Über das radikale Gedankenexperiment der UBS zur Frage «wie ein Vorsorgesystem aussehen könnte, wenn man es unter heutigen Voraussetzungen grundsätzlich neu konzipieren würde?» haben wir ja an dieser Stelle schon anfangs September berichtet.
Im Extrabund Vorsorge der Handelszeitung nimmt Daniel Kalt, der langjährige Chefökonom der UBS, im Interview mit Sandra Willmeroth nochmals Stellung zur Studie des UBS Chief Investment Office Global Wealth Management.. (Grossbank = Grosse Titel?). Hier einige spannende Statements:
«Die Jahresrechnung der AHV zeigt die aktuelle Vermögens- und Finanzsituation, aber nicht die gesamten langfristigen Verpflichtungen gegenüber künftigen Rentnern.»
Was würde der Vorschlag in der zweiten Säule ändern?
«Sie würde zu einem reinen Beitragsprimat ohne Kapitalgarantie ausgestaltet werden. Die Beitragssätze wären nicht mehr altersabhängig. Versicherte könnten Anbieter und Anlagestrategie selber wählen…»
Was würde ein Systemwechsel kosten?
«Das heutige System müsste weiter finanziert werden, während zugleich Kapital für das neue aufgebaut würde. Unsere Annahmen gehen in Richtung von 500 bis 600 Mia CHF… inklusive Ausgleichsleistungen für die Übergangsgenerationen.»
Was bringt’s langfristig?
«Unter 30-Jährige und spätere Generationen würden gemäss Studie über die gesamte Rentenphase höhere Leistungen erhalten».
Fazit: Die Vorschläge bewegen sich weit weg von der politischen Machbarkeit, sind aber explizit als Gedankenexperiment deklariert worden. Fachleute attestieren, dass ergebnisoffene Diskussionen wichtig sind, denn Vorsorgesysteme zu verändern, sei eine langwierige Herkulesaufgabe.

