Werner Enz fordert in einem Beitrag in der NZZ verbesserte Rahmenbedingungen für privatwirtschaftliche Vorsorgelösungen.
Im Wissen um die schwierigen Marktverhältnisse und um den Raubbau wegen des mit 6,8 Prozent viel zu hoch fixierten gesetzlichen Rentenumwandlungssatzes muss darauf geachtet werden, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Ein möglicher Ansatzpunkt sind Erleichterungen im Gewinnverteilschlüssel, der sogenannten Legal Quote, die festschreibt, dass Bruttoerträge im Minimum im Verhältnis von 90:10 zugunsten der Versicherten zu leisten sind. Diese Einschränkung tut zunehmend weh, und sie schadet den Interessen der Versicherten. Gibt es einen Grund, warum bürgerliche Politiker sich in dieser Sache vor den Karren der Linken spannen lassen?
Eine zweite Möglichkeit bestünde darin, den Lebensversicherern bei der marktnahen Bewertung von Aktiven und Passiven etwas entgegenzukommen. Zurzeit herrscht die rigide Sichtweise vor, dass das im Prinzip sehr langfristig wirkende Vorsorgegeschäft so bewertet wird, als ob es jederzeit auf das Jahresende kündbar wäre. Es ist sicherlich den Versuch wert, auch im BVG-Sparen die Anreize für privatwirtschaftliche Versicherungslösungen wieder zu stärken.
Die BVG-Auffangeinrichtung gleichsam zum Besenwagen schweizerischer Sozialpolitik auszubauen, führt jedenfalls in die Irre, wie das Durcheinander um die FAR-Stiftung mit ihren nicht finanzierten Rentenleistungen eindrücklich zeigt. Das BVG-System braucht mehr, nicht weniger Wettbewerb, und dazu können private Versicherer einen wertvollen Beitrag leisten.
Den vom Entscheid der Axa betroffenen KMU stehen ausser dem Versuch, bei einer der noch existierenden Vollversicherungslösungen Unterschlupf zu finden, zahlreiche Alternativen offen. Andreas Valda vom Tages-Anzeiger berichtet.
Ein Experte vom «Blick» war der Ansicht, dass «nun Ende Jahr böse Überraschungen auf die Firmen zukommen» könnten, weil sie allenfalls für Unterdeckungen aufkommen müssen.
Diesem Pessimismus tritt Sergio Bortolin (Bild), Präsident des Verbandes Inter-Pension der unabhängigen Pensionskassen [Sammelstiftungen], entgegen. «Das Gegenteil ist der Fall», sagt er. Die weit bessere Alternative für KMU in der zweiten Säule sei der Anschluss bei einer unabhängigen Pensionskasse. Höhere Erträge, tiefere Prämien, tiefere Kosten und komfortable Risikopolster seien ihre Vorteile. Autonome Pensionskassen sind weit verbreitet. Bortolin vertritt vierzig Kassen, die 1,15 Millionen Angestellte versichern und 142 Milliarden Pensionskapital verwalten – ein Siebtel der zweiten Säule.
Bekannte solche Kassen sind Asga, Vita, Nest, Abendrot, Profond, Swisscanto, PKG, Noventus und Gastrosocial. Die Asga gibt es seit über fünfzig Jahren und versichert ähnlich wie die Axa KMU, 12’000 an der Zahl mit rund 120’000 Versicherten. Ähnlich gross ist die Vita-Sammelstiftung. Sie wurde vor fünfzehn Jahren vom Versicherer Zurich abgespalten. Gastrosocial ist ein prominentes Beispiel einer Branchenpensionskasse von 20’000 Wirten und Hoteliers mit 174’000 Versicherten. Die meisten dieser Pensionskassen sind erfolgreich unterwegs.
Hat die Vollversicherung noch eine Chance? Die Nachfrage ist vorhanden, aber das Angebot knapp und selektiv und laut Finma deutlich geringer als die Nachfrage. Notstand also bei den KMU? Werner Enz und Hansueli Schöchli gehen in der NZZ der Frage nach.
Der Gewerbeverband ortet derzeit keinen Notstand für KMU. Es gebe noch private Anbieter und der Markt spiele noch, sagt der Verbandsvertreter Kurt Gfeller (Bild). Den Entscheid der Axa bezeichnet er als bedauerlich, aber verständlich.
