Die Leitplanken: Reduzieren des privaten Wohnraums zugunsten von Gemeinschafts- und Begegnungsorten. Bald stiessen weitere Interessierte dazu. Aus einer losen Gruppe Gleichgesinnter entstand 2008 zunächst ein Verein und 2010 die Genossenschaft Zusammen_h_alt.
Abendrot übernahm die Finanzierung und den Bau. Die Genossenschaft brachte ihre Vision eines «Dorfs im Haus» ein: kleine, flexible Wohnungen und grosse gemeinschaftliche Räume, viel Platz für Begegnung. In Workshops, Retraiten und Versammlungen entstand ein detailliertes Raum- und Nutzungskonzept, das mehr als Wohnen vorsah – eine «soziale Infrastruktur», wie es Abendrot nennt.
Dazu zählen 75 Wohnungen unterschiedlicher Grösse, ergänzt durch Bibliothek, Gemeinschaftsküche, Gästezimmer, Plattform, Musikzimmer, Waschsalon, Dachterrassen und vielem mehr. «Das Nebeneinander von gemeinschaftlichem Alterswohnen und Hochschulbetrieb stellte eine planerische Herausforderung dar – und zugleich eine Chance, Vielfalt auf engem Raum zu realisieren.», sagt Tina Puffert, Projektleiterin bei Abendrot.
Heute wohnen 96 Menschen zwischen Anfang 50 und über 80 im Haus. Die Vielfalt ist gross: Berufstätige treffen auf Pensionierte, Ruhesuchende auf Gesellige. Platz hat es für beides. «Ich wollte nicht in einer betreuten Wohnform landen, aber auch nicht allein», erzählt Bewohnerin Sylvia Felix.
«Hier bin ich Teil einer Gemeinschaft, ohne meine Unabhängigkeit aufzugeben. Und es ist beruhigend zu wissen, dass jemand hinschaut, wenn man länger nicht aus der Wohnung kommt.»
Für viele war der Einzug ein grosser Schritt: Ein Grossteil der heutigen Bewohnerinnen und Bewohner lebte zuvor in Einfamilienhäusern und hat grosszügigen Wohnraum gegen deutlich kleinere Wohnungen eingetauscht.
Dies verlangte Loslassen – bot aber auch die Chance, Neues zu gestalten. «Wir müssen uns im Alter erlauben, unser Leben nochmals neu zu betrachten und zu entwickeln», meint Gründungsmitglied Peter Hajnoczky.»