UBS: PK-Barometer April 2013

Im April knüpften die Schweizer Vorsorgeeinrichtungen mit einer Rendite von rund 0,8% nahtlos an die gute Performance der Vormonate an. In diesem Jahr erfreuen sich die kleineren Pensionskassen eines kumulierten Vorsprungs von fast einem halben Prozent auf die mittleren und grossen.
Für das Gros der Vorsorgeeinrichtungen dürfte die Sollrendite ca. 3,5% p. a. betragen. Seit 2008 haben sie somit – trotz der guten Resultate seit 2012 – nur rund die Hälfte der Budgetvorgabe geschafft. Die annualisierten Renditen für diesen Zeitraum betragen 1,7% bei den kleineren und mittleren, 2,0% bei den grossen Pensionskassen und 1,8% im Durchschnitt.
Li: Deckungsgrad der staatlichen PK sinkt weiter
Eine neue Bilanzierungsart und die Bildung einer Rückstellung von 53 Millionen Franken sowie die Anwendung aktualisierter Grundlagen zur demografischen Entwicklung führten per Ende 2012 bei der staatlichen Pensionskasse (PVS) zu einem weiteren Rückgang des Deckungsgrades von 75,5 auf 69,3 Prozent. Damit erhöht sich per das Minus beim Stiftungskapital auf 312 Millionen Franken, womit sich die Pensionsversicherung nach wie vor in einer erheblichen Unterdeckung befindet. Daran konnte selbst die im vergangenen Jahr erzielte überdurchschnittliche Rendite von 7,6 Prozent auf den Vermögensanlagen etwas ändern.
ASIP: Neue Website, Wechsel im Vorstand
Der Pensionskassenverband hat bereits einige der an seiner Mitgliederversammlung angekündigten Neuerungen bezüglich Information umgesetzt. Die erste Ausgabe des vierjährlich geplanten Newsletters ist erschienen und die neu gestaltete Website wurde aufgeschaltet. Mit vielen Illustrationen setzt sich der ASIP ein freundliches Gesicht auf und das neue Layout verspricht Modernität.
An der Mitgliederversammlung standen turnusgemäss Wahlen an. Mit Applaus bestätigt wurde Christoph Ryter als Präsident, der damit seine dritte Amtsperiode antritt. Die reglementarische Amtszeitbeschränkung (15 Jahre) führte aber auch zu prominenten Rücktritten. Betroffen waren die langjährigen Vizepräsidenten Jean Pfitzmann und Brigitte Schmid. Weitere Rücktritte betrafen Martin Beyeler, Jacques Hofmann und Martin Leuenberger. Die neuen Vizes sind Markus Moser (Novartis) und Olivier Sandoz (FER).
Neu gewählt wurden Jacques Baudraz (CPCL), Rolf Bolliger (SHP), Beatrice Eichenberger (Mettler-Toledo), François Puricelli (Centre Patronal), Jean-Rémy Roulet (CPPIC), Getrud Stoller (PVT).
IV: Zahlen und Fakten 2012
Im Januar 2013 betrug die Zahl der gewichteten Renten der Invalidenversicherung in der Schweiz und im Ausland 234’600. Sie hat gegenüber dem Vorjahr um 1.8% (4‘200 Renten) abgenommen. Dies ist der deutlichste Rückgang seit Januar 2006, als mit 257’500 gewichteten Renten der höchste Rentenbestand erreicht worden war. Die Zahl der 2012 zugesprochenen gewichteten Neurenten hat mit 14‘600 einen neuen Tiefststand erreicht, nachdem sie 2011 wieder leicht angestiegen war. Die Abnahme der Neurenten seit 2003 beträgt rund 47%.

BL: Volksentscheid zur PK-Sanierung
Der Baselbieter Landrat hat die Sanierungsvorlage gutgeheissen und dem obligatorischen Referendum unterstellt. Das Kantonsparlament hiess die Sanierung mit 58 zu 6 Stimmen bei 17 Enthaltungen gut. Da es damit das Vier-Fünftel-Mehr zum Ausschluss des Abstimmungsobligatoriums verfehlte, kommt es zum Urnengang.
Die Sanierung der Basellandschaftlichen Pensionskasse (BLPK) soll mittels Vollkapitalisierung erfolgen. Dabei soll die Unterdeckung mit einer Schuldanerkennung sofort ausfinanziert, das Geld am Kapitalmarkt aufgenommen und dann innert zehn Jahren amortisiert werden.
Die Regierung hatte die Unterdeckung mit Beiträgen über einen Zeitraum von 40 Jahren abtragen und derweil die noch ausstehende Forderung verzinsen wollen. Die Personal- und die Finanzkommisson des Rats schlugen aber das am Ende beschlossene Vorgehen vor, dies in der Hoffnung auf geringere Kosten.
