Brändli: “Die Glaubwürdigkeit der 2. Säule schwindet”
Die Sorge um die Einhaltung dieses schon lange nicht mehr zielführenden Regelwerks übertrifft inzwischen die Sorge für die Qualität der Vorsorge, schmälert systematisch die Ertragskraft der Kapitalien und treibt die Verwaltungs- und Kontrollkosten in schwindelnde Höhen. Daneben müssen die Pensionskassen eine stark wachsende Heerschar von Staatsdienern aushalten. Unter diesen Voraussetzungen verwundert nicht, dass die Glaubwürdigkeit der 2. Säule schwindet. Entsprechend war die Absicht des Gesetzgebers, im Bereich Governance einen Beitrag zur Vertrauensbildung zu leisten, anerkennungswürdig.
Die angesagten Verordnungen zur Strukturreform stellen auf der einen Seite die Stiftungsräte und ihre Pensionsversicherungsexperten kalt und öffnen auf der anderen Seite das Feld für Fehler der Aufsichtsbehörden vollständig. Gleichzeitig entfällt die bisherige Staatshaftung faktisch, da die selbständigen Anstalten nicht in der Lage sein werden, aus ihrem eigenen Vermögen grössere Schäden zu decken. Wer möchte unter diesen Voraussetzungen noch langfristig sparen und wer die Verantwortung für die Verwaltung der Sparkapitalien übernehmen?”
Unia: “ökosozialer Umbau der Schweiz” mit PK-Geldern
“Im Kern des Projekts steht ein Fonds, der ökosoziale Projekte der Unternehmen finanzieren soll. Der Fonds würde von Gewerkschaften, Arbeitgebern und öffentlicher Hand gemeinsam gesteuert. Innovativ daran ist: Das Kapital für den paritätischen Fonds käme nicht vom Staat oder von den Banken, sondern von den Pensionskassen. Das garantiert tiefe Kreditzinsen und entzieht Pensionskassengelder der Finanzmarktspekulation. Bedingung: Nationalbank, Bund oder eine andere Institution sichern das Kapital ab”, heisst es bei der Unia.
Rückgang des Betriebsergebnisses der AHV
Die AHV schliesst das Jahr 2010 mit einem Betriebsergebnis von 1’891 Millionen ab, auf einem deutlich tieferen Stand als im Rekordjahr 2009 (3’917 Millionen). Diese Differenz ist sowohl auf das rückläufige Umlageergebnis als auch auf ein gegenüber dem Vorjahr bescheideneres Anlageresultat, trotz einer doch erfreulichen Rendite auf dem Gesamtvermögen, zurückzuführen. Das Resultat aus der Versicherungstätigkeit (Umlage) trägt mit 644 Millionen und dasjenige der Anlagen mit 1’089 Millionen zum Betriebsergebnis bei. Das Umlageergebnis der IV (-882 Millionen) ist immer noch deutlich negativ, dennoch hält der seit einigen Jahren festgestellte Trend zur Verbesserung weiterhin an. Trotz eines ansteigenden Verlustvortrags haben sich die Zinslasten im 2010 aufgrund des aktuellen tiefen Zinsniveaus leicht verringert.
NZZ: “Das BSV und die Pensionskassen begraben Kriegsbeil”
“Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) und die Pensionskassen-Branche standen zuletzt auf Kriegsfuss. Streitgrund waren die Verordnungen zur «Strukturreform» des Gesetzes zur beruflichen Vorsorge (BVG), mit der das BSV das Vertrauen der Bürger in die zweite Säule steigern will. Branchenvertreter warfen der Behörde indessen «Regulierungswut» vor. Selbst sonst sehr besonnene Branchenvertreter fühlten sich vom BSV übergangen und stellten einen «Stilwandel» fest. Die Atmosphäre wurde zunehmend hitzig bis feindschaftlich. Nun besteht Hoffnung, dass die mit heisser Nadel genähten Regulierungsvorhaben des BSV im Sinne der Branche verbessert werden. So ist zu hören, dass die Sitzung der BVG-Kommission, die sich zu Gesetzesvorhaben im Bereich berufliche Vorsorge äussert, am 28.3.11 sehr positiv verlaufen sein soll”, schreibt Michael Ferber in der NZZ. Sein Artikel ist am 1. April erschienen …
NZZ: “PK der Stadt Zürich ringt mit Leistungsziel”
Die Pensionskasse der Stadt Zürich ist mit einem Deckungsgrad von 113,8 Prozent Ende Jahr recht gut gebettet, aber nicht so gut, um sich sorgenlos schlafen zu legen. Der Finanzvorsteher der Stadt, Martin Vollenwyder, erklärte an einer Pressekonferenz, als Folge der Finanzmarktkrise und der hartnäckig niedrigen Zinsen müsse einem drohenden finanziellen Ungleichgewicht rechtzeitig begegnet werden.
