Luise Dumbly erinnert in der AWP (Nr. 17 vom 30. September2026) daran, dass die Schweiz im Mercer CFA Institute Global Pension Index 2025 Rang 11 von 52 belegt, beim Leistungsniveau aber nur im Mittelfeld liegt. Weniger beachtet wurde, was Mercer selbst als Hindernis für eine bessere Platzierung nennt: mangelnde Transparenz und zu wenig aktive Massnahmen zur Professionalisierung der Leitungsgremien.
Damit ist Dumblys Kernthema, die Besetzung und Bildung der Stiftungsräte, auch im internationalen Benchmark angekommen. Die von ihr angeführte Schweizer Studie stammt von Carolina Salva und Tim Kroencke und wurde im September breiter bekannt. Befragt wurden 28 Berater und Asset Manager. Sie nennen die Risikotoleranz der Stiftungsräte, Zielrenditen und risikolose Zinsen als wichtigste Treiber der Asset Allocation, erwartete Renditen und Volatilitäten hingegen kaum. Die Risikopräferenzen der Versicherten spielen gemäss der Befragung praktisch keine Rolle.
Vorsicht ist dennoch angebracht: Die Studie gibt die Aussensicht der Berater wieder und misst nicht die Präferenzen der Stiftungsräte selbst. Gerade deshalb ist Dumblys Ruf nach einer systematischen Erforschung der Entscheidungsprozesse im Gremium berechtigt.
Laut Swisscanto-Studie 2026 ziehen mehr als zwei Drittel der Stiftungsräte für Strategie und Anlageauswahl Investment Consultants bei. Offen bleibt damit, wessen Risikotoleranz sich in der Anlagestrategie tatsächlich niederschlägt: die des Gremiums oder die seiner Berater. Das Gesetz verpflichtet das oberste Organ in Art. 51a Abs. 2 lit. i BVG, die Erst- und Weiterbildung sicherzustellen, lässt Umfang und Rhythmus aber offen.
Irland mit verbindlichen Schulungsfristen und die Niederlande mit einer Eignungsprüfung durch die Zentralbank zeigen, dass mehr Verbindlichkeit möglich ist. Für das Schweizer Milizsystem wäre eine behördliche Fit-and-proper-Prüfung ein Fremdkörper.
Eine Pflicht, die absolvierte Weiterbildung im Jahresbericht offenzulegen, wäre hingegen ein niederschwelliger Schritt. Besonders gefordert sind die Sammelstiftungen, deren Stiftungsräte immer mehr und immer heterogenere Anschlüsse vertreten. Erste Anbieter wie Nest setzen bei ihren Wahlen auf explizite Anforderungsprofile, was in Richtung kompetenzbasierter Besetzung weist. Zugleich wird die Rekrutierung schwieriger, und die Frage, ob sich genügend qualifizierte Personen für das Amt finden lassen, wird inzwischen offen gestellt.
Dabei ist zu bedenken, dass auch eine übertrieben vorsichtige Strategie eine Sorgfaltspflichtverletzung sein kann, wie die AMAS/WTW-Studie 2025 festhielt. Ob es besser ginge, lässt sich deshalb nur mit Daten zu Bildungsstand, Weiterbildungsumfang und Entscheidungswegen beantworten, und diese fehlen in der Schweiz bis heute.

