image In der Handels-Zeitung äussern sich Eric Breval (Managing Director des Ausgleichsfonds, links im Bild) und Marco Netzer (VR-Präs. des Ausgleichsfonds) zu den Anlagen und Anlagestrategien des AHV-Ausgleichsfonds sowie den Aussichten für die Finanzierung der Sozialwerke AHV und IV. Auszüge:

Haben Sie mit der jüngsten Erholung wieder zugelegt?

Breval: Nur teilweise, denn wir haben seit über einem Jahr die Volatilität schrittweise reduziert. Im 2. Semester hätten wir ein «Rebalancing» vornehmen sollen, indem wir jene Anlagen kaufen, die wir zuvor verkauft haben. Der Verwaltungsrat hat aber entschieden, dass dies zu risikoreich wäre. Wir haben daher auf Zukäufe verzichtet.

Ihre risikoreiche Anlagestrategie wurde kritisiert.

Breval: Wir hatten einen Aktienanteil von 35%, heute liegt er bei 20%. Damit haben wir in fünf Jahren bis 2007 durchschnittlich 6,2% pro Jahr erwirtschaftet. Damals hat nie jemand etwas kritisiert. Verlieren wir aber 18%, wenn die Märkte bis zu 40% und mehr einbrechen, dann hätten wir weniger volatile Anlagen halten sollen. Wir hatten keinen höheren Aktienanteil als eine durchschnittliche Pensionskasse.

Wie ist das Anlageergebnis im 1. Halbjahr 2009 ausgefallen?

Breval: Im 1. Semester haben wir eine Gesamtrendite von etwas über 3% erzielt. Dabei hat uns die Währungsabsicherung viel gekostet. Wir sichern rund 80% der Fremdwährungen ab. Ohne Absicherung hätten wir im 1. Halbjahr eine Performance von über 5% erzielt.

Wie stehen Sie zur Vorlage für die IV-Sanierung vom 27. September?

Netzer: Wir sind ganz klar dafür. Derzeit «zahlt» die AHV jährlich 1,2 bis 1,5 Mrd Fr. an die IV. Der AHV-Fonds sollte eigentlich ausgeglichen sein. Und das wäre er heute, wenn er nicht den Verlustvortrag der IV «decken müsste». Durch den kumulierten Verlustvortrag der IV von beinahe 14 Mrd Fr. ist der Fonds nicht in der Lage, die gesetzliche Vorschrift zu erfüllen, die bestimmt, dass das Vermögen des Fonds die Ausgaben für ein Jahr decken sollte. Die Substanz des AHV-Fonds wird ausgehöhlt.

Werden die heute Berufstätigen dereinst noch Gelder von der AHV erhalten?

Netzer: Ich denke schon. Wir haben es in wirtschaftlich guten Zeiten verpasst, gewisse langfristige Lösungen zu finden. Aber das Schweizer Volk und das Parlament haben bereits in elf AHV-Revisionen Anpassungen beschlossen, die diesen einmaligen Sozialvertrag zwischen den Generationen, Sozialklassen und Geschlechtern erhalten haben.

Die nächste Erhöhung der Mehrwertsteuer ist damit programmiert?

Netzer: Ich denke nicht. Die Mehrwertsteuer-Erhöhung um 0,4% erfolgt nur für sieben Jahre. Laut den Berechnungen sollte dies ein ausgeglichenes Umlageergebnis bei der IV ermöglichen.

IV Zusatzfinanzierung, Vertrauen in soziale Verantwortung