Aufgrund des herrschenden Anlage-Notstands sind die Pensionskassen auf der Suche nach neuen Ertragsquellen. Im Beitrag der NZZ wird insbesondere auf Private Equity und Smart Beta eingegangen.
Medien
telebasel: Klare Worte zur Situation der AHV
Unter dem Titel “Mieses Spiel um Rentenreform 2020” hat telebasel Veronica Weisser von der UBS und Colette Nova (BSV) zu Lage und Aussichten der AHV befragt. Weisser machte – für jedermann leicht verständlich – klar, wo die Ursachen der Kalamitäten der 1. Säule liegen.
Die Babyboomer bilden eine Generation, deren Eltern viele Kinder hatten, selber aber nur wenige Kinder in die Welt setzten. Das heisst, sie hatten nur eine geringe Last an umlagefinanzierte Renten zu tragen. Selber hatten sie aber nur wenige Kinder, was sie wiederum finanziell entlastete. Nun im Rentenalter bilden sie eine grosse Rentnergeneration, deren Last von einer relativ kleinen Generation von Aktiven – ihren Kindern – zu tragen ist.
Das Ungleichgewicht liesse sich durch Rentenkürzungen oder höheres Rentenalter ausgleichen. Aber davon wollen die Babyboomer nichts wissen. Weisser bezeichnet das Verhalten zurückhaltend als “problematisch”. Die AV2020 folgt primär den Wünschen der Babyboomer. Mit anderen Worten: Die Last der Reform soll überwiegend durch die Jungen getragen werden.
Der Report von telebasel wird ergänzt durch die Darstellung der zahlenmässigen Entwicklung der AHV sowie der absehbaren Zukunft. Ein zweiter Teil der Sendung wird am 21. September ausgestrahlt.
Eco: “PKs schieben Risiken auf Versicherte ab”
In einem Bericht zur Eco-Sendung vom 12.9.16 schreibt SRF: Die Pensionskasse der Credit Suisse zwingt Angestellte bei der Pensionierung neu zum Bezug von Alterskapital. Damit schiebt sie ihre Anlage-Risiken auf die Pensionäre ab. Diese Weitergabe von Risiken auf die Versicherten hat System, weit über die Credit Suisse hinaus.
Konkret wird die Pensionskasse der Credit Suisse ab 2018 individuelle Anlagestrategien für ihre PK-Versicherten einführen. Und sie senkt die Lohnschwelle des zwangsweisen Kapitalbezugs der zweiten Säule für ihre Mitarbeitenden von 126‘900 Franken auf noch 98‘700 Franken ab. Das heisst, für viele Angestellte mit mittleren Löhnen entfällt oberhalb dieser Grenze die Möglichkeit für eine garantierte, lebenslange Rente.
Die individuellen Anlagestrategien, aus der die Angestellten der Credit Suisse wählen können, sind sogenannte «1e-Vorsorgepläne». Diese Anlageprodukte sind seit 2006 zugelassen. Doch erst jetzt – in Zeiten von Negativzinsen – werden sie für die Pensionskassen wirklich interessant. Nicht nur tragen bei diesen Vorsorgeplänen die Versicherten das Anlagerisiko, sie werden bei der Pensionierung auch zum Bezug des Kapitals gezwungen.
Für Stefan Thurnheer vom VZ Vermögenszentrum ist diese Entwicklung zweiseitig: «Zum einen ist es ein Wunsch der Versicherten, selber zu entscheiden, wie sie das Geld in der Pensionskasse anlegen. Auf der anderen Seite versuchen Pensionskassen, Risiken zu vermindern in diesen schwierigen Anlage-Zeiten. Da ist ein Kapitalzwang, die Auszahlung also, ein Mittel, um das Risiko zumindest teilweise in der Pensionskasse zu vermindern.»
Colette Nova vom Bundesamt für Sozialversicherung sagt: «Für viele Leute ist das eine Überforderung oder zumindest eine sehr grosse Herausforderung. Während man in der Vorsorge-Einrichtung ist, übernimmt das die Vorsorge. Für nachher muss man selber schauen.»
