Die “Schweizer Personalvorsorge” behandelt in Ausgabe 04.09 den Schwerpunkt “Kollektivversicherung”. Das für die Berufliche Vorsorge ebenso wichtige wie politisch umstrittene Thema wird aus diversen Perspektiven beleuchtet. Weiter beschreibt Arnold Schneiter die “Mechanik der Altersrentenberechnung” als Beitrag zur Senkung des Umwandlungssatzes, Jürg Brechbühl behandelt die Totalrevision des VVG und Dominique Biedermann wird zum Mitspracherecht der Aktionäre befragt.
Medien
L’Hebdo: Nos retraites en danger
Entre solidarité et équité. Si les mauvaises performances des marchés financiers perdurent, les caisses de pension devront réduire les prestations à venir. Tout en préservant les retraites en cours et les futures rentes des titulaires de bas salaires.
Umwandlungssatz, Lebenserwartung und wer die Zeche bezahlt
Avenir Suisse schreibt in der April-Ausgabe ihrer Informationen: “Einmal mehr schimpft die Linke über «amtl. bew. Diebstahl» bei den Pensionskassen. Im Dezember beschloss nämlich das Parlament, den Umwandlungssatz des Sparkapitals von 7,2 Prozent schneller auf 6,4 Prozent zu senken. Denn seit das BVG eingeführt wurde, ist die Lebenserwartung im Alter von 65 stark gestiegen. Und jetzt kommen die starken Jahrgänge der Babyboomer ins Rentenalter. Das wäre kein Problem, wenn wirklich jeder für sich sparen würde. Tatsächlich bezahlen die Kassen aber bisher zu hohe Renten- die Zeche bezahlen dereinst die Jungen.” Und wo findet der Diebstahl statt? wäre anzufügen.
G.Fischer: Schweiz sollte nach Partnern suchen
Gérard Fischer, CEO der Swisscanto, äussert sich in einem Interview mit der Handelszeitung zu aktuellen Fragen der Fondsbranche. Er rechnet mit einer Konsolidierung und weiteren Fondsschliessungen. Trotz des schwierigeren Umfelds sieht er keine Notwendigkeit, Personal zu entlassen. Dem anhaltenden Druck auf das Bankgeheimnis sollte die Schweiz nicht im Alleingang begegnen.
Umwandlungssatz: Referendum eingereicht
Der Blick schreibt: “Die Rentenkürzung in der zweiten Säule kommt vors Volk. Das Referendumskomitee hat rekordverdächtige 205 000 Unterschriften gegen die geplante BVG-Revision bei der Bundeskanzlei deponiert. Linke Parteien, Gewerkschaften, Rentner- und Konsumentenorganisationen wehren sich mit dem Referendum gegen den Entscheid des Parlaments, den Mindestumwandlungssatz in der zweiten Säule (BVG) bis 2015 schrittweise auf 6,4 Prozent zu senken.”
Blick: Es geht ohne Rentenklau
Silvio Bertolami schreibt im Blick zur Einreichung des Referendums gegen die Anpassung des Mindest-Umwandlungssatzes: “Schon zum zweiten Mal innert kurzer Zeit sollen die Pensionskassen-Renten gekürzt werden. Blick zeigt, warum das nicht nötig ist. Das letzte Wort hat das Volk. Zum Glück!”
Le Temps: Caisses de pension – premières mesures d’assainissement
Alors que l’Office fédéral des assurances sociales doit faire le point aujourd’hui sur les situations de sous-couverture (voir SOS jargon) touchant nombre de caisses de pension, beaucoup ont déjà décidé des mesures d’assainissement. Les principales sont la suppression pour un an de la rémunération des avoirs des salariés, des cotisations d’assainissement et le gel des retraits pour amortir une hypothèque, plus rarement pour acheter un logement.
Stauffer: Heisse Kartoffeln und anderes Gemüse
Hans-Ulrich Stauffer, Chef der Pensionskasse Abendrot, hat in einem Interview mit der NZZ am Sonntag seine Meinung zu aktuellen Fragen in der 2. Säule kund getan. Hier einige Zitate:
NZZ: Bringt die Krise das Tabu (Rentnerbeteiligung an Sanierungen) ins Wanken?
