Rudolf Strahm betätigt sich im Tages-Anzeiger ein weiteres Mal als Pensionskassen-Spezialist. Man könnte sich der Mühe unterziehen, seine Argumente und Überlegungen im Einzelnen zu Zerpflücken. Es stellt sich bloss die Frage, wozu? Seine Inkompetenz in Sachen BVG hat er an gleicher Stelle bereits unter Beweis gestellt. Man wünschte sich dem Tages-Anzeiger und insbesondere seinen Lesern mehr Sachkunde für einen Kommentator in einer so wichtigen Sache.
Medien
Jacquemart: Renten sind schon lange gesenkt
In der NZZ am Sonntag befasst sich Charlotte Jacquemart mit dem Thema Rendite und Umwandlungssatz auf Basis der Ergebnisse der neusten Swisscanto-Umfrage. Diese hat gezeigt, dass in umhüllenden Kassen der Umwandlungssatz bereits heute den Stand erreicht hat, der mit der vom Gesetzgeber beschlossenen Gesetzesrevision anvisiert wird (und über den die Stimmbürger erst noch zu entscheiden haben).
Sie schreibt: “Die Kassen bedienen sich dabei eines buchhalterischen Tricks: Weil die meisten Arbeitnehmer in der zweiten Säule einen obligatorischen und einen überobligatorischen Spartopf haben – der vom Bundesrat verordnete hohe Satz gilt nur für das Obligatorium -, senken die Kassen den Satz im überobligatorischen Teil einfach so stark, dass sie im Durchschnitt einen nachhaltig finanzierbaren Satz erhalten. Das ist wichtig: Mit jedem Neurentner, der heute mit überhöhter Rente in Pension geht, wird die Umverteilung von Jung zu Alt weitergeführt. Bei Kassen, die in weiser Voraussicht schon vor längerem die Umwandlungssätze gesenkt haben, hat der Deckungsgrad selbst im schlimmsten aller Anlagejahre 2008 nicht so stark gelitten.”
“Welche «Verluste» diese Umverteilung zwischen den Generationen für die aktive Arbeitnehmerschaft zum Beispiel im Jahr 2008 bedeutet haben, weiss niemand so genau. Wer bei den Kassen nachfragt, kriegt keine einfache Antwort und schon gar nicht eine simple Zahl. Einige ausgewählte Beispiele (Tabelle) illustrieren immerhin, wie hoch die Jahresverluste 2008 waren und wie ungleich die Belastung in Kassen mit hohen Rentneranteilen ausfällt.”
Vontobel: Die ganz grosse Enteignung
Werner Vontobel schreibt im Sonntags-Blick unter dem Titel “Die ganz grosse Enteignung” zu den Resultaten der Swisscanto-Studie: “Unser Rentensystem steckt in einer tiefen Krise. Die Pensionskassen sind gezwungen, Renten zu zahlen, die sie nicht finanzieren können. Dazu bräuchten sie gut 4,5 Prozent Rendite. Im Schnitt der letzten acht Jahre erzielten sie aber je nach Quelle nur 0 bis 1 Prozent. Praktisch haben damit die aktiven Arbeitnehmer rund ein Viertel ihrer BVG-Beiträge unfreiwillig den Rentnern überwiesen.”
“Wie gut müssen wir das Geld anlegen, damit die Kassen wieder gesund werden? Erkenntnis: Bei einem Ertrag von 4,8 Prozent ist bis 2013 alles wieder im Lot. Aber das sind Luftschlösser. Die Pensionskassen können nur dann nachhaltig Renditen von 5 Prozent erzielen, wenn entweder die Inflation über 3 Prozent klettert, oder die Profite wieder deutlich schneller steigen als die Löhne – bis zum nächsten Crash. Von beiden Übeln ist das zweite das weitaus grössere.”
