Muss das BVG gerettet werden?

Und wenn ja, vor was und von wem? 

Immerhin darf man die zweite Säule durchaus als wichtigste Altersvorsorge bezeichnen- und dank Kapitaldeckung funktioniert sie auch hervorragend. Eine demographische Herausforderung stellen nur die politisch verordneten Vorgaben dar – woher sollen Politiker wissen, welcher Umwandlungssatz oder Zinssatz korrekt sei? Ersteres ist Sache der Versicherungsmathematik, das zweite besorgt der Markt.

Bundesrat und Parlament tun sich schwer, diese Entkoppelung vorzunehmen und mit Einsicht, Weitblick und Mut die Grossbaustelle BVG anzugehen: Es hat sich viel Ballast angesammelt, es wurde viel Flickschusterei betrieben – aber das System wird der heutigen Realität in der Arbeits- und Familienwelt nicht mehr gerecht.

Vor diesem Hintergrund hat Diego Taboada, Direktor für die Romandie und Senior Fellow von Avenir Suisse, einen interessanten Artikel publiziert («Handelszeitung» (Print) vom 13. August 2026 oder online bei Avenir Suisse):

«Die Politik versucht sich an Einzelreformen der zweiten Säule – doch das könnte mehr schaden als nützen. Es würde eine Umverteilung zurückbringen, die das System endlich überwunden hat.

Die Lehre aus dem Scheitern der grossen Reformen lautet daher nicht: Reformieren wir scheibchenweise. Entweder gelingt eine ausgewogene Vorlage, die Beitrags- und Leistungsseite gemeinsam ordnet. Oder die Politik übt Zurückhaltung, wagt es «nichts zu tun», und lässt den Kassen ihren Anpassungsspielraum. Der Fokus der Politik kann sich derweil auf die AHV richten, wo Demografie und Finanzierung unmittelbar politische Entscheide verlangen.

Die zweite Säule muss nicht vor ihrer angeblichen Reformunfähigkeit gerettet werden. Sie muss davor bewahrt werden, dass die Politik an einzelnen Schrauben dreht und dabei das ganze Getriebe aus dem Blick verliert.»