Niemand will sich an dieser heissen Kartoffel die Finger verbrennen. Klar ist: Geht ein Arbeitnehmer in Pension, reicht das in dem Moment zurückgestellte Kapital nicht für die Rente. Man rechnet damit, dass der Finanzmarkt in Zukunft eine Verzinsung hergibt. Liegt diese unter dem sogenannt technischen Zins, mit dem man rechnet, reicht das Kapital nicht aus. In den letzten zehn Jahren konnten die benötigten 3,5% bis 4,5% Rendite nicht erwirtschaftet werden. Die Renten müssten theoretisch gekürzt werden. Das ist gesetzlich nicht möglich.
Wie stark haben Pensionskassen die Blasen am Finanzmarkt mitverursacht?
Heute lagern etwa 800 Mrd. Fr. in der zweiten Säule. Das ist gleich viel wie die totale Börsenkapitalisierung der Schweiz. Ich schliesse nicht aus, dass solche Summen kurstreibend gewirkt haben. Es hat sich derart viel Kapital angehäuft, dass wir in guten wie in schlechten Zeiten Schwierigkeiten haben, Geld anzulegen. Aus diesem Grunde müssen Kassen im Ausland investieren – zum Beispiel in isländische Banken, die dann plötzlich nichts mehr wert sind. Wir wären froh, der Bund nähme auch uns solche «toxischen Papiere» ab!
Thomas Held: Das Gesetz ist faktisch ausser Kraft gesetzt
Thomas Held, Geschäftsführer von Avenir Suisse, wurde von SPN, Schweizer Pension- und Investmentnachrichten, zu den Folgen der Finanzkrise auf die Schweizer Pensionskassen befragt. Hier ein paar Zitate.
Zu den PK-Experten: “Es gibt eine kleine Gruppe von Auserwählten, vielleicht 120 bis 150 Personen, die die Pensionskassen kontrollieren und testieren. Ihre Stellung gleicht der der Notare. Sie zu haben, ist wertvoll. Daran hängt eine grosse, feste Einkunft. Wenn man mit einer solchen geschlossenen, ja fast priesterlichen Kaste konfrontiert ist, dann würde man auch gerne wissen, wie es darin zugeht.”
Die Aussichten in den nächsten Jahren: “Ab den Pensionsjahrgängen 2011, 2012 nimmt die Zahl der Rentner stark zu. Das ist der berühmte Babyboomer-Knick in der Bevölkerungspyramide. Ab dann wird der Liquiditätsbedarf der Kassen stark zunehmen. Bis dahin wird der Kapitalmarkt es nicht schaffen, die finanziellen Lücken zu decken, die jetzt entstanden sind.”
Rentenanpassung: “Ab heute wäre eine Krisenanpassung möglich. Wichtig wäre, dass man die Auszahlungen schnell reduzieren kann, damit die Kassen wieder zu Reserven kommen. Mit einer Null- oder Negativverzinsung, die dem Ergebnis auf dem Kapitalmarkt entspricht, könnte der Rentenanspruch gesenkt werden.”
Sanierung: “Mit den Sanierungsmassnahmen werden temporär kürzere Mindestzinse beschlossen werden. Zwar gäbe es die Möglichkeit, eine Sanierung über Sonderbeiträge zu lösen. Aber im jetzigen konjunkturellen Umfeld wird dies die finanzielle Lage vieler Firmen in Frage stellen. Diese Möglichkeit gibt es nicht. Faktisch ist das Gesetz ausser Kraft gesetzt.”
AHV: Wir sind gerade an einer AHV-Studie, wo wir einen Ausweg aus dem Demografie-Problem pragmatisch aufzeigen. Kurz gesagt: das Rentenalter schrittweise anpassen. Es ist ein gradueller Entwurf, den wir präsentieren werden. Mehr verrate ich nicht.”
Umwandlungssatz: “Nehmen wir an, wir hätten bereits heute einen Umwandlungssatz von, sagen wir, fünf Prozent. Dann sähe die Welt anders aus. Man wäre für eine Finanzkrise dieses Ausmasses vorbereitet. Man hat die Demografie aber ignoriert. Das rächt sich jetzt.”