Taux de conversion: un débat sous turbulences
La question est sensible: elle touche aux rentes. Elle est aussi incertaine, car la réponse dépend de la prévision du rendement des placements des caisses de pension sur les marchés. Ajoutez à cela le traumatisme d’un krach boursier, d’une récession brutale et de mesures d’assainissement dans de nombreuses caisses de pension: la votation sur la réduction de 6,8% à 6,4% du taux de conversion de la loi sur la prévoyance professionnelle (LPP) sera passionnée.
TV Club: Müssen jetzt auch Rentner zahlen?
In einer teilweise turbulenten Sendung im “Club” des Fernsehens DRS wurde die stark diskutierte Rentenkürzung bei der GF Pensionskasse thematisiert. Unter der Leitung von Christine Maier diskutierten Yves Rossier, Direktor Bundesamt für Sozialversicherungen BSV; Thomas Held, Direktor Avenir Suisse; Hanspeter Konrad, Direktor Schweizerischer Pensionskassenverband ASIP; Rita Schiavi, Mitglied Geschäftsleitung Unia; Arthur Züger, Gründungsmitglied Schweizerischer Seniorenrat, Alt-Nationalrat SP.
GF-Rentenkürzung in den Medien
Die von der PK der Georg Fischer angekündigte Rentenkürzung für einen Teil der Pensionierten hat in den Medien ein breites Echo gefunden. Alle grösseren Tageszeitungen und das Fernsehen berichteten darüber.
Hanspeter Konrad, Direktor des ASIP, bestätigte in der Tagesschau, dass Rentenkürzungen nur unter sehr restriktiven Bedingungen vorgenommen werden dürfen.
Im Fernsehen wurden auch die Zeitungsberichte kommentiert.
Berichte finden sich unter anderem im Tagesanzeiger und in der Basler Zeitung.
Bilanz: 2. Säule in der Krise
Den Pensionskassen fehlen rund 60 Milliarden Franken. Die berufliche Vorsorge steht vor einer Zerreissprobe. BILANZ zeigt die Gründe und mögliche Lösungen.
Blick: Erste Firma kürzt Renten
“Jetzt ist es passiert: Die erste Pensionskasse kürzt die Renten. 770 ehemalige Mitarbeiter der Industriefirma Georg Fischer aus Schaffhausen sind davon betroffen. Ein Drittel der Pensionierten. Und zwar ab sofort: Ab 1. Juni gibt es 6,1 Prozent weniger. Nur Renten unter 1000 Franken pro Monat bleiben unangetastet”, schreibt der Blick.
20 Minuten: «Rentenkürzung ist verständlich»
«Kein Mensch nimmt einem Rentner gerne etwas weg», sagt Richard Keller, Präsident der Georg Fischer-Pensionskasse. Er verspricht die Renten wieder anzuheben, sobald die Unterdeckung überstanden ist.
Aber nicht nur die Pensionierten müssen einen Beitrag zur Sanierung leisten. Auch neue Rentner werden bei Georg Fischer künftig weniger erhalten. Die Pensionskasse senkt den Umwandlungssatz ab dem nächsten Jahr von 6,9 auf 6,4 Prozent. Zudem wird aktiven Beitragszahlern der Sparzins gekürzt, heisst es in “20 Minuten”.
Janssen: «Neue PK-Renten sind 30 Prozent zu hoch»
6,1 Prozent weniger Rente bekommen die ehemaligen Arbeiter beim Schaffhauser Industriekonzern Georg Fischer, wie der «Blick» berichtet. Dies, weil die Kasse nur noch einen Deckungsgrad von 88 Prozent aufweist. Bei einer Rente aus der 2. Säule von 1300 Franken, macht das knapp 80 Franken weniger pro Monat.
Die Kasse von Georg Fischer wird nicht die einzige bleiben. Auch andere Vorsorgeeinrichtungen weisen massive Unterdeckungen auf und werden um Kürzungen nicht herumkommen. Auf die Kassen lauern laut Martin Janssen vom Finanzberatungsdienst Ecofin aber noch drastischere Probleme, schreibt baz-online.
