imageStephan Wyss, PK-Experte (Prevanto) hat uns zum Kommentar in Ausgabe 344 des Newsletters zur FRP4 (Altmetall) ein paar bedenkenwerte Überlegungen zukommen lassen und dem Autor des Kommentars in einem Punkt auch widersprochen. Wyss schreibt:

Im Kommentar heisst es:
Dass die aktuell geltende Fassung obsolet und revisionsbedürftig ist, wird von niemandem bestritten. Sie war von Anfang an wenig überzeugend. Aus dem Kaffeesatz der Geschichte die Zukunft mathematisch abzuleiten – und das in Zeiten markanter Trendbrüche – ist zum Scheitern verurteilt.

Die heutige FRP4 mag unwissenschaftlich sein, aber sie war mehrheitsfähig und ist zielführend und vor allem sehr erfolgreich. Aus diesem Grund bestreite ich, dass z.Zt. Revisionsbedarf besteht (vgl. meinen Kommentar in der Septemberausgabe der Schweizer Personalvorsorge). Auch bin ich davon überzeugt, dass ich nicht der Einzige mit dieser Haltung bin, insbesondere vor dem Hintergrund, dass ganz unterschiedliche FFRP 4 Vorstellungen bei den Reformwilligen bestehen.

Ich gehe mit Peter Wirth einig, dass viel Kritik kam. Aber darunter war kein einziger brauchbarer und besserer Vorschlag. Wie macht man das anders, als den Blick auf die Zusammenhänge in der Vergangenheit zu richten, wenn man irgendetwas zu erwarteten Renditen aussagen will? Vielleicht hat jemand eine bessere Idee – ich wäre sehr daran interessiert. Und das mit den Trendbrüchen ist auch so eine Sache: Wie oft haben wir schon gehört: Alles wird jetzt anders, es kommt der Einfluss von New Economy, Dotcom, Digitalisierung etc. Ich bin bei solchen Ankündigungen eher zurückhaltend, denn volkswirtschaftliche Zusammenhänge werden nicht so einfach über den Haufen geworfen. Zudem sind wir in einem langfristigen Business.

Weiter heisst es:
Wer sich auf die Äste hinauswagen würde, um kategorienspezifische Renditeerwartungen zu errechnen oder besser zu prophezeien, die dann auch noch verbindliche Konsequenzen haben sollen, ist unklar. Bisher bekannt gewordene Anfragen der OAK bei den ALM- und Asset Management-Beratungsunternehmen scheinen allesamt höflich aber bestimmt abgelehnt worden zu sein.

Genau da liegt m.E. die grösste Gefahr: die zentrale Festlegung der Renditeerwartungen. Damit erhöhen wir das Systemrisiko! Vor allem soll dies die Kammer der PK-Experten nicht tun, egal wie viel externes Know How die SKPE einholen will.

Nun scheint die OAK in dieser Frage am längeren Hebel zu sitzen, denn die Fachrichtlinie hat nur dann Wirkung, wenn sie von der Oberaufsicht als verbindlich abgesegnet wird. Sie kann aber der Kammer keine Fachrichtlinie aufzwingen. Aktuell liegt die Drohung – ausgesprochen oder auch unausgesprochen – in der Luft, dass die OAK selbst eine Richtlinie (möglicherweise ohne das vorgestellte «Fach») aufsetzen wird, falls die Kammer nicht in ihrem Sinne entscheidet. Wenn sie allerdings die dafür notwendigen Renditedaten nicht geliefert erhält, müsste sie auch diese selbst stellen. Und davor wird sie wohl zurückschrecken. Denn ganz klar, damit kann man sich nur die Finger verbrennen.

Persönlich ist es mir nicht wichtig, ob die OAK unsere FRP als allgemeinverbindlich erklärt oder auch nicht. 98% der Experten sind in der Kammer und somit gelten unsere FRP in der Branche. Zudem halten sich vermutlich auch die restlichen 2% daran, auch ohne OAK, denn bei einem Schadenfall schaut der Sicherheitsfonds sehr genau hin und auch die Experten sind in jüngster Zeit in einigen – wenn zum Glück auch wenigen Fällen – kritisch hinterfragt worden. Trotzdem freue ich mich auf eine Weisung der OAK zum technischen Zins. Damit würde die OAK Flagge zeigen und den Verdacht bestätigen, dass irgendwann sie selbst aufgrund der Regulation das grösste Systemrisiko darstellt.

So ist die OAK auch nicht ganz unschuldig, dass immer mehr Kassen sterben und dadurch die Sammelstiftungen mit teilweise unrealistischen Parametern wachsen, bis diese irgendwann too big to fail sind. Genau dieses Systemrisiko will ja die OAK eigentlich verhindern. Man frage mich jetzt aber nicht, wie ich die Sammelstiftungen regulieren würde. Das ist nicht trivial. Kritisieren ist eben immer einfacher.

  Kommentar Newsletter 344

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