Die Mitteilungen des BSV über die Berufliche Vorsorge Nr. 112 enthalten u.a. eine Stellungnahme über Arbeitgeberzahlungen an eine FZ-Einrichtung sowie drei aktuelle Rechtsfälle.
Carl Helbling: Mindestzins erst im Nachhinein festlegen
Nach den Sommerferien wird wieder das grosse Rätselraten um den BVG-Mindestzins 2010 beginnen, das dann im Spätherbst seinen Abschluss findet, wenn der Bundesrat seinen Entscheid dem gespannten Publikum verkündet. Mit dem Zins verbunden ist eine Prognose, wie die Kapitalmarktrendite sich im kommenden Jahr entwickeln wird. Die Erfahrung zeigt: der Bundesrat ist im Prognostizieren (natürlich) auch nicht besser als die Wirtschaftsinstitute, Hochschulprofessoren und Finanzmarktexperten und der Satz meist weit von den Realitäten entfernt. Besonders eindrücklich so im vergangenen Jahr. Carl Helbling schlägt nun vor, den Zins eher rückwärtsgewandt festzulegen, das heisst, im Oktober den Satz für das laufende Jahr zu fixieren. Das brächte diesen wichtigen Parameter der BV sehr viel näher an die Realität. Allerdings mit dem Problem, dass für alle FZ- und Altersleistungen jeweils bis zum Datum der Fixierung ein zusätzlicher Satz festgelegt werden müsste. Helbling schlägt vor, dafür die Vorjahresgrösse einzusetzen. Damit würde zwar alles ein wenig komplizierter, aber dafür auch realistischer. Erschienen ist der Beitrag mit dem Vorschlag Helblings in der Schweizer Personalvorsorge, Ausgabe 6’09.
WSJ: Hedge Funds Set For Best Start In A Decade
Hedge funds are on course to complete their best start to the year since 1999 in a recovery that has begun to restore investors‘ faith in them, while other parts of the financial services industry continue to show signs of revival.
Hedge funds made an estimated 9.73% in returns for the year to June 24, according to figures published by data provider Hedge Fund Research. Individual managers, including UK firm Henderson Global Investors, have seen funds rise by more than 60% this year. In the wake of these results, the GBP1.8 billion (EUR2.1 billion) Avon Pension Fund has been advised to stick with its 10% allocation to hedge funds after putting them under review, while the Clwyd Pension Fund said it would keep 5% in funds of hedge funds and is looking for a single manager hedge fund.
Fachmesse in Genf war ein Erfolg
580 Besucherinnen und Besucher, rund 100 mehr als bei der Premiere, nahmen am zweiten Salon PPS teil, der am 10. und 11. Juni im Centre International de Conférences Genève (CICG) statt gefunden hat. Rund 70 Aussteller stellten neue oder bewährte Produkte und Dienstleistungen vor. Das Rahmenprogramm bot spannende Debatten und Referate zu finanziellen und politischen Entwicklungen in der Welt der 2. Säule. Die nächste Fachmesse 2. Säule findet am 5. und 6. Mai 2010 in Zürich statt.
Previs: Resultat für 2008 “relativ gut”
Die Previs Personalvorsorgestiftung schliesst das Geschäftsjahr 2008 mit einem Deckungsgrad von 89.4 % (Vorjahr: 102.2 %) und einer Unterdeckung von CHF 229.1 Mio. Dies bei einer Performance auf dem Anlagevermögen von – 9.3 %. Dieses negative Ergebnis relativiert sich jedoch gemäss Mitteilung der Previs “in Anbetracht der durchschnittlichen Anlagerenditen im Vorsorgeumfeld von über – 13 %”.
Auf Grund der Struktur der Kasse, mit einem Verhältnis von aktiven Versicherten und Rentnern (80 %/20 %) sowie dem tiefen Durchschnittsalter, sind bis auf weiteres keine Sanierungsmassnahmen geplant. Bereits frühzeitig hat der Stiftungsrat per 1.1.2011 sowohl die Erhöhung des reglementarischen Rücktrittsalters von 63 auf 65, als auch die sukzessive Senkung des Umwandlungssatzes im Beitragsprimat von 7.2 % (Alter 63) auf 6.8 % (Alter 65) im Jahr 2017 beschlossen. Mit diesen Massnahmen wird den gesellschaftlichen und demografischen Rahmenbedingungen Rechnung getragen.
Leser-Umfrage: Sanierung der PK-SBB
Sind Sie der Meinung, der Bund soll weitere Mittel in die Kasse der SBB einschiessen, eventuell auch in jene der Ascoop oder denken Sie, genug ist genug? Machen Sie mit an unserer Befragung.
