Freie Strategiewahl: Botschaft in Vorbereitung
Versicherte, welche die Strategie zur Anlage ihres Vorsorgekapitals selber wählen (1e-Pläne), sollen dafür auch das Risiko selber tragen. Dieser Vorschlag zur Anpassung des Freizügigkeitsgesetzes (FZG) ist in der letztjährigen Vernehmlassung laut Mitteilung des BSV von einer Mehrheit grundsätzlich begrüsst worden. Der Bundesrat hat das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) beauftragt, je eine Botschaft ans Parlament vorzubereiten. Ausgelöst wurde der Vorschlag durch die Motion Stahl.
Der Bundesrat hatte zwei Gesetzesänderungen zur beruflichen Vorsorge in die Vernehmlassung geschickt. Die erste Änderung betrifft Versicherte von nur im überobligatorischen Teil tätigen Vorsorgeeinrichtungen, welche die Anlagestrategie ihres Vorsorgeguthabens selbst wählen können. Die Einrichtungen sollen nicht mehr verpflichtet sein, den Versicherten beim Austritt den garantierten Mindestbetrag mitzugeben. Mit der zweiten Änderung sollen die Inkassobehörden rechtzeitig auf Vorsorgekapital von Alimentenschuldnern zurückgreifen können, wenn diese sich ihr Guthaben auszahlen lassen.
Die Anpassung der Freizügigkeitsleistungen wurde mehrheitlich begrüsst, insbesondere, dass Versicherte die Risiken ihrer Anlagestrategie selbst tragen sollen und nicht die Mitversicherten. Ausserdem besteht ein Interesse daran, dass Versicherte in einem höheren Lohnbereich zwischen verschiedenen Anlagestrategien wählen können.
Umstritten ist, ob die Vorsorgeeinrichtung mindestens eine Anlagestrategie anbieten muss, bei der sie beim Austritt die gesetzlichen Mindestbeträge garantiert. Diese Bestimmung soll nochmals überprüft werden. Überwiegend abgelehnt wurde der Vorschlag, dass der/die Ehepartner/in der Wahl einer Anlagestrategie ohne Garantie der Mindestleistungen zustimmen müsste.
Mitteilung BSV / Motion Stahl 2008 / Ergebnis der Vernehmlassung / weiteres Material / Anlass Vorsorgeforum 2013
AV2020: Stellungnahme der Arbeitgeber, überladenes Gesamtpaket
Der Schweizerische Arbeitgeberverband hat anlässlich einer Medienkonferenz seine Stellungnahme zur Altersvorsorge 2020 vorgestellt. Der Verband unterstützt gemeinsam mit economiesuisse zwar die Gesamtschau, das Gesamtpaket wird hingegen “dezidiert und geschlossen” abgelehnt. «Es ist komplett überladen, zu teuer und weder für den einzelnen Bürger noch für die Wirtschaft tragbar”, meinte Valentin Vogt, Präsident des Verbands.
In erster Priorität seien zwei parallele Kernvorlagen zu beraten: Die erste umfasst die Anhebung des Referenz-Rentenalters auf 65 Jahre für beide Geschlechter, die Flexibilisierung des Rentenbezugs zwischen 62 und 70 Jahren, die Erhöhung der Mehrwertsteuer zugunsten der AHV um maximal 0,6 Prozent sowie die Senkung des Mindestumwandlungssatzes auf 6,0 Prozent. Letzteres habe mit verhältnismässigen Kompensationsmassnahmen wie höheren Altersgutschriften oder der Beitragspflicht ab Alter 21 zu erfolgen. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer müsse zudem mit derjenigen des Referenz- Rentenalters einhergehen. Damit kann gemäss Roland A. Müller das heutige Rentenniveau für die nächsten zehn Jahre garantiert werden.
