Die SonntagsZeitung hat den Pensionskassen vorgerechnet, dass die tiefe Aktienquote für die Versicherten zu Renteneinbussen führt, weil mit Aktien grössere Kursgewinne als mit den meisten anderen Anlagen zu erzielen sind. Werner Vontobel wirft nun der Zeitung, resp. dem Autor des Beitrags, Armin Müller, einen «groben Denkfehler» vor. Was für die einzelne Kasse stimmen mag, könne nicht für die Gesamtheit der 2. Säule gelten. Müller hat die Rechnung anhand eines konkreten Beispiels gemacht, in welchem ein Wechsel der Pensionskasse zur Profond für den betreffenden Versicherten (Prof. Hens) zu einer deutlich höheren Rente geführt hätte. Vontobel schreibt:
MoreDiese Rechnung dürfte stimmen. Unstimmig wird es allerdings, wenn die «Sonntags-Zeitung» und Hens vom Einzelnen auf das Ganze schliessen und daraus ableiten, dass das gesamtschweizerische Pensionskassen-Vermögen heute um 8,4 Milliarden Franken höher wäre, wenn alle Pensionskassen vor zehn Jahren auch nur einen Prozentpunkt mehr in Aktien statt in Obligationen investiert hätten. Bei zusätzlichen fünf Prozent wären es dann schon 42 Milliarden mehr gewesen.
Das ist – im Fachjargon der Logiker – ein «Trugschluss der Komposition»: Der Einzelne kann zwar seinen Nutzen mehren, wenn er mehr Aktien kauft, doch das Ganze gehorcht anderen Gesetzen. Darauf verwendet die «Sonntags-Zeitung» in ihrem langen Artikel allerdings keine einzige Zeile. Sie argumentiert bei einem volkswirtschaftlichen Thema durchwegs rein privatwirtschaftlich.
In der ganzheitlichen, sprich volkswirtschaftlichen Logik, entscheidet nicht der Finanzanleger darüber, wohin das Geld fliesst, sondern diejenigen, die das Geld brauchen und real investieren: Die KMU finanzieren sich mit Bankschulden, Obligationen und Eigenkapital und nur ganz selten mit Aktien. (…)
