International im Mittelfeld – mit grossem Abstand zu den Spitzenreitern

In der Schweiz belaufen sich die Risikokapitalinvestitionen auf etwa 0,3% der Wirtschaftsleistung. Damit liegt die Schweiz leicht über dem kontinentaleuropäischen Durchschnitt, aber deutlich hinter führenden Risikokapitalstandorten wie den USA, Israel oder Singapur.
Avenir Suisse hat eine Studie zum Thema «Staatliches Risiko(-kapital)» publiziert, die eine Reihe von Vorschlägen enthält, wie die Bildung und der Einsatz von Risikokapital in der Schweiz gestärkt werden können. Der Staat sollte dabei eine untergeordnete Rolle spielen und sich primär darauf beschränken, gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Dabei kommt auch das Thema Pensionskassen zur Sprache. In der Studie wird dazu ausgeführt:
Im Unterschied etwa zu den USA haben institutionelle Anleger wie Pensionskassen, Versicherungen oder Asset Manager in der Schweiz Risikokapital bis heute kaum als Anlageklasse entdeckt. Selbst im Vergleich zu Europa liegt die Schweiz zurück.
So stellten Pensionskassen dort in den letzten Jahren rund 8 % des Risikokapitals. An bedeutenden Standorten wie Grossbritannien (14 %) oder Schweden (22 %) ist es sogar deutlich mehr (Investeurope 2025).
Ein solches Niveau dürfte auch der Bundesrat im Blick gehabt haben, als er Anfang 2022 die Anlagevorschriften für Pensionskassen präzisierte (Bundesrat 2021). Genau genommen wurden die Investitionen in Risikokapital damit aber nur formal erleichtert.
Die Anlageklasse stand den Pensionskassen bereits vorher offen. Entsprechend blieben spürbare Effekte aus: Private-Equity-Anlagen, inklusive Venture-Capital, machten 2024 bei Schweizer Pensionskassen nur 1,5 % des gesamten Vermögens aus; 2022 waren es noch 1,7 % (Swisscanto 2025).
Diese Zurückhaltung ist also nichts Neues. Drei Faktoren halten Pensionskassen in der Regel davon ab, in Risikokapitalfonds zu investieren. Erstens gelten solche Anlagen als komplex; vielen Pensionskassen fehlt das nötige Fachpersonal dafür.
Zweitens handelt es sich um eine relativ illiquide Anlageklasse: Wer investiert, kann kaum kurzfristig aussteigen, sondern bleibt oft über Jahre gebunden. Drittens fallen vergleichsweise hohe Verwaltungskosten an – zwischen 2 und 4 % pro Jahr, während sie in anderen Anlageklassen meist bei 1,5 bis 2 % liegen (Schöchli 2023b).
Vor diesem Hintergrund ist die Initiative unter der Führung der Stiftung «Deep Tech Nation Switzerland» besonders willkommen. Sie verfolgt das Ziel, institutionelle Investoren für Risikokapital zu gewinnen, und gilt als vielversprechend, weil es ihr gelungen ist, Pensionskassen direkt in den Investitionsprozess einzubeziehen und ein geeignetes Anlagevehikel für diese Investorengruppe zu schaffen.
Dieses kombiniert Direktbeteiligungen mit «Fund-of-Funds»-Strukturen soll dazu beitragen, Risikokapital langfristig als etablierte Anlageklasse für institutionelle Investoren in der Schweiz zu verankern.
Studie Avenir Suisse / NZZ
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