
«Steigende Lebenshaltungskosten? Der Schweizer Mittelstand verkraftet sie, wie neue Daten zeigen, meint Matthias Benz in der NZZ. Es stellt sich allerdings die Frage, wie repräsentativ der dargestellte Durchschnitts-Haushalt ist.
Für wichtige Ausgabenposten wie das Wohnen, die Krankenkassenprämien oder Lebensmittel müssen die Bewohner heute mehr ausgeben als vor einigen Jahren. Gibt es deshalb in der Schweiz auch eine Erschwinglichkeitskrise?
Eine Antwort erlauben neue Daten zum Jahr 2023. Es war das Jahr, als die Inflation auf dem Höhepunkt war: Ende 2023 kostete der typische Warenkorb eines Schweizer Haushaltes rund 5 Prozent mehr als noch Ende 2021.
Das Wohnen wurde teurer, weil die Energiekrise im Zuge des Ukraine-Kriegs die Preise für Strom und Erdgas nach oben trieb. Bei den Krankenkassen gab es erstmals seit Jahren einen Prämienschub. Im Parlament wurden Forderungen nach einer «Kompensation» der Bürger laut.
Doch der Schweizer Mittelstand scheint diese Belastungen verkraftet zu haben. Der durchschnittliche Haushalt ist im Jahr 2023 nicht ans finanzielle Limit gekommen. Vielmehr konnte er sogar mehr sparen als üblich. Das zeigen jüngst veröffentlichte Daten der Haushaltsbudgeterhebung. In dieser Erhebung ermittelt das Bundesamt für Statistik jedes Jahr detailliert, wie viel die Schweizer Haushalte einnehmen und ausgeben.
Der Schweizer Durchschnittshaushalt hatte im Jahr 2023 etwas mehr als zwei Personen und erzielte ein Bruttoeinkommen von 10’341 Franken pro Monat. Vergleicht man das Einkommen mit dem Vorjahr, lag es um rund 400 Franken höher. Mit diesem Geld konnte der Haushalt inflationsbedingte Mehrausgaben bestreiten.
Tatsächlich gab der Durchschnittshaushalt im Jahr 2023 rund 5 Prozent mehr für die Krankenkassenprämien aus als 2022. Doch in absoluten Zahlen relativiert sich der Anstieg: Die Mehrkosten beliefen sich auf rund 30 Franken im Monat.
Ebenfalls wurde die Kategorie «Wohnen und Energie» teurer. Der Durchschnittshaushalt legte dafür 75 Franken mehr pro Monat aus als im Vorjahr. Die Ausgaben für Lebensmittel stiegen ebenfalls leicht.
Insgesamt gab der Durchschnittshaushalt rund 200 Franken pro Monat mehr aus. Das war weniger als die Zunahme des Bruttoeinkommens von 400 Franken. Unter dem Strich sparte der Durchschnittshaushalt rund 200 Franken mehr als im Vorjahr.
NZZ / BFS Haushaltseinkommen / BFS
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