Von allfälligen KMU-Klagen über einen Mangel an Angeboten im BVG-Geschäft hört der Gewerbeverband laut Gfeller «relativ wenig». Dies heisse aber nicht, dass es kein Problem gebe. Als Indiz für ein Problem wertet er den Zulauf bei der BVG-Auffangeinrichtung.
Marktteilnehmer und Berater betonen, dass viele KMU im Prinzip gerne eine Vollversicherung möchten, weil sie dann keine Anlagerisiken hätten und sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren könnten. «Eine Vollversicherung ist im Prinzip sensationell», sagt André Egli, Vorsorgespezialist der Beratungsfirma Balmer-Etienne. Die Frage sei aber, wie lange das Modell noch aufrechterhalten werden könne: «Die Versicherer versuchen seit einiger Zeit, die Kunden in teilautonome Lösungen zu drängen.» (…)
Willi Thurnherr, CEO der Aon Schweiz, legt in einem Interview mit dem St.Galler-Tagblatt seine Einschätzung des Entscheid der Axa zur Vollversicherung und die Folgen für die betroffenen KMU dar. Auszüge:
Willi Thurnherr, die Axa will die Vorsorgewerke von KMU-Kunden nicht mein gegen die Anlagerisiken versichern. Was verspricht sich die Axa? Die Rahmenbedingungen sind seit einigen Jahren schwierig. Die Kapitalmärkte werfen minimale Zinsen ab, und die Diskrepanz zu den gesetzlich festgelegten Zinsgarantien ist riesig. Zudem werden Menschen immer älter und beziehen länger Renten. Axa ist offensichtlich der Ansicht, dass sich das Geschäft so nicht mehr positiv betreiben lässt.
Axa will den Kunden weiter alle Dienstleistungen verkaufen, das Wertschwankungsrisiko der angesparten Vorsorgegelder sollen diese aber selber tragen. Geht das auf? Im Prinzip ist das möglich, weil das neue Modell der teilautonomen Stiftung im Vergleich zur Vollversicherung eine riskantere Anlagestrategie verfolgen kann. Das bedeutet, dass auch die erwarteten Erträge auf den Kapitalanlagen zunehmen – falls wir nicht bald wieder einen Börseneinbruch wie 2008 erleben.
Axa will der neuen Sammelstiftung eine Wertschwankungsreserve von 11 Prozent des angesparten Vorsorgekapitals mitgeben. Ist das angemessen? Es ist im Vergleich eine durchschnittliche Reserve. Diese bietet einen gewissen Schutz vor einer Unterdeckung. Nach einem Börseneinbruch um 10 oder 15 Prozent wäre der Deckungsgrad von 100 Prozent vermutlich noch nicht unterschritten.
Im Tages-Anzeiger schreiben Robert Mayer und Laura Frommberg:
Was der Ausstieg von Axa aus der Vollversicherung für die Verbandsmitglieder bedeute, wollte diese Zeitung von Swissmem wissen. Die Antwort: «Diese Fragestellungen gehören nicht zu unseren Kernthemen.»
Einiges deutet indes darauf hin, dass das Thema viele Swissmem-Mitglieder beschäftigen dürfte. Vor allem kleinere und mittelgrosse Unternehmen könnten durch das schrumpfende Angebot an Vollversicherungen in Schwierigkeiten geraten. «Der Blick auf die KMU macht mir Sorgen», sagt Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands. «Viele haben nicht das nötige Know-how und die Ressourcen, um die Risiken im BVG zuverlässig einschätzen zu können.»
Doch immer mehr von ihnen dürften in Zukunft dazu gezwungen werden, sich mit dem Problem auseinanderzusetzen. Denn: Die berufliche Vorsorge ist für die Versicherer ein schwieriger Markt – und die angekündigte Neuausrichtung der Axa-Gruppe wirft ein grelles Schlaglicht darauf. (…)
Nach dem Ausstieg von Axa gibt es noch fünf Anbieter von Vollversicherungen: Swiss Life, Baloise, Helvetia, Allianz Suisse und Pax. Die Zurich hatte sich bereits 2003 auf das Angebot von teilautonomen Lösungen beschränkt. Martin Wechsler, ein profunder BVG-Kenner, äusserte die Vermutung, dass als Nächste wohl die Allianz Suisse – wie Axa mit einer ausländischen Konzernmutter – aus dem Geschäft mit Vollversicherungen aussteigen werde. Gemäss eigenen Aussagen wollen die verbliebenen Versicherer zumindest vorderhand an diesem Angebot festhalten.