Die BLPK zählt über 26’000 Versicherte und über 200 angeschlossene Arbeitgeber, darunter alle 86 Gemeinden des Kantons. Von der Ausfinanzierung entfällt allein auf den Kanton ungefähr eine Milliarde Franken.
TA: “Pensionskasse geplündert und damit Luxuslimousinen finanziert”

Im Gewerbepark Vor Ort im zürcherischen Weiningen fiel es auf, als immer wieder Luxuslimousinen, protzige Offroader und italienische Sportwagen vorfuhren. Dale B. besass zwei Ferrari, einen Bentley und einen Audi A8, sein Geschäftspartner Rolan T.nannte zwei Porsche und zwei Ferrari sein Eigen. Die beiden Italiener sassen bis vor kurzem im Stiftungsrat der Fortius Pension Found, einer Sammelstiftung mit 4000 Versicherten von 80 Firmen aus Hotellerie und Gastronomie vor allem in den Kantonen Zürich, Basel, Bern und Graubünden. Gemäss Recherchen des Tages-Anzeigers wurden die beiden Pensionskassenmanager am 6. März zu Hause verhaftet und sitzen seitdem wegen Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft. Gleichzeitig wurden in den Büros der Sammelstiftung in Weiningen Akten und Computer beschlagnahmt. Dale B. und Rolan T. werden dringend verdächtigt, sich aus der Sammelstiftung bedient zu haben, um ihren extravaganten Lebensstil und Immobilienspekulationen zu finanzieren.
NZZ: Highlights der Podiumsdiskussion bei der Swisscanto
In seinem Bericht von der Präsentation der Swisscanto Umfrage-Resultate hat Werner Enz auch einige der Voten aus der Podiumsdiskussion notiert: “An der Diskussion zeigte sich Nationalrat Toni Bortoluzzi von der humorvollen Seite. Zum Glück sei im März 2010 die Senkung des Mindest-Rentenumwandlungssatzes (von 6,8% auf 6,4%) vom Volk klar verworfen worden, denn dieser hätte in der Zwischenzeit bereits wieder gekürzt werden müssen. Bortoluzzi votierte dafür, dass Stiftungsräte über Rentenleistungen, damit auch den Umwandlungssatz, in Eigenregie entscheiden. Es sei ein Fehler gewesen, diesen im Rahmen der 1. BVG-Revision ins Gesetz aufzunehmen. Originell war – last, but not least – der Vorschlag von Colette Nova, Vizedirektorin des Bundesamts für Sozialversicherungen, im Jahresbericht einer Pensionskasse jeweils transparent darzulegen, wie viel Geld von den Aktiven zu den Rentnern umverteilt worden sei. Fairplay statt Fouls wäre somit gefragt.”
Swisscanto-Umfrage: PKs leiden unter Zinsdruck
Swisscanto hält in ihrer Mitteilung zu den Ergebnissen ihrer PK-Umfrage 2013 fest: “Die aktuelle Umfrage von Swisscanto bei den Schweizer Pensionskassen bestätigt aufgrund der guten Performance eine markante Verbesserung der Deckungsgrade im vergangenen Jahr. Trotzdem ist die volle Risikofähigkeit vieler Pensionskassen noch nicht erreicht, was deren Handlungsspielraum bei der Anlage der Vorsorgegelder einschränkt. Eine Verbesserung dieser Situation allein aufgrund besserer Anlageergebnisse gestaltet sich angesichts der vorläufig aufgeschobenen Zinswende unverändert anspruchsvoll.”
Im einzelnen zeigt die Erhebung, dass die erreichten Deckungsgrade noch immer klar von den angestrebten Zielwerten (100% Deckungsgrad plus 16% Wertschwankungsreserve) abweichen. Bei den privat-rechtlichen Kassen beträgt die Abweichung 7 Prozentpunkte, bei den öffentlich-rechtlichen Kassen mit Vollkapitalisierung ist der Abstand im Schnitt mit 16 Prozentpunkten wesentlich grösser. Die volle Risikofähigkeit vieler Pensionskassen ist deshalb noch nicht erreicht, was den Handlungsspielraum bei der Anlage der Vorsorgegelder einschränkt.
