Wollen Sie eine Rente beziehen? Oder lieber das ganze Pensionskassenguthaben auf einmal bekommen? Ein wichtiger Entscheid, bei dem es Vor- und Nachteile abzuwägen gilt – immerhin geht es in vielen Fällen um mehrere hunderttausend Franken. Der Beobachter zeigt in einem Beitrag die diversen Möglichkeiten auf.
Medien
Moneycab: Interview mit Philippe Egger, CEO Axa Winterthur
Moneycab interviewte Philippe Egger, CEO der Axa Winterthur, zum aktuellen Geschäftsgang und zum Verhältnis von BV und Assekuranz. Auszug aus dem Interview:
Wie hat sich die Finanz- und Wirtschaftskrise auf das Geschäft mit der beruflichen Vorsorge ausgewirkt?
Egger: Im BVG-Geschäft haben wir derzeit eine spezielle Situation. Wie schon erwähnt, hat die Nachfrage nach unserem Vollversicherungsmodell zwar massiv zugenommen, trotzdem können wir nicht davon profitieren, wie es in einem freien Markt der Fall sein müsste. Verhindert wird dies durch die so genannten "rostigen Fesseln". Viele Vorsorgeeinrichtungen, die zur AXA Winterthur wechseln möchten, sind jetzt bei teilautonomen Pensionskassen angeschlossen, die in Unterdeckung sind. Um wechseln zu können, müssten sie also die Differenz aus eigenen Mitteln finanzieren. Und dies ausgerechnet jetzt, wo viele der Unternehmen unter den Auswirkungen der Krise leiden.
Janssen: Deckungsgrad der Pensionskassen ist tiefer als ausgewiesen
Der als steter Mahner und Kritiker in Sachen 2. Säule bei den Medien hoch im Kurs stehende Finanzprofessor Martin Janssen sieht die Gründe für den schlechten Zustand der Pensionskassen in unrealistischen Annahmen und eigener Selbstüberschätzung. Der Tages-Anzeiger hat im Raum für seine Befürchtungen gegeben.
So wird u.a. ausgeführt: Meist gehen Kassenverantwortliche bei der Berechnung des Deckungsgrads von falschen Annahmen aus. Das zeigt sich laut Janssen bei der der Einschätzung zur Lebenserwartung der Rentner, die unterschätzt würde. Besonders deutlich werde das Fehlurteil aber bei der Kapitalmarktrendite: «In vielen Pensionskassen werden die Rentenberechnungen auf der Basis eines Vermögensertrages von 5 Prozent oder mehr pro Jahr durchgeführt», sagt Jansen und ergänzt: «Ein solch hoher erwarteter Ertrag kann bei den heutigen Zinsen nur mit dem Eingehen eines sehr grossen Risikos erreicht werden». Konkret bedeutet das, die Kassen müssten weit mehr als 50% des gesamten Kapitals in Aktien anlegen. Für den Professor führt das zu einer unhaltbaren Lage: «Die Rentenleistungen werden auf der Basis von 5% Rendite pro Jahr berechnet, ohne dass die aktuellen Rentner irgendein Anlagerisiko tragen müssen. Wenn sich wie in der aktuellen Krise das wahre Risiko zeige, müssten die Erwerbstätigen die Kapitaleinbussen alleine tragen, oft sogar dadurch, dass sie mit ihren Sanierungsbeiträgen das Kapital der Rentner wieder äufnen.
Weltwoche: Das IV-Syndrom
Ein Streifzug durch die Gerichtssäle zeigt, warum Profiteure leichter zu einer Invalidenrente kommen als Leute mit echten Gebrechen. Die Beispiele zeigen: Missbrauch wird kaum bestraft, Gutachter und Ärzte lassen sich an der Nase herumführen, schreibt Alex Baur in der Weltwoche.
Er schliesst seine Beschreibung diverser makabrer Missstände mit dem Fazit: “Fragt sich, wie lange wir uns diese Verluderung des Krankheits- und Invalidenbegriffs leisten können – und wollen. 3,945 Millionen Arbeitnehmer füttern in der Schweiz rund 400 000 IV-Bezüger durch, 15 Prozent der Leistungen gehen ins Ausland. Mit einem Jahresbudget von 12 Milliarden Franken übersteigen die Ausgaben der IV die Investitionen des Bundes in die Landesverteidigung oder in die Bildung (je knapp 4 Milliarden Franken) um das Dreifache. Dabei generiert die IV ein Defizit von 1,3 Milliarden Franken pro Jahr. Am 27. September soll das Volk entscheiden, ob es den desolaten Zustand der Invalidenversicherung durch eine Steuererhöhung und einen Transfer von fünf Milliarden Franken aus der Altersvorsorge notdürftig entschärfen will. Oder ob wir uns vorweg nicht ein paar grundsätzlichen Fragen stellen sollten.»