Die zweite Kernvorlage umfasst einen Stabilisierungsmechanismus für die AHV, der im Fall einer drohenden finanziellen Schieflage des Sozialwerks künftig rechtzeitig Massnahmen vorsieht. Hier schlägt die Wirtschaft eine weitere schrittweise Erhöhung des Referenz-Rentenalters um maximal 24 Monate sowie daran gekoppelt nochmals 0,4 Mehrwertsteuer-Prozente Zusatzeinnahmen vor. Damit leisten gemäss Arbeitgeber sämtliche Bevölkerungsschichten und die Wirtschaft einen angemessenen Beitrag – statt den Rentnerinnen und Rentnern durch ein Aussetzen des Mischindexes ans Portemonnaie zu gehen, wie dies der Bundesrat vorschlägt.
Die Erhöhung des Referenz-Rentenalters über 65 Jahre hinaus soll zudem erst dann erfolgen, wenn der Arbeitsmarkt die entsprechenden Arbeitskräfte aufnehmen kann. Sowohl diese Stabilisierungsregel als auch die erste Kernvorlage sollen noch in diesem Jahr dem Parlament unterbreitet werden, damit sie 2018 in Kraft treten können.
CVP: Stellungnahme zur AV2020, Regel für den UWS
Die CVP unterstützt die Erhöhung des Rentenalters für Frauen auf 65 Jahre. Sie ist für das so genannte Referenzalter bei 65 Jahren für Männer und Frauen bei der ersten und der zweiten Säule, wie sie in ihrer Vernehmlassungsantwort zur vom Bundesrat vorgeschlagenen Reform von AHV und Pensionskassen schreibt.
Beim BVG-Mindestumwandlungssatz verlangt die CVP einen Systemwechsel. Statt eines im Gesetz festgelegten Satzes brauche es eine «transparente und nachvollziehbare technische Regel». Sie schlägt vor, dass dafür das Bundesamt für Statistik «den technisch korrekten Umwandlungssatz» berechnet und der Bundesrat auf dieser Basis alle fünf Jahre die Sätze bestimmt.
Zehn Jahre vor der Pensionierung solle dann für jeden Arbeitnehmer ein verbindlicher Satz festgesetzt werden. Der Umwandlungssatz ist jener Prozentsatz, der bestimmt, wie viel des angesparten Kapitals dem Versicherten jedes Jahr von der Pensionskasse als Rente ausbezahlt wird.
Zum von der Linken heftig bekämpften Vorschlag, den Mindestumwandlungssatz von heute 6,8 Prozent auf 6 Prozent zu senken äussert sich die CVP nur indirekt. Sie merkt an, dass die Umwandlungssätze im überobligatorischen Teil der Pensionskasse schon heute «zum Teil deutlich» unter 6 Prozent lägen. «Damit hat die Realität das Gesetz längst überholt».
AV2020: Stellungnahme des ASIP
Der Pensionskassenverband ASIP hat seine Stellungnahme zur Altersvorsorge 2020 eingereicht. Der Verband hält die Notwendigkeit der Reform für gegeben, will sie aber von zahlreichen Elementen entlasten. Im Einzelnen unterstützt er die Angleichung der Rentenalter auf ein Referenzalter 65 und die Senkung des Mindestumwandlungssatzes auf 6%. Zum Umwandlungssatz hält der Verband ergänzend fest, dass geprüft werden solle, ob nicht die Anpassung einem gewissen Mechanismus folgen könnte, was flexiblere Lösungen erlaube.
Die Einführung von flankierenden Massnahmen hält er für notwendig, um das Rentenniveau zu garantieren. Anstatt einer Senkung des Koordinationsabzugs auf 75% des massgebenden AHV-Lohnes schlägt er jedoch die Streichung des Koordinationsabzugs mit einer äquivalenten Senkung der Altersgutschriften vor. Begründet wird der Vorschlag mit der besseren Verständlichkeit für die Versicherten. Nicht ganz glücklich ist der ASIP auch mit der auf 14’400 Franken gesenkten Eintrittsschwelle und fordert ein Überdenken.
Schliesslich kritisiert der Verband die vorgeschlagene Lösung zu den Ausgleichszahlungen für die Uebergangsgeneration und möchte sie ersetzen durch eine dezentrale Lösung. Die Finanzierung der Leistungsgarantie sei Sache der einzelnen Vorsorgeeinrichtung, hält der ASIP fest.