Die Swiss Life hat als Reaktion auf den Entscheid der Axa eine Mitteilung publiziert, in welcher sie festhält, weiterhin Vollversicherungslösungen anzubieten. Die Gesellschaft schreibt:
Der Marktführer Swiss Life steht weiterhin für die unabdingbaren und umfassenden Garantien für die Schweizer KMU in der 2. Säule ein. Swiss Life ändert nichts an ihrem Angebot für Unternehmenskunden, zu dem auch die Vollversicherung gehört. Dies im Gegensatz zu AXA Schweiz, die zum französischen AXA-Konzern gehört und heute angekündigt hat, ab 2019 weder bestehenden noch neuen Kunden die Garantien der Vollversicherung zu gewähren.
Markus Leibundgut, CEO Schweiz von Swiss Life: «Die Vollversicherung ist und bleibt ein wichtiger Teil unserer Angebotsstrategie für Unternehmenskunden. Gerade für Unternehmen, die selber eine eingeschränkte Risikofähigkeit haben, ist dieses Angebot sehr wichtig. Diesen Kunden werden wir auch weiterhin unsere Lösungen, die nicht nur umfassende Sicherheit, sondern im langjährigen Vergleich auch sehr attraktive Renditen für die Versicherten bieten, zur Verfügung stellen.»
pw. Es war nicht zu erwarten, dass der Ausstieg der Axa aus dem Vollversicherungsgeschäft auf Gewerkschaftsseite auch nur einen Moment der Besinnung und Reflexion auslösen würde. Und so kommentiert GabrielaMedici, Zentralsekretärin beim SGB, denn auch diesen Schritt nur als Bestätigung für die Richtigkeit der Gewerkschaftspolitik mit dauernder Kritik an der Assekuranz. Was die KMU davon halten und wie sie diese Entwicklung trifft, interessiert beim SGB niemanden.
Keine Erklärung erhält man auch, weshalb denn die Axa trotz der angeblichen völlig überrissenen Millionengewinne das Geschäft nun plötzlich aufgibt. Die Argumentation wird nun einfach auf das Geschäft mit den teilautonomen Kassen gedreht. Auf Glaubwürdigkeit legt man beim SGB keinen Wert. Medici schreibt:
Der heutige Entschied der AXA, aus dem Geschäft mit Vollversicherungen auszusteigen, bestätigt die Kritik des SGB, dass die Vollversicherungslösungen der Lebensversicherungen für die Versicherten der beruflichen Vorsorge unattraktiv und in der Regel deutlich schlechter sind.
Die AXA erhofft sich mehr Gewinn mit teil-autonomen BVG-Lösungen. Sie behauptet, dies sei auch im Interesse der Versicherten. Für den SGB jedoch ist nach wie vor klar: Versicherte fahren besser, wenn sie bei anderen Anbietern der 2. Säule angeschlossen sind, die eben nicht gewinnorientiert sind. Die Versicherer betreiben ihr Geschäft gewinnorientiert. Sie verursachen durch eine minimale Verzinsung, überhöhte Risikobeiträge und hohe Verwaltungs- und Vermögenskosten enorme Geldabflüsse aus der 2. Säule. Für die versicherten Arbeitnehmenden fliesst dadurch viel Geld aus der beruflichen Vorsorge ab, welches für die Renten fehlt. Der SGB kritisiert, dass Versicherungsgesellschaften Profite aus der Durchführung einer Sozialversicherung ziehen – das ist systemfremd.
Der Rückzug von Axa aus dem vollen Anlagerisiko kommt nicht von ungefähr: Über die Jahre sind den Lebensversicherungen auch von bürgerlichen Politikern immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen worden. Die Wiederwahl ist wichtiger, als für ein nachhaltiges Vorsorgesystem zu sorgen. Die gesetzlich fixierten Umverteilungen von Jung zu Alt und von Reich zu Arm richten im Vorsorgesparen einen grossen, wachsenden Schaden an. Der gesetzliche Rentenumwandlungssatz von 6,8% ist eine Zumutung, der Jahrmarkt zur Fixierung des BVG-Mindestzinses ebenfalls.
