisscanto PK-Studie
Aufgrund der aktuellen Corona-Situation hat Swisscanto die Präsentation ihrer Pensionskassen-Studie 2020 als Webcast durchgeführt. Die Aufzeichnung ist jetzt frei zugänglich. Die Ergebnisse präsentieren Heini Dändliker und Iwan Deplazes, an der Round Table-Diskussion (ab Minute 37) nehmen teil: Sarah Bünter, Präsidentin Junge CVP; Christine Egerszegi, aNationalrätin und Präsidentin der BVG-Kommission; Anja Hochberg, Swisscanto-Invest; Jean Pirrotta, Genfer BVG-Aufsicht; Kate Kristovic, Libera.
Ausgleich der UWS-Senkung, ungenutztes Renditepotential
Wie liesse sich die geplante Senkung des Mindestumwandlungs-Satzes von 6,8 auf 6 Prozent kompensieren? Swisscanto hat mit den Daten ihrer PK-Studie eine Reihe von Kennzahlen errechnet und mit dem Sozialpartner-Kompromiss verglichen. Möglich wäre dies mit einer Erhöhung des Rentenalters um 2 Jahre, einer Senkung des Koordinationsabzugs auf 7349 Franken, einer Erhöhung der Sparbeiträge um 13,3 Prozent, einer Verstärkung der Selbstvorsorge um 475 Franken jährlich oder einer Erhöhung der Kapitalerträge um 0,6 Prozentpunkte. Wobei die letztgenannte Möglichkeit bei der Swisscanto am meisten Sympathien geniesst.
Voraussetzung dazu ist allerdings, dass überhaupt ein ungenutztes Renditepotential vorliegt. Swisscanto stellt sich auf den Standpunkt, dass dies in der Tat der Fall ist. Dies nicht zuletzt aufgrund des performancemässig sehr gut verlaufenen 2019.
Die in 4 Gruppen aufgeteilte obige Grafik zeigt ganz rechts den Anteil der Studienteilnehmer, die mittlerweile einen Anteil von Soll-WS-Reserven von 75 % oder mehr aufgebaut haben.
Grau bzw. hellgrau lässt sich ablesen, dass sich aufgrund des ausgezeichneten Anlagejahres der Anteil der PKs mit einer Reserve von über 75 % von 27 auf 63 Prozent nahezu verdoppelt hat und damit den Kassen ein grösseres Sicherheitspolster bietet. Mit nur 29 Prozent im Top Bereich geäuffneten Reserven hinken die öffentlichen Arbeitgeber hier noch etwas hintennach.
DG und Verzinsung nach Branchen
Auf Basis der Angaben der Swisscanto PK-Studie 2020 lässt sich untersuchen, wie sich die Strukturdaten bei den Vorsorgeeinrichtungen in den diversen Branchen unterscheiden. Ausgewertet für die obige Grafik wurden das verarbeitende Gewerbe, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Handel, Gesundheitswesen, Baugewerbe, sonstige DL, öffentliche Verwaltung sowie die Angaben der Sammeleinrichtungen mit den angeschlossenen KMU aus verschiedenen Bereichen.
Auffallend ist der tiefe Deckungsgrad bei der öffentlichen Hand (u.a. der Teilkapitalisierung geschuldet) sowie der Zusammenhang von DG und Verzinsung der Altersguthaben.
Klumpenrisiko Immobilien
Mit einer Detailauswertung wurde mit den Daten der aktuellen Swisscanto PK-Studie untersucht, wie sich ein hoher Immobilienanteil bei der Asset Allocation auswirkt. Dazu wurden die 10 Prozent der Kassen mit dem höchsten Anteil an Liegenschaften mit der Gesamtheit der Umfrageteilnehmer verglichen.
Es zeigt sich, dass diese 10 Prozent insgesamt weniger in Aktien (In- und Ausland) und deutlich weniger in Obligationen investiert sind. Weiter ist erkennbar, dass es sich im Durchschnitt um kleinere Kassen handelt. Ihre Performance über 5 Jahre liegt durchschnittlich um 0,3 Prozentpunkte höher. Swisscanto verweist allerdings auch auf das damit verbundene Klumpenrisiko.
Der Immobilienanteil liegt hier im Schnitt bei gut 43 Prozent, was weit über der Vorgabe der BVV2 mit 30 Prozent liegt und gleichzeitig erkennen lässt, dass zahlreiche Kassen noch deutlich darüber liegen.
