Anlass zur Sorge ist konkret, dass die Anlageerträge nicht mehr so reichlich fliessen wie vor Jahren. Damit aber das vom Arbeitgeber versprochene und in der Stiftungsurkunde festgeschriebene Leistungsziel – eine Rente von 60 Prozent des versicherten Lohns – erfüllt werden kann, sind Massnahmen nötig. Dem Gemeinderat soll der Vorschlag laut Vollenwyder noch vor den Sommerferien präsentiert werden, um die insgesamt sanfte Reform schon Anfang 2012 in die Tat umsetzen zu können.
Der Vorschlag zur Erhöhung der Sparbeiträge sieht für die Arbeitnehmer nach Alter abgestufte Zuschläge vor, wobei die Altersgruppen 25–29 Jahre und 64/65 Jahre ungeschoren davonkommen. Um einer (drohenden) Welle vorzeitiger Pensionierungen zuvorzukommen und die vor allem in der Altersgruppe 55–59 Jahre doch kräftige Erhöhung um 2,3 Lohnprozente abzufedern, sollen Überbrückungszuschüsse im Betrag von 6 Millionen Franken eingesetzt werden.
Towers Watson: Vorsorgeverpflichtungen der Schweizer Konzerne wieder besser abgedeckt
Die 30 bedeutendsten börsenkotierten Unternehmen der Schweiz haben für die berufliche Vorsorge per Ende 2009 Vermögen von 141,2 Milliarden Franken angehäuft. Die Vorsorgeverpflichtungen dieser Konzerne beliefen sich auf 160,4 Milliarden. Der Ausfinanzierungsgrad erreichte somit 88.0% – ein besserer Wert als im Vorjahr, weil sich die Vermögensanlagen teilweise vom Einbruch der Finanzkrise erholten und viele Firmen höhere Beiträge leisteten als versicherungstechnisch notwendig. Dennoch waren die Auswirkungen der Finanzkrise noch längst nicht ausgestanden, hatten die Konzerne Ende 2007 doch eine ausgeglichene Deckungssituation ausgewiesen. Immerhin hat sich die Lage der Schweizer Konzerne im Verlauf der Krise substantiell verändert: Lag deren Deckungsgrad der Vorsorgeansprüche vor der Finanzkrise unter demjenigen ausländischer Grosskonzerne, war er Ende 2009 deutlich höher.
„Für 2010 gehen wir von einer weiteren Verbesserung des aggregierten Deckungsgrades aus. Zwar sind die Diskontsätze um 0,3 bis 0,5% gesunken, was zu einer Erhöhung der bestehenden Verpflichtungen um rund 5% führt. Andererseits haben sich die Erträge aus den reservierten Vermögen besser entwickelt“, erklärt Peter Zanella, diplomierter Pensionsversicherungsexperte und Leiter der Vorsorgeberatung bei Towers Watson Schweiz. „Ein Deckungsgrad von rund 100% wie vor der Finanzkrise wurde jedoch auch 2010 noch bei weitem nicht erreicht“, ergänzt Pascal Wyer, Co-Autor der Studie und ebenfalls Pensionsversicherungsexperte bei Towers Watson.
SGK-S: Rentenalter der Frauen soll erhöht und die Rentenanpassung neu geregelt werden
Mit 8 zu 3 Stimmen bei 1 Enthaltung beschloss die Kommission, der parlamentarischen Initiative 10.524 Forster. AHV. 65/65 , welche eine Anhebung des Frauenrentenalters auf 65 fordert, Folge zu geben. Ebenfalls im Bereich der AHV beschloss sie mit 8 zu 4 Stimmen eine Kommissionsinitiative zur Anpassung der Renten an die Lohn- und Preisentwicklung. Die Kommission ist der Meinung, dass die AHV-Diskussion nach der Ablehnung der 11. AHV-Revision im letzten Herbst so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden soll. Anstatt die nächste grosse Revision wieder mit vielen umstrittenen Punkten zu belasten, sollte nun vielmehr versucht werden, Mehrheiten für einzelne Fragen zu finden.
NZZaS: Kosten alternativer Anlagen
Charlotte Jacquemart schreibt in der NZZ am Sonntag über die Kosten alternativer Anlagen, insbesondere der Hedge Funds, die in der Schweiz mittlerweile zum Politikum geworden sind. Dass Hedge Funds teuer sind, ist allerdings eine Binsenweisheit, entscheidend ist aber der Netto-Ertrag. Der Durchschnittsertrag über mehrere Jahre ist besser als bei Aktien seit 2000. Die politisch eingefärbte Diskussion verhindert eine objektive Diskussion. Verbesserte Angaben über die Anlagekosten werden mit der vom BSV in Auftrag gegebenen Studie erwartet, die im Mai publiziert werden soll und von der Firma c-alm, St.Gallen, ausgeführt wird.
Interview mit Yves Rossier zur Strukturreform-Vernehmlassung
Yves Rossier, Direktor des BSV, hat in einem Interview mit der NZZ Stellung bezogen zu den Kritiken an den Verordnungen zur Strukturreform. Rossier zeigt sich “überrascht” über die “harsche Reaktion der Branche” und angekündigt, dass “viele Bestimmungen” korrigiert würden. Keine Änderungen sollen dort erfolgen, wo es um Interessenkonflikte geht.
