Die NZZ befasst sich mit der aktuellen Zinssituation, die in der Schweiz durch tiefe und im Euroraum durch negative Realzinsen geprägt ist. Die Folgen sind kalte Enteignung der Sparer, Versicherungen und Pensionskassen.
Kapitalanlagen
TA: “Pensionskassen könnten viel mehr herausholen”
“Auch nach dem Urteil des Bundesgerichts werden Banken die einkassierten Provisionen nicht automatisch an ihre Kunden weitergeben. Mit Schweigemauern und Halbwahrheiten vernebeln Banken selbst den Anlageprofis der Pensionskassen die Sicht”, schreibt der Tages-Anzeiger. Weiter heisst es dort:
«Die Banken müssen jetzt endlich offenlegen, welche Summen sie sich gegenseitig zuschieben», sagt VI-Vorsorge-Invest-Partner Jürg Schiller. «Bisher meinten die Grossbanken, das Obligationenrecht gelte für sie nicht», erklärt Schiller gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Das Bundesgerichtsurteil hat jetzt eindeutig klargestellt, dass diese Position nicht zu halten ist.» Als ehemaliger Fondsmanager einer Bank weiss Schiller, wie die Institute untereinander abrechnen. «Selbst Banken, die nur als Depotbank fungieren, fordern von Fondsverwaltern Bestandes- und Vertriebsentschädigungen. So als sei es ihr Verdienst, dass die Fonds von der PK ausgesucht wurden.»
Solche Praktiken bestätigt auch Marco Bagutti, der die Versichertengelder bei der Stiftung Auffangeinrichtung BVG verwaltet. «Depotbanken schauen sich an, welche Fonds bei ihnen liegen und verhandeln dann mit den Fondsverwaltern über Vertriebsgebühren. Obwohl sie selbst keinerlei Vertriebsleistung erbracht haben.»
Da die Banken wussten, dass das Thema Retrozessionen auf sie zukommt, liessen sie in den vergangenen Jahren auch Pensionskassen unterschreiben, dass sie auf die Retrozessionen verzichten. «Sie haben die Allgemeinen Geschäftsbedingungen geändert und selbst bei Depotverträgen hereingeschrieben, dass die Bestandes- und Vertriebsentschädigungen der Bank gehören», sagt Schiller. «Die Pensionskassen müssen diese Verträge jetzt bereinigen und von den Banken die Offenlegung ihrer verdeckten Einnahmen fordern», so Schiller.
Bestandespflege und Retrozessionen
Andreas Valda beschäftigt sich im Tages-Anzeiger mit dem Verhalten der Banken gegenüber den Pensionskassen in Sachen Retrozessionen. Das Thema hat nach dem kürzlichen BGer-Entscheid neue Aktualität erhalten. Zitiert wird aus einem Brief der Bankiervereinigung: “Die SBV sandte im Oktober 2008 ein Rundschreiben «an die Mitgliedbanken »: Sie erachte es «als angezeigt, dass Banken ihren Kunden in dieser Sache entgegenkommen. » Sprich: Die Banken sollten der Pensionskassen keine Knüppel zwischen die Beine werfen. Aber die Vereinigung machte eine gewichtige Ausnahme. Sie schrieb, laut ihrer Rechtsauffassung seien die «Bestandespflege- und Vertriebsentschädigungen » keine Retrozessionen und «damit nicht Gegenstand dieses Zirkulars», schreibt der TA.
Die Banken müssten also auf Anfrage keinen Aufschluss darüber erteilen. Das Bundesgericht hält nun in dem erwähnten Urteil fest, dass diese «Bestandespflege- und Vertriebsentschädigungen » ebenfalls Retrozessionen sind. Sie müssen offengelegt und allenfalls zurückerstattet werden. Im Klartext: 2008 empfahl die Bankiervereinigung den Mitgliedbanken ein Verhalten, dass laut Bundesgericht damals wie heute widerrechtlich war und ist. Die Vereinigung nahm dazu gestern ausweichend Stellung: «Ob das Urteil die Banken zu Änderungen veranlassen wird, ist heute nicht einheitlich zu beantworten, sondern hängt auch vom Geschäftsmodell jeder Bank ab.»
