Michael Ferber beschäftigt sich in der NZZ mit der Finanzierung von Hypotheken nach der Pensionierung. Er schreibt:

Aus Sicht von Damian Gliott, Mitgründer des Finanzberatungsunternehmens Vermögenspartner, ist die Höhe der Hypothek für die meisten Immobilienbesitzer nach der Pensionierung kein Problem. Dafür sorge die Pflicht zur Amortisation. Viele Hauseigentümer profitieren auch davon, dass die Preise vieler Immobilien in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind.

Anders sieht es bei der Tragbarkeit aus. «Die kalkulatorisch berechneten Wohnkosten dürfen auch im Alter nicht mehr als einen Drittel des Bruttoeinkommens betragen», sagt Gliott. Nach der Pensionierung verschlechtere sich aber zumeist die finanzielle Situation. Hinzu kommt, dass Finanzhäuser bei der Tragbarkeit nicht mit Marktzinsen, sondern mit langfristigen Werten rechnen. Die kalkulatorischen Zinsen sind folglich höher. Laut Beobachtern legen die meisten Finanzinstitute ihren Berechnungen kalkulatorische Zinsen in Höhe von 4,5 bis 5% zugrunde.

«Die Banken informieren ihre Kunden oft relativ spät und gehen davon aus, dass diese über die Regeln der Amortisation und der Tragbarkeit Bescheid wissen», sagt Reto Spring, Präsident des Finanzplaner-Verbands Schweiz. In der Praxis setzen sich aber viele Hypothekarkundinnen und -kunden zu wenig mit der Thematik auseinander. So kann es vorkommen, dass sie in bereits fortgeschrittenem Alter kalt erwischt werden.

Hinzu kommen die kalkulatorischen Unterhaltskosten von rund 1% des Immobilienwerts. Hat man also beispielsweise bei der Pensionierung Hypothekarschulden im Volumen von 650 000 Fr. und kalkuliert der Kreditgeber mit einem kalkulatorischen Zins von 4,5%, so kommt man auf 29’250 Fr. Hinzu kommen Unterhaltskosten von 10’000 Fr. Dies bedeutet, dass der Hypothekarschuldner ein Einkommen von 117’750 Fr. im Alter haben sollte, um die Immobilie weiter finanzieren zu können.

  NZZ