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In der NZZaS wird das Thema der guten Performance für 2017 und der gleichzeitig tiefen Verzinsung der Altersguthaben aufgegriffen.

Weshalb aber können die Versicherten in der zweiten Säule nicht stärker von den Gewinnen an den Finanzmärkten profitieren? Zum einen haben die Pensionskassen den Börsenboom genutzt, um ihre Reserven aufzustocken. Gemäss den jüngsten Zahlen der Swisscanto Vorsorge ist der durchschnittliche Deckungsgrad der privaten Kassen innert Jahresfrist um 4% auf 114% gestiegen.

Wichtiger ist jedoch ein zweiter Faktor: Innerhalb der Pensionskassen kommt es zu einer massiven Umverteilung von den Berufstätigen zu den Rentnern. Um wie viel Geld es dabei geht, verdeutlicht eine Auswertung der Beratungsfirma Complementa. Im letzten Jahr verzinsten die Vorsorgeinstitute das Kapital der Pensionierten im Schnitt mit 2,4%.

Die Gerechtigkeit zwischen den Generationen wird zusätzlich auf die Probe gestellt, falls künftig wieder Inflation entsteht. «Auf ein solches Szenario sind die Pensionskassen noch kaum vorbereitet», urteilt Roger Baumann, Partner des Vorsorgespezialisten c-alm. Treffen könnte es die Altersgruppe von 55 bis 60, welche demnächst mit einem tieferen Umwandlungssatz in Pension geht – während die heutigen Pensionäre von hohen Renten und einer tiefen Teuerung profitiert haben.

«Wenn die Bedingungen stark ändern, wird der Zeitpunkt der Pensionierung zu einer Lotterie darüber, wie man im Alter finanziell dasteht», bemängelt Baumann. Er hat deshalb ein Modell entwickelt, in dem für jeden Jahrgang eine eigene Buchhaltung geführt wird. Die Zürcher BVK als grösste PK des Landes hat es bereits eingeführt. Sobald die Kasse genügend Reserven erreicht, werden gezielt die Renten derjenigen Jahrgänge aufgebessert, welche am stärksten von den gesunkenen Leistungen tangiert waren. Zudem verzinst die BVK in diesem Jahr das Kapital der Aktiven und der Rentner erstmals mit dem gleich hohen Satz von je 2%.

Dank dem Börsenboom können die Pensionskassen ihre finanziellen Polster ausbauen. Den Spielraum sollten sie nutzen, um die Ungleichbehandlung der verschiedenen Altersgruppen zu korrigieren. Denn die heutigen Erwerbstätigen brauchen die Gewissheit, dass sie dereinst als Rentner nicht schlechter wegkommen als die Generation vor ihnen.

 NZZaS

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