PK-SBB: Variable Rente bleibt Thema
Der Tagesanzeiger schreibt zum Thema flexible Renten bei der Pensionskasse SBB: “Die Idee, bei der SBB-Pensionskasse variable Renten einzuführen, sorgte vor einem Jahr für Aufregung. Das Thema ist nach wie vor aktuell, obwohl laut neusten Zahlen das Vorsorgewerk wieder gut dasteht. Seit 2010 haben sowohl die SBB-Angestellten als auch die Arbeitgeberseite Sanierungsbeiträge leisten müssen. Darauf kann nun seit Anfang Jahr verzichtet werden. Der Deckungsgrad der Kasse lag 2013 bei 102,4 Prozent.
Das Modell der variablen Renten soll der schleichenden Umverteilung der Gelder von den Aktiven zu den Rentnern vorbeugen. Die Idee: Nur ein Teil der Rente wird garantiert, also etwa nur noch das gesetzliche Minimum. Der Rest wird je nach finanzieller Lage der Pensionskasse oder nach Anlageperformance als Bonus verteilt. Unklar ist, wann der Entscheid für oder gegen die Einführung gefällt wird. Dem Vernehmen nach soll im Verlauf dieses Jahres abgestimmt werden. Bereits klar ist der Zeitpunkt einer allfälligen Einführung: «Ziel ist bei einem positiven Entscheid, das Modell per 1. Januar 2017 einzuführen», sagt Markus Hübscher, Geschäftsführer der Pensionskasse SBB.”
Werner Vontobel: “Lieber Herr Berset”
Werner Vontobel erklärt Bundesrat Berset im Sonntagsblick was zu tun wäre, um unser Rentensystem nachhaltig zu sanieren. Er schreibt: “Kurzfristig müssten Sie die Einkommen des ärmeren Drittels der Rentner sichern, ohne dabei die Wirtschaft mit noch mehr überflüssigem Zwangssparen zu belasten. Eine Erhöhung der allgemeinen AHV-Renten um zehn Prozent und eine Verdoppelung der Ergänzungsleistungen auf fünf Milliarden würde vermutlich genügen, um allen Rentnern einen würdigen Lebensabend sichern.
Die dafür nötigen acht Milliarden könnten Sie weitgehend dadurch finanzieren, dass die jährlich rund 30 Milliarden Franken überobligatorischen Pensionskassenbeiträge künftig versteuert werden müssen. Damit würden Sie zwar den Mittelstand verärgern, die Wirtschaft würde aber profitieren, weil jede Umverteilung von den reichen Sparern zu den armen Rentnern Konsum und Beschäftigung ankurbelt.
Doch das eigentliche Problem der Wohlstandssicherung im Alter hat mit dem Rentensystem wenig zu tun. Es liegt darin, dass unser Arbeitsmarkt etwa ein Viertel der Arbeitskräfte vorzeitig verschleisst und sie von staatlicher Hilfe abhängig macht. Dieses Problem lässt sich nur langfristig lösen. Aber Sie wollen ja sicher noch viele Jahre im Amt bleiben.”
Was wir von Vontobel noch gerne wüssten: soll die überobligatorische Rente jetzt also zweifach versteuert werden?
SP: AV2020 ohne Senkung des Umwandlungssatzes
Die SP schreibt in einer Mitteilung: “Die Geschäftsleitung der SP Schweiz hat die Vernehmlassungsantwort zur Reform der Altersvorsorge 2020 verabschiedet. Speziell gewürdigt wird der Wille, das komplexe System als Paket zu reformieren. Nur so ist eine ausgewogene Reform möglich. Werden einzelne Elemente herausgebrochen, besteht die Gefahr, dass die Sonderinteressen einiger Weniger zuungunsten des Allgemeinwohls bevorzugt werden.
Will die Altersreform 2020 dereinst vor dem Volk bestehen, so gilt es aus Sicht der SP folgende kritische Punkte zu beachten und zu korrigieren:
- Eine Anhebung des ordentlichen Rentenalters für Frauen auf 65 muss mit der Lohngleichheit gekoppelt sein. Ansonsten setzt sich die wirtschaftliche Ungleichheit mit tieferen Renten nahtlos fort.
