.«Eher legt sich ein Hund einen Wurstvorrat an als eine demokratische Regierung eine Budgetreserve.» Dieses Zitat des österreichischen Ökonomen Joseph Alois Schumpeter gelte leider auch für Unternehmen, Banken, Versicherungen – und die Schweizer Pensionskassen, sagte Prof. Monika Bütler von der Universität St. Gallen in ihrem Eröffnungsreferat einer Altersvorsorge-Tagung an der Universität Zürich. Bei der vom Sustainability Forum Zürich, der St. Galler Forschungsgruppe scala sowie dem Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrum der Universität Basel getragenen Anlass erörterten Fachleute die finanzielle Situation der schweizerischen Altersvorsorge, die Folgen der Finanzkrise sowie mögliche Reformen des Dreisäulensystems.

Bütler vertrat in ihrem Vortrag die Ansicht, die Finanzkrise habe zwar durchaus Probleme für das schweizerische Altersvorsorgesystem geschaffen, letztlich seien diese aber sekundär. Grössere Schwierigkeiten bereiteten die hohen Leistungsversprechen, der Anstieg der Lebenserwartung der Bürger und die mangelhafte Versicherung systemischer Risiken. Die Krise könne so letztlich sogar eine Chance sein, denn sie mache schonungslos deutlich, dass die Pensionskassen zu wenig Vorsorge betrieben hätten, um schlechte Zeiten zu überbrücken.

Gemäss Bütler läge der versicherungsmathematisch korrekte Umwandlungssatz bei unter 6%, wenn er seit 1985 an die Lebenserwartung indexiert worden wäre. Um den zu hohen Satz auszugleichen, wäre eine Erhöhung des Rentenalters um rund drei Jahre notwendig gewesen. Der Umwandlungssatz weist die Prozentzahl des angesparten Kapitals aus, die den Pensionierten als Rente jährlich ausbezahlt wird. Derzeit beträgt der Satz 7,05% für Männer und 7% für Frauen. Das Parlament hat die stufenweise Senkung bis 2015 auf 6,4% beschlossen. Als mögliche Reformen forderte Bütler unter anderem eine stärkere Berücksichtigung der Lebenserwartung im System, eine Absenkung der risikofreie

Prof. Heinz Zimmermann von der Universität Basel thematisierte in seinem Referat die mangelnde Nachhaltigkeit des schweizerischen Altersvorsorgesystems. Es enthalte viele staatlich verordnete Sicherheitselemente wie den Mindestzins sowie Einkommens- und Lebensstandard-Garantien. Die auf dem Prinzip der Kapitaldeckung beruhende zweite Säule des Systems weise auch einige Elemente der Umlagefinanzierung auf. Diese seien marktfremd und könnten nicht durch den Kapitalmarkt abgesichert werden.

Hanspeter Konrad vom Pensionskassenverband Asip wies darauf hin, die Pensionskassen hätten per Ende 2007 immerhin Wertschwankungsreserven in Höhe von 51,5 Mrd. Fr. sowie Rückstellungen über 29,7 Mrd. Fr. gebildet. Die derzeit geplanten Sanierungsmassnahmen der Pensionskassen, um die Unterdeckung zu beheben, seien aus heutiger Sicht ausreichend.

NZZ-Interview mit Prof. Heinz Zimmermann

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