Der Artikel mit dem Titel «Die Alten bringen den Staat in Schieflage» des Tages-Anzeigers hat einiges Aufsehen erregt, auch auf dieser Website. Vor allem der Titel und die Tendenz der Argumentation sind vielen sauer aufgestossen. Die Zeitung hat sich mit einem neuen Beitrag mit der Lage der Älteren und ihrer Situation auf dem Arbeitsmarkt auseinandergesetzt. Und kommt zum Schluss: «Die Angst vor dem Jobverlust befeuert den Widerstand gegen ein höheres Rentenalter. Trotzdem zeigen Zahlen, dass es Ältere nicht so schlecht haben, wie oft gedacht.»
Die Skepsis gegenüber einer Rentenaltererhöhung ist untrennbar verbunden mit der Angst vor der Arbeitslosigkeit im Alter. Dazu passt, dass keine andere Altersgruppe die letzte Initiative zur Erhöhung des Rentenalters deutlicher ablehnte als die 50- bis 64-Jährigen, die das mit einem Nein-Anteil von 80 Prozent taten.
Für den Schweizerischen Arbeitgeberverband (SAV) ist diese Angst weitgehend unbegründet. In einer Mitteilung verweist er darauf, dass die Zahl der Erwerbstätigen über 55 Jahre in den letzten zehn Jahren massiv gestiegen sei. «Der Arbeitsmarkt ist bereit für eine Erhöhung des Rentenalters», lautet das Fazit.
Tatsächlich belegen Daten des Bundesamts für Statistik (BFS): Menschen zwischen 55 und 64 Jahren geniessen in der Schweiz eine hohe Jobsicherheit. Sie werden seltener arbeitslos als Jüngere. Das gilt auch für die Erwerbslosenquote, die auch Ausgesteuerte und Personen berücksichtigt, die nicht bei Regionalen Arbeitsvermittlungszentren gemeldet sind. Diese liegt mit 3,5 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt aller Altersklassen.
Zudem arbeiten immer mehr Menschen bis zum ordentlichen Pensionsalter. Prozentual sind heute deutlich mehr 61- bis 64-Jährige erwerbstätig als noch vor zwanzig Jahren. (…)
Doch die Daten zeigen auch: Wer in diesem Alter die Stelle verliert, für den wird es deutlich schwieriger, eine neue zu finden. Mit jedem zusätzlichen Altersjahr steigt die Suchdauer.
2025 war fast jeder dritte 60- bis 64-Jährige ohne Stelle mindestens ein volles Jahr arbeitslos – in keiner anderen Altersgruppe gibt es anteilsmässig mehr Langzeitarbeitslose.
Fast doppelt so oft wie Jüngere finden Ältere zudem gar keinen neuen Job mehr. Nach zwei Jahren steuert die Arbeitslosenversicherung sie aus – vielen bleibt danach nur der schwere Gang aufs Sozialamt. (…)
Im Januar 2026 waren 4096 Ältere auf Stellensuche. «Das sind 4096 Personen zu viel», betont Chuard-Keller. «Aber man kann nicht von einem Massenphänomen sprechen.» Ausserdem scheiden in den nächsten Jahren massiv mehr Menschen aus dem Arbeitsprozess aus, als junge Arbeitskräfte nachrücken.
«Beschäftigte über 55 werden künftig noch gefragter sein – und Unternehmen geraten unter Zugzwang, dieser Generation ein attraktives, wertschätzendes Umfeld zu bieten.»
Besser wäre es. Denn das Thema Generationengerechtigkeit und Altersarbeitslosigkeit birgt enorme Sprengkraft.
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