- Beim Umwandlungssatz muss der Bundesrat nochmals über die Bücher. Nachdem das Volk 2010 eine Senkung von 6,8% auf 6,4% mit über 70 Prozent der Stimmen bachab schickte, wird die SP nun ganz gewiss nicht auf eine Senkung im doppelten Umfang eintreten.
- Die Mindestquote für Lebensversicherer muss auf 95 Prozent angehoben werden. Ansonsten fliessen weiterhin hunderte von Millionen aus der Sozialversicherung in die Taschen privater Versicherer.
- Bezüglich Finanzierung setzt die SP primär auf die Erbschaftssteuer-Initiative. Den bürokratischen Interventionsmechanismus sowie den teilweisen Rückzug des Bundes aus der AHV-Finanzierung lehnt die SP rundweg ab.”
UBS PK-Barometer im Februar
Nach der Nullrunde im Januar 2014 erzielten im Februar die untersuchten Pensionskassen eine Performance von rund 1,0%. Ein weiteres Mal war kein Grössenvorteil auszumachen. Der Gruppendurchschnitt der kleineren Vorsorgewerke schnitt am besten ab. Kassen unter 300 Mio. erzielten 1,21%, jene zwischen 300 Mio. und 1 Mrd. 1,16 und solche über 1 Mrd. 1,05%. Seit Jahresanfang ergibt sich damit eine kumulierte Performance von durchschnittlich 1,2%.
Seit Dezember 2008 streben die Kurven der kumulierten Performance bei allen Peer-Gruppen die 30%-Marke an. Annualisiert beträgt die Rendite somit bei den kleineren Vorsorgeeinrichtungen 5,0% p.a., bei den mittleren 5,1% p.a. und bei den grösseren 5,3% p.a. (im Gesamtdurchschnitt 5,2% p.a.).
Sweden’s $173 Billion Pension Group Free to Boost Private Equity
Sweden is preparing major changes for the $173 billion in assets managed by its pension funds and will ease restrictions on private equity and infrastructure investments to boost returns and safeguard income for retirees.
“There will be a big change,” Financial Markets Minister Peter Norman said in Stockholm. “There will be opportunities to invest more in non-public, more in infrastructure and that kind of thing, which is good for long-term savings.”
The shift is part of a broader overhaul of the Swedish pension fund system. The government and largest opposition party, the Social Democrats, last week proposed reducing the number of state pension funds to three from five, to cut costs. They proposed to loosen rules which have limited private equity investments to 5 percent of assets at four of the funds.
Zweifel und Illusionen in Felix Austria
30 Prozent der Österreicher glauben nicht, dass sie einmal mit einer staatlichen Pension rechnen können. Bei den unter 30-Jährigen ist sogar fast die Hälfte dieser Meinung. Von jenen, die mit einer staatlichen Pension rechnen, erwarten drei Viertel, dass diese ein niedrigeres Niveau als derzeitige Pensionen haben wird. 70,9 Prozent erwarten, dass sie ihren Lebensstandard damit nicht halten können. Das geht aus einer Onlineumfrage des Marktforschungsinstituts Marketmind im Auftrag der Allianz Versicherung hervor.
Für eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters findet sich keine Mehrheit: 30,2 Prozent der Bevölkerung sind der Meinung, das Pensionsantrittsalter der Frauen sollte angehoben werden, 48,8 Prozent würden es beim jetzigen Alter von 60 Jahren belassen. Beim Pensionsantrittsalter der Männer sind 61,2 Prozent der Menschen für die Beibehaltung des jetzigen Standes von 65 Jahren. 28,6 Prozent meinen sogar, Männer sollten früher in Pension gehen dürfen, nur 10,2 Prozent sind für eine Anhebung.
69,8 Prozent der Männer sind der Ansicht, dass Männer und Frauen im gleichen Alter in Pension gehen dürfen sollten, aber nur 40 Prozent der Frauen. Im Durchschnitt erwarten die Österreicherinnen und Österreicher, 20,2 Jahre in Pension zu verbringen. Menschen, die derzeit zwischen 50 und 60 sind, schätzen diesen Zeitraum tendenziell etwas länger ein. "Damit unterschätzen sie die tatsächliche Lebenserwartung im Schnitt um fünf bis zehn Jahre", erklärte der zuständige Bereichsleiter der Allianz Versicherung, Andreas Csurda, bei der Präsentation der Daten.
