Die Arbeitnehmenden nehmen viel mehr Kapital aus ihren Pensionskassen, wenn sie in Rente gehen. Letztes Jahr wurden 17 Mrd. Fr. als Kapital bezogen. Das ist fast doppelt so viel wie fünf Jahre früher (8.9 Mrd. Fr. im Jahr 2019).

Daniel Lampart, Chefökonom beim SGB, kommentiert in seinem Blog die starke Zunahme der Kapitalbezüge bei Pensionierung. 

Warum nehmen heute viel mehr Leute viel Kapital aus der Pensionskasse? Ist es ein Zeichen dafür, dass das Vertrauen in die Pensionskassen geschwunden ist? Ein Grund für den Kapitalbezug sind die «Berater» oben, die den Versicherten ihre privaten Vorsorgelösungen verkaufen wollen und ihnen Schönwetter-Berechnungen vorlegen.

Dazu kommt, dass die sinkenden Leistungsversprechen in den Pensionskassen am Vertrauen genagt haben. Die Pensionskassen können zwar nichts für die tieferen Zinsen auf den Finanzmärkten. Aber sie haben teilweise zu vorsichtig agiert und zu viele Reserven gebildet.

Zahlreiche Pensionskassen waren sogar froh, dass die Pensionierten das Kapital nahmen, weil sie damit weniger Risiko auf der Bilanz haben. Das hat sich glücklicherweise zu ändern begonnen. Die «technischen Rückstellungen» werden wieder abgebaut. Und die Vorsorgeguthaben werden wieder höher verzinst und auch Renten punktuell erhöht.

Generelle Rentenerhöhungen sind aber nach wie vor die Ausnahme. Und nach wie vor gibt es zahlreiche schwarze Schafe unter den Pensionskassen, die teuer sind und ungenügende Leistungen bieten. Die Aufsicht schaut zu wenig gut hin. Der Marktanteil der Versicherungen, die mit der zweiten Säule Geld verdienen, steigt. (…)

Die zweite Säule ist eine Sozialversicherung. Für Firmen, die keine eigene Kasse führen können, braucht es ein Non-Profit-Angebot mit einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis – wie es die Sozialpartner in verschiedenen Branchen bereits anbieten.

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