Im “Sonntag” äusserte sich der interviewte Prof. Bernd Schips zur Frage, wer und wie die Löcher in den Pensionskassen zu stopfen hat.
Sonntag: Also sind Pensionskassen zu hohe Risiken eingegangen?
Schips: Die Kassen sollten sich in ihrer Anlagepolitik langfristig orientieren. Sie sollten Anlagen mit geringen Wertschwankungen bevorzugen – etwa bestimmte Immobilien – oder in langfristig ertragsversprechende Aktien investieren wie etwa Nestlé. Aber in Hedge Funds haben Pensionskassen nichts zu suchen. Denn diese streben nach kurzfristigen Gewinnen.”
Kann denn die zweite Säule die Rentenversprechungen halten?
Ich bin skeptisch, ob mit dem Kapitaldeckungsverfahren die Versprechungen erfüllt werden können. Denn niemand kann den Wert des jetzigen Vermögensstandes garantieren. Bereits heute finden Subventionierungen der Rentner durch die Jungen statt, da das geäufnete Kapital der Rentner zu klein ist. Kassen mit einem hohen Rentneranteil drohen in Schieflage zu geraten. Die Situation wird sich mit dem demografischen Wandel weiter verschärfen.
Sollten Rentner künftig helfen, Löcher in den Pensionskassen zu stopfen?
Es ist zu prüfen, ob Rentner bei Sanierungen auch zur Kasse gebeten werden können. Dann müssten die Rentner aber einen Bonus bekommen, wenn es der Kasse wieder gut geht. Ein solches Modell ist durchaus prüfenswert.

In den nächsten vier Jahrzehnten wird die Lebenserwartung der Männer von 79 auf 85 Jahre steigen, jene der Frauen von 84 auf 90 Jahre. Kommen heute vier 20- bis 64-Jährige auf einen Rentner, sind es 2050 nur noch zwei. Wenn das Pro-Kopf-Einkommen beibehalten werden soll, muss also die Erwerbsbeteiligung insbesondere der älteren Bevölkerung erhöht werden. Gelingt dies nicht, sinkt die Kaufkraft der Bevölkerung gemäss einer neuen Studie (Christian Jaag, Christian Keuschnigg, Mirela Keuschnigg: Alterung, Sozialwerke und Institutionen, Universität St. Gallen) um 20 Prozent.