Banken müssen Kickbacks herausgeben
Den gebeutelten Schweizer Banken drohen weitere Einnahmeverluste. Die Provisionen, die sie von Fondsverwaltern und anderen Banken für den Vertrieb von strukturierten Produkten und Anlagefonds erhalten, müssen sie künftig an ihre Kunden weitergeben. Das entschied gemäss Tages-Anzeiger das Bundesgericht in Lausanne.
Der Zürcher Bankkundenanwalt Daniel Fischer bezeichnete das Urteil gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet als richtungsweisend. «Das ist einer der massivsten Entscheide, die es im Finanzmarktrecht gegeben hat». Der Entscheid treffe die Schweizer Banken in einem äusserst «unglücklichen Moment». Der Schweizer Finanzplatz sei ohnehin schon sehr angeschlagen, sagte Fischer.
Gemäss Fischer ist der Entscheid des Bundesgerichts auch rückwirkend gültig. «Das heisst, dass Kickbacks, die in den letzten zehn Jahren einbehalten wurden, an die Kunden ausgezahlte werden müssen», so Fischer. Allerdings gebe es Banken, die dieses in ihren Vertragsbedingungen bereits ausgeschlossen hätten.
Zudem könne sich der Entscheid des Bundesgerichts für Anleger als «Pyrrhussieg» erweisen. «Es steht zu befürchten, dass Banken ihr gesamtes Kostenmodell revidieren», so Fischer. Konkret heisse das, dass die Vermögensverwaltungsgebühren steigen könnten.
Swisscanto: Blog für Anleger (und Haie)
Swisscanto geht mit der Zeit und startet einen Blog zu Anlagethemen. Wenn sich dabei Thomas Härter über vegetarische Haie äussert, dann ist also damit keine zoologische Absonderlichkeit gemeint, sondern die gewagte Metapher gilt der EZB, welche die kleinen Fische auf dem Finanzmarkt vor den bösen bewahren will. Weil aber auf einem Blog Abschweifungen nicht nur erlaubt, sondern erwünscht sind, erfahren wir (mit angefügtem Link), dass es tatsächlich vegetarische Haie gibt, aber auch, dass sich in den Tiefen des Finanzozeans allerhand Übles zusammenbraut. Den Einstieg in das neue Medienprojekt hat sich CEO Gérard Fischer vorbehalten, der allerdings dieses Mal ganz ohne Metaphern auskommt, was uns offen gestanden etwas überrascht.
CS PK-Index im Q3
Im Berichtsquartal nahm der Index um 3.57 Punkte resp. 2.77% zu und liegt per 30. September bei 132.29 Punkten. Zum positiven Resultat haben der Juli mit 2.02%, der August mit 0.09% und der September mit 0.65% beigetragen. Die YTD-Rendite betrug per 30. September erfreuliche 6.15%. Somit haben die Pensionskassen im Durchschnitt die BVG-Mindestverzinsung drei Monate vor Jahresende, bereits um mehr als das Dreifache übertroffen. Die Performance Contribution zeigt, dass im dritten Quartal alle Anlageklassen, ausser der Liquidität, zur positiven Rendite beigetragen haben.
Die BVG-Mindestverzinsung (aktuell 1,5% p.a.), ebenfalls ausgehend von 100 zu Anfang des Jahres 2000, stieg im Berichtsquartal um weitere 0.52 Punkte (resp. 0.37%) auf den Stand von 141.01 an. Die Differenz verringerte sich erneut und liegt per 30. September bei 8.72 Punkten.
In der Anlageallokation per 30. September fällt auf, dass sich die Liquiditätsquote (7.2%) erneut reduziert hat. Ebenfalls reduziert wurden die Engagements in Schweizerfrankenobligationen (25.1%) und in Immobilien (20.9%). Erhöht haben sich im Gegenzug die Engagements in Fremdwährungsobligationen (9.0%), Aktien Schweiz (12.2%) und Aktien Ausland (16.5%). Die Schweizer Franken Quote hat sich per 30. September auf 78.0% reduziert.
Die detaillierte Auswertung des Credit Suisse Schweizer Pensionskassen Index für das 3. Quartal 2012 wird in rund zwei Wochen publiziert.
UBS PK-Barometer September 2012
Auch im September konnte die Performance der Schweizer Vorsorgeeinrichtungen an die gute Entwicklung der Vormonate anknüpfen. Damit bleibt der Mai im Jahr 2012 der bislang einzige Monat mit negativer Rendite. Aufgrund der bisher erzielten Jahresperformance könnte nach 2009 das laufende Jahr das erste seit 2007 mit ausreichender Rendite zur Erfüllung des Vorsorgezwecks werden.