Retirement-Income Systems in OECD Countries
Pension and retirement policies have changed dramatically in recent years, as governments have tried to balance the goals of adequate retirement incomes and the long-term financial sustainability of pension systems in the face of population ageing. Pensions at a Glance 2009 provides a consistent framework for comparing pension policies between countries along with reliable data.
This third edition updates information on key features of pension provision in OECD countries and provides projections of retirement income for today’s workers. It offers an expanded range of indicators, including measures of assets, investment performance, coverage of private pensions, public pension spending, and the demographic context and outlook.
Economist: The end of retirement
Die Zeitschrift Economist behandelt in einer Reihe von Beiträgen das Thema Alterung der Gesellschaft und Altersvorsorge. Die Auswirkungen auf alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft sind dramatisch und weithin unterschätzt. Kein Zweifel besteht für die Autoren, dass wir länger arbeiten und die Hoffnung auf allezeit gesicherte und stetig verbesserte Altersleistungen aufgeben müssen.
NZZ: Heikler Balanceakt der Profond-Vorsorgeeinrichtung
Werner Enz schreibt in der NZZ über die Situation der Sammelstiftung Profond u.a.: “Wenn nicht alles täuscht, beschäftigt die Vorsorgeeinrichtung Profond die BVG-Aufsicht des Kantons Zürich aus vielen Gründen. Das Gesetz ruft nach einer Sanierung, wenn die Verpflichtungen einer Kasse zu einem erheblichen Teil nicht mehr gedeckt sind. Profond kam Ende Jahr auf einen Deckungsgrad von 82,4%, und damit ist Sanierungsbedarf sicher gegeben. Dies ist umso mehr der Fall, als der technische Zins (…) mit 4% sehr hoch angesetzt ist. Sorgenfalten muss der Aufseher erst recht bekommen, wenn er die Unterdeckung in absoluten Zahlen (ein negatives Stiftungskapital von 573 Mio. Fr.) und die Aktienquote (von über 50%) ins Kalkül mit einbezieht. Profond ist nicht einfach ein kleiner Player, sondern eine rasch gewachsene Kasse mit stattlichem Vermögen und noch stattlicheren Verbindlichkeiten.
Damit rückt rasch die Frage ins Blickfeld, ob der BVG-Sicherheitsfonds da überhaupt ein tragfähiges Auffangnetz bilden kann. Wegen der begrenzten Ressourcen, die zurzeit im Sicherheitsfonds liegen, ist das eindeutig nicht der Fall. Daraus leitet sich aber ab, dass Vorsorgeeinrichtungen, die durch Unternehmen ohne Eigenkapital geführt werden, eine heisse Sache werden können. Das ist umso mehr der Fall, weil Sammelstiftungen aller Art geradezu zu einer aggressiven Anlagestrategie verführt werden, denn sie zahlen keine risikogerechten Prämien für die Leistungen des BVG-Sicherheitsfonds. Fazit: Profond kann zu einem Systemrisiko werden, weil die Politik versagt hat.”
IGaSG: Factsheet geplant, Stellungnahme zu Motion Bortoluzzi/Egerszegi
Die Mitglieder der Interessengemeinschaft autonome Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen (IGaSG) haben gemäss einer Pressemitteilung beschlossen, vergleichbare Daten ihrer Vorsorgestiftungen in einem Factsheet auf der Homepage der Interessengemeinschaft zu veröffentlichen. Damit entlasten sie sich von Anfragen aller Art, sind doch dort alle wichtigen Angaben zur Vorsorgeeinrichtung zusammengefasst.
Die Mitglieder begrüssen gemäss der Mitteilung die Motion von Ständerätin Christine Egerszegi, die bei Auflösungen von Verträgen in der beruflichen Vorsorge gleiche Regeln sowohl für Sammelstiftungen der Versicherungsgesellschaften wie für autonome Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen fordert. Eine gleichlautende Motion wurde im Nationalrat von Toni Bortoluzzi unter dem Titel „BVG-Wechsel des Vorsorgewerks ohne Verluste“ eingebracht. Die Versammlung bestätigte die Wahl der Vorstandsmitglieder und David Pittet als Präsident.
Motion: Ausserordentliche Anpassung der AHV-Renten an den Mischindex
Eingereichter Text: Der Bundesrat wird eingeladen, den eidgenössischen Räten umgehend eine Vorlage für eine ausserordentliche Anpassung der AHV-Renten an den Mischindex per 1. Januar 2010 zu unterbreiten.