Während die Zinswende auf sich warten lässt, sind die Pensionskassen laufend bestrebt, ihre Strategien, vor allem im Bereich der festverzinslichen Anlagen, an die Kapitalmarktsituation anzupassen. Etwa 30% der beteiligten Vorsorgeeinrichtungen haben letztes Jahr Anpassungen vorgenommen, davon gut die Hälfte mit einer Reduktion des angepeilten Obligationenanteils. Ebenfalls rund 50% der Vorsorgeeinrichtungen hat im Gegenzug die angestrebte Immobilienquote erhöht, wobei sich hier im Gegensatz zu den Wertschriften die Umsetzung der erhöhten Quote weit schwieriger gestaltet.

Bemerkenswerte Resultate haben sich bei der viel diskutierten Kostenentwicklung ergeben. Sowohl bei der allgemeinen Verwaltung wie auch bei den Kapitalanlagen sind die Kassen darauf bedacht, die Aufwendungen unter Kontrolle zu halten und Einsparmöglichkeiten zu nutzen. Der Median der gesamten Aufwendungen für Versichertenverwaltung und Kapitalanlage konnte seit 2007 bei den kleinsten Kassen mit weniger als 250 Destinatären pro Kopf um fast 40% von rund 1170 auf 720 Franken gesenkt werden; bei den grössten Kassen mit über 10’000 Destinatären um 20% von 430 auf 345 Franken; angesichts ihres deutlich tieferen Kostenniveaus ebenfalls ein beachtlicher Wert. “Diese Bemühungen verdienen Anerkennung und in der Diskussion um die Kosten der 2. Säule auch mehr Beachtung”, hält Swisscanto dazu fest.
Die ersten Auswertungen der Umfrageergebnisse wie auch die Unterlagen zur Präsentation der Resultate können von der Homepage der Swisscanto heruntergeladen werden.
NZZ Reflexe: Variable Renten–SBB vor Weichenstellung
Werner Enz stellt in NZZ Reflexe einige kritische Ueberlegungen zur vieldiskutierten Absicht der PK SBB an, künftig die Renten je nach Deckungsgrad variabel zu gestalten, nachdem an der Präsentation der Swisscanto-Umfrage das Thema sowohl auf dem Podium wie im Parkett eifrig diskutiert wurde. Bei dieser Gelegenheit kam eine weitere Variante des Modells zur Sprache, nämlich eine Rentensenkung auf 90%, wenn gleichzeitig die Aktiven Sanierungsmassnahmen ausgesetzt sind. Experten der Swisscanto Vorsorge AG haben solche Regelungen bereits bei diversen Kassen eingeführt.
Swisscanto-Umfrage: Interview mit CEO Fischer
«Die Pensionskassen profitieren von der Börsenhausse», sagt Swisscanto-CEO Gérard Fischer im cash-Video-Interview. Durchschnittlich erzielten die Kassen 2012 eine Anlagerendite zwischen fünf und zehn Prozent, so Fischer. Vor allem Kassen mit einem relativ hohen Aktienanteil erreichten gute Renditen.
Ein gutes Börsenjahr reicht nicht, um Entwarnung zu geben. Denn die Deckungsgrade weichen immer noch klar von den angestrebten Zielwerten von 116 Prozent ab. Kopfzerbrechen bereitet den Kassen insbesondere die anhaltende Tiefzinsphase. Im Obligationenbereich sind nur noch sehr magere Renditen zu erreichen und rutschen teilweise sogar in die Minuszone ab. «Vor allem die Versicherer sind davon betroffen, weil sie von Gesetzes wegen einen hohen Anteil an Obligationen halten müssen», sagt Fischer und doppelt nach: «Dies ist ökonomischer Unsinn.» Ein Überdenken der Anlagevorschriften wäre, so Fischer, dringend notwendig.
OAK: Liste der zugelassenen Experten
Die Oberaufsichtskommission hat die Liste der zugelassenen Experten (natürliche Personen) publiziert. Die Liste umfasst 198 Namen, das sind 18 mehr als die Kammer aktuell Mitglieder hat. 10 sind nach altrechtlicher Zulassung vermerkt.
PFS Vorsorgestiftung
Die PFS Vorsorgestiftung II blickt auf eine erfreuliche Entwicklung im Jahr 2012 zurück. Sämtliche angeschlossene Vorsorgewerke erzielten Renditen zwischen 7.5 und 9.5% und weisen Ende 2012 einen Deckungsgrad von teilweise weit über 100% auf. Damit ist der durchschnittliche Deckungsgrad der PFS Vorsorgestiftung II auf 107% angewachsen (Ende 2011 knapp 102%). Die PFS Vorsorgestiftung II ist auf die betriebliche Altersvorsorge von Unternehmen und Gemeinden ab 50 Mitarbeitenden spezialisiert. Sie versichert heute rund 1000 Aktive und 50 Rentner.