Harcourt: «Hedge Funds nochmals neu entdecken»
«Es gab tatsächlich viele Enttäuschungen», räumt Georg Wessling (Bild), Head of Advisory bei Harcourt Investment Consulting, im Gespräch mit finews.ch ein. Dass die Investoren, insbesondere auch institutionelle Anleger wie Pensionskassen oder andere Vorsorgeeinrichtungen, negative Renditen mit alternativen Anlagen hinnehmen mussten, habe indessen verschiedene Gründe.
Erstens hätten viele Investoren ganz einfach falsche Erwartungen in Bezug auf Risko und Rendite gehabt, erklärt Wessling und weist damit auf die zunehmend kurzfristigen Anlagehorizonte vieler Investoren hin. Zweitens bestehe ein erstaunlich weit verbreitetes Wissensmanko bezüglich der Funktionsweise von Hedge Funds, gerade bei Pensionskassen und deren Beratern, die von falschen oder unzureichenden Vorstellungen ausgingen und die entsprechenden Produkte nur im Sinne einer Long-/Short-Strategie betrachteten, so der Harcourt-Experte weiter.
Drittens hätten manche Anleger die verschiedenen Hedge-Fund-Strategien zu wenig differenziert. Schliesslich sei es je nach Marktumfeld ein Unterschied, ob man etwa eine Strategie mit «Distressed Securities» und Arbitrage-Zielen verfolge oder auf reines «Market-Timing» setze.
Vor diesem Hintergrund erstaunt es auch nicht, dass die Allokation von alternativen Anlagen in den letzten Jahren bei den Pensionskassen unter 3 Prozent des Vermögens gesunken ist, wie verschiedene Studien (unter anderem von Complementa) zum Ausdruck bringen. «Doch das könnte sich wieder ändern, angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds», sagt Wessling. Er geht davon aus, dass der Anteil an alternativen Anlagen bei institutionellen Investoren in den nächsten paar Jahren auf bis zu 10 Prozent ansteigen dürfte.
Towers Watson: Roadmap zum nachhaltigen Investieren
Zum Thema „nachhaltiges Investieren“ hat Towers Watson in Zusammenarbeit mit der Oxford University eine global angelegte Studie („Project Telos“) durchgeführt, die von 22 Vermögensverwaltern und acht prominenten Anlage-Spezialisten unterstützt wurde.
Die Studie geht davon aus, dass Regierungen, Vermögenseigner und Unternehmen als Partner stärker zusammenarbeiten müssen, um eine nachhaltige Anlagezukunft zu schaffen. Sie erkennt an, dass die Vermögensanlagebranche als Teil einer Prozesskette arbeitet, eine kritische gesellschaftliche Bedeutung hat und eine zentrale Funktion innerhalb des marktwirtschaftlichen Systems erfüllt. Die Untersuchung regt an, dass es der Zweck der Anlagemärkte ist, der wirksamen Kapitalbildung und -verwendung zu dienen, um Wohlstand zu erzeugen und Risiken zu bewältigen. Sie sagt auch aus, dass Anlageorganisationen als Instrumente für eine wirksame Kapitalbildung und eines gezielten Kapitalverzehrs dienen.
Ergebnis der Studie ist ein „Fahrplan“ („Roadmap“) für die nachhaltige Vermögensanlage, der Investoren dabei unterstützt, Nachhaltigkeitsüberlegungen in Entscheidungen zur Vermögensanlage zu integrieren. Die Studie stellt auch neue Ansätze zu folgenden Themenfeldern vor:
- Gestaltung von Organisationsverfahren für Vermögenseigner sowie der Wertschöpfungskette
- Rahmen für das Risikomanagement und die Anlageführung
- Faktorbasierte, thematische und Standard-Vermögensallokationsansätze für Vermögenseigner
- Produktentwicklung für Vermögensverwalter.