Motion: Wechsel des Vorsorgewerks ohne Verluste
Eingereichter Text: Der Bundesrat wird beauftragt, eine Teilrevision des BVG vorzulegen, mit dem Ziel, gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen Versicherungseinrichtungen und autonomen bzw. halbautonomen Vorsorgeeinrichtungen, insbesondere Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen, zu schaffen. Bei der Auflösung von Verträgen (Art. 53e BVG) sind die Abzüge für das Zinsrisiko bei Anschlüssen mit Versicherungseinrichtungen abzuschaffen und es ist dafür zu sorgen, dass auch die Versicherungseinrichtungen in Analogie zu den Vorschriften bei Teilliquidation der autonomen/halbautonomen Vorsorgeeinrichtungen technische Rückstellungen, Teuerungsfonds-, Wertschwankungs- und Überschussfondsanteile der neuen Vorsorgeeinrichtung zu übergeben haben.
Motion: Soziale Sicherheit für Berufe mit häufig wechselnden oder befristeten Anstellungen
Eingereichter Text: Der Bundesrat wird beauftragt, für Berufe mit häufig wechselnden oder befristeten Anstellungen, wie sie bereits im Arbeitslosenversicherungsrecht definiert sind, bestehende Lücken in der sozialen Sicherheit gegenüber anderen Berufen so weit wie möglich zu schliessen. Es soll dabei insbesondere die freiwillige berufliche Vorsorge auf entsprechende Anstellungsverhältnisse ausgedehnt werden können, und die Voraussetzungen des Arbeitslosenrechtes sollen für sukzessive Arbeitszeitreduktionen (Bemessungszeitraum, anrechenbarer Arbeitsausfall) angepasst werden.
Antwort des Bundesrates (zur BV): (…) Nach Ansicht des Bundesrates sollten die Sozialpartner und die Vorsorgeeinrichtungen besser über die bereits bestehenden Vorsorgemöglichkeiten informieren und insbesondere die Möglichkeit zu Branchenlösungen nutzen, wie sie bereits in gewissen Bereichen der Kultur bestehen. Die Vorsorgestiftung Artes und Comoedia hat z. B. einen Vorsorgeplan für Kulturschaffende entwickelt, mit dem Arbeitnehmende, die bei einem unterstellten Arbeitgeber tätig sind, grundsätzlich ab dem ersten Arbeitstag und ab dem ersten Franken Lohn versichert sind.
Bei der freiwilligen Versicherung sucht das BSV derzeit gemeinsam mit den interessierten Kreisen nach Verbesserungsmöglichkeiten, insbesondere im Hinblick auf einen erleichterten Zugang für Arbeitnehmende mit häufigem Stellenwechsel. Gegenwärtig erreichen Personen mit mehreren verschiedenen Arbeitseinsätzen die Eintrittsschwelle in die berufliche Vorsorge erst im Laufe eines Jahres. Das bedeutet eine "retroaktive" Unterstellung, was nicht wenige Schwierigkeiten nach sich zieht. Eine Lösung bestünde darin, den bezogenen Lohn sofort auf ein Jahr hochzurechnen. Übersteigt der auf ein Jahr hochgerechnete Lohn die Eintrittsschwelle, so hätte der Arbeitnehmende sofort Zugang zur freiwilligen Versicherung.
Interpellation: Dringliche Massnahmen zur Unterstützung der Pensionskasse Ascoop
Eingereichter Text: Der Pensionskasse der ASCOOP sind rund 140 Unternehmungen des Bahn-, Bus-, Schiffs- und Seil-/Bergbahnverkehrs der Schweiz angeschlossen. Die Kasse weist seit Ende 2002 eine erhebliche Unterdeckung auf. Ende 2008 beträgt der konsolidierte Deckungsgrad rund 71 Prozent, was einem Fehlbetrag von etwa 740 Millionen Franken entspricht.
Im Lichte der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise ist die Bereitstellung der dringend notwendigen Mittel aus eigenen Kräften für die ASCOOP und die angeschlossenen Unternehmen praktisch unmöglich. Zahlreiche Unternehmen stehen deshalb vor dem wirtschaftlichen Ruin und die Auswirkungen hätten für die gesamte Tourismuswirtschaft schwerwiegende Folgende. In diesem Sinne geht unsere Anfrage an den Bundesrat, namentlich das Finanz- und Volkswirtschaftsdepartement, hinsichtlich der dringenden Unterstützung der Pensionskasse ASCOOP.
