Die Senkung des Leitzinses, eine hohe Sparquote in der Schweiz und der Bedarf an langfristig stabilen Anlagen verstärken die Nachfrage. Wenn auch noch sichere, langfristige Erträge in Schweizerfranken das Ziel sind, trifft dieses Interesse rasch auf einen vergleichsweise engen Anlagemarkt.
Doch daraus folgt nicht automatisch, dass Investoren die Mieten hochtreiben. Der entscheidende Treiber liegt woanders. (…)
Wer über Wohnungspolitik spricht, muss zwei Märkte auseinanderhalten: Der Mietwohnungsmarkt ist ein Nutzermarkt – hier bestimmen Angebot und Nachfrage nach Wohnraum den Preis. Der Markt für Mehrfamilienhäuser hingegen ist ein Kapitalmarkt – hier zählen Zinsen und Renditeerwartungen.
Diese beiden Märkte entwickeln sich unabhängig voneinander. Manchmal steigen die Preise für Liegenschaften, während die Mieten stagnieren. Oder die Mieten steigen bei fallenden Bewertungen.
Besonders fatal: Die Mietpreis- und Wohnschutzinitiativen des Mieterverbandes und linker Parteien kurieren nur Symptome, nicht Ursachen. Sie regulieren Preise, schaffen aber keinen zusätzlichen Wohnraum. Im Gegenteil: Verschärfte Eingriffe vertreiben Investoren – und das Angebot schrumpft weiter. (…)
Der erste Schritt aus der Sackgasse: Schluss mit der Stadt als Museum. In grossen Städten stehen rund 80 Prozent der Gebäude unter Schutz. Selbst bescheidenste Wohnbauten aus den 1920er Jahren gelten als unantastbar, während Zehntausende auf bezahlbaren Wohnraum warten. Denkmalschutz ist wichtig, aber er darf nicht zum Luxus einer kleinen Minderheit werden. Die in der Forschung belegten Zahlen sind eindeutig: Denkmalschutz und rigide Baurestriktionen verteuern das Wohnen durchschnittlich um 35 Prozent.
Zweitens ist eine Reform des Rekurs- und Einspracherechts überfällig. Die Schweiz hat sich eine Blockadekultur angewöhnt, die moralisch höchst fragwürdig und wirtschaftlich unbezahlbar geworden ist. Wer Zeit, Geld und juristischen Beistand mobilisieren kann, bringt selbst hervorragende und rechtmässige Bauprojekte zum Stillstand. Wer hingegen investiert, Risiken trägt und Wohnraum schaffen will, gerät unter Generalverdacht.
Drittens muss die Raumplanung aus ihrer Erstarrung gelöst werden. Das Raumplanungsgesetz von 2013 sollte Verdichtung fördern – stattdessen hat es Bauland in einem Masse verknappt und verteuert, dass ein Umdenken dringend nötig ist. Das Bauen im Bestand liefert bei weitem nicht, was man sich erhofft hatte.
Die Realität hat die damaligen Prognosen überholt: Vor der Abstimmung von 2013 ging man davon aus, dass die Schweiz die Schwelle von 9 Millionen Einwohnern erst 2050 oder 2060 erreichen werde. Tatsächlich haben wir diese Marke bereits jetzt überschritten. Es darf kein Tabu mehr sein, an gut erschlossenen Lagen neues Bauland einzuzonen – und im Gegenzug periphere, schlecht angebundene Flächen auszuzonen.