Von Sommerflaute konnte im Bereich BVG keine Rede sein. Es wurden diverse interessante Initiativen, Studien, politische Vorstösse und Expertenmeinungen lanciert. Das Vorsorgeforum hat die wichtigsten Informationen rausdestilliert und hier kurz zusammengefasst.

  1. Die Pensionskassen sind finanziell erstaunlich stark.
    Hohe Deckungsgrade, gute Renditen und hohe Verzinsungen schaffen momentan Spielraum.
  2. Die Unterschiede zwischen den Pensionskassen werden wichtiger.
    2026 zeigt besonders deutlich, dass Verzinsung, Umwandlungssatz, Anlagestrategie und Leistungspläne massiv voneinander abweichen können.
  3. Eine grosse BVG-Reform ist politisch weiterhin schwierig.
    Stattdessen zeichnet sich der Weg über kleine, punktuelle Reformen ab – insbesondere bei Teilzeit, Mehrfachbeschäftigung, Altersgutschriften und freiwilligem Sparen.
  4. Die Grenze zwischen beruflicher und privater Vorsorge wird durchlässiger.
    1e-Lösungen, digitale Säule 3a, ETF-Vorsorge und individuelle Anlagestrategien erhöhen die Eigenverantwortung der Versicherten.
  5. Die eigentliche strategische Debatte beginnt erst.
    AHV 2030, 13. AHV-Rente, BVG-Weiterentwicklung und neue Modelle wie der UBS-Vorschlag zeigen: Die Schweiz diskutiert zunehmend nicht mehr nur einzelne Parameter, sondern die Architektur der Altersvorsorge für die nächsten Jahrzehnte.
  6. Kapitalbezug: Die Konsequenzen werden vernachlässigt und verdrängt. Eine Mehrheit wählte 2024 die „grosse Freiheit“ (46% Kapital, 19% Mix), sei es aus dem Kundenwunsch nach Flexibilität oder durch interessengeleitete Beratung, weil man in der Vermögensverwaltung damit weiterhin gutes Geld verdienen kann. Pensionskassen haben einen genuinen Auftrag nach lebenslanger Rentenzahlung, indem sie Langlebe-, Anlage- und biometrische Risiken bündeln. Eine Kapitalauszahlung eliminiert das Langeleberisiko. Ob für die Rentner im letzten Lebensabschnitt die Rechnung aufgeht, oder ob sie nach Kosten, Steuern, Inflation und Marktrisiken am Ende des Geldes noch viel Leben übrig haben, wird sich weisen. Jedenfalls mehren sich besorgte Stimmen, die den Kapitalbezug einschränken wollen, damit Rentner besser geschützt werden und sie „nach verlorener Wette“ nicht dem Staat zur Last fallen werden. Dazu der lesenswerte Kommentar von Roman von Ah in der NZZ vom 5.8.2026

NZZ: Kapitalbezug bei Pensionierung und das Risiko zukünftig steigender Ergänzungsleistungen