1. Ist der Bundesrat in enger Zusammenarbeit mit den Kantonsregierungen bereit, in Anbetracht des dringlichen Handlungsbedarfs, Möglichkeiten für die Unterstützung der Unternehmungen, welche der Pensionskasse der ASCOOP angeschlossen sind, parallel mit der laufenden Lösungsfindung im Zusammenhang mit der SBB-Pensionskasse, zu prüfen?
2. Ist er bereit, den Unternehmungen gegebenenfalls Darlehen zu gewähren, damit der Deckungsgrad rasch angehoben werden und der dritte Beitragszahler seine volle Wirkung wieder entfalten kann?
3. Er wird gleichzeitig ersucht, die in Aussicht gestellten Massnahmen, wie sie in der Beantwortung der Postulate Lauri (05.3363) und Fluri (05.3247) in Aussicht gestellt wurden, prioritär zu behandeln. Aufgrund der Dringlichkeit wird der Bundesrat ersucht, über den Stand der Dinge und das weitere Vorgehen Auskunft zu erteilen.
Ascoop: Gründung einer neuen Sammelstiftung
Die Pensionskasse der ASCOOP ist seit dem 1. Januar 2006 eine Sammelstiftung, der die unabhängigen Vorsorgewerke von rund 130 Unternehmen mit insgesamt 9500 Versicherten und 5400 Rentenrinnen und Rentner angeschlossen sind. Das Anlagevermögen belief sich nach der negativen Jahresperformance 2008 von 10 Prozent Ende 2008 auf 2,1 Mrd. Franken. Bei einem durchschnittlichen Deckungsgrad von 73 Prozent weist der Grossteil der angeschlossenen Vorsorgewerke eine erhebliche Unterdeckung auf.
Damit die angeschlossenen Vorsorgewerke nach der ursprünglich 15-jährigen Sanierungsperiode im Jahr 2020 den Deckungsgrad von 100 Prozent erreichen, hat die ASCOOP vor Jahresfrist einen linear ansteigenden Minimaldeckungsgrad eingeführt. Dieser soll mittels Arbeitgeberbeiträgen oder besonderen Sanierungsmassnahmen erreicht werden. Erster verbindlicher Prüfpunkt ist der Minimaldeckungsgrad von 81,23 Prozent am 31. Dezember 2009. Unter dem Patronat einiger der grössten angeschlossenen Unternehmen soll nun bis Mitte 2010 eine neue Sammelstiftung für alle Vorsorgewerke gegründet werden, die den Minimaldeckungsgradpfad verbindlich einhalten wollen. Diese Vorsorgewerke erreichen, wie im Sanierungsplan vorgesehen, spätestens Ende 2020 den Deckungsgrad von 100 Prozent. Die neue Stiftung steht auch neuen Anschlüssen offen. Die Unternehmungen, die sich der neuen Sammelstiftung nicht anschliessen können oder wollen, bleiben in der Pensionskasse der ASCOOP. Diese wird von der neuen Sammelstiftung finanziell vollständig getrennt sein.
Die Delegiertenversammlung 2009 der Pensionskasse der ASCOOP hat Dr. André P. Jaeggi zum Präsidenten des zehnköpfigen Stiftungsrats gewählt. Der Vermögensverwaltungsfachmann und frühere Finanzjournalist ersetzt im Stiftungsrat den verstorbenen Arbeitnehmervertreter Pierre-Alain Gentil. Als Präsident löst er Rudolf Hediger, Finanzverwalter Schweizerischer Eisenbahn- und Verkehrspersonal-Verband SEV, ab, der den Vorsitz aus Zeitgründen abgegeben hat. Hediger bleibt aber als Mitglied im Gremium. Der neue Präsident wird seine Funktion im Rahmen eines 30-Prozent-Mandats wahrnehmen.
In einer Medienmitteilung wird festgehalten: “Der Stiftungsrat der Pensionskasse der ASCOOP ist über die Weigerung des Bundesrats besorgt, auf die Ausarbeitung einer Vorlage zur Sanierung der Pensionskasse der ASCOOP zu verzichten. Wie der Stiftungsrat an der Delegiertenversammlung vom 25. Juni 2009 in Bern ausführte, sind die Vorsorgewerke der angeschlossenen Unternehmen die Sanierungsfälle und nicht die ASCOOP an sich. Es ist dem Stiftungsrat unverständlich, dass sich der Bund insbesondere als Miteigentümer angeschlossener Unternehmen aus der Verantwortung stielt. Umso mehr sind nun Kantone und Gemeinden gefordert, denen Unternehmen gehören, die den regionalen Personenverkehr sicherstellen oder zum Erfolg des Tourismus beitragen.”