Beobachter: Interview mit Thomas Daum, Arbeitgeberverband, zur IV
Der Beobachter interviewte Thomas Daum, Direktor des Arbeitgeberverbands, zur Situation der IV. Auszüge aus dem Gespräch:
Beobachter: Die Sozialwerke haben teure Abklärungs- und Vermittlungsbürokratien aufgebaut. Sie alle klopfen beim Arbeitgeber an, um Klienten unterzubringen. Müssten die Sozialwerke nicht zusammengelegt werden?
Daum: Das gäbe einen riesigen Verwaltungsapparat, der kaum zur Problemlösung beitragen würde. Es ist besser, die Koordination unter den Sozialwerken zu verbessern, als alle Fälle in einen Topf zu werfen. Dafür wurde die interinstitutionelle Zusammenarbeit (IIZ) geschaffen. Die Sozialwerke müssen sich noch besser absprechen, damit die Arbeitgeber nicht mehrmals zum selben Fall angegangen werden.
Beobachter: Geht es letztlich nicht darum, einfach eine Anzahl Leute aus den IV-Büchern herauszubringen auf die Gefahr hin, dass diese in der Arbeitslosigkeit oder bei der Sozialhilfe landen?
Daum: Nein, es geht auch um die Menschenwürde: Wenn es Menschen gibt, die ins Erwerbsleben zurückkehren könnten, und wir es ihnen nicht ermöglichen, dann ist dies unverantwortlich. Dort, wo wir eine Chance sehen, müssen wir die Reintegration versuchen. Dabei ist gemäss Revisionsentwurf eine Probezeit von zwei Jahren eingeplant. Klappt innerhalb dieser Zeit die Reintegration nicht, kehrt der Invalide wieder zurück in die IV.
Herbert Brändli: Sanierungsfall Pensionskassen
“Der Wohlstand der Schweizer Bevölkerung steht auf dem Spiel”
Beobachter: Kritik an Administrations- und Vermögensverwaltungs-Kosten
Der Beobachter kritisiert die nach seiner Ansicht zu hohen Kosten von Administration und Vermögensverwaltung in der Beruflichen Vorsorge. Er schreibt: “Wegen der Finanzkrise sind es aktuell noch rund 700 Milliarden (in der 2. Säule). Daran nährt sich ein Heer von Vermögensverwaltern. 0,5 Prozent der Spargelder streichen sie jährlich für ihre Dienste ein, schätzt Janssen. Eine vorsichtige Schätzung. Andere Experten gehen vom Doppelten aus. Konkret heisst das: Die 4,45 Millionen Versicherten bezahlen für die Verwaltung ihrer Vorsorgegelder insgesamt 3,5 bis sieben Milliarden Franken, macht für jeden einzelnen Versicherten 790 bis 1580 Franken – und das jedes Jahr”. Die (mehr als gewagte) Schlussfolgerung: die Kosten für die Vermögensverwaltung und die Administration liessen sich halbieren – und “das wäre keine Hexerei”.
Leider unterlassen es die Autoren, am konkreten Beispiel aufzuzeigen, wo und welche vermeidbaren Kosten entstehen und welche konkreten Einsparmöglichkeiten gegeben sind. So bleibt es bei aufgeregten, aber im Detail nicht nachgewiesenen Behauptungen und Vermutungen sogenannter Experten, die wie etwa Prof. Manuel Ammann in allgemeinster Weise über den fehlenden Wettbewerb und ineffiziente Kassen philosophieren. Damit wird allfälligen Vorurteilen Vorschub geleistet, aber nichts zur Wahrheitsfindung beigetragen.
L’illustré: Ce que les entreprises pourraient exiger de vous
Attention danger! Difficultés économiques ou pandémie possible de grippe, les mois qui viennent seront ceux des remises en question dans les entreprises. Que risquent les salariés romands? Les réponses et conseils du SECO (Secrétariat d’Etat à l’économie) et de Jean-Michel Dolivo, avocat spécialiste en droit du travail.