Neuer Blick-Winkel
Der Blick, der einst den Begriff Rentenklau in die Welt setzte (2002 aus Anlass der Mindestzins-Senkung), hat ihn nun definitiv ebenfalls auf die Generationen-Umverteilung umgepolt. So heisst es jetzt auch im Blick über einem aktuellen Beitrag “Rentenklau an den Jungen”. In seinem bemerkenswerten Artikel (mit NZZ-Zitat) zum aktuellen Finma-Bericht schreibt Guido Schätti;
Die 2,2 Milliarden, welche die BVG-Versicherungen von jung zu alt umschaufeln, sind nur die Spitze des Eisberges. Denn die Lebensversicherungen decken nur 20 Prozent des Marktes ab. Die Situation der Pensionskassen ist aber kaum besser. Tatsächlich dürften also rund 10 Milliarden Franken umverteilt werden.
Schuld an diesem Schlamassel sind wir alle. Am 7. März 2010 lehnte eine Mehrheit von 73 Prozent die Anpassung des Renten-Umwandlungssatzes an die gestiegene Lebenserwartung ab. Die Gewerkschaften und der K-Tipp hatten das Referendum ergriffen und unter dem Schlagwort «Rentenklau» eine populistische Kampagne geführt.
Das Geld versickere bei den Versicherungen, behaupteten sie. Heute ist klar: Das Nein öffnete Tür und Tor für einen viel grösseren Rentenklau. Die Leidtragenden sind die Arbeitnehmer. Mit ihren Ersparnissen in der 2. Säule werden heute die Renten der Pensionierten bezahlt.
Seit der Abfuhr vor sechs Jahren hat die Politik das heisse Eisen nicht mehr angepackt. Der nächste Anlauf ist die Altersreform 2020. Doch bis diese in trockenen Tüchern ist, kann es noch Jahre dauern. Die «Neue Zürcher Zeitung» fordert deshalb eine Tempoverschärfung.
Der Finma-Bericht biete sich «als Pflichtlektüre für Parlamentarier an, denn deren Fehlleistungen sind kolossal». Der Fehler solle mit einem Parlamentsbeschluss aus der Welt geschafft werden, regt die Zeitung an.
Blick / Artikel NZZ / Finma-Mitteilung /
Finma-Transparenzbericht
NZZ: “Enorme Umverteilungen im Vorsorge-System”
Werner Enz beschäftigt sich in der NZZ auf Basis des finma-Transparenzberichts mit der Situation der Lebensversicherer in der 2. Säule. Enz hält fest:
Im BVG-Obligatorium ist der Umwandlungssatz immer noch mit astronomischen 6,8% fixiert, was Jahr für Jahr zur Auszahlung übersetzter Renten zwingt. Diesmal reservierten die Lebensversicherer für diese Übung mit dem übersetzten Mindest-Rentenumwandlungssatz zusätzlich 2241 Mio. Fr. gegenüber 2168 Mio. Fr. im Vorjahr. Dieser Betrag entsprach happigen 8,0% (im Vorjahr: 8,4%) des Deckungskapitals für Altersrenten. Die Umverteilung von Jung zu Alt sowie von hohen zu niedrigen Einkommen lässt gemäss Finma-Jahresbericht einen fairen Ausgleich als immer unwahrscheinlicher erscheinen. Wenn jede neu gesprochene Rente, wie es zurzeit der Fall ist, mit rund 8% an zusätzlichem Kapital unterlegt werden muss, ist das vor allem für diejenigen bitter, die später in Rente gehen werden.
Zu dem im Bericht angesprochenen ungenügenden Angebot heisst es:
Peter Giger, der bei der Finma für das Versicherungsgeschäft verantwortlich zeichnet, zeigt sich darüber besorgt, dass es im Markt zu einer Unterversorgung kommen könnte. Damit spricht er an, ob wohl noch genügende Anreize für das Bereitstellen von Risikokapital existieren. Im ersten Halbjahr haben als Letzte im Bunde auch Swiss Life, Axa Winterthur und Bâloise bei der Akquisition von Neugeschäft zurückhaltend agiert. KMU-Kunden, die vor allem an der BVG-Vollversicherung interessiert sind, haben einen Vertrag nicht einfach auf sicher. Und Unternehmen mit einer ungünstigen Altersstruktur unter ihren Arbeitnehmern bzw. Versicherten – wenige Junge, viele Alte – finden inzwischen oft verschlossene Türen vor, wie aus Marktkreisen verlautet.