AV2020: Stellungnahme der Aktuare
Die Schweizerische Aktuarvereinigung hat ihre Stellungnahme zur Vernehmlassung über die Altersvorsorge 2020 abgegeben. Die Aktuare fordern statt der vorgeschlagenen Senkung des Umwandlungssatzes auf 6 eine solche auf höchstens 5,6%.
Zum Thema der flankierenden Massnahmen, zu denen die Senkung des Koordinationsabzugs gehört, wird festgehalten: “Der Grund der zum Teil massiven Mehrkosten, welche je nach Bestandesstruktur sehr unterschiedlich ausfallen, liegt vor allem darin, dass das Reformvorhaben als flankierende Massnahme vorsieht, den Koordinationsabzug auf 25% des AHV-Lohnes zu reduzieren. Faktisch wird die Koordination der beruflichen Vorsorge mit der 1. Säule durch diese Planformel aufgehoben. Die Anwendung der neuen Altersgutschriften auf den neuen koordinierten Lohn ist nämlich äquivalent zur Anwendung der mit dem Faktor 0.75 multiplizierten neuen Altersgutschriften auf den vollen AHV-Lohn (ohne Koordinationsabzug).”
Das aber würde laut Aktuarvereinigung zu Leistungsverbesserungen führen, ohne dass diese als vorrangige Zielsetzung formuliert seien. Ein Mangel, der unbedingt zu beseitigen sei. Die SAV stellt ein Alternativmodell vor, mit dem das heutige Leistungsziel auch mit dem Umwandlungssatz von 5.6% erhalten werden kann. Dazu gehören sowohl eine Erhöhung der künftigen Sparbeiträge als auch eine Übergangsbestimmung, welche das Vertrauen in die 2. Säule stärken soll.
Die sehr ausführliche Stellungnahme – sie umfasst insgesamt 49 Seiten (!) – wird zu den wichtigsten Reaktionen auf das bundesrätliche Vorhaben gehören und verdient eine eingehende Prüfung.
AV2020: “Jetzt sprechen die Jungen”
Die Jungparteien der SVP, der FDP und der CVP fordern eine Entpolitisierung des Rentensystems. Der Bundesrat suche einen Kompromiss zwischen links und rechts. Nötig sei ein Kompromiss zwischen Jung und Alt, schreibt die NZZ.
Die Jungparteien betonten, dass die Rentenreform in die «richtige Richtung» gehe, aber viel zu wenig weit. Es reiche nicht, das Rentenalter bei 65/65 festzusetzen, sagte Jean-Pascal Ammann, der Präsident der Jungen CVP. Diese Anpassung sei ohnehin überfällig. «Das Ziel muss aus unserer Sicht sein, dass das Rentenalter an die Lebenserwartung gekoppelt wird», sagte Maurus Zeier, der Präsident der Jungfreisinnigen.
Die Jungparteien fordern nicht nur die Entpolitisierung des gesetzlichen Rentenalters – auch der Umwandlungssatz in der 2. Säule soll nicht Spielball der Politik sein. FDP-Vizepräsident Christian Wasserfallen betonte, eine Entpolitisierung der Vorsorgefinanzierung mit sachlichen Regeln, die demokratisch legitimiert und transparent sind, stelle einen nachhaltig funktionierenden Generationenvertrag sicher. Bestimme weiterhin die Politik, gehe die Umverteilung von Jung zu Alt in der 2. Säule munter weiter, sagte der FDP-Nationalrat. «Wir sind nicht mehr bereit, diesen Bruch der Generationensolidarität länger zu akzeptieren», sagte Wasserfallen, der dem Vorstand der Jungfreisinnigen angehört.