Gérard Fischer (Swisscanto): Situation hat sich entschärft
Gérard Fischer, CEO der Swisscanto, äussert sich in einem Interview mit Cash über die Finanzierungssituation der Pensionskassen, die Entwicklung an den Fondsmärkten, Nachhaltigkeit, die Geschäfte der Swisscanto und die Folgen der UBS-Affäre für den Finanzplatz Schweiz. Auszüge aus dem Gespräch:
Wie hat Swisscanto, das Fondshaus der Kantonalbanken, die Krise bisher gemeistert?
Fischer: Per Ende Juli belaufen sich unserer verwalteten Vermögen auf 59.1 Milliarden Franken. Das sind rund 8,5 Prozent mehr als Anfang Jahr. Wir haben in der ersten Jahreshälfte weitere Marktanteile im Schweizer Fondsmarkt hinzugewinnen können und haben jetzt gemäss Lipper einen Marktanteil von 8,5 Prozent. Erfreulicherweise verzeichneten wir stetige Zuflüsse, erst in die Geldmarktfonds und dann ab März in die Aktienfonds. Die Wertverluste der vergangenen zwölf Monate konnten beinahe kompensiert werden.
Wird in der Schweiz auf politischer Ebene zu wenig über Nachhaltigkeit diskutiert?
Ich stelle fest, dass Nachhaltigkeit von Finanzprodukten in Deutschland viel mehr diskutiert wird als bei uns. Wir hatten bereits dreimal Treffen mit Bundestagsabgeordneten in Berlin. In der Schweiz, dürfte es kaum möglich sein, bei Parlamentariern das gleiche Interesse zu erzielen.
Im September referieren Sie über die Lage der Pensionskassen. 2008 hat der Einbruch an den Aktienmärkten zwei Drittel der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen in die Unterdeckung geführt. Hat sich die Lage mittlerweile entschärft?
Mit der Börsentalfahrt im März hatte sich die Lage nochmals verschärft. Die meisten Pensionskassen, in die wir Einblick haben und die nicht in Panik ihre Aktienquote gesenkt haben, dürften diese Verluste nun wieder mehr als kompensiert haben. Im Vergleich zu Ende 2008 hat sich die Situation also etwas entschärft. Für eine Trendwende reicht die gegenwärtige Erholung an den Finanzmärkten allerdings nicht aus.
spn Newsletter
Die “Schweizer Pensions- und Investmentnachrichten” spn haben die neuste Ausgabe ihres “führenden Newsletter über institutionelles Asset Management und die Betriebliche Vorsorge” publiziert.
Treuhänder: Grenzen der Wertschwankungsreserven bei VE
Das Value-at-Risk-Verfahren mit der Annahme der Normalverteilung der Anlagerenditen (Standard VaR) liefert systematisch unterschätzte Zielwerte der Wertschwankungsreserve bei Vorsorgeeinrichtungen. Mit zunehmendem Anteil an Aktien und alternativen Anlagen sollte der mit dem Standard VaR definierte Zielwert deshalb durch andere Verfahren ausgetestet und entsprechend verstärkt werden. Zusätzlich sollte das Sicherheitsniveau erhöht werden, schreiben Ljudmilla Bertschi, Nathalie Munaretto und Julien Roueche (Bilder von links nach rechts) von Watson Wyatt in Ausgabe 8/2009 des Treuhänder.
Das Fazit ihres Beitrags: Ziel der VaR-Methode ist die Bestimmung des maximal möglichen Verlusts, der mit einer vorgegebenen Wahrscheinlichkeit am Ende einer Zeitperiode nicht überschritten werden sollte. Der Standard VaR sollte jedoch bei zunehmendem Anteil an Aktien und alternativen Anlagen durch andere Verfahren ergänzt werden. Dem aufgeführten Beispiel für BVG 2005 Pictet Portfolios können wir entnehmen, dass der Zielwert der WSR, berechnet mit der Standard-VaRMethode, je nach Anteil der risikobehafteten Anlagen etwa um 20% bis 25% verstärkt werden sollte. Die Ergänzung der Standard-VaR-Methode durch den Cornish-Fisher Ansatz stellt sicher, dass der Zielwert der Wertschwankungsreserve nicht systematisch unterschätzt wird. Weitere mögliche Methoden sind Stresstests, Sensitivitätsanalysen und Berechnungen mit dem Risikomass Expected Shortfall (CVaR).
