Das Klimaübereinkommen erstreckt sich auch auf Finanzflüsse. Manche Pensionskassen wollen dem nachleben – zulasten der künftigen Rentner. Ein Kommentar von Markus Saurer in der Finanz und Wirtschaft. Saurer schreibt:

Ab April dieses Jahres konnten Schweizer Pensionskassen und Versicherungen «freiwillig, anonym und gratis» ihre Portfolios aus Aktien und Unternehmensobligationen auf deren Kompatibilität mit dem Pariser Zwei-Grad-Ziel testen lassen (die globale Erwärmung soll auf weniger als zwei Grad Celsius gegenüber dem Niveau von vor Beginn der Industrialisierung begrenzt werden).

Dieser Einladung sind 79 Pensionskassen und Versicherungen gefolgt, die rund zwei Drittel des schweizerischen Pensions- und Versicherungskapitals verwalten.

Der Test war entwickelt worden von der 2° Investing Initiative, einem internationalen Think Tank an der Schnittstelle zwischen Finanzsektor und Zwei-Grad-Klimaziel, der dazu ein globales Netzwerk von Finanzinstitutionen, Forschungsorganisationen, Vermögensverwaltern, Banken, Investoren, Analysten, Nichtregierungsorganisationen sowie Finanzaufsichts- und Umweltbehörden aufgebaut hat.


Durchgeführt wurde der Schweizer Test, dem Pilotcharakter zukommt – also eine weitere unreflektierte Vorreiterrolle unseres Landes –, in Koordination und mit Unterstützung eines von der EU finanzierten Projekts des Titels Paris Agreement Capital Transition.

Eine dermassen schwindelerregende Aufzählung ist in einem Kommentar eher unschön, zugegeben, doch soll und kann damit gleich abschliessend die Vermutung untermauert werden, dass mit dem Pariser Abkommen ein höchst erspriesslicher Nährboden für staatliche, parastaatliche und private Verwalter und Berater urbar gemacht worden ist. (…)

Während also die Klimaforscher über den fundamentalen Zusammenhang zwischen den anthropogenen Treibhausgasen und der Erdtemperaturentwicklung immer noch und sogar eher zunehmend streiten, scheinen die Klimafinanzanalysten nicht die geringsten Erkenntnisunsicherheiten zu kennen. Mit Verlaub, wer das glauben will, ist zumindest naiv.

Der Schweizerische Pensionskassenverband Asip begrüsst nicht nur diesen Test und ermuntert alle Mitglieder, daran teilzunehmen, sondern scheint auch keinerlei Probleme darin zu sehen, dass ausgerechnet die den Pensionskassen anvertrauten Vorsorgekapitalien systematisch klimapolitischen Zielen untergeordnet werden sollen.

Die Pensionskassen müssen im Rahmen ihrer ohnehin schon zu engen Anlagevorschriften und im heutigen garstigen Zinsumfeld einzig und allein dafür sorgen, dass aus dem Markt laufend die bestmögliche Rendite herausgeholt werden kann.

Mit gymnasialer Mathematik ergibt sich, dass sie diese Pflicht mit ihrem Verhalten gegenüber der Klimapolitik verletzen: Die Portfoliooptimierung unter der Nebenbedingung der Klimakompatibilität ergibt zwangsläufig einen schlechteren Ertrag als die Optimierung ohne diese Nebenbedingung.

Denn auch ohne klimapolitische Selbst- oder Fremdverpflichtung stehen den Pensionskassen Investitionen zugunsten des Klimas jederzeit zur freien Wahl – aber nur, wenn sie zumindest einen marktkonformen Ertrag einbringen.

Die Pensionskassen und alle anderen Zwangsversicherungen müssen unverzüglich sämtlichen freiwilligen und unfreiwilligen klimapolitischen Verpflichtungen entsagen.

  FuW / Pilottest

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