Freie Pensionskassenwahl: “Bei öffentlichen Auftritten vertrete ich diese Position nach wie vor. Doch in der jetzigen Situation würde ein solcher Umbau viele Kassen destabilisieren. Es gäbe eine Flucht von serbelnden zu soliden Kassen.”
NZZ: Eine Lanze für die Rentner der zweiten Säule
Wenn Rentner im Falle der Sanierung von Pensionskassen entgegen der bisherigen Praxis mitziehen sollen, stellt sich die Frage nach ihren Rechten. Herbert Wohlmann, Rechtsanwalt, votiert in einem Beitrag in der NZZ vom 24.2.09 für die Einsitznahme von Rentner-Vertretern ohne Stimmrecht in den Stiftungsrat. Wohlmann schreibt: “Da die Pensionierten (…) aber keine Stimme hätten, sondern nur beratend mitarbeiten würden, müsste es dem Vertreter der Rentner erlaubt werden, in Fällen, wo die Rentner ihrer Ansicht nach ungerecht behandelt werden, gegen den Entscheid des Stiftungsrates eine Beschwerde an die Aufsichtsbehörde zu richten. Dies hätte den Vorteil, dass sich diese Behörden im Voraus mit Allokationsproblemen von Pensionskassen auseinandersetzen müssten. Es ist anzunehmen, dass die Aufsicht die Mitarbeiterzahl etwas erhöhen müsste, was aber diesfalls im Interesse der Rentner läge und auch gerechtfertigt werden könnte.”
SonntagsBlick: So wird die 2. Säule gerade gebogen
Werner Vontobel hat im SonntagsBlick dargelegt, wie die 2. Säule zu verbessern wäre. Vontobel schreibt u.a.: “Abschaffen kann man die Pensionskassen heute nicht mehr. Aber man könnte sie zähmen und zivilisieren. Und so könnte es gehen: Punkt 1: Die BVG-Beiträge sind nur deshalb so hoch, weil man sie von der Steuer abziehen kann, was sich vor allem für die Grossverdiener lohnt. Die Steuerfreiheit sollte deshalb nur für die obligatorischen Beiträge gelten. Die zusätzlichen Steuereinnahmen könnten benutzt werden, um die Steuersätze zu senken, die Freibeträge zu erhöhen oder etwa Ausgaben für Bildung oder Sanierungen steuerlich zu begünstigen.
Punkt 2: Die Pensionskassen und Sammelstiftungen müssen jährlich Rechenschaft darüber ablegen, wie sozial und ökologisch sie ihr Geld abgelegt haben. Sie müssen darlegen, wie sie dazu beigetragen haben, Arbeitsplätze in der Schweiz zu schaffen und zu erhalten.”
Schips: Prüfen, ob Rentner auch zur Kasse gebeten werden können
Im “Sonntag” äusserte sich der interviewte Prof. Bernd Schips zur Frage, wer und wie die Löcher in den Pensionskassen zu stopfen hat.
Sonntag: Also sind Pensionskassen zu hohe Risiken eingegangen?
Schips: Die Kassen sollten sich in ihrer Anlagepolitik langfristig orientieren. Sie sollten Anlagen mit geringen Wertschwankungen bevorzugen – etwa bestimmte Immobilien – oder in langfristig ertragsversprechende Aktien investieren wie etwa Nestlé. Aber in Hedge Funds haben Pensionskassen nichts zu suchen. Denn diese streben nach kurzfristigen Gewinnen.”
Kann denn die zweite Säule die Rentenversprechungen halten?
Ich bin skeptisch, ob mit dem Kapitaldeckungsverfahren die Versprechungen erfüllt werden können. Denn niemand kann den Wert des jetzigen Vermögensstandes garantieren. Bereits heute finden Subventionierungen der Rentner durch die Jungen statt, da das geäufnete Kapital der Rentner zu klein ist. Kassen mit einem hohen Rentneranteil drohen in Schieflage zu geraten. Die Situation wird sich mit dem demografischen Wandel weiter verschärfen.
Sollten Rentner künftig helfen, Löcher in den Pensionskassen zu stopfen?