Swisscanto PK-Herbstgespräch: Aufhellungen und offene Fragen
Swisscanto hat an ihrem traditionellen Herbstgespräch zur Situation der 2. Säule einige positiv stimmende Daten zur Entwicklung von Performance und Deckungsgrad im laufenden Jahr bekannt gegeben. Trotz der anhaltenden Währungsturbulenzen und Eurokrise haben sich insbesondere Aktien gut entwickelt. Der Pictet-Index BVG 25 legte seit Jahresbeginn um 6,7% zu, BVG 25plus um 6,9%. Entsprechend haben sich die Deckungsgrade verbessert. Aufgrund eigener Hochrechnungen kommt Swisscanto laut Othmar Simeon per Ende August für die privaten Kassen auf einen durchschnittlichen Deckungsgrad von 107% (Ende 2011: 103%). Bei den öffentlichen Kassen erreichen jene mit Vollkapitalisierung (keine Staatsgarantie) 99 (95)%, die mit Teilkapitalisierung 75 (72)%. Das Jahr ist damit nach Einschätzung von Swisscanto besser als erwartet verlaufen und dürfte eine Performance zwischen 6 und 8% ergeben. Dazu beigetragen hat nicht zuletzt die Stabilisierungspolitik der Nationalbank, welche den Kassen Währungsverluste erspart hat.
Die weitere Kapitalmarktentwicklung sieht aufgrund der von der EZB abgegebenen Garantien ebenfalls recht gut aus. Die meisten Aktienmärkte sind laut Peter Bänziger, CIO von Swisscanto, unterbewertet. Dies weniger in der Schweiz als insbesondere in der EU, wo die Unterbewertung einen historischen Höchststand erreicht hat. Die Wirtschaftsaussichten sind hingegen weniger rosig. Die höchste Wahrscheinlichkeit wird für die Weltwirtschaft einem Szenario mit Stagflation eingeräumt (60%), es folgen “Japanisierung” (25%), Depression (10%) und rasche Erholung (5%).
Also Entwarnung für die 2. Säule mit dem steten Ruf der Kassen nach einer weiteren Senkung des Umwandlungssatzes? Hanspeter Konrad, Direktor des ASIP, warnte, dass mit den politischen Entscheiden nicht mehr allzu lange zugewartet werden dürfe. Den meisten Kassen fehlen ausreichende Schwankungsreserven. Es gehe nicht um Abbau, sondern um Sicherung der Leistungen. Die folgenden Fragen müssten beantwortet werden: Finanzierung bei tiefem Zinsniveau und DG, Anpassung der Leistungsparameter, Anstieg der Lebenserwartung und Generationensolidarität (Umverteilung). Der ASIP favorisiert eine UWS-Anpassung mit flankierenden Massnahmen, um das bestehende Leistungsziel (incl. AHV 60%) garantieren zu können. Ein Ausgleich für die UWS-Senkung über die AHV wird angesichts der Tatsache, dass diese in wenigen Jahren massiv mit den Auswirkungen der Demographie zu kämpfen haben wird, entschieden abgelehnt.
Konrad verwies bezüglich UWS-Anpassung schliesslich darauf, dass viele Pensionskassen ihren Umwandlungssatz sozialpartnerschaftlich bereits auf ein Niveau gesenkt hätten, das von den Gewerkschaften als unakzeptabel qualifiziert werde.
Ethos Vergütungsstudie 2011
Die Gesamtvergütungen für Verwaltungsrat und Geschäftsleitung sanken im Finanzsektor im Jahr 2011 um 23 Prozent, während diese in den anderen Sektoren um fünf Prozent gestiegen sind. Dies geht aus der Ethos Studie zu den Vergütungen 2011 der 100 grössten börsenkotierten Unternehmen in der Schweiz hervor. Die Studie zeigt auch, dass 2012 49 dieser Unternehmen ihre Generalversammlung konsultativ über die Management-Vergütungen abstimmen liessen. Ethos schreibt dazu: “Ungeachtet des positiven Einflusses dieser Abstimmungen auf die Transparenz und die Struktur der Vergütungssysteme, verzichtet also mehr als die Hälfte der Unternehmen auf eine Selbstregulierung. Damit wird die lange geforderte gesetzliche Stärkung der Aktionärsrechte dringend. Aus diesem Grund unterstützt Ethos den parlamentarischen Gegenvorschlag zur Abzocker-Initiative.”
Rückläufige Wohnbautätigkeit
Im 2. Quartal 2012 wurden gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) in der Schweiz 10’650 Wohnungen neu erstellt. Im Vergleich zum Vorjahresquartal entspricht dies einem Rückgang von 8 Prozent. Ende Juni 2012 befanden sich 74’040 Wohnungen im Bau, was im Jahresvergleich einer Zunahme von 6 Prozent entspricht. Die Zahl der von April bis Juni 2012 baubewilligten Wohnungen nahm gegenüber dem Vorjahresquartal um 10 Prozent auf 15’010 Einheiten ab.
