Der Blick schreibt zu den Themen Wohnungsnot und Baukosten: Wenn die Schweiz etwas ganz dringend braucht, dann ist es mehr bezahlbaren Wohnraum. Um der Wohnungsnot entgegenzuwirken, soll der Wohnungsbau angekurbelt werden. Doch Neubauprojekte sind selten günstig. Billig wohnt in der Schweiz, wer schon seit Jahrzehnten in seiner Mietwohnung verharrt. Sobald Altbauten abgerissen oder saniert werden, steigt die Miete deutlich.

Fragt man die SP, liegt das an der Profitgier der Investoren. Anders sieht es Marco Feusi (54), CEO des Immobilienentwicklers Hiag. Die Baukosten, sagt Feusi, seien hierzulande einfach sehr hoch. «In der Schweiz kann man nicht günstig bauen», sagt der Immo-Chef im Gespräch mit Blick. Dazu heisst es weiter: 

«In der Schweiz sind die baulichen Anforderungen enorm hoch», so begründet Feusi die hohen Mietzinsen. Bauvorschriften, etwa bezüglich der Schallisolation, verteuern den Bau laut dem CEO enorm. «Niemand will heute noch in eine Wohnung ziehen, in der man die Nachbarn oberhalb oder nebenan hört.» Deshalb werden beispielsweise 24 Zentimeter dicke Geschossdecken und Wohnungstrennwände betoniert. Das gehe ins Geld.

Auch an die Grösse der Räume werden strenge Anforderungen gestellt. «Das kleinste Schlafzimmer muss laut dem Baugesetz mindestens 10 Quadratmeter gross sein, und die Raumhöhen müssen mindestens 2,4 Meter betragen», so Feusi. Die von den Mieterinnen und Mietern gewünschten Standards seien ebenfalls hoch. Wer heute eine 4,5-Zimmer-Wohnung suche, wolle zwei Nasszellen, nicht eine.

Ökologische Standards verteuern den Bau zusätzlich. «Die energetischen Vorgaben sind streng», sagt Feusi. Die Gebäudehülle müsse gut gedämmt sein und die Energieversorgung erneuerbar und effizient. Das hänge nicht nur mit dem eigenen Umweltbewusstsein zusammen. «Unsere Investoren sind Pensionskassen und Versicherungen», so Feusi. Diese hätten heute oft Vorgaben bezüglich Nachhaltigkeit. Wer nicht mithält, verliert wichtige Geldgeber.

Ebenfalls kostenrelevant: der Boden, auf dem ein Wohngebäude steht. Ein zunehmend rares Gut, das sich in den letzten Jahren massiv verteuert hat. «Der Boden macht an städtischen Lagen heute rund 50 Prozent des Werts einer Liegenschaft aus», sagt Feusi.

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