Kritik an Negativzinsen für PKs
In der NZZ greift Roland Kriemler, Geschäftsführer der KGASt (Konferenz der Geschäftsführer von Anlagestiftungen) die Frage der Belastung von Pensionskassen durch die von der SNB veranlassten Negativzinsen auf. Kriemler stellt fest, dass es primär die stark rückläufigen Kapitalexperte waren, welche zum Aufwertungsdruck auf den Franken führten und nicht so sehr Spekulationsgeschäfte aus dem Ausland. Während unter dem Druck der Negativzinsen Schweizer Investoren ihr Verhalten geändert hätten, sei solches bei den Pensionskassen nicht festzustellen. Kriemler schreibt dazu:
Die Erhöhung der Fremdwährungs-Exponierung, müsste man auch bei der Fremdwährungsquote der Pensionskassen erkennen können. Betrachtet man aber deren Entwicklung, so stellt man fest, dass sich deren Quote über die letzten Jahre sehr stabil zwischen 21,4% und 22,6% bewegt hat. Auch nach dem 15. Januar 2015 blieb sie auf dem Niveau von rund 22%. Die SNB konnte die Pensionskassen also nicht zur gewünschten Reaktion bewegen. Daraus folgt, dass die Vorsorgeeinrichtungen nicht mitgeholfen haben, den Franken zu schwächen. Hingegen verursachen die negativen Zinsen auf SNB-Girokonti Aktivitäten bei den Pensionskassen, die Zusatzkosten verursachen und die Anlagerenditen schmälern.
Kriemler schliesst daraus: weil die Pensionskassen nicht den gewünschten Beitrag zur Erreichung der geldpolitischen Ziele leisten und die Massnahmen infolgedessen nicht greift, sei sie auch nicht erforderlich. Es sollte den Pensionskassen deshalb ermöglicht werden, ihre operativ notwendige Liquidität nicht zu künstlich tief gehaltenen Zinsen halten zu müssen. Dazu habe die Nationalbank ihre getroffene Massnahme «Negativzinsen auf Girokonti ohne Ausnahmen» zu überdenken. Sie solle differenziertere Massnahmen ergreifen, Ausnahmen zulassen und somit den Pensionskassen erlauben, ihre operativ notwendige Liquidität auf Girokonti ohne Zinsbelastung anzulegen.
Beobachter: Mehr AHV-Rente bringt den Ärmsten wenig
Viele Senioren sind finanziell nicht auf Rosen gebettet. Die Gewerkschaften fordern daher zehn Prozent mehr AHV für alle. Doch nicht alle würden davon profitieren.
AZ: Negativzinsen sollen weg
In der AZ hat Patrick Müller eine Reihe von Stimmen gesammelt, die sich allesamt höchst kritisch zur Geldpolitik der Nationalbank äussern. So etwa Christoph Blocher:
Die Negativzinsen richten verheerende Schäden an. Werspart, wird enteignet. Das trifft die Pensionskassen, die Sparer ganz generell, auch viele kleine Leute.» Auf der anderen Seite hätten Gemeinden und Kantone einen Anreiz, Schulden zu machen, weil sie damit noch Geld verdienen. «Dabei müssen die Schulden irgendwann zurückbezahlt werden – das ist kurzfristiges Denken auf Kosten der nächsten Generationen.» Blocher fordert: «Die Negativzinsen müssen jetzt weg!»