Nassim Taleb : "nous devons passer au capitalisme 2.0"
Le professeur Nassim Taleb (Black Swan), qui dénonce une économie trop spécialisée, préconise un système avec moins de dettes où les entrepreneurs prennent des risques mais pas les banquiers.
Blick: Wenig Begeisterung für FDP-Ideen
Die FDP will zur Ankurbelung der Wirtschaft und zur Förderung von Innovationen Pensionskassen-Geld in junge Unternehmen lenken. Silvio Bertolami vom Blick hat sich bei Pensionskassen umgehört, was die Reaktionen dazu sind. Er schreibt:
“Unbestritten ist: Die Schweiz ist ein karger Boden für innovative Leute, die neue Firmen (sogenannte Startups) gründen wollen. Auf der Suche nach Geld blitzen sie bei den Banken meist ab, “Jungunternehmer mit guten Ideen gehen deshalb in die USA, weil sie dort das Risikokapital finden”, ärgert sich Ruedi Noser. “Das ist das Fälscheste, was uns passieren kann. Damit gehen der Schweiz viele Arbeitsplätze verloren. Nur: Soll es Aufgabe der Pensionskassen werden, diesen Missstand zu beseitigen? Thomas Hohl, Geschäftsführer der Migros- Pensionskasse, winkt ab: «Der Zweck der Pensionskasssen ist die finanzielle Vorsorge für Aller, Invalidität und Tod. Nichts anderes.»
Sämtliche von BLICK angefragten Pensionskassen-Vertreter lehnten Nosers Forderung ab. «Eine Schnapsidee«, findet der Geschäftsführer einer grossen Kasse. Nicht weniger pointiert äussert sich André Jaeggi, Präsident der Sammelstiftung Ascoop: «Jede Pensionskasse zur Finanzierung von Jungunternehmen zu verdonnern, unabhängig ihrer Risikofähigkeit, das ist gemeingefährlich.»
NZZ: Die U-Kurve der Hoffnung
Die NZZ informiert über aktuelle Zahlen in der BV und die ergriffenen Sanierungsmassnahmen. Von den 729 Vorsorgeeinrichtungen im Kanton Zürich haben bis Mitte Juli insgesamt 206 Kassen (28 Prozent) eine Unterdeckung gemeldet, wie der Leiter des Amts für berufliche Vorsorge und Stiftungen des Kt. Zürich, Erich Peter, ausführt. Auf Grundlage der freiwilligen Meldungen der Deckungsgrade bis Ende Februar 2009 hat die Zürcher Aufsicht den Anteil der Vorsorgeeinrichtungen in Unterdeckung auf 46 Prozent hochgerechnet. Der tatsächliche Wert wird im Kanton Zürich zwischen 28 und 46 Prozent liegen.
Alle diese Zahlen beziehen sich auf den 31. Dezember 2008, das massgebliche Datum für die Aufsichtsbehörde. Wie Peter ausführt, könnte die Aufsicht die laufende Börsenentwicklung einbeziehen, wenn sie im Sommer die Sanierungspläne einer Pensionskasse beurteilt. Dabei müssten sich die Kurse an den Finanzmärkten aber während langer Zeit kontinuierlich nach oben (oder nach unten) entwickeln. Im Moment seien die Voraussetzungen dazu nicht gegeben; die Börse habe zwar in den letzten Monaten aufgeholt, seit Anfang Jahr sei aber eine U-förmige Kurve zu beobachten.
Fast alle Kassen mit einer Unterdeckung im Bereich von 90 bis 95 Prozent ergreifen laut Peter Zinsmassnahmen. Entweder wird die Verzinsung gesenkt, oder es wird gar eine Nullzinsrunde durchgeführt. Bei einer Nullverzinsung verzichten die Versicherten von Vorsorgeeinrichtungen, die mehr als das BVG-Minimum versichern, auf die Verzinsung ihrer Altersguthaben. Im obligatorisch versicherten Teil der Guthaben wird der gesetzliche Mindestzins (derzeit 2 Prozent) gutgeschrieben, während im überobligatorischen Teil negativ verzinst wird. Sanierungsbeiträge, die vom Arbeitgeber und von den Arbeitnehmenden zwingend paritätisch zu leisten sind, machten üblicherweise je 1 bis 2 Lohnprozente aus, in seltenen Fällen etwas mehr, sagt Peter.
