Die Anlageklasse, die lange Zeit als «unsexy» galt, gehört plötzlich zu den begehrtesten überhaupt. Private Investitionen in Infrastrukturen wie Solarzellen, Rechenzentren oder Stromnetze boomen. Dabei hängt Europa die USA ab.
Im ersten Halbjahr haben Investoren 40 Mrd. $ in europäische Infrastrukturfonds eingezahlt, so viel wie nie seit dem Rekordjahr 2021. Schon im letzten Quartal 2024 sammelten europäische Fonds mit Abstand am meisten ein.
Die Gelder sind für den Ausbau erneuerbarer Energien wie Solar-, oder Windkraftwerke sowie für Stromnetze oder Batteriespeicher vorgesehen. Zusätzlich sorgt die vermehrte Nutzung künstlicher Intelligenz für Investitionen in Rechenzentren.
Bei diesem Boom spielt die Schweiz eine Schlüsselrolle. Partners Group und Swiss Life gehören zu den weltgrössten Infrastrukturmanagern.
Zu ihren Kunden zählen Schweizer Pensionskassen, die dank eines einzigartigen Gesetzes überdurchschnittlich viel in Infrastruktur investieren. Die Privatisierung kritischer Infrastruktur ruft aber auch Gegner auf den Plan, die sich daran stören, dass Risiken auf die Öffentlichkeit abgewälzt werden. (…)
Gemäss dem Datendienstleister Preqin wird die Anlageklasse zum Ende des Jahrzehnts fast so viel Kapital anziehen wie Immobilien. Die global verwalteten Vermögen in Infrastruktur werden für 2029 auf 2,4 Bio. $ geschätzt.
«Wir verzeichnen ein sehr starkes Investoreninteresse für unsere Infrastrukturanlagen und erwarten weiterhin ein überdurchschnittliches Wachstum für unsere Fonds», sagt Esther Peiner, Head of Infrastructure von Partners Group, gegenüber FuW.
Der Zuger Privatmarktspezialist hat laut Peiner 36 aktive Investitionen in Infrastrukturanlagen. Zusammengerechnet verwaltet er über 27 Mrd. $. Bis 2033 will er diese Zahl auf über 100 Mrd. $ steigern. Damit wird Infrastruktur zur zweitgrössten Anlageklasse nach Private Equity aufsteigen. (…)
Auch Graziano Lusenti beobachtet ein grosses Interesse an Infrastrukturanlagen. Er ist Gründer von Lusenti Partners und berät seit über zwanzig Jahren Pensionskassen in der Schweiz.
Er hebt hervor, dass diese Investitionen einen relativ zuverlässig kalkulierbaren Cashflow generieren, was den Nachteil der geringen Liquidität teilweise ausgleiche. Jedoch ist Infrastruktur eine «relativ teure Anlageklasse», sagt Lusenti. «Im Durchschnitt zahlen Pensionskassen zwischen 2 und 4% Verwaltungsgebühren für Infrastrukturanlagen.» Zum Vergleich: Im Schnitt zahlen sie 0,5% Vermögensverwaltungsgebühren.
Gegenüber internationalen Investoren haben Schweizer Kassen einen grossen Vorteil. Seit Oktober 2020 können sie 10% in Infrastruktur investieren, ohne dass dieser Anteil in die Kategorie der alternativen Anlagen fällt.
Das macht den Schweizer Pensionskassenmarkt, der siebtgrösste der Welt, zu einem der wichtigsten Geldgeber für privat finanzierte Infrastruktur in Europa und weltweit.
FuW