Es ist zu prüfen, ob Rentner bei Sanierungen auch zur Kasse gebeten werden können. Dann müssten die Rentner aber einen Bonus bekommen, wenn es der Kasse wieder gut geht. Ein solches Modell ist durchaus prüfenswert.
ASIP: Die Notwendigkeit von Nullrunden
In einem Interview mit 20 Minuten erläutert Hanspeter Konrad, Direktor des Schweiz. Pensionskassenverbands ASIP die Notwendigkeit von sog. Nullrunden. Konrad: “Im Interesse der längerfristigen Vorsorgesicherheit sind auch zwischenzeitlich tiefere Zinssätze in Kauf zu nehmen. Ein unrealistisch festgelegter, am Finanzmarkt nicht erzielbarer, garantierter Zinssatz schadet mehr als er nützt.”
20 Minuten: Ist das Anrechnungsprinzip nicht einfach ein billiger Trick, um die schlechte Arbeit der Pensionskassenverwalter zu kaschieren?
Konrad: Es geht hier keineswegs darum, die Arbeit der Führungsorgane einer Vorsorgeeinrichtung zu kaschieren. Die langfristige Aufrechterhaltung des finanziellen Gleichgewichtes der Vorsorgeeinrichtung ist die zentrale Aufgabe der verantwortlichen Führungsorgane. Die Pensionskasse muss nachhaltig Sicherheit für die Erfüllung der übernommenen Verpflichtungen bieten.
Das mag sein, trotzdem wird mit der Nullverzinsung auf dem Buckel der arbeitenden Bevölkerung saniert.
Das lässt sich nicht wegdiskutieren: Die Nullverzinsung ist eine einseitige Sanierungsmassnahme zu Lasten der aktiven Versicherten. Der Arbeitgeber und die Rentenbezüger leisten dabei keinen Beitrag, profitieren aber mindestens indirekt davon.
SF: Interview mit Martin Janssen – Falsche Strategie bedroht Altersvorsorge
In einem Interview in der “Rundschau” äussert sich Prof. Martin Janssen über die aktuelle Situation der Pensionskassen vor dem Hintergrund der Ergebnisse des PK-Monitors der Swisscanto. Er wiederholt seine schon mehrfach geäusserte Ansicht, die Finanzierungssituation werde noch immer zu optimistisch dargestellt, aussagekräftiger sei der ökonomische Deckungsgrad. Befragt wurde er auch nach dem Umwandlungssatz. Janssen machte deutlich, dass eine Senkung unumgänglich sei.
Cash: Ethos verlangt Say on Pay
An den grossen Generalversammlungen hofft Ethos-Direktor Dominique Biedermann auf starke Unterstützung bei den Lohnabstimmungen. Er fordert staatliche Vertreter im Verwaltungsrat der UBS. In einem Interview mit Cash äussert sich Biedermann zu den aktuellen Anträgen.
Ethos wird mitunter kritisiert, dass sie zu oft an die Öffentlichkeit gehe, statt mit den VR das diskrete Gespräch zu suchen.
Man kann in der Öffentlichkeit den bilateralen, diskreten Dialog natürlich nicht präsentieren. Was in den Medien erscheint, ist bloss eine Spitze des Eisbergs eines Dialogs und tritt dann ein, wenn es mit einem Unternehmen nicht mehr weitergeht. Wie jetzt mit Novartis. Seit drei Jahren diskutieren wir über die Lohnpolitik, nicht nur an den GV. Es hat nichts gebracht. Deshalb jetzt die Diskussion an der GV, die natürlich auch mediatisiert wird.
Sie sprechen die Konsultativabstimmung an, gegen die sich Novartis sperrt. Was erwarten Sie an der GV am 24. Februar?
Wir erwarten an der GV eine grosse Unterstützung. Ein Resultat wie bei Nestlé wäre schon ein grosses Signal. Der VR müsste handeln. Denn in einem Jahr kommt es zur Wiederwahl mehrerer VR-Mitglieder, unter anderem von Präsident Daniel Vasella. Man muss bedenken: Novartis hat immer mehr institutionelle Investoren. Rund 80 Prozent, und diese organisieren sich immer besser.