U.a. sagt Janssen: “Die seit zirka 1996 gewährten neuen Renten sind – gemessen am angesparten Kapital, an der eigenen Lebenserwartung, am Anlagerisiko und den Kapitalmarktrenditen, zu hoch. Neue Renten sind heute rund 30 Prozent zu hoch.”
Dann droht schon bald der Kollaps der 2. Säule?
”Nein. Dieser Prozess dauert lange. Weil die Kassen mit falschen Zahlen rechnen, weisen sie einen zu hohen Deckungsgrad aus. Effektiv liegt dieser heute im Schnitt höchstens noch bei 90 Prozent, wenn man korrekt rechnet. Ich gehe davon aus, dass wir in 20 Jahren im Durchschnitt bei vielleicht 70 oder 75 Prozent liegen werden. Dann beginnt es problematisch zu werden.”
Prof. Zimmermann: Krise noch nicht ausgestanden
Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarkttheorie an der Universität Basel erklärt in der Handels-Zeitung, weshalb (seiner Meinung nach) die Krise längst nicht überstanden ist und der Schweizer Finanzsektor einen tiefgreifenden Wandel durchmachen muss. Und warum eine Handelsplattform für toxische Papiere hilfreich wäre.
Soziale Sicherheit 2/09: Altersvorsorge wohin?
Ausgabe Nr. 2/09 der Zeitschrift “Soziale Sicherheit” des BSV steht unter dem Uebertitel Altersvorsorge: Wohin geht die Reise? Anton Streit befasst sich u.a. ausführlich mit Grundsatzfragen im Rahmen des 3 Säulen-Systems. Die Titel zur Beruflichen Vorsorge heissen: Krise der Finanzmärkte – Auswirkungen auf die finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtungen (J. Steiger, BSV), Sanierungsmassnahmen von Pensionskassen in Unterdeckung (A. Prinz, BSV), Die Vorsorgeeinrichtungen im Angesicht der Krise (C. Golliard, BSV), Stabilität der beruflichen Vorsorge in Gefahr? (Ph. Rohrbach). Die Aussichten der AHV behandelt K. Schluep (Mittel- und langfristige Finanzierung der AHV nicht gesichert). Die Ausgabe kann als pdf herunter geladen werden.
Schweizer Personalvorsorge: Kollektivversicherung
Die “Schweizer Personalvorsorge” behandelt in Ausgabe 04.09 den Schwerpunkt “Kollektivversicherung”. Das für die Berufliche Vorsorge ebenso wichtige wie politisch umstrittene Thema wird aus diversen Perspektiven beleuchtet. Weiter beschreibt Arnold Schneiter die “Mechanik der Altersrentenberechnung” als Beitrag zur Senkung des Umwandlungssatzes, Jürg Brechbühl behandelt die Totalrevision des VVG und Dominique Biedermann wird zum Mitspracherecht der Aktionäre befragt.
L’Hebdo: Nos retraites en danger
Entre solidarité et équité. Si les mauvaises performances des marchés financiers perdurent, les caisses de pension devront réduire les prestations à venir. Tout en préservant les retraites en cours et les futures rentes des titulaires de bas salaires.
Umwandlungssatz, Lebenserwartung und wer die Zeche bezahlt
Avenir Suisse schreibt in der April-Ausgabe ihrer Informationen: “Einmal mehr schimpft die Linke über «amtl. bew. Diebstahl» bei den Pensionskassen. Im Dezember beschloss nämlich das Parlament, den Umwandlungssatz des Sparkapitals von 7,2 Prozent schneller auf 6,4 Prozent zu senken. Denn seit das BVG eingeführt wurde, ist die Lebenserwartung im Alter von 65 stark gestiegen. Und jetzt kommen die starken Jahrgänge der Babyboomer ins Rentenalter. Das wäre kein Problem, wenn wirklich jeder für sich sparen würde. Tatsächlich bezahlen die Kassen aber bisher zu hohe Renten- die Zeche bezahlen dereinst die Jungen.” Und wo findet der Diebstahl statt? wäre anzufügen.
