In der “Pensionskassen”-Beilage der Handelszeitung kommt in einem Beitrag von Matthias Niklowitz auch das Verhalten der Pensionskassen auf dem Wohnungsmarkt zur Sprache:

Institutionelle Investoren erhalten ihre Zahlungsverpflichtungen gegenüber ihren Pensionierten und Versicherten – aber sie treiben damit auch die Immobilienpreisentwicklung an. Das steigende Interesse an Immobilien zeigt sich beim durchschnittlichen Immobilienanteil der Pensionskassen. Der ist über die letzten rund zehn Jahre von rund 15 auf über 20 Prozent gestiegen.

«Pensionskassen und institutionelle Anleger generell haben einen starken Einfluss auf die Preisentwicklung», sagt Simon Hurst, Spezialist für Hedonic Products beim Immobilienberatungs- und -analyseunternehmen Iazi in Zürich. «Im Gegensatz zu privaten Investoren sind sie nicht auf Hypotheken angewiesen und müssen beim Erwerb deshalb nicht die restriktiven Finanzierungsregeln erfüllen. So überbieten sie beim Kauf von Renditeliegenschaften interessierte private Investoren regelmässig um ein Vielfaches.»

Bei Iazi sieht man Transaktionen für Liegenschaften in den grossen Zentren mit Bruttorenditen von bis zu 1,5 Prozent – das sind rund siebzig Jahresmieten. «Dies war noch bis vor kurzem undenkbar », so Hurst. «Der preistreibende Effekt dürfte im Wohnbereich stärker zu spüren sein: In diesem Segment bewegen sich auch private Investoren und bemühen sich um dieselben Liegenschaften wie die Institutionellen.» Durch die Unsicherheit im Bürosegment aufgrund der Corona- Pandemie dürfte sich der Fokus weiter zu Wohnnutzungen verschieben, sagt Hurst.

«Fast alles, was auf den Markt kommt, geht zu hohen Preisen weg», beobachtet Hurst weiter. «In der Hoffnung auf künftig fliessende Mieterträge nehmen PK und andere Institutionelle auch anhaltende Leerstände in Kauf. Dies, weil andere Anlageoptionen verhältnismässig dennoch unattraktiver sind.»

Nach jahrelangen Tiefzinsen ist der Druck nicht mehr nur in den Zentren zu spüren, sondern auch in ländlicheren Regionen, etwa im Mittelland. «Die Folgen für den Immobilienmarkt sind noch schwer abzuschätzen», sagt Yvonne Seiler Zimmermann, Professorin für Banking und Finance am Institut für Finanzdienstleistungen IFZ der Hochschule Luzern (HSLU), zu den langfristigen Corona-Folgen.

Sie forscht auch im Bereich Immobilienfinanzierung. «Die Entwicklung hängt insbesondere davon ab, wie nachhaltig die Entwicklung im Homeoffice bleibt. Wenn sich dieses Arbeitsmodell auch in Zukunft durchsetzen wird, könnte die Nachfrage in Agglomerationen und ländlichen Regionen steigen und somit auch die Investitionstätigkeiten der Pensionskassen in diesen Regionen.»