NZZ: Immer weniger Pensionskassen
Michael Ferber befasst sich in der NZZ mit der rapide schrumpfenden Zahl an Pensionskassen in der Schweiz. Ferber schreibt: “Gemäss Kennzahlen des Statistischen Bundesamts gab es per Ende 2012 noch 2073 Vorsorgeeinrichtungen in der Schweiz, 2006 waren es noch 2669. Gleichzeitig stieg die Zahl der aktiven Versicherten im selben Zeitraum von 3,43 Mio. auf 3,86 Mio. Der Trend hält schon länger an. Wie Berechnungen der Denkfabrik Avenir Suisse zeigen, ist die Zahl der Pensionskassen seit 1998 im Durchschnitt um 4,2% pro Jahr gefallen. Besonders stark war der Rückgang in den vergangenen Jahren bei kleineren Vorsorgeeinrichtungen mit weniger als 100 Versicherten (vgl. Grafik). Die Zahl der grösseren Pensionskassen mit mehr als 1000 Versicherten stieg hingegen sogar mit durchschnittlich 1,5% pro Jahr.”
Ferber zitiert u.a. Peter Zanella von Towers Watson und Jérôme Cosandey von Avenir Suisse zu den Gründen. Zanella verweist auf die wachsende Regulierungslast, auch Cosandey meint, die Branchenkonsolidierung sei keine Folge eines gesunden Wettbewerbs, sondern die Konsequenz einer zunehmenden Regulierung, die kleine Kassen «erwürge». Gemäss Branchenexperten ist ein weiterer Grund für den Rückgang der Zahl der Vorsorgeeinrichtungen darin zu finden, dass Arbeitgeber ihre Risiken zunehmend begrenzen.
Von dieser Entwicklung profitierten insbesondere Versicherungsgesellschaften, die einen steten Zustrom an Kunden für die Kollektivversicherung erleben, was laut Zanella ein neues “Too big to fail”-Problem schaffe.
Swiss-Re: Milliardentransaktion mit britischer Pensionskasse
Der Rückversicherer Swiss Re übernimmt Langlebigkeitsrisiken von der Pensionskasse des britischen Versicherungsmultis Aviva. Die Transaktion umfasst Verpflichtungen gegenüber 19’000 Aviva-Mitarbeiter im Umfang von 5 Mrd. Pfund.
Swiss Re gehört nach eigenen Angaben zu den wichtigsten Anbietern in der Rückversicherung von Langlebigkeitsrisiken. Zwischen 2007 und 2012 habe es sieben solche Risikotransaktionen gegeben, deren Volumen sich auf insgesamt knapp 13 Mrd. Dollar (9,47 Mrd. Euro) belief.
PwC-Studie: "Vorsorgepläne: neue Konzepte gesucht"
Multinationale Unternehmen wenden sich von leistungsorientierten Vorsorgeplänen ab. Dies, weil die leistungsorientierten Vorsorgepläne Bilanzrisiken, hohe Kosten und die drohende Illiquidität mit sich ziehen. Sie beabsichtigen deshalb, Leistungsverpflichtungen für bestehende und vormalige Mitarbeiter mit Barzahlungen oder anderen Leistungen auszugleichen. Zudem benötigen die Unternehmen für Vorsorgeleistungen einen neuen Ansatz, bei dem die Mitarbeiter Wahlmöglichkeiten erhalten sollten. Dies sind Ergebnisse der PwC-Studie "Moving On: Global retirement benefits in a post-defined benefits world", für die PwC 114 Global-Fortune-500-Unternehmen befragte, die insgesamt 4,7 Mio. Mitarbeiter beschäftigen und zusammen Vorsorgeverpflichtungen von 950 Mrd. Dollar aufweisen.
Lediglich 6% der befragten Unternehmen wollen leistungsorientierte Pensionspläne fortführen, bei denen die Kosten und Risiken der garantierten Vorsorgeleistungen für die Mitarbeiter vom Arbeitgeber getragen werden. 90% der Unternehmen führen beitragsorientierte Leistungspläne ein, bei denen sie die Kosten und Risiken entsprechend auf die Arbeitnehmer verlagern. 83% der befragten Unternehmen nehmen keine neuen Mitarbeiter in ihre leistungsorientierten Vorsorgepläne auf. 71% der Befragten beabsichtigen zudem, solche Leistungsversprechen auch für bestehende Mitarbeiter zu plafonieren.