Manor-PK mit Rentenalter 65 für alle
Die Reglementsänderung der Pensionskasse Manor, u.a. mit tieferem technischem Zins, Streichung der Ueberbrückungsrente und dem Rentenalter 65 für Frauen und Männer hat breites Medienecho gefunden, obwohl keiner der Schritte besonders auffälig wäre. Zu vermuten ist, dass die Reaktion der Unia, welche sie zum Anlass genommen hat, Werbung für AHVplus zu machen, die Medien darauf aufmerksam gemacht hat.
Charlotte Jacquemart schreibt in der NZZ am Sonntag zur Frage ob das Rentenalter 65 für Frauen in der Pensionskasse überhaupt rechtens sei:
«Oft wird das Schlussalter im Zusammenhang mit einer Senkung des Umwandlungssatzes erhöht, so dass die Rente mit dem neuen Schlussalter etwa so hoch ist wie mit dem alten», sagt Roger Baumann (c-alm). Zur Erinnerung: Der Umwandlungssatz bestimmt die Höhe der Rente. Baumanns Erklärung trifft genau auf den Fall Manor zu: Weil die Manor-Pensionskasse den Umwandlungssatz auf 4,88% gesenkt hat, müssen die Angestellten länger arbeiten, wollen sie auf die gleiche Altersrente kommen wie früher. Und für die weiblichen Angestellten bedeutet dies: Arbeit über das offizielle Rentenalter hinaus.
Martin Roth, Geschäftsführer der Manor-Pensionskasse, bestätigt dies: «Die gegenüber dem bisherigen Reglement tieferen Umwandlungssätze machen es erforderlich erforderlich, dass für das gleiche Leistungsniveau wie bisher im Alter 63 neu bis Alter 65 in der Pensionskasse gespart werden muss.» Damit will das Warenhaus sicherstellen, dass das Leistungsniveau beibehalten wird: Heute erhalten die Angestellten 44 bis 45% des durchschnittlich versicherten Lohnes in Form einer Altersrente. Pensionskassenleiter Roth versichert aber: «Selbstverständlich steht es jeder Mitarbeiterin weiterhin frei, im Alter 64 in Pension zu gehen. Arbeitet eine Mitarbeiterin bis Alter 65, erhält sie zusätzlich zum Lohn ab Alter 64 ihre AHV-Rente.
Artikel NZZ / Meldung Unia / Interview Roth (FuW)
In Scramble for Yield, Pension Funds Will Try Almost Anything
Pension funds in Hawaii and South Carolina are plying an arcane options strategy called cash-secured put writing. In a typical trade, the investor sells a contract, known as a put, to someone who owns stocks and is willing to pay up for protection in case they decline. If, within a certain time, the shares fall below a given price, the investor buys the stocks at that price, or covers their lost value.
The upside for the pension funds, which are writing options on the S&P 500 index, is that they earn regular income. The strategy aims to work like a volatility dampener. If stocks fall, the income the funds have collected on the options contracts should help cushion any hit they take on the puts and their own separate stockholdings. The pension funds set aside some cash-like instruments such as Treasurys for the payouts, so they aren’t caught without money if the market goes against them.
The cost of options tends to rise when investors expect big market swings, so the strategy does best when investors are fearful and paying up for protection against a downturn—and a downturn doesn’t materialize. But if protection is cheap and the market takes a big fall, the pension fund can end up with losses.
NZZ: “Die Renten sind nicht sicher”
Michael Ferber befasst sich in der NZZ mit der Finanzierungssituation der beruflichen Vorsorge und den Auswirkungen der Finanzmarktsituation auf die Renten. Dass er Skepsis für die Zukunft hegt, kann nicht überraschen. In seinem Kommentar schreibt er u.a.:
Den Bürgern bleibt wohl wenig anderes übrig, als sich nicht zu stark auf Staat und Arbeitgeber zu verlassen und – wenn möglich – ihre private Vorsorge zu verstärken. Wollen sie den gewünschten Lebensstandard im Alter erreichen, müssen sie mehr Geld auf die hohe Kante legen. Die Politik darf derweil bei der Lage der Rentensysteme nicht länger die Augen vor der Realität verschliessen. Jene sind auf stabilen Grund zu setzen, auch wenn die dafür nötigen Reformen nicht schmerzfrei vonstattengehen werden.