Die Aeusserungen Rossiers lassen erwarten, dass das BSV die verlangte und und auch mehr als gerechtfertigte grundsätzliche Neuausrichtung der Verordnungen nicht liefern wird. Die offensichtlichen fachlichen und konzeptionellen Mängel dürften – so ist zu befürchten – nur teilweise ausgemerzt werden.
IAS-Diskontsätze der PK-Kammer per 31.3.11
CS PK-Index: Q1 2011
Im 1. Quartal 2011 legte der Credit Suisse Pensionskassen-Index um 1,02 Punkte resp. 0,81% zu und liegt per 31. März bei 126,35 Punkten. Zum positiven Resultat haben der Januar mit 0,61% und der Februar mit 0,80% beigetragen, während der März ein Minus von 0,59% zu verzeichnen hatte. Die Performance Contribution zeigt, dass insbesondere die Kategorien Aktien Ausland (0,39), Immobilien (0,30), alternative Anlagen (0,14) und Fremdwährungsobligationen (0,10) zur positiven Rendite beigetragen haben.
Die BVG-Mindestverzinsung, ebenfalls ausgehend von 100 zu Anfang des Jahres 2000, legte im Berichtsquartal um weitere 0,5% resp. 0,68 Punkte auf den Stand von 137,39 zu. Die Differenz verringerte sich dadurch auf 11,04 Punkte.
In der Anlageallokation per 31.3.2011 fällt laut CS auf, dass die Liquiditätsquote (6,9%) erneut abgebaut wurde. Ebenfalls abgebaut wurden die Engagements in den Schweizer-Franken-Obligationen (25,7%) und Fremdwährungsobligationen (8,8%). Aufgebaut wurden die Engagements in den Kategorien Aktien Ausland (17,5%) und alternative Anlagen (5,0%). Die Schweizer-Franken-Quote befindet sich unverändert auf dem Niveau von Ende 2010 (78,2%). Die detaillierte Auswertung des Credit Suisse Schweizer Pensionskassen Index für das 1. Quartal 2011 wird in rund zwei Wochen publiziert.
CP Valaisanne: Trois ans et demi en appel contre l’ex-président
NZZ: “Wer weist das übereifrige BSV in die Schranken?”
Werner Enz behandelt in der NZZ die Reaktionen auf die Verordnungen zur Strukturreform. Er schreibt in seinem Kommentar: “Wenn es um die «Strukturreform» in der beruflichen Vorsorge, im Kern also um die Reorganisation der Aufsicht, geht, liegen zurzeit offenbar die Nerven blank. Falls Sozialminister Didier Burkhalter als zuständiger Departementschef nicht taub ist, dann hat er die geharnischte Kritik in der Vernehmlassung zur vom BSV ausformulierten Verordnungsänderung durchaus gehört. Statt aber sorgsam über die Bücher zu gehen, scheint es zurzeit im BSV starke Verfechter für ein Beharren auf dem Originaltext zu geben; es soll möglichst kein Jota geändert werden, meinen die Hardliner.”
Unter dem Titel “BVG-Strukturreform sorgt für rote Köpfe” fasst Enz die Kommentare einige der wichtigsten Akteure zusammen. Erwähnt werden ASIP, Konferenz der Kantonsregierungen, Arbeitgeberverband.
Petition Roger Rigo: Mitbestimmung der Rentner in den Stiftungsräten
Inhalt der Petition: Die Petition umfasst drei Forderungen:
1) Die Rentnerinnen und Rentner sollen in das oberste, paritätisch zusammengesetzte Organ ihrer Pensionskasse wählbar sein.
2) Die Rentnerinnen und Rentner sollen das Recht erhalten, Vertreterinnen und Vertreter in das oberste paritätische Organ zu wählen.
3) Das Präsidium des obersten paritätischen Organs soll abwechselnd von der Seite der Arbeitgeber und jener der Arbeitnehmer und Rentner wahrgenommen werden.
Antrag der SGK: Die Kommission beantragt mit 8 zu 1 Stimmen bei 1 Enthaltung, der Petition keine Folge zu geben.
Rolf Jufer: Vorsorgeverpflichtungen werden überprüft
Rolf Jufer, der ab 1.7.11 bei Mercer neu als Client Leader Schweiz wirken wird, hat sich in einem Interview der Handelszeitung zu aktuellen Fragen der BV sowie zu seiner Person geäussert. Gefragt wurde er, wo die Arbeitgeber der Schuh am meisten drücke. Dazu Jufer: “Bei grossen internationalen Unternehmen sind die globalen Vorsorgeverpflichtungen das Thema mit der grössten Aufmerksamkeit. Um dieses wachsende Problem zu entschärfen, haben führende Unternehmen das Ziel, die zukünftigen Vorsorgepläne als reine Sparpläne mit Kapitalleistung zu gestalten. Dies natürlich unter Berücksichtigung der lokalen Gesetzgebung. Pensionskassen in der Schweiz werden sich vermehrt der Kosten für die Vermögensverwaltung annehmen müssen, da das Preis/Leistungs-Verhältnis noch nicht bei allen Dienstleistern stimmt.”


