Die Idee, obligatorische BVG-Beiträge bereits ab Alter 20 einzufordern, stösst auf gemischtes Echo. Die Skepsis scheint zu überwiegen. Auf 20 Minuten hat VZ-Experte Karl Flubacher vorgerechnet, was die Folgen für die spätere Rente in etwa sein könnten. Sie sind überschaubar.
Flubacher hat dafür ein fiktives Rechenbeispiel erstellt und den Effekt anhand drei verschiedener Zinssätze berechnet – ausgehend von einer 20-jährigen Person mit einem Jahreslohn von 52’000 Franken (13 Monatslöhne à 4000 Franken).
Davon wird zuerst der sogenannte Koordinationsabzug abgezogen – dieser beträgt für das Jahr 2026 fix 26’460 Franken. Daraus ergibt sich der «versicherte Lohn», der noch 25’540 Franken beträgt.
Wie hoch der Beitrag ausfällt, den eine Person an die Pensionskasse einzahlt, gibt das Alter vor. Für die Berechnung wurde der Sparbeitrag der heute jüngsten Altersklasse (25 bis 34 Jahre) gewählt, der 7 Prozent beträgt. Bezahlt wird dieser je zur Hälfte vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber – also je 3,5 Prozent.
Somit ergibt sich ein Sparbeitrag von 1788 Franken pro Jahr, der in die Pensionskasse fliesst – dieser Betrag ist inklusive der Hälfte, die der Arbeitgeber beisteuert. Bei deinem ausgezahlten Jahreslohn fehlen also 894 Franken. Bei 13 Monatslöhnen macht das nicht ganz 70 Franken pro Monat aus.
Ausschlaggebend ist, wie hoch die jeweilige Pensionskasse dieses Sparguthaben verzinst. In der Berechnung hat Experte Flubacher Zinssätze von 1,5 Prozent, 2 Prozent und 2,5 Prozent gewählt. Das Ergebnis: «Stand heute kann man davon ausgehen, dass man bei einem Lohn von 52’000 Franken im Alter von 20 dereinst eine zusätzliche Rente von 70 bis 110 Franken pro Monat erwarten kann», stellt der Finanzexperte fest.
Als 20-jährige Person sei eine theoretische Zusatzrente ab 65 sehr abstrakt. Flubacher kommt deshalb zum Schluss: «Ich denke, dass der Abzug in jungen Jahren mehr im Portemonnaie schmerzt, als er ‹gefühlt› bringt.» Hinzu komme, dass auch die Arbeitgebenden zusätzlich belastet würden, da die Sparbeiträge je zur Hälfte von Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden bezahlt werden.
Um die Altersvorsorge zu optimieren, seien die Jahre zwischen 60 und 65 viel entscheidender als zwischen 20 und 25, sagt Flubacher. «Dafür gibt es drei Gründe: Der versicherte Lohn ist mit grosser Wahrscheinlichkeit höher, je älter man wird, der prozentuale Sparbeitrag steigt an und der Zinseszinseffekt schenkt deutlich mehr ein, weil der angesparte Betrag in der PK deutlich höher ist als in jungen Jahren», erklärt er.
Wer bereits so früh fürs Alter sparen wolle, fahre besser, wenn er zwischen 20 und 25 den Pensionskassenbeitrag selber kostengünstig und breit diversifiziert in Aktien-ETF anlege, rät Flubacher. «In der Vergangenheit konnte man so 6 bis 7 Prozent Rendite pro Jahr erzielen – das liegt meist deutlich über der Rendite, die eine Pensionskasse über den gleichen Zeitraum erreicht.»
msn -20 Minuten / Vorstoss SGK-N