Um die Einnahmen und Ausgaben der Systeme ins Gleichgewicht zu bringen, taugen nur drei altbekannte Mittel: Leistungskürzungen, höhere Rentenbeiträge oder eine längere Lebensarbeitszeit bzw. ein höheres Rentenalter. Auch die Einführung von Schuldenbremsen in den sozialen Sicherungssystemen wäre sinnvoll. Zudem gilt es, in der kapitalgedeckten beruflichen Vorsorge – beispielsweise in der Schweiz – Augenmass zu wahren. Legitime Leistungsziele dürfen nicht mit unrealistischen Vorgaben zum Umwandlungssatz und Mindestzinssatz vermengt werden. Als erster Schritt kommt die Politik nicht umhin, den Bürgern endlich reinen Wein über die verdeckten Staatsschulden und die kolossale Unterfinanzierung der Rentensysteme einzuschenken.
SRF: 65’000 Franken zu viel für Pensionäre
Radio SRF berichtet über die Umverteilung von Jung zu Alt aufgrund des zu hohen Mindest-Umwandlungssatzes.
Seit die Zinsen nun aber rekordtief und sogar negativ sind, funktioniere das System der beruflichen Vorsorge nicht mehr richtig, sagt Martin Erling, Professor für Versicherungsmanagement an der Universität St. Gallen: «Das Problem bei der Umverteilung ist, dass die gesetzlich vorgeschriebene Rente deutlich höher ist als das, was erwirtschaftet werden kann.»
Entwicklung des technischen Zinses im Beitragsprimat. Quelle: Swisscanto
Früher erwirtschafteten Pensionskassen auf dem Alterskapital einen durchschnittlichen Betrag von 4 Prozent. Heute beträgt dieser technische Zinssatz realistisch gerechnet noch 2,5 bis 3 Prozent. Die gesetzlichen Vorgaben, insbesondere der sogenannte Umwandlungssatz, blieben aber unverändert. So kommt es, dass Pensionskassen ihren neuen Rentnerinnen und Rentnern heute im Durchschnitt 65‘000 Franken zu viel ausbezahlen müssen. Bei Erlings letzter Berechnung vor vier Jahren waren es noch 40‘000 Franken gewesen.
“Der Generationenvertrag muss auf den Tisch”
In einem Interview mit dem Tages-Anzeiger ging ZKB-Chef Martin Scholl auch auf die aktuelle Geldpolitik und die Folgen für die Altersvorsorge ein. Auszug aus dem Gespräch:
Der Franken ist stark und die Zinsen tief.
Genau. Das ist für die Wirtschaft schwierig. Zudem schlägt dies voll auf unsere Vorsorgewerke durch. Der Generationenvertrag muss jetzt auf den Tisch. Die Jungen können die Last der Rentner bald nicht mehr schultern.Was meinen Sie?
Einerseits wird gefordert, dass die Menschen länger arbeiten. Andererseits benötigen die Arbeitgeber künftig eher weniger Leute. Wenn die alten Mitarbeiter also länger bei uns bleiben sollen, heisst das, dass wir weniger Junge anstellen können.Wie sieht Ihr Vorschlag aus?
Es können nicht mehr alle Leistungen für die Rentner finanziert werden. Das bedeutet, die aktiv Versicherten müssen künftig mehr Geld auf die Seite legen. Dafür braucht es vom Staat neue Anreize etwa bei der 3. Säule.Das ist ein attraktives Geschäft für die Banken.
Es ist nebensächlich, wo das Geld angelegt wird. Wichtig ist, dass das Thema endlich auf den Tisch kommt. Nur ist es politisch heikel und für die Arbeitnehmer schmerzhaft. Daher wird es hinausgezögert.
Pensionskassen wie Lebensversicherer
Charlotte Jacquemart hat für die NZZ am Sonntag Werner Hug zu seiner Sicht der Dinge in der 2. Säule befragt. Hug ist pessimistisch und über die Entwicklung enttäuscht. Auszüge aus dem Interview.
