Die sinkenden Umwandlungssätze der Pensionskassen werden häufig als Beleg für einen dramatischen Einbruch der Leistungen der zweiten Säule dargestellt, doch diese Betrachtung greift zu kurz. Zwar stehen die Pensionskassen aufgrund der steigenden Lebenserwartung und des früheren Tiefzinsumfelds unter Druck, gleichzeitig erfolgt seit Jahren eine Verschiebung von Renten- hin zu Kapitalbezügen – 2025 machten Kapitalauszahlungen erstmals 51 Prozent aus. Werden beide Bezugsformen berücksichtigt, zeigt sich laut Avenir Suisse, dass die Altersleistungen zwischen 2015 und 2022 bei Männern lediglich um 1 bis 5 Prozent gesunken und bei Frauen sogar um 2 bis 6 Prozent gestiegen sind. Zudem haben viele Pensionskassen die tieferen Umwandlungssätze durch flankierende Massnahmen wie Rentenzuschläge oder höhere Verzinsungen abgefedert. Die tatsächliche Höhe der individuellen Vorsorgeleistungen hängt darüber hinaus stark von Faktoren wie Lohn, Arbeitspensum, Erwerbsunterbrüchen und zusätzlichen PK-Einkäufen ab, weshalb pauschale Aussagen über einen «Rentenschock» irreführend sind. Insgesamt sprechen die aktuellen Daten eher für eine Stabilisierung: Die Umwandlungssätze dürften bis 2031 nur noch geringfügig sinken, während die durchschnittliche reale Verzinsung der Altersguthaben 2025 mit 4,6 Prozent einen Rekordwert erreichte. 

Passendes Fazit von Francesca Pitsch, Studienleiterin der Swisscanto PK-Studie: «Wer die Debatte seriös führen will, kommt daher um eines nicht herum: Weniger Schlagzeilenrhetorik, mehr Gesamtschau».

Link zum vollständigen Gastkommentar von Francesca Pitsch in der NZZ vom 7.9.2026: