Josef Bachmann, früherer Geschäftsführer der PwC-Pensionskasse, neuer Präsident der IZS und unermüdlicher Streiter für flexible Renten, hat in der Schweizer Personalvorsorge seine Ideen für eine “faire Reform” der 2. Säule skizziert. In einem Begleitschreiben zu seinem Artikel heisst es:

Jetzt wird’s ernst. Ein halbes Jahr nach der Ablehnung der Reform AV2020 durch das Volk, hat der Bundesrat den Sozialpartnern eine Frist von einem Jahr gesetzt. Innerhalb dieser Frist müssen sie einen gemeinsamen Vorschlag für die Sanierung der beruflichen Vorsorge vorlegen.

Das wird eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Die Politiker sind gefangen im Links- / Rechtsdenken und im Herbst 2019 stehen Parlamentswahlen an. Also ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für wirksame aber unpopuläre Massnahmen, die auch unseren Kindern und Grosskindern faire Rahmenbedingungen für ihre Altersvorsorge sicherstellen würden.

Die Zeichen stehen auf Sturm. Der Ausstieg der AXA aus dem Vollversicherungsgeschäft ist ein weiteres ernst zu nehmendes Zeichen für die Dringlichkeit einer grundlegenden Sanierung. Es genügt nicht mehr, den Rost zu übermalen. Eine eigentliche Erneuerung ist überfällig.

Der schwerwiegende Systemfehler muss korrigiert werden: Leistungen können nicht garantiert werden, wenn man über die dafür notwendigen Einnahmen nicht die geringste Ahnung hat! Das kann nicht funktionieren. Ebenso wenig ist das heutige Rentenniveau haltbar ohne Anpassung der Rentendauer. Und noch mehr Geld einschiessen ohne echte Sanierungsmassnahmen macht aus der 2. Säule ein Fass ohne Boden.

Der logische Ablauf für die Reform der beruflichen Vorsorge ist:

• Besinnung auf die Ausgangslage, die „Grundspielregel“ der 2. Säule: Die Finanzierung erfolgt individuell im Kapitaldeckungsverfahren, d.h. jeder zahlt zusammen mit dem Arbeitgeber für sich in die Pensionskasse ein.

• Daraus folgt: Die Altersrenten basieren auf den gegebenen Rahmenbedingungen von Lebenserwartung, Anlagerendite und Teuerung. Im Vordergrund muss für die Renten die Anpassung an die Kaufkraft stehen.

• In einem fairen Deal zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern sind Arbeitsplätze auch für die Generation 65+ zur Verfügung zu stellen. So können Arbeitnehmer durch ihre Wahl des Rücktrittsalters entscheiden, ob sie mehr Rente oder mehr Freizeit wollen.

Die Stimmbürger müssen über den Zustand der 2. Säule und die notwendigen Sanierungsmassnahmen informiert sein. Dann kann die Reform in mehrheitsfähigen Schritten umgesetzt werden.

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