Der Gewinn-Verteilschlüssel, die sogenannte Legal Quote, schränkt die Lebensversicherer schon seit Jahren ein und spiegelt das Misstrauen der Politik. Mit dem Ausstieg der Axa aus der BVG-Vollversicherung stellt sich jetzt mit neuer Dringlichkeit die Frage, wie das Alterssparen der KMU-Betriebe reorganisiert werden könnte. Die Lebensversicherer stehen je länger, je weniger bereit, Anlagerisiken auf ihre Bilanzen zu nehmen. Da fragen sich viele, wer es denn tun wird, wenn nicht sie.
Die Axa Winterthur unterstützt ihren Schritt aus der Vollversicherung mit ausführlichem Info- und Werbematerial auf ihrer Website. Die bisher vielgelobte Vollversicherung wird in Frage gestellt. So heisst es jetzt:
Eine Vollversicherung bietet hohe Sicherheit und deckt sämtliche Risiken wie Tod, Invalidität und auch das Anlagerisiko ab. Das hat allerdings seinen Preis: In der Vollversicherung muss das Kapital jederzeit zu 100% gedeckt sein. Dies bedingt eine sehr zurückhaltende Anlagestrategie, wodurch die Altersguthaben der Versicherten nur minimal verzinst werden können.
Aufgrund der steigenden Lebenserwartung müssen immer länger Renten bezahlt werden. Damit diese auch in Zukunft finanzierbar bleiben, ist eine deutlich höhere Rendite notwendig, als sie derzeit in der Vollversicherung erzielt wird. Teilautonome Lösungen hingegen bieten mehr Freiraum, um die Altersguthaben gewinnbringend anzulegen, da für sie weniger einschränkende Vorgaben gelten.
Axa Winterthur schreibt in einer Pressemitteilung:
Der grösste Schweizer KMU-Versicherer fokussiert künftig ganz auf teilautonome Lösungen und wird die für die Kunden zunehmend unattraktive Vollversicherung nicht mehr anbieten. Firmen und ihre Angestellten erhalten durch diese Neuausrichtung bessere Konditionen, gleichzeitig kann die Generationenfairness in der zweiten Säule erhöht werden.
Zur Begründung wird festgehalten:
Anhaltend tiefe Zinsen, eine zunehmende Umverteilung zulasten der Berufstätigen und ein enges Anlagekorsett führten bei der Vollversicherung in den letzten Jahren zu einem immer unvorteilhafteren Preis-Leistungs-Verhältnis für die Firmen und ihre Angestellten. Bereits in den letzten Jahren haben deshalb immer mehr Unternehmen ein teilautonomes Vorsorgeangebot gewählt. Zudem werden Vollversicherungspolicen von den Lebensversicherern branchenweit nur noch selektiv gezeichnet.
Die AXA und die zuständigen Stiftungsräte haben nun entschieden, künftig keine Vollversicherungen mehr anzubieten und die bestehenden Vollversicherungsstiftungen per Anfang 2019 in teilautonome Stiftungen umzuwandeln.
«Teilautonome Lösungen sind für unsere Kunden unter den veränderten Rahmenbedingungen flexibler, fairer und attraktiver. Mit der Umstellung können wir im Bereich der beruflichen Vorsorge wieder wachsen und den Schweizer KMU auch in Zukunft als starker Partner zur Seite stehen», sagt Fabrizio Petrillo, CEO der AXA Schweiz.
Aufgrund der weniger einschränkenden regulatorischen Vorgaben haben teilautonome Stiftungen bessere Möglichkeiten, um mit dem vorhandenen Sparkapital Ertragschancen für die Versicherten wahrzunehmen. Dadurch können die systemfremden Umverteilungen von der jüngeren zur älteren Generation und vom überobligatorischen in den obligatorischen Bereich eingedämmt werden.
Für die Firmen und ihre Angestellten wirkt sich dies positiv auf die Konditionen aus: Die Kunden der neuen teilautonomen AXA Stiftungen zahlen ab 2019 im Vergleich zur heutigen Vollversicherung durchschnittlich rund 30 Prozent tiefere Risikoprämien, und der Umwandlungssatz für das Überobligatorium kann stabiler gehalten werden als in der Vollversicherung, bei der weitere Reduktionen unumgänglich würden. Zudem ist wieder eine adäquate Verzinsung der überobligatorischen Guthaben möglich, was in der Vollversicherung nicht mehr der Fall war.