BSV: Studie zur Erhöhung der Kostentransparenz
Ausgehend von der Frage, welche Anlageinstrumente Kosten verursachen, die bislang nicht in der Betriebsrechnung von Vorsorgeeinrichtungen ausgewiesen wurden, hat das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) bei der Beratungsfirma c-alm eine Studie in Auftrag gegeben. Die Untersuchung geht auf die Kriterien ein, die es ermöglichen, die verschiedenen Anlagenarten zu unterscheiden und zu bestimmen, wie die kostentragende Anlagen gemäss Art. 48a, Abs. 3, BVV 2 zu behandeln sind. Diese Empfehlungen dienen nun der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) als Grundlage für die Erarbeitung von verbindlichen Regeln.
NZZ Equity: Hedge Funds oder die Furcht vor der Schlagzeile
Michael Rasch befasst sich in NZZ Equity mit der Rolle der Hedge Funds für die hiesigen Pensionskassen. Ihre Bedeutung ist gering, insbesondere bei den öffentlichen Kassen, welche sich noch stärker vor den negativen Schlagzeilen im Falle von Verlusten fürchten. Rasch schreibt: “Zwar darf ein Pensionskassen-Manager in der Wahrnehmung auf dem Boulevard durchaus mit Aktien der UBS Dutzende Millionen Franken in den Sand setzen, galt das Unternehmen ja einst als Hort der Stabilität. Entstehen derart «grosse» Verluste jedoch durch Anlagen in Hedge-Funds, kennt das öffentliche Urteil über den unglücklichen Pensionskassen-Manager keine Gnade.”
Für Werner Hertzog (Aon Hewitt, vorher Publica) war das Reputationsrisiko von Investments in Hedge-Funds ebenfalls ein wichtiger Grund, die Anlageklasse zu umgehen. Doch es seien noch weitere Aspekte hinzugekommen. Die Verwalter grosser Kassen würden heutzutage nicht die Performance managen, sondern die Risiken. Die Risikoprofile von Hedge-Funds seien jedoch deutlich schwieriger abschätzbar als die von Aktien, Anleihen und Währungen, da die Produkte, Strategien und Manager sehr heterogen seien.
Laut Peter Meier, Hedge-Funds-Experte der ZHAW in Winterthur, liege beim mangelndem Wissen ein viel grösseres Problem als das Headline-Risiko selber. Manche Pensionskassen-Beratungs-Firmen seien Hedge-Funds gegenüber sehr negativ eingestellt und operierten zum Teil mit falschen Annahmen wie einer zu niedrigen historischen Performance und zu hoher Volatilität. Einige der Berater seien nicht auf der Höhe des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes.
Gemäss einer Umfrage der Berater von Ernst & Young von Ende 2010 hatten zu diesem Zeitpunkt rund 40% der Kunden die hohen Gebühren satt und drängten auf eine Reduktion. Diesem Drängen gaben bei der Verwaltungsgebühr gut 30% und bei der Performance-Gebühr rund 15% der Hedge-Funds nach. Vor allem schwache Manager dürften immer stärker unter Druck geraten, die Gebühren zu senken. Marktbeobachter meinen, die Kosten würden inzwischen im Durchschnitt etwa bei der Verwaltung der Fonds bei 1,5% oder darunter liegen und bei der Performancegebühr bei 15% oder tiefer. Die Stiftung Auffangeinrichtung BVG kam in einer Analyse ihrer Hedge-Funds-Kosten zu dem Ergebnis, dass die Verwaltungsgebühren für die Hedge-Funds-Quote von 3% etwa den Gebühren für alle anderen Anlageklassen entsprächen.
Ausserbörslicher Handel mit Derivaten soll besser geregelt werden
Der Bundesrat hat beschlossen, neue gesetzliche Regelungen für den ausserbörslichen Handel mit Derivaten einzuführen. Gleichzeitig soll die Regulierung im Bereich der Finanzmarktinfrastruktur angepasst werden. Das Eidgenössische Finanzdepartement wurde beauftragt, bis im Frühjahr 2013 eine Vernehmlassungsvorlage auszuarbeiten.
