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Die NZZ befasst sich mit den in der Schweiz tiefen, in den USA und der EU sogar negativen Realzinsen und den Konsequenzen für die Sparer und (künftigen) Rentner. Michael Rasch schreibt: “Das Beispiel ist drastisch, aber plastisch: Wirft man einen Frosch in heisses Wasser, springt er sofort wieder hinaus; setzt man ihn jedoch in Wasser und macht dieses langsam heiss, bleibt er bis zu seinem Tode sitzen. Schleichende Prozesse rütteln nicht nur Frösche weniger auf als plötzliche Änderungen. Das gleiche Verhalten zeigen Anleger in Bezug auf den schleichenden Verlust der Kaufkraft ihrer Ersparnisse.

In den meisten westlichen Volkswirtschaften herrschen seit 2010 negative Realzinsen. Diese entstehen, wenn die Inflation in einem Währungsraum höher ist als die dort erhältlichen Renditen auf Kapitalanlagen.

Im Oktober bzw. November betrugen die realen Zinsen in den USA und in Europa zwischen –0,5 % und –1%, gemessen an 10-jährigen Staatsanleihen. Zieht man zum Vergleich 2-jährige Anleihen der jeweiligen Währungsräume heran, so betrugen die negativen Realzinsen zwischen –1,9% und –2,8%. Dies führt über mehrere Jahre bereits zu einem spürbaren Verlust an Kaufkraft. Eine Ausnahme bildet die Schweiz, wo derzeit leichte Deflation herrscht. Hier befinden sich die Realzinsen je nach Laufzeit zwischen 0,2% und 0,8%. Die realen Renditen sind also positiv, aber auch äusserst niedrig.

Opfer der Entwicklung sind Sparer und künftige Rentner, da sie am Kapitalmarkt kaum noch Rendite bekommen. Profiteure sind Schuldner im Allgemeinen sowie die Käufer von Immobilien im Speziellen, weil sie ihr Eigenheim in der Regel über Kredite finanzieren, die sich bei niedrigem Zinsniveau verbilligen. Negative Realzinsen gelten als Merkmal finanzieller Repression. Damit sind Zwangsmassnahmen gemeint, durch die dem Staat Geld zufliesst, das er in einem freien Markt nicht bekommen hätte.”

  NZZ

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