Kurt Speck geht in der Handelszeitung auf die Situation im Kollektivgeschäft der Versicherer ein.
KMU halten vermehrt Ausschau nach Alternativen in der beruflichen Vorsorge. Vor allem die kleinen Betriebe entscheiden sich in grosser Zahl für eine Vollversicherung. Allerdings: Einen Anbieter zu finden gestaltet sich zunehmend komplex. Mit Swiss Life, Allianz, Axa, Helvetia, Basler und Pax führen lediglich noch sechs Gesellschaften die Vollversicherung in ihrem Sortiment, und alle stehen bei der Neuaufnahme von Kunden auf die Bremse. Zurich und Mobiliar sind ausserhalb des BVG-Bereichs tätig. Generali hat sich bereits vor knapp 20 Jahren aus dem Vollversicherungsgeschäft verabschiedet.
Die Finanzmarktaufsicht Finma verweist im letzten Transparenzbericht zur beruflichen Vorsorge darauf, dass sich das Prämienvolumen mit Vollversicherungen innerhalb von 12 Monaten um 6 Prozent auf noch 23 Milliarden Franken vermindert hat. Das Fazit der Aufsichtsbehörde ist einigermassen alarmierend: «Dies zeigt die gesunkene Kapazität und Bereitschaft der Lebensversicherer, Neugeschäft in der Vollversicherung zu zeichnen.» Als Grund für die selektive Zeichnungspolitik der Versicherer wird die ungenügende Entschädigung für das notwendige Kapital zur Absicherung der Leistungsversprechen genannt. Im Klartext heisst das, nicht jedes Unternehmen, das eine Vollversicherung wünscht, kann diese im heutigen Markt erwerben. Seitens der Versicherungsgesellschaften wird damit argumentiert, der Regulator sorge mit überhöhten Kapitalanforderungen selbst dafür, dass die Messlatte für Neukunden höher angesetzt werde. (…)
Die Sonntagszeitung berichtet über das dahinschwindende Interesse der Versicherer am Kollektivgeschäft mit der Vollversicherung. Im Artikel heisst es:
Nachdem Anbieter wie die Zurich schon vor einigen Jahren aus diesem Bereich ausgestiegen sind, überlegt sich eine weitere Versicherung diesen Schritt. «Helvetia prüft zurzeit verschiedene Szenarien, um ihr Geschäft mit der beruflichen Vorsorge auch in Zukunft rentabel gestalten zu können. Dabei werden alle denkbaren Varianten geprüft», sagt Donald Desax, Leiter Berufliche Vorsorge bei Helvetia. Im Klartext heisst das, dass auch ein Ausstieg ein Szenario ist. Über 10 000 Betriebe sind bei der Vollversicherung der Helvetia angeschlossen.
Das Problem: Der Umwandlungssatz, der bestimmt, wie viel des angesparten Kapitals der zweiten Säule jährlich als Rente ausbezahlt wird, ist im Obligatorium der Berufsvorsorge mit 6,8 Prozent aus Sicht der Versicherer angesichts des Tiefzinsumfelds viel zu hoch. Um das Modell der Vollversicherung zu sichern, sei die Politik gefordert, innert kürzester Zeit eine Rentenreform auf die Beine zu stellen, sagt Desax. «Die Senkung des Umwandlungssatzes ist dringend und zwingend.»
Auch bei anderen Versicherungen rumort es. Monika Behr, Leiterin des Bereichs Leben bei Allianz Suisse, musste jüngst beim Mutterkonzern in München antraben, wie es in der Branche heisst. Thema war das Geschäft mit der Berufsvorsorge. Man stehe in regelmässigem Austausch mit der Allianz-Gruppe, auch zu den Herausforderungen im Lebengeschäft nach dem Nein bei der Abstimmung zur Altersvorsorge 2020, sagt ein Allianz-Sprecher. Ein Ausstieg aus dem Vollversicherungsgeschäft sei derzeit aber kein Thema. Wie ein Broker sagt, halten gewisse Versicherungen nur an dem Geschäft fest, um Unternehmen in einem Paket gleich auch Sach- und Haftpflichtversicherungen verkaufen zu können.