Li: Kritik an Sanierungsplan der Regierung
In Liechtenstein regt sich Kritik an den Sanierungsplänen für die staatliche Pensionskasse. Man wolle eine Luxuskasse, die weit bessere Leistungen an sonst im Land üblich erbringe. Die Sonntagszeitung Liewo bringt dazu ein Interview mit Nikolaus Frick, Initiant der Website Bamtakassa.li.
St. Galler PKs mit 300 Mio. Unterdeckung
Die Sanierung der Pensionskassen des St. Galler Staatspersonals und der Lehrer kostet rund 300 Millionen Franken. Maximal 75 Millionen davon sollen die Versicherten selber zahlen, den Rest trägt der Kanton. Am 9. Juni kommt die Vorlage zur Abstimmung.
Die Versicherungskasse für das Staatspersonal und die kantonale Lehrerversicherungskasse werden auf Anfang 2014 verselbständigt. In den beiden Pensionskassen sind 22’600 Staatsangestellte und Lehrer versichert. Die Kassen besitzen 6,2 Milliarden Vermögen. 7300 Personen beziehen derzeit Renten.
NZZaS: Variable Renten gegen Umverteilung
Die NZZ am Sonntag nimmt das Thema Variable Renten auf. Ausgangspunkt ist die vom Blick publik gemachte Tatsache, dass man sich bei der PK SBB den Schritt überlegt. “Ihr Chef Markus Hübscher sagt, noch sei vieles offen: «Details werden an der Juni-Sitzung des Stiftungsrates diskutiert. Eingeführt wird die zweiteilige Rente frühestens auf 2017.» Persönlich ist Hübscher überzeugt, dass zweiteilige Renten richtig sind: «Es ist ein faireres System. Es darf nicht sein, dass in schlechten Zeiten die aktiven Arbeitnehmer die ganze Last tragen.»
Die SBB sind kein Einzelfall. Wer sich bei grossen Kassen umhört, stellt fest: Das Modell von variablen Rententeilen wird allerorts in Stiftungsräten diskutiert. Viele aber wollen öffentlich nicht davon reden. Denn den Versicherten schwankende Renten zu «verkaufen», ist kommunikativ schwierig, meint Charlotte Jacquemart.
Bei der Swisscom-Pensionskasse Complan sagt Geschäftsführer André-Pierre Schmidt: «Die Lage an den Kapitalmärkten zwingt dazu, uns Gedanken zu variablen Renten zu machen.» Eine Prüfung des Modells ist in der Pipeline. Es sei aber zu früh, um darüber zu spekulieren, was daraus werde. Bei Post und Publica tönt es ähnlich: man setze sich in Strategiediskussionen damit auseinander, weil es die Situation erfordere.
Die Chefin der Pensionskasse Post, Françoise Bruderer, meint allerdings: «Bei tiefen Renten ist ein variabler Teil schwierig einzuführen. Problemloser ist es bei Kaderplänen.» Ihr Kollege von der Publica, Dieter Stohler, erinnert daran, dass geteilte Renten keine neue Welt innerhalb der zweiten Säule darstellten. «Das zeigt sich darin, dass die Einführung solcher Systeme ohne gesetzliche Änderungen möglich ist.»
Werner Hertzog, Berater bei AonHewitt und sieben Jahre lang Chef der Publica, sagt überzeugt: «Wenn einige grosse Kassen variable Rententeile eingeführt haben, tun es alle.»
Tamedia limitiert Rentenzahlung
Die NZZaS berichtet auch von der Tamedia, welche gerüchteweise schon länger eine Limitierung der Renten in ihrer PK erwogen hat, jetzt aber offenbar diesen Schritt beschlossen hat. Gemäss NZZaS plafoniert Tamedia die Auszahlung von Altersrenten für neu Pensionierte auf maximal 48’000 Fr. jährlich. Diese Rentenhöhe entspricht einem Alterskapital von rund 800’000 Fr. Wer mehr Kapital auf seinem Alterskonto liegen hat, muss sich den Rest bar auszahlen lassen. Die Höhe der Rente wird mit einem Umwandlungssatz von 6% (Alter 65) berechnet.
Ursprünglich wollte Tamedia diese Limitierung bereits auf Anfang 2014 einführen. Nun liess das Verlagshaus die Angestellten aber wissen, man verschiebe die Beschränkung und führe sie erst auf Beginn 2016 ein. Grund: Die Versicherten könnten Probleme mit ihren Steuerbehörden kriegen, welche Einzahlungen in die Pensionskasse in den letzten drei Jahren vor Pensionsantritt nicht mehr als abzugsfähig akzeptiert, wenn man sich diese später auszahlen lässt.
Artikel NZZ