Sie sagen, weniger als 5% Umwandlungssatz seien ein Skandal Rechtfertigen die negativen Zinsen aber nicht solche Massnahmen?
Nein. Wer mit so tiefen Umwandlungssätzen rechnet, kalkuliert wie ein Lebensversicherer. Pensionskassen sind aber keine Lebensversicherer. Sie gehören Arbeitgebern und Arbeitnehmern, haben keine Aktionäre, die mitverdienen müssen. Pensionskassen sind von Gesetzes wegen freier reguliert als Lebensversicherer. Pensionskassen dürfen über 7 bis 10 Jahre eine Unterdeckung haben. Lebensversicherer dürfen dies nicht.Mit anderen Worten: Pensionskassen können grosszügiger sein als Lebensversicherer?
Genau. Ich beklage, dass man heute eine Pensionskasse führt wie eine Lebensversicherung. Geschäftsführer und Stiftungsräte wollen sich zu über 100% absichern. Das entspricht nicht der Philosophie der zweiten Säule. Wenn die paritätisch geführten Kassen wie Lebensversicherer geführt werden, brauchen wir sie nicht mehr. Dann können wir sie den Lebens Versicherern übertragen.Arbeitgeber sind mitschuldig an der Entwicklung. Sie verabschieden sich zunehmend aus der zweiten Säule, indem sie immer mehr Risiko auf die Versicherten überwälzen. Sie führen zum Beispiel sogenannte 1e-Pläne ein. Darin wählen Versicherte eine eigene Anlagestrategie, tragen aber das Anlagerisiko selber. Was halten Sie davon?
Nichts. Diese Pläne sind nichts anderes als Steueroptimierungsinstrumente für Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit Löhnen über 126’900 Fr. Die Arbeitgeber entledigen sich damit der Verpflichtungen in ihrer Bilanz. Renten gibt es aber keine aus diesen le-Plänen. Es gibt nur noch Kapitalbezug. Was Arbeitnehmer wissen müssen: In le- Plänen tragen sie das Anlagerisiko allein. Ist die Börse bei Pensionsantritt im Keller, gibt es entsprechend weniger Kapital ausbezahlt.Man kann den Firmen nicht die Schuld geben, dass sie auf solche 1e-Pläne umsteigen. Die Rechnungslegung ist Treiber dieser Entwicklung. Weil Pensionsverpflichtungen seit kurzem anders verbucht werden müssen und Firmenbilanzen viel stärker belasten, wollen Unternehmen die Verpflichtungen loswerden.
Das ist so. Die Verpflichtungen und Risiken werden auf die Versicherten überwälzt. Die Nachfrage nach 1e-Plänen ist deshalb bei hohen Einkommen gross. Anbieter stehen bereit. Aber selbst wenn man die Entwicklung erklären kann: Die zweite Säule wird damit ausgehöhlt, denn die Solidarität von hohen und tiefen Löhnen wird untergraben.Bei Einführung des Obligatoriums der zweiten Säule im Jahr 1985 hat man nicht mit negativen Zinsen gerechnet. Funktioniert unser System noch?
Für die zweite Säule ist das, was wir heute am Kapitalmarkt erleben, eine Katastrophe. Es ist absurd. Ich bin Ökonom: Können Sie mir eine Theorie nennen, die erklären kann, wie es mit dieser Geldschwemme weiter- gehen soll? Entweder gibt es einen grossen Chlapf oder aber grosse Inflation.Malen Sie nicht etwas zu schwarz?
Nein. Die zweite Säule wird heute von innen ausgehöhlt, die Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitgebern und -nehmem funktioniert nicht mehr, jeder denkt nur noch an sich. In der ursprünglichen beruflichen Vor- sorge hatten Individualismus und Hedonismus keinen Platz. Meine Generation hat sehr viel über die AHV an die Kriegsgeneration gezahlt. Viel mehr als die jetzige junge Generation an die heutigen Rentner.
TA: Warum der Brexit die PKs trifft
Grossbritanniens neuer Kurs bringt den Immobilienmarkt des Landes durcheinander. Dort haben auch Schweizer Pensionskassen investiert.

