imageDie NZZ am Sonntag hat Christoph Ryter, Geschäftsleiter der Migros Pensionskasse und früherer ASIP-Präsident, interviewt. Auszüge:

Wichtig für eine Pensionskasse ist neben der Anlagestrategie die Versicherungsmathematik, insbesondere die Hochrechnung der künftigen Lebenserwartung. Wie gut müssen Sie sich in diesen Fragen auskennen?
Ich komme als ausgebildeter Pensionsversicherungsexperte ursprünglich aus diesem Bereich und habe zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn in der mathematischen Abteilung eines Lebensversicherers gearbeitet. Somit sind mir diese Kalkulationen durchaus vertraut, was sicherlich hilfreich ist. Immer wieder wird den Pensionskassen ja vorgeworfen, sie würden in diesem Bereich zu vorsichtig kalkulieren. Tatsächlich aber steigt die Lebenserwartung nach wie vor deutlich.

Lässt sich aufgrund der neusten Daten nun eine Abflachung beim Anstieg der Lebenserwartung beobachten?
Bis jetzt sehen wir keine Abflachung. auch wenn man dieses Gerücht immer wieder hört. So hiess es etwa, aufgrund der zunehmenden Fettleibigkeit gehe die Lebenserwartung wieder zurück. Tatsächlich war der Anstieg der Lebenserwartung in den letzten Jahren sogar noch ausgeprägter als früher.

Ein weiterer grosser Trend in der Bevölkerung sind neue Formen des Zusammenlebens, beispielsweise im Konkubinat oder als Patchwork-Familien, oder der Wunsch nach Wahlmöglichkeiten. Wie geht Ihre Pensionskasse damit um?
Es ist die Aufgabe einer Vorsorgeeinrichtung, diesen Trends mit einem angepassten Angebot Rechnung zu tragen. Früher konnten unsere Versicherten entweder nur bis 25% der Altersrente in Kapitalform beziehen oder dann 100%. Heute können sie einen beliebigen Teil als Kapital oder als Rente beziehen. Diese Wahlfreiheit ist aber in Gefahr. So diskutiert die Politik zurzeit ein Verbot des Kapitalbezugs für die obligatorischen Guthaben.

Das verwaltete Vermögen Ihrer Pensionskasse hat allein im letzten Jahr um über 1 Mrd. Fr. zugenommen. Verändert sich mit diesem Wachstum auch das Profil Ihrer Arbeit?
Die Compliance, also die Einhaltung von Richtlinien und Vorschriften, nimmt heute einen viel wichtigeren Stellenwert ein als früher. Die treuhänderische Verantwortung unserer Mit- arbeitet gegenüber den Versicherten ist gross. So dürfen sie zur Sicherstellung der Unabhängigkeit keine Geschenke mit einem Gegenwert von mehr als 100 Fr. entgegennehmen. Diese Entwicklung ist grundsätzlich begrüssenswert, vergrössert aber die Bürokratie. Ein anderes Beispiel: Seit der Annahme der sogenannten Abzocker-Initiative nehmen wir das Stimmrecht bei allen Schweizer Aktien wahr. Folglich muss ein Ausschuss bestimmen und dokumentieren, wie wir uns an den Generalversammlungen verhalten. Das Interesse der Versicherten an den entsprechenden Publikationen im Internet ist aber sehr bescheiden.

An einem einzigen Tag wächst oder schrumpft Ihr Kapital um eine zweistellige, manchmal sogar dreistellige Millionensumme. Wie oft konsultieren Siedle aktuellen Börsenkurse?
In meinem Büro steht kein Monitor mit Aktienkursen, wie ihn Händler verwenden. Das Übernimmt unser Chief Investment Officer Adrian Ryser. Mir genügt eine tägliche Konsultation der Entwicklung. Und einmal pro Woche besprechen wir die Performance in der Geschäftsleitung.